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Nur kleine Schritte zum eigenen Leben...

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Kerstin1978

Nur kleine Schritte zum eigenen Leben...

Beitrag von Kerstin1978 » 21.01.2007, 23:47

Hallo zusammen,

da ja nun einige Neue hier im Forum sind, kurz noch mal ein Ausschnitt aus meinem Leben: Ich bin 28, habe eine 3jährige Tochter und einen Vater, der säuft, seit ich denken kann. Zwischenzeitlich gab es bei mir die Phasen Verzweiflung, weil ich ihm nicht helfen konnte, und dann wiederum, weil er mich in seinen Klauen hat.
Durch dieses Forum hier habe ich begriffen, dass dies so nicht weiter gehen kann. Zumal er schon meiner Tochter zweimal seelisch weh getan hat.
Ich habe mir auch schon einige Dinge vorgenommen und auch in die Tat umgesetzt, aber in meinen Augen ist das leider alles recht schleichend. Manchmal würde ich am liebsten alles Stehen und Liegen lassen, meine Tochter schnappen und das Weite suchen - für einen Neuanfang.
Mein Vater heisst mit Zweinamen uneinsichtig, und das ist auch meine Mutter. Bisher bin ich LEIDER noch in dem Trott drin, dass ich jeden Sonntag zu meinen Eltern zum Essen gehe. Immerhin habe ich es zeitlich eingegrenzt, d.h. ich bin dann nicht wie früher schon um 10 Uhr da, sondern erst gegen 13Uhr. Dann kommt mein Vater vom Frühschoppen und es ist Essenszeit. Alles richtet sich nach seinem Kommando !
Danach bin ich mit meiner Tochter und meiner Mutter spazieren gegangen. Da habe ich sie ein wenig provoziert, einfach um zu sehen, ob sie denn gehen würde, wenn sie in ihren Augen die Möglichkeit hätte.
Habe ihr gesagt, dass ich sie sofort zu mir holen würde, wenn ich im Lotto gewonnen hätte und mir ein schönes großes Haus kaufen könnte.
Ihre Antwort: "Hach, was wäre das alles soooo schön! Aber ich will nicht, dass er einem von Euch etwas antut." Das weitere Gespräch könnt Ihr Euch denken... .
Ich meine, es gibt doch Möglichkeiten.....aber sie kapiert es einfach nicht. Stattdessen will sie es aushalten, bis mein Vater eines Tages den Löffel abgibt.

Leider bin ich derzeit noch ein wenig abhängig von meinen Eltern.....denn als Alleinerziehende kann ich mir weder einen Ganztags-Kindergartenplatz leisten und schon gar keinen Babysitter, der meine Kleine nach dem KiGa abholen könnte.

Es ist soooo zum ko... !!!

Ich habe mir schon nen Plan gemacht, an welchen Tagen wir wie viele Stunden bei meinen Eltern sind.

Was mich am meisten nervt, ist die Tatsache, dass allesamt annehmen, es gehe alles nach Schema F weiter. Z.B. bin ich an zwei Tagen in der Woche erst zwischen 18 und 20 Uhr zuhause. D.h. meine Tochter ist nach dem KiGa an diesen beiden Tagen bei meinen Eltern.
Komme ich zu meinen Eltern, um meine Tochter abzuholen, steht das Essen auf dem Tisch....damit ich auch noch was essen kann.
Und warum ? Weil ich meine Tochter sonst gleich mitnehme und verschwinde und mein Vater dann wieder Terz macht...ich wolle ihm die Kleine wegnehmen.....

Ich glaube, nein ich bin fest davon überzeugt, dass ich konsequenter sein muss !!!

Es nervt momentan alles nur noch...diese Erwartungshaltung meiner Eltern, diese Teil-Anhängigkeit...dieser ganze Mist einfach,,,,

Kerstin

girasol

Beitrag von girasol » 22.01.2007, 21:26

Hallo kerstin,
danke dir für den Ausschnitt aus deinem Leben.
Geduld-ist es das nicht was wir alle üben sollten???Ja,auch mir gehen die Veränderungen oft zu langsam.Vielleicht deshalb weil ich sie möchte und vorantreibe,der "Rest"aber gar nicht unbedingt begeistert ist oder einfach ein eigenes Tempo hat oder sich auch gar nicht bewegen möchte.
Mein Vater hat sich zum Teil schon manchmal einsichtig gezeigt.....bis ich dann feststellte das er nur so tut und mir tatsächlich so vieles übelnimmt,mit dem ich nur versucht hatte mich ihm verständlich zu machen.Ich habe immer wieder gedacht er würde irgendwann mal etwas von dem verstehen was in mir vorgeht.
Ich bin eben wieder dabei zu üben,nicht für alles zuständig zu sein.z.B.beginnt er morgen eine Langzeittherapie und wir hatten ihm gefragt ob er zuvor nochmal zu uns kommen möchte.Darauf gab´s ausweichende Antworten(und ich hab mich über ihn gäergert)und gestern einen Spruch auf dem AB er würde sich melden.Na gut,also sag´ich mir wenn er sich entscheidet nicht zu kommen dann eben nicht und will mich nicht weiter ärgern.

In der Tat bist du inder komplizierten Situation auf deine Eltern für die Betreuung deiner Tochter angewiesen zu sein.
Du hattest die Idee eines Neuanfanges....gibts dazu eine Möglichkeit?Oder vielleicht schaust du dich mal nach "Wahlgroßeltern"um?ich habe eine Bekannte die solche gefunden hat nachdem sie den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen hatte....
Ich wünsche dir Kraft und Raum um Aufzutanken und immer wieder für dich passende Lösungen zu finden!!!!!!

viele Grüße
girasol

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 22.01.2007, 21:45

Hallo Girasol,

vielen Dank für Deine Antwort.
Ja, irgendwie geht mir das alles zu langsam. Und es nervt mich auch stets, dass meine Mutter sich bei mir über ihre Situation belagt, aber nichts dagegen unternimmt. Habe ihr am Sonntag dann gesagt, dass mich das alles nicht mehr interessiert. Auf meinen Kommentar hin, dass ich mir von meinem Vater nicht mehr reinreden lasse, erntete ich nur sowas wie einen spöttichen Blick, nach dem Motto "wenn Du glaubst, dass das hilft...."
"Wahlgroßeltern" ist sicherlich ne Idee, kann ich aber meiner Tochter nicht antun, denn sie liebt Oma und Opa heiss und innig. Ich würde meiner Tochter weh tun damit.
Ein weiterer Punkt ist, dass ich mit meiner Kleinen plane für zwei Wochen an die See fahren möchte. Habe auch ein supergünstiges Angebot gefunden. Die Strecke mit dem Auto sind zwar etwa 750 Kilometer einfach, aber ich habe auch nicht vor, das an einem Stück durchzufahren... . Als ich meiner Mutter davon erzählte, meinte sie nur, ob ich mir das wirklich antun wolle....aber lediglich aus dem Hintergedanken, dass sie es mir nicht zutraut, mit dem Auto ne längere Strecke zu fahren (ich habe ja auch erst seit fast 10 Jahren den Führerschein). Dabei will sie mich auch nur in meinem Vorhaben bremsen, weil mein Vater schätzungsweise eh dagegen ist, dass ich alleine mit meiner Tochter weg fahre....in seinen Augen steckt bei solchen Aktivitäten ja immer ein Mann dahinter....

Es ist einfach nur furchtbar....sage ich, ich gehe meinen eigenen Weg, erntet man Blicke und Kommentare, die man gar nicht hören will.
Meine Mutter selbst findet die Situation unerträglich, aber mich will sie quasi zurückhalten, auch wenn sie offiziell immer meint "Geh ruhig Deinen eigenen Weg....", aber im nächsten Moment redet sie einem ein schlechtes Gewissen ein "Wenn Ihr sonntags da seid, kann ich aufatmen..."
Ich weiss ehrlich nicht, wohin das noch führen soll...

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 22.01.2007, 21:56

Hallo Baggerschen,

Du hast vollkommen Recht....aber aus einer eingefahrenen Situation herauszukommen, ist nicht gerade einfach. Ich bin ja quasi selbst schuld, weil ich anfangs (bin ja seit Geburt meiner Kleinen allein erziehend) froh war, dass ich wenigstens tagsüber jemanden hatte, der mir das ein oder andere abnehmen konnte. Kind hatte ne 3Monats-Kolik, die meine Lütte natürlich auf 4 Monate ausweiten musste. Ich war die ersten 4 Monate jeden Tag bei meinen Eltern....damit habe ich sie wohl zu sehr verwöhnt.

Dass ich Verantwortung für mein Kind habe, ist mir stets bewusst. Umso unerträglicher ist für mich die Situation gewesen, dass "er" meiner Kleinen weh getan hat. Ich kann mich genauso dran erinnern, als er mir an den Kopf geworfen hat "aus Dir wird eh nichts..."

Wenn man aber sonst niemanden hat, dem man seinem Kind anvertrauen kann, so ist es schwierig, das Kind mal anderweitig unterzubringen. Dass ich anfangs nur bei meinen Eltern gehockt hatte, hat zur Folge, dass ich kaum Kontakt zu anderen Müttern habe. Das fängt jetzt erst so mit dem Kindergarten grade an.

Ich könnte mir selbst in den Hintern treten, dass ich meine Tochter diesen beiden Situationen ausgesetzt hatte... Allerdings habe ich mir nun vorgenommen, dass ich sofort einschreiten werde, wenn es wieder darauf hinausläuft. a) ich mach mir Luft und sag ihm meine Meinung und b) gehe ich mit meiner Tochter sofort nach Hause.
Vielleicht merkt dann mein Vater, dass ich es ernst meine, aber auch meine Mutter.

Ich habe immerns unter der Situation gelitten, meine Kleine muss nicht das gleiche erleiden. Da hätte ich auch bei meinem Ex bleiben können... .

Werde jetzt mal hier in der Gegend schauen, was es an Beratungen für Co´s gibt...

girasol

Beitrag von girasol » 22.01.2007, 22:20

Hallo Kerstin,

ich meine auch nicht dass du deinen Eltern das Kind entziehen sollst.Auch du würdest Entlastung finden wenn du die Betreuung,und wenn es zu einem Teil wäre,noch anders organisieren könntest!Vielleicht findest du andere in ähnlicher Situation und ihr könntet euch austauschen??I
Ich frage mich einfach warum du nicht "Himmel und Hölle"in Bewegung setzt um eine bessere Situation für euch beide zu bekommen?Warum willst du das weiter aushalten??Ich stelle es mir beleibe nicht einfach vor aber du brauchst Unterstützung und Lebens-raum!!!!
Die Idee ´ne Beratung für Co´s zu suchen ist schon klasse!

Ich finde auch wichtig,was Baggerschen zu bedenken gab:wie wäre es wenn deine Mutter deine Tochter bei dir betreut????Zu ihrem Schutz?
Meine Kindern mögen den Opa auch sehr,obwohl ich nicht kapiere warum aber ich würde sie niemals mit ihm allein lassen....das traue ich ihm nicht zu und habe auch andere berechtigte Befürchtungen.

Dein Urlaubsplan klingt gut,möchtest du schon bald los?Laß dich bloß von deinen Eltern nicht davon abbringen!Ich weiß wie das ist und konnte -gott sei dank-immer mein Ding machen und habe jetzt liebe Schwiegereltern,die gern die Kinder betreuen und denen ich vertraue.

Dir einen guten und ruhigen Abend!
übrigens....unsere Tochter wird im Mai auch 3 und der "Große" 6Jahre alt :P

girasol

Skye

Beitrag von Skye » 23.01.2007, 12:00

Hallo Kerstin,

warum gehst Du überhaupt jeden Sonntag zu Deinen Eltern? Für mich macht das in Bezug auf Deine Konsequenz keinen Unterschied, ob Du nun um 10.00 oder um 13.00 Uhr gehst. Da ist Da…… Du schreibst selbst Du hast sowenig Zeit mit Deiner Tochter und teilst Du sie mit Deinem betrunkenen Vater? Ich verstehe es nicht.
Laß ihn doch toben. Wenn Deine Mutter nicht geht ist das ihr Problem. Ihr versucht Euch gegenseitig vor den Folgen des Saufens Deines Vater zu schützen. Das einzige was ihr dabei erreicht ist, daß er in Ruhe trinken kann und es Euch schlecht geht. Ist es das was Du willst? Laß ihn doch und wenn er droht, ruf die Polizei. Laß ihn doch endlich mal die Konsequenzen seines Handelns spüren.

Du selbst hast unter Deinem alkoholkranken Vater gelitten. Ich weiß selbst wie es ist als kleines Kind einen betrunkenen Erwachsenen um sich zu haben, mit sorgloser Kindheit würde ich das nicht beschreiben. Warum tust Du Deiner Tochter das gleich an, was Dir widerfahren ist? Gibt es keine andere Möglichkeit für diese zwei Tage, muß Deine Tochter das genauso leiden wie Du als Kind?

Warum rechtfertigst Du Dich Deiner Mutter gegenüber? Du bist erwachsen, wenn Du 750 km am Stück fahren willst, dann fährst Du sie eben auch am Stück. Was geht sie das an, ob Du Pausen machst oder nicht? Denn ihre Zurückhaltung scheint mir nicht wirklich von Sorge um Dein Wohl geprägt zu sein. Eher um Ihres, wenn Du mit Deiner Tochter nichts als Puffer zur Verfügung stehst. Wenn Du Urlaub machen willst, mach ihn. Ich habe das Gefühl Du brauchst für Dich und Dein Wohlbefinden noch die offizielle Erlaubnis Deiner Mutter um wirklich in Ruhe fahren zu können. Du hast Dein Leben und Deine Mutter Ihres. Du bist dafür verantwortlich, daß es Dir gut geht und sie dafür, daß es ihr gut geht.

Solange Du Deiner Mutter die Unterstützung entziehst in Bezug auf Deinen Vater wirst Du von keine Zustimmung erhalten, erwarte nicht das das auf Gegenliebe stößt. Du darfst nur dann Deinen Weg gehen, wenn es der gleiche wie der Deiner Mutter ist. Die einzige die etwas ändern kann bist Du.

Die erste auf die Du Rücksicht nehmen musst ist Deine Tochter, dann kommst Du selbst und für den unwahrscheinlichen Fall, daß dann noch was über ist, kannst Du Rücksicht auf Deine Eltern nehmen. Wenn Du auch meinst Du kannst das schon irgendwie aushalten, denk an Deine Tochter, die kann das nicht.

Vielleicht erscheinen Dir meine Worte hart, aber ich weiß wie es als Kind ist und kann das was Du schreibst nicht guten Gewissens unkommentiert lassen. Ich habe als Kind alles 14 Tage bei meinem alkoholkranken Vater verbracht. Wir haben immer meine Großeltern besucht, er ebenfalls Alkoholiker, sie eine überdominate Co. Das sind Erfahrungen, die ich nicht hätte haben müssen. Eine glückliche Kindheit sieht anders aus…..

Gruß
Skye

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 23.01.2007, 22:15

Hallo zusammen,

zunächst einmal ein herzliches Dank an Euch alle für Eure Antworten !

Ein weiterer Fakt ist: Heute habe ich von meiner Chefin das okay bekommen, dass ich die drei Wochen Urlaub nehmen kann, wie ich möchte (geht ja auch nicht anders, denn der Kindergarten hat zu und zu meinen Eltern will ich sie in der Zeit nicht geben). D.h. wiederum: Ich habe den Urlaub - 2 Wochen in Stralsund - heute dingfest gemacht. Davon bringt mich keiner mehr ab. Auch meine Mutter hätte mich nicht davon abbringen können...wegen der "langen Strecke".
Auch die dritte Urlaubswoche werde ich mit meiner Kleinen zwar mal meine Eltern besuchen, die Betonung liegt auf "mal".
Das Problem mit der Betreuung nach dem Kindergarten gestaltet sich momentan schwierig. Denn ich habe derzeit noch nicht den großen Kontakt zu anderen Eltern UND ich habe die Erfahrung gemacht, dass alle Weibchen ruckartig ihre Männchen an sich krallen, wenn sie erfahren, dass ich allein erziehend bin und ohne Partner. Fragt mich nicht waru, denn ich stürze mich auch nicht auf alles, was männlich ist, nur weil ich keinen Partner habe.
Einen Babysitter kann ich mir auch nicht leisten. Dazu verdiene ich zu wenig.
So langsam beginnt aber auch meine Tochter (endlich!) Freunde zu finden, d.h. früher oder später wird sie auch mal nachmittags bei nem Freund/ner Freundin sein, von wo ich sie dann nach der Arbeit abhole. Und wenn dies an den beiden Nachmittagen sein soll, wenn meine Mutter sie abholt, dann ist es eben so. Und wenn mein Vater anfängt zu toben, ist das nicht mein Problem.
Sollte meine Mutter die nächsten Tage wieder mit dem "ach, wie wäre es so schön, wenn...."-Thema anfängt, werde ich ihr direkt ins Gesicht sagen "Dann geh und lebe Dein Leben. Ich will mit dem Terz nichts weiter zu tun haben."

Ihr habt vollkommen recht, dass ich meine Tochter vor alldem schützen muss !!! Es ist nur schwierig für mich aus diesem gewohnten Trott herauszubrechen...weiß auch nicht, warum.

Achso, was das Thema angeht, dass meine Mutter meine Tochter bei mir zuhause betreuen kann. Tja, dazu kann ich nur sagen, dass sie sich nicht traut. Mein Vater hat etwas dagegen....und die ganze Leiher. Wenn ich z.B. mal unter der Woche abends Elternabend habe, habe ich zum Glück meinen Bruder, der sich den Abend dann frei nimmt. Aber das kann er auch nicht immer... .

Ich habe mir heute nacht einen Plan aufgestellt...montags, dienstags, freitags und samstags ist Opa-frei....mittwochs und donnerstags holt meine Mutter die Lütte vom Kindergarten ab. Für gewöhnlich hat meine Mutter dann immer gekocht, damit ich noch etwas essen konnte. Dies werde ich einstellen, werde meine Tochter gleich mitnehmen, wenn ich nach der Arbeit zu meinen Eltern gehe. Und sonntags werde ich auch mehr auf den Spielplätzen, etc. herumgeistern als bei meinen Eltern aufzukreuzen.
Und es ist mir jetzt shit-egal, wie sehr mein Vater dann herumtobt oder wie meine Mutter reagiert. Denn wenn es nach deren Willen ginge, würde ich noch mit 40 so leben wie jetzt.
ICH kann mein Leben nicht darauf ausrichten, dass meinem Vater früher oder später etwas passiert...
Und wenn es gar nicht anders geht...muss ich eben doch von hier fort.

Wisst Ihr, ich finde es nur eine absolute Ungerechtigkeit !! Ein Beispiel: Ich war von Samstag auf Sonntag mit meiner Tochter bei meinem damaligen Freund (ist jetzt etwa ein Jahr her). Hatte aber vorher meinen Eltern bescheid gesagt, dass ich nicht kommen werde. Sonntag morgen sah ich auf mein Handy (hatte es angelassen, aber auf lautlos)..da waren weiß nicht wie viele unbeantwortete Anrufe.
Ich mir wieder Riesen-Gedanken gemacht...dann rief ich bei meinen Eltern an (es hätte ja auch etwas passiert sein können, zumal mein Bruder zu der Zeit stets abends unterwegs war). Meine Mutter war dran und meinte mit weinerlicher Stimme (an ihrem Ton konnte ich aber so´n Unterton "musstest Du uns das antun?" feststellen), dass sie jetzt nicht reden kann. Ich mich also ins Auto gesetzt und losgefahren...da hagelte es auf meinem Handy SMS´. Mein älterer Bruder (wohnt nicht mehr zuhause, kommt ab und an zu Besuch zu meinen Eltern) meinte, "wenn ich meiner Mutter nicht wieder einen Sonntag versauen wolle, etc. solle ich mich hierher bewegen". Und lauter solch ein Zeug.
Da habe ich auch gedacht...er hat gut reden, er ist die meiste Zeit weit weg und dann lässt er sowas los.
Was kann ich denn dazu ??? Nur weil ich bei meinem Freund sein wollte....nur weil ich machen wollte, was mir gefällt ???

Ich kann momentan einfach nicht mehr...

breche jetzt erstmal an der Stelle ab...kann echt nicht mehr.

Skye

Beitrag von Skye » 24.01.2007, 19:28

Hallo Kerstin,

nun was Du da mit Deiner Familie erlebt hast ist schlimm, aber es wundert mich überhaupt nicht.

Du hast die ganzen letzten Jahre Dein Leben aufgegeben für Deine Familie. Dadurch das Du immer schön brav parat gestanden bist, war Dein Vater relativ ruhig, Deine Mutter hatte ihre Ruhe, Du warst ja der praktische Puffer. Da hat sich Deine Mutter nicht beschwert, Dein Vater war zufrieden und dadurch haben sie auch Deinen Bruder in Ruhe gelassen. Für alle doch eine sehr schöne Lösung, niemand braucht sich zu kümmern etwas zu tun oder sich Gedanken machen. Sie haben ja Dich, wie bequem. Da kann man den Kopf so schön in den Sand stecken und alles Unangenehme ausblenden.

Jetzt brichst Du aus und bringst damit das ganze Gefüge, dass für alle, nur nicht für Dich, so bequem gewesen ist, vollkommen durcheinander. Da darfst Du Dich leider nicht wundern, dass sich alle beschweren und Dir die Schuld geben. Für ihr Verständnis musst Du nur brav sein und alle haben ihren Frieden. Ist doch schön, oder?

Nein ist es nicht, denn Du gehst dabei drauf. Deine Eltern sind erwachsen wenn etwas passiert, können sie sich selbst kümmern. Deine Mutter wird doch wohl noch in der Lage sein, die Polizei oder den Notarzt zu rufen, je nach dem was nötig sein könnte. Es kann doch nicht angehen, dass Du Dein Leben aufgibst nur damit Deine Mutter ihren Hintern nicht bewegen will. Es kann doch nicht sein, dass Dein Bruder seine Ruhe auf Deinem Rücken austrägt.

Es ist nicht Deine Schuld wenn es den anderen schlecht geht. Es ist nicht Deine Schuld, dass Dein Vater trinkt. Es ist nicht Deine Schuld das Deine Mutter sich nicht traut selbst zu leben. Ihre Bemerkung dass sie Angst um Euch hat, wenn sie Deinen Vater verlässt, ist eine Ausrede. Sie macht sich Sorgen um sich, was aus ihr wird, nicht um Dich und Dein Wohl.

Du bist nicht dafür verantwortlich oder gar Schuld, dass es Deiner Mutter schlecht geht, laß Dir das nicht einreden. Es ist ihre eigene Schuld, denn sie selbst hate nie etwas getan. Weist Du, wenn Dein Bruder sich Sorgen um Deine Mutter macht, soll er seinen eigenen Hintern bewegen oder die Klappe halten. So wird ein Schuh draus.

Die Reaktion Deiner Familie ist vollkommen normal. Sie wollen selbst nichts tun, weil es unangenehm ist. Sie haben Angst das plötzlich alles an ihnen hängen bleibt, wenn Du nicht mehr funktionierst. Die haben sie zu Recht. Sie denken nur daran, dass sie jetzt die Verantwortung für diesen Sch…job übernehmen müssen. Das die Verantwortung bei Deinem Vater liegt sieht keiner von ihnen. Da ist es in ihrem Verständnis wesentlich einfacher wenn Du wieder parat stehst, also üben sie Druck aus, damit Du wieder brav funktionierst.

So schwer das auch ist, aber da musst Du durch, wenn Du eine Chance auf ein eigenes Leben haben willst. Zeig allen, das Du es ernst meinst und spring nicht mehr wenn gepfiffen wird. Je konsequenter Du jede Verantwortung für Deine Eltern von Dir weist desto schneller hast Du es hinter Dir. Irgendwann werden sie es akzeptieren. Sie werden sich wahrscheinlich nicht freuen oder Verständnis für Dich aufbringen, aber sie werden Dich in Ruhe lassen, wenn sie merken das Du nicht mehr funktionierst. Mehr kannst Du für den Anfang nicht erwarten.

Zieh Dein Ding durch und laß Dir nicht einreden Du seiest Schuld an der Misere Deiner Mutter, Deines Vaters oder Deiner Brüder. Das sind alle ganz allein für sich. Zieh Dich zurück und laß ihnen die Verantwortung für ihr Wohlbefinden, Ihr Leben. Natürlich hast Du das Recht auf Zeit für Dich selbst und Unternehmungen.

Betrachte die Reaktion Deines Bruders positiv, denn sie ist ein Zeichen, dass Du Dich bereits verändert hast. Wenn die Reaktion darauf, auch anders ausgefallen ist, als Du gehofft hast. Aber so ist das nun mal, wenn man nicht mehr so funktioniert wie andere das gerne hätten. Mach Dein Handy demnächst einfach aus und wenn Dein Bruder Dich beschimpft, leg einfach auf. Er hat nicht das Recht Dir Vorwürfe zu machen. Es mag Dir anfangs schwer fallen, aber Du wirst die Ruhe und den Abstand bald zu schätzen wissen.

Ich weiß wie schwer, dass ist, aber nimm Dir das nicht so zu Herzen. Es ist ein Zeichen für Veränderung und das ist gut…….

Gruß
Skye

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