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Nur kleine Schritte zum eigenen Leben...

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 23.01.2007, 22:15

Hallo zusammen,

zunächst einmal ein herzliches Dank an Euch alle für Eure Antworten !

Ein weiterer Fakt ist: Heute habe ich von meiner Chefin das okay bekommen, dass ich die drei Wochen Urlaub nehmen kann, wie ich möchte (geht ja auch nicht anders, denn der Kindergarten hat zu und zu meinen Eltern will ich sie in der Zeit nicht geben). D.h. wiederum: Ich habe den Urlaub - 2 Wochen in Stralsund - heute dingfest gemacht. Davon bringt mich keiner mehr ab. Auch meine Mutter hätte mich nicht davon abbringen können...wegen der "langen Strecke".
Auch die dritte Urlaubswoche werde ich mit meiner Kleinen zwar mal meine Eltern besuchen, die Betonung liegt auf "mal".
Das Problem mit der Betreuung nach dem Kindergarten gestaltet sich momentan schwierig. Denn ich habe derzeit noch nicht den großen Kontakt zu anderen Eltern UND ich habe die Erfahrung gemacht, dass alle Weibchen ruckartig ihre Männchen an sich krallen, wenn sie erfahren, dass ich allein erziehend bin und ohne Partner. Fragt mich nicht waru, denn ich stürze mich auch nicht auf alles, was männlich ist, nur weil ich keinen Partner habe.
Einen Babysitter kann ich mir auch nicht leisten. Dazu verdiene ich zu wenig.
So langsam beginnt aber auch meine Tochter (endlich!) Freunde zu finden, d.h. früher oder später wird sie auch mal nachmittags bei nem Freund/ner Freundin sein, von wo ich sie dann nach der Arbeit abhole. Und wenn dies an den beiden Nachmittagen sein soll, wenn meine Mutter sie abholt, dann ist es eben so. Und wenn mein Vater anfängt zu toben, ist das nicht mein Problem.
Sollte meine Mutter die nächsten Tage wieder mit dem "ach, wie wäre es so schön, wenn...."-Thema anfängt, werde ich ihr direkt ins Gesicht sagen "Dann geh und lebe Dein Leben. Ich will mit dem Terz nichts weiter zu tun haben."

Ihr habt vollkommen recht, dass ich meine Tochter vor alldem schützen muss !!! Es ist nur schwierig für mich aus diesem gewohnten Trott herauszubrechen...weiß auch nicht, warum.

Achso, was das Thema angeht, dass meine Mutter meine Tochter bei mir zuhause betreuen kann. Tja, dazu kann ich nur sagen, dass sie sich nicht traut. Mein Vater hat etwas dagegen....und die ganze Leiher. Wenn ich z.B. mal unter der Woche abends Elternabend habe, habe ich zum Glück meinen Bruder, der sich den Abend dann frei nimmt. Aber das kann er auch nicht immer... .

Ich habe mir heute nacht einen Plan aufgestellt...montags, dienstags, freitags und samstags ist Opa-frei....mittwochs und donnerstags holt meine Mutter die Lütte vom Kindergarten ab. Für gewöhnlich hat meine Mutter dann immer gekocht, damit ich noch etwas essen konnte. Dies werde ich einstellen, werde meine Tochter gleich mitnehmen, wenn ich nach der Arbeit zu meinen Eltern gehe. Und sonntags werde ich auch mehr auf den Spielplätzen, etc. herumgeistern als bei meinen Eltern aufzukreuzen.
Und es ist mir jetzt shit-egal, wie sehr mein Vater dann herumtobt oder wie meine Mutter reagiert. Denn wenn es nach deren Willen ginge, würde ich noch mit 40 so leben wie jetzt.
ICH kann mein Leben nicht darauf ausrichten, dass meinem Vater früher oder später etwas passiert...
Und wenn es gar nicht anders geht...muss ich eben doch von hier fort.

Wisst Ihr, ich finde es nur eine absolute Ungerechtigkeit !! Ein Beispiel: Ich war von Samstag auf Sonntag mit meiner Tochter bei meinem damaligen Freund (ist jetzt etwa ein Jahr her). Hatte aber vorher meinen Eltern bescheid gesagt, dass ich nicht kommen werde. Sonntag morgen sah ich auf mein Handy (hatte es angelassen, aber auf lautlos)..da waren weiß nicht wie viele unbeantwortete Anrufe.
Ich mir wieder Riesen-Gedanken gemacht...dann rief ich bei meinen Eltern an (es hätte ja auch etwas passiert sein können, zumal mein Bruder zu der Zeit stets abends unterwegs war). Meine Mutter war dran und meinte mit weinerlicher Stimme (an ihrem Ton konnte ich aber so´n Unterton "musstest Du uns das antun?" feststellen), dass sie jetzt nicht reden kann. Ich mich also ins Auto gesetzt und losgefahren...da hagelte es auf meinem Handy SMS´. Mein älterer Bruder (wohnt nicht mehr zuhause, kommt ab und an zu Besuch zu meinen Eltern) meinte, "wenn ich meiner Mutter nicht wieder einen Sonntag versauen wolle, etc. solle ich mich hierher bewegen". Und lauter solch ein Zeug.
Da habe ich auch gedacht...er hat gut reden, er ist die meiste Zeit weit weg und dann lässt er sowas los.
Was kann ich denn dazu ??? Nur weil ich bei meinem Freund sein wollte....nur weil ich machen wollte, was mir gefällt ???

Ich kann momentan einfach nicht mehr...

breche jetzt erstmal an der Stelle ab...kann echt nicht mehr.

Skye

Beitrag von Skye » 24.01.2007, 19:28

Hallo Kerstin,

nun was Du da mit Deiner Familie erlebt hast ist schlimm, aber es wundert mich überhaupt nicht.

Du hast die ganzen letzten Jahre Dein Leben aufgegeben für Deine Familie. Dadurch das Du immer schön brav parat gestanden bist, war Dein Vater relativ ruhig, Deine Mutter hatte ihre Ruhe, Du warst ja der praktische Puffer. Da hat sich Deine Mutter nicht beschwert, Dein Vater war zufrieden und dadurch haben sie auch Deinen Bruder in Ruhe gelassen. Für alle doch eine sehr schöne Lösung, niemand braucht sich zu kümmern etwas zu tun oder sich Gedanken machen. Sie haben ja Dich, wie bequem. Da kann man den Kopf so schön in den Sand stecken und alles Unangenehme ausblenden.

Jetzt brichst Du aus und bringst damit das ganze Gefüge, dass für alle, nur nicht für Dich, so bequem gewesen ist, vollkommen durcheinander. Da darfst Du Dich leider nicht wundern, dass sich alle beschweren und Dir die Schuld geben. Für ihr Verständnis musst Du nur brav sein und alle haben ihren Frieden. Ist doch schön, oder?

Nein ist es nicht, denn Du gehst dabei drauf. Deine Eltern sind erwachsen wenn etwas passiert, können sie sich selbst kümmern. Deine Mutter wird doch wohl noch in der Lage sein, die Polizei oder den Notarzt zu rufen, je nach dem was nötig sein könnte. Es kann doch nicht angehen, dass Du Dein Leben aufgibst nur damit Deine Mutter ihren Hintern nicht bewegen will. Es kann doch nicht sein, dass Dein Bruder seine Ruhe auf Deinem Rücken austrägt.

Es ist nicht Deine Schuld wenn es den anderen schlecht geht. Es ist nicht Deine Schuld, dass Dein Vater trinkt. Es ist nicht Deine Schuld das Deine Mutter sich nicht traut selbst zu leben. Ihre Bemerkung dass sie Angst um Euch hat, wenn sie Deinen Vater verlässt, ist eine Ausrede. Sie macht sich Sorgen um sich, was aus ihr wird, nicht um Dich und Dein Wohl.

Du bist nicht dafür verantwortlich oder gar Schuld, dass es Deiner Mutter schlecht geht, laß Dir das nicht einreden. Es ist ihre eigene Schuld, denn sie selbst hate nie etwas getan. Weist Du, wenn Dein Bruder sich Sorgen um Deine Mutter macht, soll er seinen eigenen Hintern bewegen oder die Klappe halten. So wird ein Schuh draus.

Die Reaktion Deiner Familie ist vollkommen normal. Sie wollen selbst nichts tun, weil es unangenehm ist. Sie haben Angst das plötzlich alles an ihnen hängen bleibt, wenn Du nicht mehr funktionierst. Die haben sie zu Recht. Sie denken nur daran, dass sie jetzt die Verantwortung für diesen Sch…job übernehmen müssen. Das die Verantwortung bei Deinem Vater liegt sieht keiner von ihnen. Da ist es in ihrem Verständnis wesentlich einfacher wenn Du wieder parat stehst, also üben sie Druck aus, damit Du wieder brav funktionierst.

So schwer das auch ist, aber da musst Du durch, wenn Du eine Chance auf ein eigenes Leben haben willst. Zeig allen, das Du es ernst meinst und spring nicht mehr wenn gepfiffen wird. Je konsequenter Du jede Verantwortung für Deine Eltern von Dir weist desto schneller hast Du es hinter Dir. Irgendwann werden sie es akzeptieren. Sie werden sich wahrscheinlich nicht freuen oder Verständnis für Dich aufbringen, aber sie werden Dich in Ruhe lassen, wenn sie merken das Du nicht mehr funktionierst. Mehr kannst Du für den Anfang nicht erwarten.

Zieh Dein Ding durch und laß Dir nicht einreden Du seiest Schuld an der Misere Deiner Mutter, Deines Vaters oder Deiner Brüder. Das sind alle ganz allein für sich. Zieh Dich zurück und laß ihnen die Verantwortung für ihr Wohlbefinden, Ihr Leben. Natürlich hast Du das Recht auf Zeit für Dich selbst und Unternehmungen.

Betrachte die Reaktion Deines Bruders positiv, denn sie ist ein Zeichen, dass Du Dich bereits verändert hast. Wenn die Reaktion darauf, auch anders ausgefallen ist, als Du gehofft hast. Aber so ist das nun mal, wenn man nicht mehr so funktioniert wie andere das gerne hätten. Mach Dein Handy demnächst einfach aus und wenn Dein Bruder Dich beschimpft, leg einfach auf. Er hat nicht das Recht Dir Vorwürfe zu machen. Es mag Dir anfangs schwer fallen, aber Du wirst die Ruhe und den Abstand bald zu schätzen wissen.

Ich weiß wie schwer, dass ist, aber nimm Dir das nicht so zu Herzen. Es ist ein Zeichen für Veränderung und das ist gut…….

Gruß
Skye

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 26.01.2007, 23:04

Hallo zusammen,

warum ich noch immer jeden Sonntag zu meinen Eltern gehe ??? Gewohnheit, Anhängigkeit, schlechtes Gewissen, etc. haben mich geplagt.
Leider hängt meiner Tochter zu sehr an ihrem Opa...allerdings habe ich früher auch sehr an meinem Vater gehangen, konnte aber zugleich nicht verstehen, dass er uns all seine Launen und leeren Versprechungen angetan hat.
Und damit es bei meiner Tochter nicht soweit kommen muss, habe ich nun einige Dinge vor.
Statt sonntags zu meinen Eltern zu gehen, werde ich überwiegend etwas anderes mit meiner Tochter unternehmen...Zoo, Spazieren, Freunde treffen (kommt momentan einmal im halben Jahr vor :-( ), u.a. Es wird Zeit, dass ich endlich raus, wirklich raus gehe. Ich habe zwei wirklich gute Freundinnen, ansonsten ist mein Bekanntenkreis, gerade seit ich meine Tochter habe und ich mich deswegen in diese verstärkte Abhängigkeit habe pressen lassen, hat sich leider minimiert.
Einmal im Monat habe ich Alleinerziehenden-Treff, und auch zu anderen Terminen, zu denen ich meine Tochter mitbringen kann, werde ich sie nicht bei meinen Eltern zwischenparken (z.B. gibt es demnächst einen Vortrag im Kindergarten für die Eltern). Bis vor kurzem hätte ich meine Tochter dann zu meinen Eltern gebracht....nun habe ich beschlossen, dass ich sie mitnehme..Betreuung ist ja gegeben.

Worüber ich mich momentan aufrege: Mein Vater hat momentan Urlaub bzw. frei wegen Schlechtwetter....wenn meine Mutter meine Tochter abholt, geht er mit. Damit auch gleich wieder jeder sehen kann, dass "da etwas nicht stimmt." Super...versuche ich es bei meiner Mutter anzusprechen, wird weggehört.....muss ich also so hinnehmen oder nen Babysitter für € 300,00 im Monat engagieren (Geld, dass ich nicht habe).

Ich habe mir auch geschworen, wenn mein Vater meiner Tochter auch nur noch ein einziges Mal weh tut (weil er sich angegriffen fühlt, wenn ich meine eigene Entscheidung getroffen habe, und er es dann an meiner Tochter auslässt), dann bekommt er die Meinung ins Gesicht gesagt. Dann werde ich ihn fragen, ob er meint, seiner Enkelin mit seinem Verhalten etwas Gutes zu tun. Seine Reaktion wird zwar ein "Anbrüllen meinereins" sein, aber dann nehme ich mein Kind und gehe... .

In Zukunft werde ich meine Tochter direkt nach der Arbeit (sind nur zwei Tage, die meine Mutter sie vom KiGa abholt) abholen und nach Hause fahren.
Der Rest der Woche gehört mir und meiner Kleinen.
Ab und an mal werde ich auch mal sonntags bei meinen Eltern aufkreuzen...aber ich werde nicht länger der Puffer in meiner Familie sein.

Denn gerade die letzten Tage ist mir dermaßen bewusst geworden, dass ich mir selbst ans Bein gepinkelt habe, weil ich immer schön "brav" gewesen bin.

Werde meinen Freundeskreis wieder auweiten....unter der Woche mal hier und da wieder nen Spieleabend machen und RAUS gehen. Raus im Sinne von an die frische Luft und RAUS im Sinne von Vergangenheit hinter mir lassen. Gänzlich werde ich es nicht hinter mir lassen können, da es nunmal ein Teil meines Lebens IST, aber ich werde JETZT endlich leben !!!

Und Rücksicht habe ich zu lange genommen.....

Gruß,
Kerstin

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