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Ich will endlich etwas ändern!!! Hat jemand Tipps wie?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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beachy
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Registriert: 28.01.2007, 01:35

Ich will endlich etwas ändern!!! Hat jemand Tipps wie?

Beitrag von beachy » 28.01.2007, 03:00

Hallo ihr Lieben,

bin auf dieses Forum gestoßen und es ist mir ein echt großes Anliegen mal alles zu erzählen und hoffentlich könnt ihr mir ja einige Tipps geben. Würde mir echt sehr helfen und auch freuen.

Also jetzt kurz zu mir: Ich bin 22 Jahre alt und studiere seit 2 Jahren in einem 500 km entfernten Ort.

Nun zu meinem Anliegen:
Mein Vater ist seit voll langer Zeit Alkoholiker. Er war/ist mal "einfach nur betrunken"und manchmal war er sehr sehr aggressiv. In letzter Zeit ist es, soviel ich mitbekomme, eher so, dass er nicht mehr so aggressiv ist.
Er kommt aber fast nicht mehr in einen nüchternenZustand.
Hinzu kommt, dass er Diabetiker ist.
Das Trinken und Zucker haben dazu geführt, dass er so hohe Blutzuckerwerte hatte, dass er sich nicht mehr selbst Insulin spritzen konnte. Wir erkannten es erst spät und er wollte auch nicht, dass der Arzt kommt.
Auf jeden Fall habe ich dann, als er schon im Zuckerschock, also fast Koma, lag, den Notarzt angerufen. Das war damals so schlimm, weil gerade niemand da war und ich überhaupt nicht wusste, was ich machen sollte. Es war Samstag und der HAusarzt war nicht da. Das war schrecklich.
Das war aber bereits im August.
Er ist wieder rausgekommen, hat sich aber davon nicht richtig erholt. Er hat weiter getrunken und ist seit dem auch etwas "langsam".
Was mir jetzt wieder zugesetzt hat, ist, dass mich am Montag meine Schwester angerufen und mich unter Tränen gefragt hat, was sie denn machen solle, Papa geht es so schlecht.
Sie hat auf mein Anraten hin den Notarzt gerufen und jetzt liegt er wieder im Krankenhaus. Er ist zwar schon wieder auf Normalstation, aber wie geht es weiter, wenn er wieder daheim ist?

Ziemlich lange Vorgeschichte: Sorry.
Achso dazu kommt, dass mein Opa, also sein Vater, an Heilig Abend gestorben ist. Vielleicht spielt das auch ein ganz kleines bisschen mit rein, dass "es" wieder so weit kam.

Ich will nicht mehr, dass es so weiter geht, wie bisher. Er schrammt am Tod vorbei und niemand macht etwas und ihn lässt das auch keine Lehre sein. Wie weit muss er denn noch sinken?
Wir haben es alle immer einfach hingenommen. Vielleicht nicht einfach so, aber konkret hat sich nichts oder nicht viel geändert. Fühle mich irgendwie hilf- und machtlos.
Das klingt volle blöd. Irgendwie weiss ich schon, dass ich meinem Vater nicht helfen kann. Das will aber nicht rein in meinen Kopf.
Ich möchte mal gezielt mit ihm darüber reden, weiss aber nicht wie. Vielleicht kann es ihm ja einen Schupps in die richtige Richtung geben.

Aber was und wie sage ich es, dass es nicht das Gegenteil bewirkt und er es wieder als Grund ansieht, zu trinken? Manchmal hat er auch schon angedroht, sich umzubringen, aber das ist schon länger her. Da habe ich Angst, dass er das auf mein Reden hin vielleicht tut.
Das ist alles so eine verfahrene Situation irgendwie.
Ich bin gar nicht mehr zu Hause, jetzt im Moment jedenfalls nicht und ich kann keine Konsequenzen ziehen bzw. androhen, wie es anderen im Forum geraten wurde und ich weiss nicht, wie solche aussehen könnten.
In den Semesterferien bin ich dann 7 Wochen zu Hause und am Wochenende auch manchmal, weil mein Freund in meinem Heimatort wohnt UND ich möchte meine Familie sehen und hab auch noch ein Zimmer zu Hause.
Wie soll ich mich da dann verhalten?
Vielleicht öffnet sich ja mein Vater, wenn ich mit ihm rede? Ich weiss es nicht. Ich wünsche es mir aber so, dass er sich ändert, sich öffnet und nicht immer in seinem Zimmer verkrümelt. Habt ihr da Erfahrungswerte, wie ich das Gespräch mit meinem Vater anfangen kann, um ihn "voranzubringen". Ich will es nicht mehr so weiterlaufen lassen bis es zu spät ist.

Vielen Dank für das geduldige und viele Lesen.
Und hoffentlich kann mir jemand helfen, weil ich nicht weiss, ob das überhaupt hilft und wie ich es anstelle, dass er merkt, dass es mir nicht egal ist, wenn er sich zusäuft.

Grüße und nochmals vielen Dank.

beachy

Hoffentlich konntet ihr meinen Gedankengängen folgen. :oops: :?:

lavendel
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Registriert: 23.05.2006, 20:05

Beitrag von lavendel » 28.01.2007, 11:25

hallo beachy,

herzlich willkommen hier im forum, schön, dass du hergefunden hast. wenn du hier mal ein bisschen liest wirst du feststellen, dass es viele wie dich (und mich :wink: ) gibt. ist natürlich in der konkreten situation nicht wirklich ein trost, aber trotzdem kannst du dir vielleicht das eine oder andere rausziehen oder dich vielleicht auch notgedrungen damit abfinden, dass DU im prinzip nicht viel machen kannst.

also: der "normale" weg wäre, ein gespräch im nüchternen zustand mit deinem vater zu führen (wichtig: keine anschuldigungen, vorwürfe, schreien....). nur von dir reden. dass du angst um ihn hast, dir sorgen machst, ihn noch ien bisschen behalten möchtest....). so in der richtung. du könntest ihm auch dem weg skizzieren: gespräch mit dem arzt, entgiftung, therapie oder reha. ob er das dann macht oder will, kannst du nicht beeinflussen. vielleicht ist so ein gespräch ein schubs, wie du schreibst.

aber ehrlich gesagt bin ich da nicht so fürchterlich optimistisch. wie du es beschreibst, arbeitet dein vater ja richtig auf seinen untergang hin.
Ich will nicht mehr, dass es so weiter geht, wie bisher. Er schrammt am Tod vorbei und niemand macht etwas und ihn lässt das auch keine Lehre sein. Wie weit muss er denn noch sinken?
jeder braucht seinen persönlichen tiefpunkt, und dein vater hat ihn scheinbar noch nicht gehabt. also muss er noch weiter sinken. das ist einfach so.
Ich möchte mal gezielt mit ihm darüber reden, weiss aber nicht wie. Vielleicht kann es ihm ja einen Schupps in die richtige Richtung geben.

Aber was und wie sage ich es, dass es nicht das Gegenteil bewirkt und er es wieder als Grund ansieht, zu trinken? Manchmal hat er auch schon angedroht, sich umzubringen, aber das ist schon länger her. Da habe ich Angst, dass er das auf mein Reden hin vielleicht tut.
wie, hab ich ja oben schon beschrieben. dass er sich aufgrund solch eines gespächs umbringt, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. im übrigen: dass er damit droht, ist an sich schon ganz schön gemein. und außerdem: wenn sich jemand ernsthaft umbringen will, kannst du ihn auch nicht daran hindern.

und zum thema konsequenzen androhen: ich war im studium in einer ähnlichen lage wie du. ich hab dann irgendwann die konsequenzen gezogen: ich bin einfach nicht mehr nach hause gefahren. ganz einfach. und wenn ich meine freunde sehen wollte, sind sie entweder zu mir gekommen, oder ich bin eben zu ihnen gefahren. das geht alles. wer zwingt dich, die semesterferien zuhause zu verbringen? weitergehend habe ich als konsequenz angedroht, nur noch mit meinen eltern zu sprechen, wenn sie nüchtern sind, auch am telefon. dadurch hat sich der kontakt reduziert, aber ich konnte das lallen, erpressen und heulen am anderen ende einfach nicht ertragen irgendwann.

du siehst:die möglichkeiten, deinem vater zu helfen, sind beschränkt. die möglichkeiten, dir dein leben erträglicher zu machen, nicht. auch wenn das alles am anfang furchtbar schwer fällt, das weiss ich. dafür sind eltern eben eltern. aber trotzdem: du hast auch ein recht auf ein schönes leben.

lieben gruß

lavendel

beachy
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Registriert: 28.01.2007, 01:35

Beitrag von beachy » 28.01.2007, 13:53

Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Ja, es ist schon "schön", dass ich nicht alleine dastehe, aber es ist auch traurig, dass wirklich so viele das durchmachen müssen. :(

Danke lavendel, ich werde versuchen mit meinem Vater zu sprechen und kann nur hoffen, dass er darauf reagiert und ich nicht dann irgendwann laut oder ungerecht werde.
Ich muss es einfach mal probieren, ob es etwas bringt, weiss ich auch nicht. Er scheint keinen Lebensmut mehr zu haben. Ich hoffe, dass es für ihn da einen Weg heraus gibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

"und zum thema konsequenzen androhen: ich war im studium in einer ähnlichen lage wie du. ich hab dann irgendwann die konsequenzen gezogen: ich bin einfach nicht mehr nach hause gefahren. ganz einfach. und wenn ich meine freunde sehen wollte, sind sie entweder zu mir gekommen, oder ich bin eben zu ihnen gefahren. das geht alles. wer zwingt dich, die semesterferien zuhause zu verbringen?" --> Zitat( weiss nicht wie ich das einfügen kann)

Mein Freund wohnt in meinem Heimatort und deshalb suche ich mir in den Semesterferien einen Praktikumsplatz zu Hause. Es wäre schon komisch, wenn ich zu meinem Freund in dieser Zeit ziehen würde, weil ich eigentlich zu meiner Schwester und meiner Mutter, die zusammen mit meinem Vater wohnen, einen guten Kontakt habe und auch gerne zu Hause bin.
Ich würde dann bei meinem Freund, der zwar eine fast eigene Wohnung hat, (aber kein Bad und keine fertig ausgebaute Küche) wohnen. Ich würde mich aber vielleicht da etwas "blöd" fühlen, weil seine Eltern dann über uns wohnen würden und ich praktisch von ihnen runterleben würde, wegen Küche, Essen und Bad.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich so von zu Hause abseilen will und ob das meine Familie verstehen würde. Ich habe ja noch mein Zimmer und wir (mein Freund und ich) sind, wenn ich daheim, bin sehr oft bei mir.
Meine Mutter nimmt es halt fast so hin. Sie wird auch keine Kraft mehr haben. Da sind so viele finanzielle Schwierigkeiten dahinter und ich laste ihr da auch noch viel auf.
Das ist aber etwas anderes.

Aber danke für die Hinweise. Ich werde an mir arbeiten müssen, aber es kommt halt oft einfach so in Art Schüben wieder raus. Mal hab ich es ganz kapiert und dann wieder überhaupt nicht.
Ich denke, dass es dir auch ähnlich gegangen ist bzw. geht und schön zu hören, dass du einen Weg gefunden hast, damit umzugehen.
Ich hoffe, dass ich diesen auch finde, ohne meine Mutter und meine Schwester ungerecht zu behandeln.
Danke nochmals für die klare Aussage und auch die Aufmunterung. :)


Wie ist es euch gegangen, als ihr mit euren Eltern/dem alkoholkranken Elternteil über das Alkoholproblem geredet habt? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?
Ich werde euch meine Erfahrungen erzählen, wenn ich mit meinem Vater geredet habe. Hab Angst davor, dass es nichts bringt oder er einfach aufsteht und wütend in sein Zimmer geht und (ihr wisst schon) :(
Aber das kann ich nicht beeinflussen und ich kann es auch nicht entscheiden, wie ihr mir schon gesagt habt und ich schon oft gelesen habe.

Mal schauen, entweder nächstes oder übernächstes Wochende, wenn ich dann längere Zeit zu Hause bin, werde ich den schweren Schritt angehen, aber hoffentlich bringt mir das eine innere Beruhigung, dass ich es wenigstens versucht habe und er dann weiss, wie es mir dabei geht.

Ich wünsche allen, die das hier ausdauernd gelesen haben einen trotzdem einen schönen schneereichen weißen Sonntag zum ausruhen.
Ich werde mich jetzt ablenken und kochen und mich auf meine Klausuren vorbereiten.

Machts gut, vielen Dank und ganz liebe Grüße

beachy.

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