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hilflos und gefangen, ich dreh mich im Kreis

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Maria-Nicole
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Beitrag von Maria-Nicole » 09.02.2007, 18:52

Hallo,

in der letzten Woche habe ich hier im Forum viel gelesen, heute, denke ich, ist es an der Zeit, mich in meinem eigenen Thread zu melden.
Meine Mum hat nun seit 5 Wochen nichts mehr getrunken :D . Und sie hat uns sogar mal wieder besucht, das letzte Mal war sie vor eineinhalb Jahren bei uns (und das, obwohl wir nur 15 km auseinander wohnen). In der Zeit hab ich sie manchmal besucht oder wir haben telefoniert. Tja, nun holt sie auf, sie war letzte Woche 3 x hier. Bei unserem letzten Gespräch hat sie aber einige Fehler eingestanden (und ich auch :oops: , z.B. wenn ich ausgerastet bin und ihr heftige Vorwürfe gemacht habe). Es hat gut getan, mal wieder auf normaler und vernünftiger Ebene mir ihr zu sprechen.
Ich habe Hoffnung, aber die Angst vor einem Rückfall bleibt :( . Eigenartigerweise hat meine Mutter da keine Bedenken, sie glaubt, sie wäre mit dem Thema Alkohl durch. :roll:

Durch das viele Lesen hier im Forum habe ich mir Gedanken über den Begriff Co-abhängigkeit gemacht:

Bin ich Co-Abhängig bzw. war ich es? Ich helfe ihr ja immernoch, allerdings nur, wenn ich mir sicher bin das sie nicht trinkt.

Was bedeutet überhaupt Co? Sicher, ein Co. hilft dem Suchtkranken bewusst oder unbewusst seine Krankheit zu verbergen, deckt ihn und/oder hält den Alltag des Suchtkranken "am laufen". Im schlimmsten Fall besorgt der Co. Suchtmittel für den Kranken. Speziell in meinem Fall: Als Kind habe ich all das getan, weil Kinder eben nicht anders können, ich habe es damals nicht verstanden, und als ich es verstand, habe ich mich nicht getraut, mich dagegen aufzulehnen. Das kennen sicherlich viele Kinder von Alkis. Erst jetzt habe ich diese Verhaltensmuster größtenteils abgelegt.

Ist Co.Abhängigkeit eine Krankheit, oder nur ein Verhalten um sich oder den anderen zu schützen???? Wird Co-Abhängigkeit als Krankheit anerkannt?? Ich glaube nicht (ich bin mir nicht mal sicher, ob es denn wirklich eine Krankheit ist). Werden Therapien von der Krankenkasse bezahlt? Kann man Krank geschrieben werden? Ich frag das jetzt eigentlich nur allgemein, es würde mich interessieren.

Wie sieht das alles aus der Sicht eines Alkoholikers aus? Verletzten wir diesen Menschen nicht unsagbar, wenn wir alle Ratschläge für Co`s befolgen und vielleicht sogar (sozusagen in letzter Instanz) die Notbremse ziehen, und den Kontakt abbrechen?

Ich freue mich auf Eure Meinungen

Maria-Nicole
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Beitrag von Maria-Nicole » 10.02.2007, 17:47

Gestern hab ich mir noch Gedanken gemacht über "allgemeine Fragen". Manchmal hilft schreiben, seinen Kopf zu sotieren. Das versuche ich im Moment.
In den letzten Wochen hab ich meiner Mum ein wenig bei Ihrem Rentenantrag (Erwerbsunfähigkeit) geholfen. Sie wurde daraufhin zu verschiedenen Ärzten geschickt, ich hab sie dann gefahren. Wir hoffen wirklich, das die Rente bald durch ist, weil ihr Geld von und hinten nicht langt. Heute hat meine Mutter wieder einen Brief erhalten, diesmal muß sie zu einem Psychologen, der ein Profil erstellen soll.
Mal sehen, was das wieder wird.
Meine Mutter macht den Eindruck, als wären die ganzen Arzt- und Ämterbesuche zuviel für Sie, und ich Angst, das sie unter dem Druck zusammenbricht.

Maria-Nicole
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Beitrag von Maria-Nicole » 23.02.2007, 19:29

Hallo, Ihr Lieben

Hier ein kurzer Stand der Dinge: Ich halte den Kontakt zu meiner Mutter so kurz wie mein Gewissen es zulässt, denn ich glaube, dass sie immer noch den Ernst der Lage verkennt. Sie ist nun schon so lange alkoholkrank und hat etliche Gespräche mit der Suchtberatung im Krankenhaus gemacht. Eigentlich müsste sie doch Bescheid wissen.

Aber nööö. Ich habe Sie diese Woche besucht. Sie war "nüchtern" so weit so gut. Ich habe sie dann mal gefragt, ob denn wirklich alles gut ist, bzw. ob sie denn kein Verlangen hat, Alkohl zu trinken. Immerhin ist meine Mutter den ganzen Tag allein in ihrer Wohnung. Ich mach mir halt Sorgen.

Meine Mutter sagt. Nein es würde schon gehen, und wenn sie mal unruhig ist, dann würde sie eben Baldrian-Tropfen nehmen :shock: .
Oh mann. Da ist Alkohol drin, und nicht zu knapp. Ich habe ihr das natürlich gesagt, ebenso wie mit ihrem Mundwasser, was ich im Bad gesehen hab. Meine Mutter lernt es einfach nicht.

Ihr Geld wird immer knapper, die Rente wurde noch nicht bewilligt und sie weiß nicht, wie sie die Miete nächsten Monat bezahlen soll.

Ich hab meiner Mutter angeboten, mit ihr zusammen einkaufen zu gehen, da sie seit ihrem letzten Krankenhausaufenthalt (Bauchwasser, Nierenversagen usw.) körperlich schlecht drauf ist, sie kann kaum gehen. Aber sie weigert sich und meint, sie könnte das alles auch alleine und bräuchte keinen "babysitter".

Ich weiß nicht mehr was ich machen soll.

baggerschen
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Beitrag von baggerschen » 23.02.2007, 19:47

Hallo Maria -Nicole...

Hm....dein letzter Satz .. da schwant mir böses...
und ich glaube .. dir auch ....
Komem bitte nicht auf die Idee ihr die Miete zu bezahlen ...
Du weißt das du nix .. aber auch gar nix tun kannst...du hattest Hoffnung geschöpft und diese ist in Seifenblasenform wieder geplatzt..und jedesmal tuts mehr weh ...
Du solltest den Kontakt noch weiter zurückfahren ...
und vorallem denke mal nur noch an dich ...
Deine Sorgen machen DICH krank ... nicht deine Mutter...schlechtes Gewissen musst du nicht haben ... im Gegenteil .. du hast getan und gemacht nun muss mal gut sein ....wenn deine Mutter Hilfe will weiß sie wo sie die finden kann .. also ...du hast dein eigenes Leben kümmer dich nur noch darum ...
ich drück dich mal feste ...

in diesem Sinne...

Maria-Nicole
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Beitrag von Maria-Nicole » 23.02.2007, 20:23

Hallo baggerschen,

danke für deine Antwort. Es ist ja nicht so, dass sie sich wieder die Kante gibt, aber sie ist auf dem besten (schlimmsten) Wege dahin.

Ich hab mir fest vorgenommen, ihr nie wieder finanziell unter die Arme zu greifen. Es ärgert mich einfach, dass sie nichts dazugelernt hat. Sie muss doch wissen, wie gefährlich ihr Verhalten ist.

Und mich ärgert mein eigenes Verhalten. Ich will endlich das typische Co-Verhalten loswerden. Immer wieder versuche ich, sie zu einer Therapie zu bewegen, alle meine Bemühungen verlaufen im Sande. Ich könnte es eigentlich auch gleich bleiben lassen. Ich sollte es sogar.

Ich ärgere mich über ihr soziales Verhalten. Sie spricht nur mit mir, wenn niemand aus der Familie meines Mannes in der Nähe ist. Meine Schwiegereltern sind oft bei uns, wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Und das ärgert wiederum meine Mutter. Ständig stehe ich zwischen den Fronten. Mein Mann will mit meiner Mutter am liebsten gar nichts mehr zu tun haben.

Im Moment bin ich einfach sauer, aber ich will mich nicht aus den Augen verlieren. Hoffentlich bleibe ich, was das Geld angeht, standhaft.

netty77
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Beitrag von netty77 » 26.02.2007, 12:48

Hallo Marie-Nicole,
ich kann deinen Geschichte völlig nachvollziehen und viele Parallelen entdecken "Leider!!".
Aber ich weiss auch wie schwer die Entscheidung ist sich lozusagen, weil der kranke Mensch, der ja auch noch verwandt mit einem ist, die Verantwortung schon längst abgegeben hat. Das Schema Mutter - Kind existiert nicht mehr im Ursprung, sondern hat sich verdreht.
Ich habe es bis zu meiner Therapie auch nicht anders erlebt, verheimlichen - es darf ja keiner wissen, verduschen - sie ist krank - aber nicht abhängig, Geldsorgen - ich habe zwei Wohnungen bezahlt, aus Angst ich müsste sie bei mir aufnehmen.
Als ich dann vor drei Jahren eine Therapie gemacht habe, wurde mir aufgezeigt, das der Anfang erstmal die Erkenntnis sein muss, das sie die jenige ist die KRANK ist und das sie von sich aus sagen muss das sie Hilfe braucht. Mittlerweile ist es so, das ich den Kontakt zu ihr völlig abgebrochen habe - seit ca. 2 Jahren, sie will das zwar nicht wahr haben und verscuht durch Umwege (meinem Bruder oder meiner oma) an mich ranzukommen, und ich muss sagen ich lebe seitdem viel befreiter und mit weniger Ängsten, als vorher, keinen Heimlichkeiten mehr, keine Entschuldigungen mehr, wegen ihrer peinlichen Auftritte, ich kann sagen, ich bin endlich FREI.
Ich habe sämtliche Vorkehrungen getroffen, um nicht über ihren Tod hinaus weiterhin bestraft zu werden, ich habe bei einem Notar schriftlich westlegen lassen, das ich sämtliche Ansprüche aufs Erbe ablehne und darauf verzichte (auch den gesetztl. Pflichtteil), das zu Lebzeiten noch zu tun, war für mich der Abschluss mit dem Kapitel Mutter.
Ich weiss, das es für viele hart klingt und das ich auch bei vielen auf Unverständnis damit stosse, aber wenn ich pro und contra gegenüberstelle, dann weiss ich ich habe das richtige für mich getan, und mein Leidensweg hat ein Ende, wie ich es will und nicht wie andere es wollen, die sonst auch nur weggesehen haben.

LG netty

Maria-Nicole
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Beitrag von Maria-Nicole » 28.02.2007, 10:45

Hallo alle zusammen,

ich hab gestern mal wieder bei meiner Mum vorbeigeschaut. Es geht soweit gut.

Nach unserer letzten Auseinandersetzung wegen der Baldriantropfen ist sie irgendwie nachdenklich geworden. Sie sagt, ich hätte mich verändert.

Mein Mann sagte neulich auch, ich wär irgendwie anders und hätte gar nicht mehr so oft von Mutter gesprochen.

Ist das nicht prima?? Ich finde, ich hab mich auch verändert. Ich spreche tatsächlich nicht mehr so oft von den Problemen, denn ich kann den ganzen Mist hier abladen.

Versteht mich nicht falsch, ich bin immer noch für meine Mutter da, wenn sie mich braucht. Aber zur Zeit übe ich mich im "Loslassen", und es geht mir gut dabei. Ab und an kreisen meine Gedanken natürlich. Aber es wird besser.

Mir geht es gut

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