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Alkohol in der Schwangerschaft trinken

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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Jujani
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Alkohol in der Schwangerschaft trinken

Beitrag von Jujani » 21.01.2007, 23:09

Hallo,
ich möchte einfach mal meine Geschichte aufschreiben, weil ich finde diese Form von Alkoholschädigung ist noch so wenigen bekannt und gerade die betroffenen Kinder und Erwachsene haben wenig Lobby.
Wir haben vor 17 Jahren einen kleinen Jungen als Pflegekind in unsere Familie aufgenommen. Bekannt war uns, dass beide Eltern Alkoholprobleme haben. Der Junge sah ganz gesund aus, vielleicht etwas zu klein und in der Entwicklung zurück, aber geistig völlig normal.
Mit der Zeit wurde es aber dann schwierig mit ihm. Er war sehr unruhig, konnte sich schlecht konzentrieren, bekam unkontrollierte Wutanfälle, oder lachte dann, wenn es garnicht angebracht war. Auch in der Schule gab es nur Ärger mit ihm. Wir haben ihn dann in einer Kinder-und Jugendpsychiatrie untersuchen lassen und bekamen die Diagnose ADHS(im Volksmund Hyperaktiv). Mit Medikamenten und den richtigem Verhalten unsererseits ging es dann ganz gut. Als er älter wurde, wurden seine Probleme gravierender.
Wir haben ihn im Alter von 18 Jahren nochmal untersuchen lassen
bei einem Arzt der sich auf alkoholgeschädigte Kinder und auch Erwachsene spezialisiert hat. Dort dann die niederschmetternde Diagnose, die wir längst geahnt hatten. Unser Sohn hat eine geistige Behinderung, er wird nie alleine für sich sorgen können, wir als Pflegefamilie können es auch nicht mehr. Jeder Schritt, den er alleine macht, kann bedeuten, dass er wieder trinkt, kifft, kriminell wird, oder sonst was. Nun wird er in eine Einrichtung mit geistig Behinderten müssen. Wahrscheinlich dort sein ganzes Leben verbringen, wird vielleicht nie eine Familie gründen können, immer wird jemand dasein müssen, der ihn bei seinen Tagesablauf zur Seite steht, weil er ihn alleine nicht bewältigt kriegt. Eine normale Ausbildung ist nicht möglich. Nie wird er für sich selber sorgen können, weil er nahezu untherapierbar ist. Im Gehirn sind Zellen abgestorben, die niemand ersetzen kann.
Und das schlimme, es wäre wahrscheinlich ein ganz normaler Junge geworden, wenn er nicht schon vor seiner Geburt mit Alkohol abgefüllt worden wäre, vielleicht auch weil seine Mutter nie Hilfe angeboten bekommen hat oder sie nicht wollte. Ich bin sicher, dass die leibl.Mutter nicht mit Vorsatz ihr Kind schädigen wollte, aber bestimmt war es ihr klar, dass Saufen und Schwangerschaft nicht vereinbar sind. Die Folgen trägt das Kind und das ein Leben lang. Auch für uns als Pflegeeltern ist es hart. Wir haben diesen Jungen 16 schwierige Jahre aufgezogen, geliebt und uns trotzdem oft anhören müssen, unsere Erziehung wäre nicht optimal, sonst würde der Junge ja nicht so sein. Unser Wunsch war es, aus ihm einen glücklichen, zufriedenen Menschen zu machen, der seinen Weg geht und dem das Schicksal erspart blieb, bei seinen alkoholkranken Eltern aufzuwachsen. Nun sind diese Träume zerplatzt und wir können nur hoffen, dass er trotzdem auf seine Weise glücklich und zufrieden wird.
Falls es jemanden interessiert, die Krankheit heißt Das Fetale Alkoholsyndrom kurz: FASE
Ich habe diesen Beitrag deswegen geschrieben, weil sehr oft die Folgen der Alkoholkrankheit beschrieben werden, die körperlichen, die Probleme in der Partnerschaft im Beruf und auch Kinder, die mit alkoholkranken Elternteilen leben müssen,Hilfe und Zuspruch bekommen. Mir war es ein Bedürfniss auch mal diese Folgen vom Alkohol zu schildern und ich wünsche mir, dass viel mehr Aufklärung betrieben wird, schwangeren Frauen mehr Hilfe angeboten wird und es hoffentlich immer mehr Kinder gibt, die selber entscheiden können wann und ob sie Alkohol trinken wollen und nicht als ungeborenes zwangsweise mittrinken müssen.
liebe Grüße Jujani

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