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Nur kleine Schritte zum eigenen Leben...

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Kerstin1978

Nur kleine Schritte zum eigenen Leben...

Beitrag von Kerstin1978 » 21.01.2007, 23:47

Hallo zusammen,

da ja nun einige Neue hier im Forum sind, kurz noch mal ein Ausschnitt aus meinem Leben: Ich bin 28, habe eine 3jährige Tochter und einen Vater, der säuft, seit ich denken kann. Zwischenzeitlich gab es bei mir die Phasen Verzweiflung, weil ich ihm nicht helfen konnte, und dann wiederum, weil er mich in seinen Klauen hat.
Durch dieses Forum hier habe ich begriffen, dass dies so nicht weiter gehen kann. Zumal er schon meiner Tochter zweimal seelisch weh getan hat.
Ich habe mir auch schon einige Dinge vorgenommen und auch in die Tat umgesetzt, aber in meinen Augen ist das leider alles recht schleichend. Manchmal würde ich am liebsten alles Stehen und Liegen lassen, meine Tochter schnappen und das Weite suchen - für einen Neuanfang.
Mein Vater heisst mit Zweinamen uneinsichtig, und das ist auch meine Mutter. Bisher bin ich LEIDER noch in dem Trott drin, dass ich jeden Sonntag zu meinen Eltern zum Essen gehe. Immerhin habe ich es zeitlich eingegrenzt, d.h. ich bin dann nicht wie früher schon um 10 Uhr da, sondern erst gegen 13Uhr. Dann kommt mein Vater vom Frühschoppen und es ist Essenszeit. Alles richtet sich nach seinem Kommando !
Danach bin ich mit meiner Tochter und meiner Mutter spazieren gegangen. Da habe ich sie ein wenig provoziert, einfach um zu sehen, ob sie denn gehen würde, wenn sie in ihren Augen die Möglichkeit hätte.
Habe ihr gesagt, dass ich sie sofort zu mir holen würde, wenn ich im Lotto gewonnen hätte und mir ein schönes großes Haus kaufen könnte.
Ihre Antwort: "Hach, was wäre das alles soooo schön! Aber ich will nicht, dass er einem von Euch etwas antut." Das weitere Gespräch könnt Ihr Euch denken... .
Ich meine, es gibt doch Möglichkeiten.....aber sie kapiert es einfach nicht. Stattdessen will sie es aushalten, bis mein Vater eines Tages den Löffel abgibt.

Leider bin ich derzeit noch ein wenig abhängig von meinen Eltern.....denn als Alleinerziehende kann ich mir weder einen Ganztags-Kindergartenplatz leisten und schon gar keinen Babysitter, der meine Kleine nach dem KiGa abholen könnte.

Es ist soooo zum ko... !!!

Ich habe mir schon nen Plan gemacht, an welchen Tagen wir wie viele Stunden bei meinen Eltern sind.

Was mich am meisten nervt, ist die Tatsache, dass allesamt annehmen, es gehe alles nach Schema F weiter. Z.B. bin ich an zwei Tagen in der Woche erst zwischen 18 und 20 Uhr zuhause. D.h. meine Tochter ist nach dem KiGa an diesen beiden Tagen bei meinen Eltern.
Komme ich zu meinen Eltern, um meine Tochter abzuholen, steht das Essen auf dem Tisch....damit ich auch noch was essen kann.
Und warum ? Weil ich meine Tochter sonst gleich mitnehme und verschwinde und mein Vater dann wieder Terz macht...ich wolle ihm die Kleine wegnehmen.....

Ich glaube, nein ich bin fest davon überzeugt, dass ich konsequenter sein muss !!!

Es nervt momentan alles nur noch...diese Erwartungshaltung meiner Eltern, diese Teil-Anhängigkeit...dieser ganze Mist einfach,,,,

Kerstin

girasol

Beitrag von girasol » 22.01.2007, 21:26

Hallo kerstin,
danke dir für den Ausschnitt aus deinem Leben.
Geduld-ist es das nicht was wir alle üben sollten???Ja,auch mir gehen die Veränderungen oft zu langsam.Vielleicht deshalb weil ich sie möchte und vorantreibe,der "Rest"aber gar nicht unbedingt begeistert ist oder einfach ein eigenes Tempo hat oder sich auch gar nicht bewegen möchte.
Mein Vater hat sich zum Teil schon manchmal einsichtig gezeigt.....bis ich dann feststellte das er nur so tut und mir tatsächlich so vieles übelnimmt,mit dem ich nur versucht hatte mich ihm verständlich zu machen.Ich habe immer wieder gedacht er würde irgendwann mal etwas von dem verstehen was in mir vorgeht.
Ich bin eben wieder dabei zu üben,nicht für alles zuständig zu sein.z.B.beginnt er morgen eine Langzeittherapie und wir hatten ihm gefragt ob er zuvor nochmal zu uns kommen möchte.Darauf gab´s ausweichende Antworten(und ich hab mich über ihn gäergert)und gestern einen Spruch auf dem AB er würde sich melden.Na gut,also sag´ich mir wenn er sich entscheidet nicht zu kommen dann eben nicht und will mich nicht weiter ärgern.

In der Tat bist du inder komplizierten Situation auf deine Eltern für die Betreuung deiner Tochter angewiesen zu sein.
Du hattest die Idee eines Neuanfanges....gibts dazu eine Möglichkeit?Oder vielleicht schaust du dich mal nach "Wahlgroßeltern"um?ich habe eine Bekannte die solche gefunden hat nachdem sie den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen hatte....
Ich wünsche dir Kraft und Raum um Aufzutanken und immer wieder für dich passende Lösungen zu finden!!!!!!

viele Grüße
girasol

baggerschen
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 520
Registriert: 05.01.2007, 12:45

Beitrag von baggerschen » 22.01.2007, 21:35

Hallo Kerstin ..

Du schreibst .. dein Vater säuft seid du denken kannst .... Was hast du als Kind dabei erlebt ?.... wie ging es dir seelisch ?....
er hat deine Tochter 2mal seelisch verletzt ?.... warum lässt du das zu ?....
du denkst du bist von deinen Eltern abhängig ?... dafür lässt du dein Kind verletzten ?...
Sorry ich kann es nicht verstehen ...
Rede mit deiner Mutter und frage sie ob sie deine Tochter nicht bei dir zu Hause betreuen kann...
Ich habe eine alkoholabhängige Mutter ... ich würde mein Kind nie im leben bei ihr lassen ....

Du hast deinem Kind gegenüber eine Verantwortung ...
Versuche also eine Lösung zu finden die deine Tochter schützt....

in diesem Sinne...

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 22.01.2007, 21:45

Hallo Girasol,

vielen Dank für Deine Antwort.
Ja, irgendwie geht mir das alles zu langsam. Und es nervt mich auch stets, dass meine Mutter sich bei mir über ihre Situation belagt, aber nichts dagegen unternimmt. Habe ihr am Sonntag dann gesagt, dass mich das alles nicht mehr interessiert. Auf meinen Kommentar hin, dass ich mir von meinem Vater nicht mehr reinreden lasse, erntete ich nur sowas wie einen spöttichen Blick, nach dem Motto "wenn Du glaubst, dass das hilft...."
"Wahlgroßeltern" ist sicherlich ne Idee, kann ich aber meiner Tochter nicht antun, denn sie liebt Oma und Opa heiss und innig. Ich würde meiner Tochter weh tun damit.
Ein weiterer Punkt ist, dass ich mit meiner Kleinen plane für zwei Wochen an die See fahren möchte. Habe auch ein supergünstiges Angebot gefunden. Die Strecke mit dem Auto sind zwar etwa 750 Kilometer einfach, aber ich habe auch nicht vor, das an einem Stück durchzufahren... . Als ich meiner Mutter davon erzählte, meinte sie nur, ob ich mir das wirklich antun wolle....aber lediglich aus dem Hintergedanken, dass sie es mir nicht zutraut, mit dem Auto ne längere Strecke zu fahren (ich habe ja auch erst seit fast 10 Jahren den Führerschein). Dabei will sie mich auch nur in meinem Vorhaben bremsen, weil mein Vater schätzungsweise eh dagegen ist, dass ich alleine mit meiner Tochter weg fahre....in seinen Augen steckt bei solchen Aktivitäten ja immer ein Mann dahinter....

Es ist einfach nur furchtbar....sage ich, ich gehe meinen eigenen Weg, erntet man Blicke und Kommentare, die man gar nicht hören will.
Meine Mutter selbst findet die Situation unerträglich, aber mich will sie quasi zurückhalten, auch wenn sie offiziell immer meint "Geh ruhig Deinen eigenen Weg....", aber im nächsten Moment redet sie einem ein schlechtes Gewissen ein "Wenn Ihr sonntags da seid, kann ich aufatmen..."
Ich weiss ehrlich nicht, wohin das noch führen soll...

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 22.01.2007, 21:56

Hallo Baggerschen,

Du hast vollkommen Recht....aber aus einer eingefahrenen Situation herauszukommen, ist nicht gerade einfach. Ich bin ja quasi selbst schuld, weil ich anfangs (bin ja seit Geburt meiner Kleinen allein erziehend) froh war, dass ich wenigstens tagsüber jemanden hatte, der mir das ein oder andere abnehmen konnte. Kind hatte ne 3Monats-Kolik, die meine Lütte natürlich auf 4 Monate ausweiten musste. Ich war die ersten 4 Monate jeden Tag bei meinen Eltern....damit habe ich sie wohl zu sehr verwöhnt.

Dass ich Verantwortung für mein Kind habe, ist mir stets bewusst. Umso unerträglicher ist für mich die Situation gewesen, dass "er" meiner Kleinen weh getan hat. Ich kann mich genauso dran erinnern, als er mir an den Kopf geworfen hat "aus Dir wird eh nichts..."

Wenn man aber sonst niemanden hat, dem man seinem Kind anvertrauen kann, so ist es schwierig, das Kind mal anderweitig unterzubringen. Dass ich anfangs nur bei meinen Eltern gehockt hatte, hat zur Folge, dass ich kaum Kontakt zu anderen Müttern habe. Das fängt jetzt erst so mit dem Kindergarten grade an.

Ich könnte mir selbst in den Hintern treten, dass ich meine Tochter diesen beiden Situationen ausgesetzt hatte... Allerdings habe ich mir nun vorgenommen, dass ich sofort einschreiten werde, wenn es wieder darauf hinausläuft. a) ich mach mir Luft und sag ihm meine Meinung und b) gehe ich mit meiner Tochter sofort nach Hause.
Vielleicht merkt dann mein Vater, dass ich es ernst meine, aber auch meine Mutter.

Ich habe immerns unter der Situation gelitten, meine Kleine muss nicht das gleiche erleiden. Da hätte ich auch bei meinem Ex bleiben können... .

Werde jetzt mal hier in der Gegend schauen, was es an Beratungen für Co´s gibt...

girasol

Beitrag von girasol » 22.01.2007, 22:20

Hallo Kerstin,

ich meine auch nicht dass du deinen Eltern das Kind entziehen sollst.Auch du würdest Entlastung finden wenn du die Betreuung,und wenn es zu einem Teil wäre,noch anders organisieren könntest!Vielleicht findest du andere in ähnlicher Situation und ihr könntet euch austauschen??I
Ich frage mich einfach warum du nicht "Himmel und Hölle"in Bewegung setzt um eine bessere Situation für euch beide zu bekommen?Warum willst du das weiter aushalten??Ich stelle es mir beleibe nicht einfach vor aber du brauchst Unterstützung und Lebens-raum!!!!
Die Idee ´ne Beratung für Co´s zu suchen ist schon klasse!

Ich finde auch wichtig,was Baggerschen zu bedenken gab:wie wäre es wenn deine Mutter deine Tochter bei dir betreut????Zu ihrem Schutz?
Meine Kindern mögen den Opa auch sehr,obwohl ich nicht kapiere warum aber ich würde sie niemals mit ihm allein lassen....das traue ich ihm nicht zu und habe auch andere berechtigte Befürchtungen.

Dein Urlaubsplan klingt gut,möchtest du schon bald los?Laß dich bloß von deinen Eltern nicht davon abbringen!Ich weiß wie das ist und konnte -gott sei dank-immer mein Ding machen und habe jetzt liebe Schwiegereltern,die gern die Kinder betreuen und denen ich vertraue.

Dir einen guten und ruhigen Abend!
übrigens....unsere Tochter wird im Mai auch 3 und der "Große" 6Jahre alt :P

girasol

baggerschen
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Registriert: 05.01.2007, 12:45

Beitrag von baggerschen » 22.01.2007, 22:25

Hallo Kerstin ...

Deine Tochter ist der Situation schon ausgesetzt.... Horch mal tief in dich rein ....
Du hast dein Kindheitserleben noch nicht aufgearbeitet .. du weißt doch wie weh es tut ...und du weißt auch das deine Tochter jetzt schon genug mitbekommt ...
Solls ihr mal genauso gehen wie dir ?...
Nehm deine Erfahrung und zieh die Konsequenz... jetzt...
geb deinem Kind die Chance gute Erfahrungen zu machen ...
Bei deiner Tochter hast du es in der Hand... Deine Kindheit konntest du nicht beeinflussen...
Horch mal ganz tief in dich rein ...
Lade deine Mutter mal zu dir ein ... und red und beschönige nichts und bitte sie das Kind bei dir zu versorgen....Opa besuchen ... nur unter deiner Aufsicht ....
Sei mal stark und setz dich durch ... deiner Tochter zuliebe...

in diesem Sinne....

du kannst es!

Skye

Beitrag von Skye » 23.01.2007, 12:00

Hallo Kerstin,

warum gehst Du überhaupt jeden Sonntag zu Deinen Eltern? Für mich macht das in Bezug auf Deine Konsequenz keinen Unterschied, ob Du nun um 10.00 oder um 13.00 Uhr gehst. Da ist Da…… Du schreibst selbst Du hast sowenig Zeit mit Deiner Tochter und teilst Du sie mit Deinem betrunkenen Vater? Ich verstehe es nicht.
Laß ihn doch toben. Wenn Deine Mutter nicht geht ist das ihr Problem. Ihr versucht Euch gegenseitig vor den Folgen des Saufens Deines Vater zu schützen. Das einzige was ihr dabei erreicht ist, daß er in Ruhe trinken kann und es Euch schlecht geht. Ist es das was Du willst? Laß ihn doch und wenn er droht, ruf die Polizei. Laß ihn doch endlich mal die Konsequenzen seines Handelns spüren.

Du selbst hast unter Deinem alkoholkranken Vater gelitten. Ich weiß selbst wie es ist als kleines Kind einen betrunkenen Erwachsenen um sich zu haben, mit sorgloser Kindheit würde ich das nicht beschreiben. Warum tust Du Deiner Tochter das gleich an, was Dir widerfahren ist? Gibt es keine andere Möglichkeit für diese zwei Tage, muß Deine Tochter das genauso leiden wie Du als Kind?

Warum rechtfertigst Du Dich Deiner Mutter gegenüber? Du bist erwachsen, wenn Du 750 km am Stück fahren willst, dann fährst Du sie eben auch am Stück. Was geht sie das an, ob Du Pausen machst oder nicht? Denn ihre Zurückhaltung scheint mir nicht wirklich von Sorge um Dein Wohl geprägt zu sein. Eher um Ihres, wenn Du mit Deiner Tochter nichts als Puffer zur Verfügung stehst. Wenn Du Urlaub machen willst, mach ihn. Ich habe das Gefühl Du brauchst für Dich und Dein Wohlbefinden noch die offizielle Erlaubnis Deiner Mutter um wirklich in Ruhe fahren zu können. Du hast Dein Leben und Deine Mutter Ihres. Du bist dafür verantwortlich, daß es Dir gut geht und sie dafür, daß es ihr gut geht.

Solange Du Deiner Mutter die Unterstützung entziehst in Bezug auf Deinen Vater wirst Du von keine Zustimmung erhalten, erwarte nicht das das auf Gegenliebe stößt. Du darfst nur dann Deinen Weg gehen, wenn es der gleiche wie der Deiner Mutter ist. Die einzige die etwas ändern kann bist Du.

Die erste auf die Du Rücksicht nehmen musst ist Deine Tochter, dann kommst Du selbst und für den unwahrscheinlichen Fall, daß dann noch was über ist, kannst Du Rücksicht auf Deine Eltern nehmen. Wenn Du auch meinst Du kannst das schon irgendwie aushalten, denk an Deine Tochter, die kann das nicht.

Vielleicht erscheinen Dir meine Worte hart, aber ich weiß wie es als Kind ist und kann das was Du schreibst nicht guten Gewissens unkommentiert lassen. Ich habe als Kind alles 14 Tage bei meinem alkoholkranken Vater verbracht. Wir haben immer meine Großeltern besucht, er ebenfalls Alkoholiker, sie eine überdominate Co. Das sind Erfahrungen, die ich nicht hätte haben müssen. Eine glückliche Kindheit sieht anders aus…..

Gruß
Skye

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