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Mutter säuft sich noch zu tode

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

mannlehen
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Mutter säuft sich noch zu tode

Beitrag von mannlehen » 17.02.2007, 16:12

Hallo erstmal liebe Forengemeinde!

Also mal ne kurze Beschreibung zu mir und meiner Familie...

Ich bin männlich, 20 Jahre alt und wohne zusammen mit meiner Mutter (geschieden seit 8 Jahren) und Ihrem Freund. Da der Freund von meiner Mutter 80km weiter wohnt, ist meine Mutter unter der Woche bei ihm (arbeitet auch da usw.). Am Wochenende kommen die beiden dann zu mir nach Hause. Also seh ich meine Mutter nur am Wochenende. Das soll auch nich das Problem sein da ich gut allein klar komme. Meine Mutter musste auch in der letzten Zeit sehr sehr viel durchmachen. Mein Opa ist gestorben und kurz darauf ihr Bruder. Danach gab es noch mit ihrer Schwester streit über die Erbschaft und so weiter. Ich hab es ihr auch angemerkt zu der Zeit das sie wohl mit der Situation überfordert ist. Das ganze ist jetz gut 3 Jahre her.....
Jetz mal zu den Fakten... Meine Mutter säuft - und zwar nicht schlecht!
Bemerkt hab ichs schon vor langer Zeit.... damals als wir noch mit meinem Vater zusammen gelebt haben hat sie anscheinend auch schon gesoffen. Mein Vater wurde ihr gegenüber dann immer aggressiv wenn sie mal wieder stramm war. Damals hab ich meinen Vater dafür gehasst!...Aber ich erwische mich jetzt schon selber öfters dabei, das ich meiner Mutter, wenn sie mal wieder besoffen ist und in der Wohnung rumtorkelt am liebsten ein paar knallen würde. Das klingt jetz vielleicht hart aber ich kann nix dafür. Und dann denkt sie auch noch das es niemand weiß oder bemerkt....Wo sie mal wieder ihre Wein und Schnapsflaschen versteckt....ich hab sie jedoch schon längst durchschaut.
Hab mich aber auch bis jetzt nich "getraut" sie darauf anzusprechen.....Hab nur einmal gemeint, das sie sich verpissen soll aus meinem Zimmer da ich keine Lust darauf hätte mit ihr zu reden wenn sie besoffen ist. Dann meinte sie nur "du weißt doch garnicht was ich alles mitmachen muss balblablablabla.....wie hat also gründe dafür gesucht usw.."....dann ist sie einfach gegangen...
Auto fährt sie auch meistens besoffen, wo aber zum glück noch nichts passiert ist....

So jetzt mal meine Frage(n):

Wie sprech ich sie am besten darauf an? Ich glaub nicht das sie sich eingesteht Alkoholiker zu sein (was sie definitiv ist!) und mit mir darüber redet....Sie wird dann wieder die "Mitleidsnummer" abziehen und rumheulen was sie doch für Probleme hat und ich mich um nen *** kümmer und so weiter".....sie spinnt sich dann immer sachen zusammen die garnicht existieren und so weiter - kennt ihr wahrscheinlich alles...

Mit dem Freund meiner Mutter komm ich zwar super gut aus, aber möchte ihn trotzdem nicht darauf ansprechen. Ich glaub er hat es noch nich wirklich realisiert das meine Mutter Alkoholkrank ist....Denn falls er es wüsste und damit nicht zurecht kommen würde - und sich im schlimmsten fall von meiner mum trennen würde - wär das wohl der absolute supergau und meine mutter würde sich wohl den finalen schuss geben denk ich mal...das möchte ich auf KEINEN fall.....

zu irgend einer therapie werd ich sie wohl auch nicht überreden können, da sie wohl angst hat das es ihr umfeld etc. mitbekommt. Manchmal hätte ich echt lust sie einfach für ne Woche in ne stube zu stecken und ihr keinen alk zu geben... :-(

also wie geh ich am die sache am besten an, das
a) ihr freund davon nix bemerkt
b) sie nicht wieder anfängt rumzuheulen
c) sie es sich EINGESTEHT krank zu sein
d) sie davon loskommen will

danke schonmal fürs lesen ;)
gruß

baggerschen
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Beitrag von baggerschen » 17.02.2007, 16:53

Hallo Mannlehen...

Herzlich willkommen erstmal...
Du bist in einer Situation in der viel hier stecken wie du sicherlich schon gelesen hast...
Es ist schwer wenn die Eltern trinken...Wir Kinder wissen kaum damit umzugehen...
Eins aber ist leider fakt .... Keiner kann ihr helfen ... das kann nur sie selber...dazu gehört in erster Linie das sie selber einsehen muss das sie krank ist...
Schlimm ist das du weißt das sie Auto fährt wenn sie getrunken hat ... sorry ... du bist 20 Jahre alt ... da musst du einschreiten ... das darf man nicht tolerieren .. wenn was passiert machst du dich selber mit für verantwortlich und eventl.. sogar strafbar...also entweder Autoschlüssel wegnehmen oder die Polizei informieren ...da wirst du radikal eingreifen müssen ...
Du willst mit ihr reden .. gut ... dazu solltest du einen nüchternen Augenblick von ihr abpassen...
und du solltest ihr alles sagen.. wie du dich fühlst .. wie du sie siehst...
Warum soll ihr Freund nix erfahren ?...denkst du nicht er weiß es eh schon ?... vielleicht gehts ihm genauso wie dir und er traut sich nicht dich anzusprechen ?...Also wenn deine Mutter was erkennen soll dann musst du offen reden ...ihr dürft ihr nicht den Rücken stärken ...sie ist erwachsen und muss ihre Angelegenheiten selber klären...da dürft ihr nicht helfen .. aber du und ihr Freund ihr müsst euch einig sein ...nur so hat sie eine Chance sich selber so zu sehen wie sie ist..
um dann eventuell selber zur Einsicht zu kommen....
am besten ist du liest dich hier noch ein ganzes Stück durch .. dann wirst du immer wieder dieselben Antworten auf deine Frage finden..
Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen und vergiss dich bitte nicht selber unter diesen Umständen ...

in diesem Sinne..

summerdream
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Beitrag von summerdream » 17.02.2007, 18:04

hallo erstmal

also als erstes solltest du meiner meinung nach mit ihrem freund reden. wenn deine mom so drauf is wie du sie beschreibst (und wenn du es sagst, glaube ich es dir auch), dann hat er auf alle fälle gemerkt, dass sie zuviel trinkt. vielleicht hat er noch nicht gemerkt, dass sie alkoholikerin is, manche brauchen dafür ewig, weil sie es einfach nicht wahrhaben wollen. verlassen wird er sie bestimmt nicht deswegen, weil du ihn darauf angesprochen hast.

vielleicht könnt ihr zu zweit mit ihr reden. was den inhalt dieses gesprächs betrifft kann ich mich baggerschen nur anschließen.

das sie bei diesem gespräch heulen wird, wird wahrscheinlich passieren. das wird sich nicht vermeiden lassen.

biete ihr an mit ihr zu ihrem hausarzt zu gehn, er kann euch auf jeden fall an weitere stellen verweisen.

das mit dem autofahren kenn ich nur allzugut, aber blöderweise gibts eigentlich keinen rat dafür. zu mir wurde mal gesagt, man darf den autoschlüssel nur wegnehmen, wenn der betrunkene sich ins auto hockt und den schlüssel ins zündschloß steckt. weiß aber nicht genau ob das stimmt.

wie wär's wenn du mal zur suchtberatung gehst? da kannst du dich informieren und darüber reden, wie es dir bei der ganzen sache geht.

liebe grüße

- dani -

mannlehen
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Beiträge: 5
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Beitrag von mannlehen » 18.02.2007, 19:21

Hi,
vielen vielen dank erstmal für die antworten....

Heut wär ich fast durchgedreht....ich hab bis 11Uhr geschlafen bis mich meine Mutter aufgeweckt hat - natürlich schon wieder breit wie eine Banhsteigkante.... Ich hab sie dann angebrüllt das sie sich verpissen soll und hab erstmal weitergeschlafen.....Bin dann gegen 12uhr aufgestanden und hab sie im Schlafzimmer gesehen wie sie geschlafen hat....Als sie dann gegen 16uhr aufgestanden ist war sie wohl wieder nüchtern, zumindest machte sie den eindruck danach (hab schon gelesen das man säufern auch manchmal nich anmerkt wenn sie 1-2 promille haben..).....Dann, eine Stude später war sie wieder zu bis oberkante.....glaub so schlimm wars schon lange nichmehr....hat dermaßen geschielt, gelallt und ist in der wohnung rumgetorkelt..... Ihr Freund ist dieses Wochenende nicht mit da weil er auf irgend nem Feuerwehr Seminar oder so ist..ka....Jedenfalls kam sie dann in mein Zimmer und meinte es gibt essen....Ich hab mir unterm Schreibtisch schon die Faust geballt und dachte jeden Moment spring ich auf und schlag sie nieder :-(
Konnte mich dann noch zurückhalten....Beim essen saßen wir beide dann.....sie hat nix gegessen......Während ich gegessen hab war sie zum glück ruhig (erstmal..) - sonst wäre ich wohl sofort ausgerastet.

Auf einmal fängt sie wieder an zu lallen und über ihre brille zu schielen....ich hab dann meinen *** teller gepackt und ihn mit nem halben meter abstand zu ihr an die wand geworfen (hat gut gescheppert)....hab dann noch gebrüllt das sie mich ankotzt und sich doch zu tode saufen soll - möglichst schnell...ich hab auf diesen mist keinen bock mehr!....seitdem hab ich sie jetz nichmehr gesehen...sie soll sich blos nich trauen in mein zimmer zu kommen sonst knallts - aber vom feinsten....

hab auch noch ihre halbe flasche wodka ausgeschüttet vorsichtshalber....autoschlüssel sind auch weg und tür is verschlossen...

morgen geht sie wieder....werd mich jetz die woche noch informieren und sie am Freitag/Samstag ansprechen und sie zu nem sofortigen entzug zwingen....wenn sie nich ins kkh will werd ich sie für nen paar tage in nen zimmer sperren, das ist mir dann *** egal was passiert...anders gehts nicht...

mit ihrem partner möcht ich trotzdem vorerst nicht darüber reden, da ich ihn echt nicht einschätzen kann wie er reagieren wird....und im falle einer trennung wär es wie gesagt der supergau...damit würde meine mutter auf keinen fall fertig werden....

noch ein paar fragen (wär für kurze antworten dankbar, rest kann mir aus dem forum suchen :-) )

Entzug//

- wie lange dauert diese "Entgiftung" im Schnitt ca. ?
- wer trägt die Kosten?
- kann das im "normalen" Krankenhaus durchgeführt werden?
- Gibt es dabei eine Gefahr?
- Wie siehts aus mit der Arbeit? Wird man für den Entzug krankgeschrieben?


Allgemeine Fragen//

- wie sieht das nach dieser "Entgiftung" aus? Ist man danach sozusagen nichtmehr "körperlich" Abhängig vom Alkohol? Also gibts keine entzugserscheinungen mehr wenn kein Alk mehr kommt?

- Besteht danach nur die Gefahr rückfällig zu werden wenn man es psychisch nicht gebacken bekommt nichtmehr zu saufen?

- Inwiefern kann ich ne Alkoholsucht mit Nikotinsucht vergleichen?
-- Ich bin selbst raucher (1 schachtel/Tag) und weiß auch das ich süchtig danach bin....wenn ich jedoch mal 1 tag keine rauch bekomm ich keine entzugserscheinungen wie händezittern, hoher blutdruck, schweißausbrüche oder so....es ist eben nur so nen gefühl im körper das ne kippe will...raucher kennen das ja...ist schwer zu beschreiben...

Fragen an Alkoholiker/ trockene Alkoholiker//

- Haben alkoholiker nach ner versoffenen nacht/tag keinen kater? oder wie handhabt ihr das? ich muss zugeben das ich hin und wieder auf ner party auch mal einen aufsetz das ich nichmehr weiß wo hinten und vorne is...kann danach jedoch paar tage keinen alk mehr sehen...katerstimmung eben...

- ist so eine "entgiftung" schwer? also hat man dabei große schmerzen bzw. das STARKE verlangen nach alkohol? also ich persönlich könnte mir zur zeit leider nicht vorstellen zum beispiel ne woche nicht zu rauchen...würde glaub ich durchdrehen....

ok hoffe ihr könnt mir helfen

1000 dank nochmal für die ersten antworten und für das lesen

gruß

Spedi

Beitrag von Spedi » 18.02.2007, 19:44

Servus Mannlehen,

ich kann Deine Wut gut nachvollziehen.

Aber bitte der Reihe nach: ein "Einsperren" bringt gar nichts - außer, dass Du bewusst den Tod Deiner Mutter durch einen sogenannten "klaten Entzug" riskierst.
So schwer es für Dich sein mag, du hast nur eine einzige reale Chance:
1.) Sprich mit ihr wenn sie nüchtern ist - sonst nicht.
2.) Sag Ihr, dass Du nicht länger bereit bist, sie zu decken.
3.) Sag ihr, dass SIE etwas dagegen tun muss - angefangen von der Entgiftung (nur unter medizinischer Aufsicht!!!), über Suchtberatung / SHG / Therapie. Was halt für Sie in Frage kommt.

Und nun zu Deinen Fragen:
- Eine Entgiftung in der Klinik dauert zwischen 10 und 14 Tagen, wenn sonst keine medizinischen Indikationen gegeben sind.
- das kann im "normalen" Krankenhaus durchgeführt werden. Optimal wäre es, wenn dort eine Abteilung für psychosomatische Leiden / Suchtkranke vorhanden ist.
- Es gibt bei jedem Entzug viele Gefahren, von Krampfanfällen bis zum Herzinfarkt ist alles drin. Daher NIE (selber) "kalt" entziehen!!!
- Sie erhält eine Krankmeldung ohne Angabe von Gründen. Für den Arbeitgeber ist nicht ersichtlich, warum sie dort ist.

- Nach der Entgiftung ist erst mal das Gift Alkohol aus dem Körper raus. Danach gibt es keine körperlichen Entzugserscheinungen mehr.
- Die eigentlichew Arbeit des "Trockenwerdens" kann erst dann beginnen. Die Rückfallgefahr besteht bei dieser Krankheit leider lebenslang. Du musst Dir das verinnerlichen: Unsere Krankheit kann nie geheilt werden. Lediglich die 100%ige Abstinenz bringt unsere Krankheit zum Stillstand - mehr nicht. Die Gefahr des Rückfalls ist umso höher, je weniger ein Kranker an sich selbst "arbeitet" und für sinnvollen Ersatz des Alkohols sorgt. Das muss er/sie aber erst lernen.
- Alkoholsuch ist mit Nikotinabhängigkeit nicht vergleichbar. Das ist wie Kamelreiten und Weltraumflug. Beides ist Fortbewegung (=Sucht), aber das war dann auch die einzige Gemeinsamkeit. (ist jetzt sehr platt ausgedrückt, aber glaubs mir erst mal).

- Ich hatte in der früh keine Kater. So weit liess ich den Pegel in meinem Körper gar nicht absinken, da war die Sucht zu stark.

- Bei einer Entgiftung in der Klinik werden auch bei Bedarf Medikamente verabreicht, um den Kranken kontrolliert zu entgiften.

Konnte ich Dir damit erst mal helfen? Noch Fragen? Immer her damit, ich werde gerne versuchen darauf einzugehen.

LG
Spedi

mannlehen
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Beitrag von mannlehen » 18.02.2007, 20:24

Hi du!
danke für deinen antworten und für das lesen!!

Was mich noch interessieren würde, was bewegt Alkoholiker die einen erfolgreichen Entzug hinter sich haben wieder rückfällig zu werden? Ich versteh das einfach nicht, was wohl daran liegt nicht selbst sowas erlebt zu haben. Ich mein die Leute sind danach ja erstmal wieder "klar im Kopf" und können wirklich realisieren was sie ihrem körper die ganze zeit angetan haben....wieso greifen sie dann wieder zur flasche obwohl in normalfall ja keine körperliche sucht mehr vorhanden ist? liegt es an dem "guten feeling" besoffen zu sein? An die Erinnerung daran wie man seine Probleme "ertränken" konnte?

Und wer trägt eigentlich die Kosten für solch einen Entzug? Kommt die Krankenkasse dafür auf? Und falls im Anschluss eine Therapie durchgeführt wird, übernimmt das auch die Kasse?

Hat man als Nicht-Privat-Patient das Recht darauf in einem einzelzimmer behandelt zu werden? Oder besteht die Gefahr mit seinem Alkoholkonsum 1-2 Patienten mit Beinbruch/Sonstigem auf dem Zimmer zu haben? Ich glaub daran könnte zum beispiel ein solcher aufenthalt für meine mutter schon scheitern da sie sich wohl zu sehr dafür schämt....

Ist es ratsam das ich dann die komplette Zeit bei meiner Mutter im krankenhaus verbringe und ihr dabei beistehe und sie unterstütze und auf andere gedanke bringe / ablenk? Oder ist es eher ratsam die person komplett allein zu lassen und es allein durchzustehen?

ist es außerdem ratsam einem alkoholiker seinen stoff wegzunehmen oder ist es im grunde egal? ich hab meiner mutter ihren stoff hin und wieder weggenommen und ausgeschüttet bzw. auch mal die flaschen mit wasser gefüllt damit sie die gewissheit bekommt das ich davon weiß....

Direkt angesprochen hab ich meine Mutter noch nicht darauf das sie alkoholikerin ist - habe immer nur gesagt sie kotzt mich an wenn sie besoffen ist....meistens hab ich mich jedoch auch von ihr weggezogen und mich in mein zimmer verzogen bzw. bin einfach mit freunden weg...

Realisieren Alkoholiker eigentlich das sie welche sind? Oder glauben sie, das ne halbe flasche schnaps / 10 Bier oder 3 Flaschen Wein am Tag noch im normalen Rahmen sind? Wissen sie es in ihrem inneren und haben nur nicht die kraft bzw. die lust was dagegen zu unternehmen?


viele frage - keine antworten :(

gruß

Spedi

Beitrag von Spedi » 18.02.2007, 20:59

Servus Mannlehen,

nix: viele Fragen - keine Antworten. Antworten kommen schon, garantiert...

Aaaalso, ich versuchs mal (bitte keiner schreien, wenns wieder mal sehr stark vereinfacht dargestellt ist)

- warum wird ein Alkoholiker wieder Rückfällig? Nun, wir Alkoholiker haben alle irgend einen "Grund" gehabt, warum wir uns der Realität nicht gestellt haben, sondern gesoffen haben. Manche sind auch einfach(?!?) vom permanenten Missbrauch in die Sucht "abgerutscht". In uinserem Gehirn gibt es ein sogenanntes "Suchtgedächtnis", das sich an unser Rauschmittel gewöhnt hat und unserer Psyche sagt, dass wir diesen Stoff gerne wieder hätten. Dieses Suchtgedächtnis hat leider keine "reset"-Taste und bleibt lebenslang auf Alkohol geeicht. Hat sich jetzt ein trockener Alkoholiker keine ausreichenden Strategien besorgt, wie er/sie in Krisenzeiten ohne Alkohol "durchkommen" will, dann wird er in solchen Momenten "schwach" werden. Aber wie gesagt: das ist sehr vereinfacht dargestellt. Davon gibt es zig Varianten.

- wer trägt die Kosten für einen Entzug? Die Krankenversicherung ist der Hauptträger von derartigen ärztlich verordneten Massnahmen. Ein eventuelle Therapie wird je nach Status durch den Rentenversicherungsträger oder die Krankenkasse bezahlt.

- Die Frage nach Ein- oder Mehrbettzimmer stellt sich eigentlich nicht so sehr - entweder, der Alkoholiker will sich helfen lassen, dann ist die Art der Unterbringung "egal". Oder er hat so viel Scham, dann wird er nichts gegen seine Sucht unternehmen. Aber ja, es gibt in Einzelfällen auch Einbettzimmer und Chefarztbehandlung. Ist aber "Schwachsinn".

- Du wirst kaum Zeit bei Deiner Mutter im Krankenhaus verbringen. Außer, Du besuchst sie mal und/oder bringst ihr ein paar Sachen mit. Sie wird dort medizinisch und psychologisch betreut. "Langeweile" wird sie keine haben, mein Wort darauf! Ablenkung bringt ihr schon die Tatsache genug, dass sie sich (erstmalig(?!?)) ihrer Sucht stellt.

- Während sie in der Entziehung ist, wäre es super wenn Du das komplette Haus/Wohnung zu 100% alkoholfrei machen könntest. Vergiss bitte nicht, auf Mundwasser etc zu achten, sämtliche Versteckmöglichkeiten auszuräumen etc.

- Viele Alkoholiker (ich kenne zumindest keinen, bei dem es anders gewesen wäre) wissen um ihr Problem. Die Sucht ist jedoch sehr oft so stark, dass sie mit Alkohol jeden Gedanken an eine Veränderung ihres Alkoholikerdaseins ertränken - das kann bis zum persönlichen Tiefpunkt oder bis zum Tod gehen. In den Phasen dazwischen überwieg Selbtsmitleid - mal ein Pfund, mal ein Zentner. Manchmal werden auch halbherzige Versuche unternommen, trocken zu leben. Wir nenn das dann Trinkpausen. Sie sind gekennzeichnet davon, dass der Kranke nichts in seinem Leben tatsächlich verändert und vorhersehbar rückfällig wird.

Ich muss Dir leider nochmal sagen, all diese "Massnahmen" werden nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn Deine Mutter es möchte. Du kannst sicher alles "vorbereiten", Du magst sogar (sehr hypotetsich!!!) Glück haben und sie überreden können, etwas zu tun. Aber wenn sie von sich aus nicht bereit ist, ihr Leben von Grund auf zu ändern (Freundeskreis, Arbeit (?!?), Hobbies etc.) um künftig alkoholabstinent leben zu können, dann wirst Du mit all dem scheitern!

Sorry, in aller Deutlichkeit: wenn sie nicht will, dann säuft sie sich zu tode - und Du kannst nichts, aber auch gar nichts, dagegen unternehmen!

Ich bin sicher, das beantwortet noch nicht alle Deiner Fragen. Also, lies Dich hier im Forum in Ruhe durch, stell Deine Fragen - dafür sind wir ja hier.

Worauf ich in Kürze gerne mal eingehen möchte ist die Frage, wie es Dir eigentlich geht - und wie Du Dir Hilfe suchen kannst, wenn Du es möchtest. Täusche Dich nicht: Angehörige von Alkoholikern (oder gar Co-Abhängige) machen die Hölle durch und brauchen auch sehr oft Hilfe, um aus dieser Misere einigermassen unbeschadet rauszifinden!

Also, viel Kraft auf Deinem Weg, wir sind für Dich da.

LG
Spedi

baggerschen
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Beiträge: 520
Registriert: 05.01.2007, 12:45

Beitrag von baggerschen » 18.02.2007, 21:41

Hallo Mannlehen....

Ich kann dir sehr gut nachvollziehen wie wütend und sauer und enttäuscht du bist....
Es hilft dir aber nicht deine Wut an ihr abzuregieren... der Teller den du schmeisst kann nix dafür... deine Mutter schlagen oder ähnliches... das wird dich noch mehr zum verzweifeln bringen ..
Du willst sie zwingen ... denk gar nicht erst drüber nach .. du kannst und darfst sie nicht zwingen ...
du kannst und darfst sie nicht einsperren ...( das währe Freiheitsentzug und damit würdes du dich strafbar machen )... also schlag dir das alles bitet aus dem Kopf ... weil selbst wenn sie unter Zwang alles tun würde ... sie würde nicht auf dauer trocken werden .. sie kann es nur schaffen wenn sie einsieht das sie abhängig ist und wenn sie selber trocken leben will...
Da du aber so emotional darunter leidest kann ich dir nur raten erstmal Abstand zu suchen ...ganz dringend... nehm dir ne Auszeit von deiner Mutter...
und vor allem ... such dir Hilfe ... geh zu einer Suchtberatung für Angehörige .. erklär deine Situation ... dort kanns du erstmal reden .. und reden hilft .. glaubs mir ...
Un vorallem red mit ihrem Partner ... das ist momentan am wichtigsten .. du kannst dich mit diesem Problem nicht alleine auseinandersetzen ...
bevor du irgendwas unüberlegtes tust ... such dir Hilfe und zwar gleich morgen ...lass sie gehen und versuch nicht sie aufzuhalten ...
Bleib im Forum .. schreib dir hier die Wut von der Seele .. aber werd nicht handgreiflich ...wenns ganz heftisch kommt .. nehm deine Jacke geh vor die Türe und schreie .. laufe oder tu sonst was... aber lass die Teller die Wände und deine Mutter in Ruhe ...du machst dich selber nur noch unglücklicher sonst...

Ich wünsch dir alles Gute und ne menge Kraft und vorallem .... VERSTAND....

in diesem Sinne....

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