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Wird sie jetzt begreifen?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Sorge
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Registriert: 16.03.2007, 22:13

Wird sie jetzt begreifen?

Beitrag von Sorge » 16.03.2007, 22:36

Hallo an Euch,

im Moment weiß ich leider nicht mehr weiter.
Ich denke es ist an der Zeit was zu unternehmen - aber wie ? und was ?

Erst mal meine Geschichte:
Meine Mutter leidet unter Depressionen. Vor einem Jahr haben wir sie dazu bekommen sich deshalb in eine Kur zu begeben. Kurzfristig war alles sehr vielversprechend, aber das dauerte nicht lange an.

Hinzu kommt, daß sie nach der Kur zwar nicht mehr zu irgendwelchen Medikamenten greift (außer den verordneten Antidepressiva)....sondern allem Anschein nach eher zum Alkohol. (In Verbindung mit ihren Tabletten natürlich unerträglich)

Gerade liegt sie seid 4 Monaten im Krankenhaus - Sturz beim Betten machen - schlechte Heilung, da ihre Blutwerte nicht gerade förderlich sind.
Mein Vater hat beim aufräumen mehrere Flaschen Alkohol (leer) gefunden. Es gab noch viele andere Dinge, die uns bestätigt haben, daß sie heimlich trinkt.

Davon will sie natürlich überhaupt nichts wissen. Nachdem wir sie darauf angesprochen haben, daß sie doch nun unter ihrem langen Aufenthalt im Krankenhaus genug Gründe hätte sich helfen zu lassen. Zu ihren Depressionen steht sie und ist auch bereit ihre Reha in einer entsprechenden Klinik durchzuführen. Alkohol will sie sich aber nicht verbieten lassen!

Heute war ich auf der Beerdigung ihrer Zwillingsschwester (58 Jahre). Sie hatte das gleiche Problem und ist letztendlich an einer Lungenembolie gestorben. Das hatte zwar nichts mit ihrer Alkoholabhängigkeit zu tun, aber ihre vielen vorrausgegangenen Krankheiten sehr wohl.
Meine Mutte hat ihre Schwester immer sehr geliebt, ihre Alkoholprobleme und damit verbundenen Folgen ziemlich verurteilt.

Ich habe einerseits große Sorge, daß der plötzliche Tod ihre geliebten Zwillingsschwester sehr schwerwiegende Folgen für ihren seelischen Zustand hat (Gott sei dank wird sie die nächsten Wochen in der Reha von geschulten Menschen betreut) und dadurch ihr Alkoholproblem noch schlimmer wird.

Oder wird sie nun endlich einsehen, daß sie selbst es nicht so weit kommen lassen darf?
Mein Vater spricht auch schon von Auszug wenn sich in Zukunft nichts ändert.
Ist sie sich ihres Mannes nach 40 Jahren Ehe zu sicher (sie ist völlig unselbständig) oder würde sie selbst das ignorieren?

Mein Paps tut mir leid, ich mache mir Sorgen um meine Mama - aber ich weiß nicht was ich tun soll...........

Traurige Grüße

summerdream
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Beitrag von summerdream » 19.03.2007, 04:27

hallo sorge

erstmal ein herzliches willkommen hier, schön das du hergefunden hast. schau dich ruhig mal um, du wirst sehen es geht einigen so wie dir.

hm... ob deine mutter der tod ihrer schwester zur einsicht bringen wird, kann nur die zeit beantworten. es kann sein, dass alles schlimmer wird oder das es für deine mutter der fingerzeig in die richtige richtung war. hoffen wir mal zweiteres. aber wenn sie nicht will, könnt ihr leider nichts machen, sie muss es selber wollen, ihr könnt dann !aber auch nur dann! eure hilfe anbieten.

das dein vater sich von ihr trennen will, kann ich ganz gut verstehen. deine mutter wird merken, dass ihr handeln folgen für sie hat, vielleicht wird sie das dazu veranlassen, sich hilfe zu suchen. aber falls der tod deiner tante keine veränderung im trinkverhalten deiner mutter bringt, wird sich auch weiterhin nix dran ändern, wenn dein vater bei ihr bleibt.

du schreibst sehr wenig über dich selbst. wie geht es dir? wie alt bist du? wohnst du noch daheim oder hast du vielleicht eine eigene familie gegründet?

liebe grüße

Sorge
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Beitrag von Sorge » 30.03.2007, 12:22

Hallo Summerdream,

vielen Dank für deine Antwort.
Ich habe leider heute erst wieder hier reingeschaut. Meine Mutter liegt wie gesagt gerade im Krankenhaus, trinkt also momentan nicht. Immerhin seit 4 Monaten. Das liegt aber weniger an ihrem Willen, sondern nur daran das mein Vater sich geweigert hat wie von ihr gewünscht Welchen zu bringen.

Duch diesen Aufenthalt ist das Problem wieder etwas aufgeschoben. Ein bißchen Hoffnung, den Tod ihrer Schwester besser verarbeiten zu können, setzt ich ihn ihre anschließende Reha. Dort werden neben der orthopädischen Behandlung auch psychologische Gespräche angeboten, die sie nach eigener Aussage auch nutzen möchte.
Das betrifft aber nur ihre Depressionen, ihr Alkoholproblem wird sie da sicher nicht ansprechen und die gehen dann auch nicht darauf ein.

Ja, wie geht es mir? Ich finde es sehr schade, weißt du, ich bin 37 Jahre alt, lebe in einer Patchworkfamilie, die nicht immer ohne Probleme bleibt.
Leider habe ich in meiner Mutter keine Stütze, ich kann mich bei ihr nicht ausheulen, kann nicht zu ihr aufschauen. Manchmal kann man ihr ewiges Gejammer einfach nicht mehr ertragen, schließlich hat man genug eigene Probleme.
Ich lebe 1 1/2 Autostunden von meinen Eltern entfernt, habe so ein bißchen Abstand. Meist beschränkt sich unser Kontakt auf Telefonate.

Ich habe nur Angst um meinen Vater, er tut mir so leid. Viele Jahre hat er hart gearbeitet, ein Haus gebaut und 4 Kinder gehabt. Jetzt, wo er bald in Rente gehen kann, macht ihm meine Mutter das Leben schwer. Der kann nicht mehr, dabei könnte ihr Leben jetzt so schön werden.

Danke fürs zuhören
liebe Grüße
sorge

summerdream
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Beitrag von summerdream » 30.03.2007, 12:38

habt ihr den ärzten schon gesagt, dass deine mutter ein alkoholproblem hat? vielleicht sind die ja bereit mal mit ihr drüber zu reden.

auch wenn die reha "nur" gegen ihre depressionen ist, sie wird da einiges aufarbeiten, vielleicht schafft sie es ja im laufe einiger gespräche ihr alkoholproblem zu erwähnen, dann kann daran angeknüpft werden.

ob patchworkfamilie oder "normale" familie, ich denke überall gibt es des öfteren mal probleme. wenn dir das gejammere deiner mutter zuviel wird, kannst du ja auch einfach auflegen. klingt hart, aber so ersparst du dir auch ein paar sorgen. du musst in erster linie an dich denken, tu das was dir gut tut, wonach dir der sinn steht, dazu hast du jedes recht.

klar tut dir dein vater leid, aber auch wenn es traurig ist, vielleicht wäre es für ihn besser seinen eigenen weg zu gehn. das mag am anfang schwer sein, aber er wird bestimmt lernen, das leben alleine zu genießen.

liebe grüße

Sorge
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Beitrag von Sorge » 30.03.2007, 12:53

Die Ärzte,....das ist so ein Thema das ich überhaupt nicht verstehe.
Als meine Mutter vor 4 Monaten mit einem Bruch ins Krankenhaus kam, der sofort operiert werden mußte, haben die Ärzte, vor allem die Anästhesisten sofort gemerkt was mit ihr los ist.
Mein Vater hat ganz offen mit ihnen gesprochen. Er hat dies auch meiner Mutter gesagt, auch das ihre Werte bei der 3 Operation nach mehreren Wochen im Krankenhaus viel besser waren.
Von ihm will sie aber zu diesen Dingen nichts mehr hören und die Ärzte....naja, ob die mit ihr darüber gesprochen haben, das bezweifle ich.

Es ist nämlich so, daß meine Mutter seid vielen Jahren gegen sämtliche Wehwechen Tabletten genommen hat. Ihr Hausarzt hat ihr die immer wieder verschrieben, auch er hätte ihr Problem erkennen müssen. Hat er aber nicht, oder zumindest hat er ihr nichts gesagt.

Das ich mein Leben alleine meistern muß, macht mir nichts aus, durch die Entfernung zu meinen Eltern musste ich das schon immer und denke das auch ganz gut hinzubekommen.
Schade ist nur, das meine Große früher in den Ferien immer gerne Urlaub bei Oma und Opa gemacht hat, aber inzwischen nicht mehr hinwill, weil die Oma immer so komisch ist. "Die Oma macht sowieso den ganzen Tag nichts mit uns, außer rauchen und trinken und komisch reden".
Es tut mir weh, wenn sogar meine Kinder das schon sagen.

LG
sorge

summerdream
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Beitrag von summerdream » 30.03.2007, 13:17

traurig mit deiner großen, aber sie hat schon erkannt, was für sie selber am besten ist. abstand! eine weise entscheidung, viele möchten trotz allem noch zur oma, auch wenn sie da dann wieder leiden.

die ärzte haben bestimmt schon mit deiner mutter gesprochen, sind aber wahrscheinlich auch nur auf granit gestoßen. wie meine mutter im krankenhaus war, haben sie lange mit ihr gesprochen, haben sich viel mühe mit ihr gegeben, das fand ich ganz toll, auch wenn es damals noch nix genützt hat.

Sorge
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Beitrag von Sorge » 11.04.2007, 20:48

Bei einem Besuch in der Reha meiner Mutter habe ich endlich mal allen Mut zusammengenommen und mit ihr geredet.
Über meine Sorge, das sie genauso krank wird wie meine Tante und genauso früh sterben wird, um ein weiteres Zusammenbleiben meiner Eltern und um das Ansehen meiner Kinder ihrer Oma gegenüber.
Ich habe ihr keine Vorwürfe gemacht, ihr nur mal gesagt, was mich bedrückt und das ich mir wünsche das sich etwas ändert. Das SIE sich ändert. Ich fand den Zeitpunkt passend, denn sie ist schon seid 4 Monaten ein so toller Mensch (mal abgesehen das sie nach einem so langen Krankenhausaufenthalt etwas frustriert ist), sie müsste doch selber merken wie gut es ihr ohne Alkohol geht und das sie viel besser drauf ist.

Gebracht hat mir dieses Gespräch aber leider nicht viel (ausser das ich es mal losgeworden bin). Meine Mutter ist sehr altmodisch in ihrem Denken. Alkoholiker sind nur die Menschen, die morgens schon zu Schnapsflasche greifen, sonst den Tag nicht ohne Zittern überleben, usw. So wie man das klischeemäßig im Fernsehen sieht.
Sie ist doch gar nicht so. Ausserdem "braucht" sie den Alkohol nicht, was sie ja nun gerade seid 4 Monaten beweist. Therapie, Selbsthilfegruppe, so ein Quatsch - da sitzen doch nur "Abhängige". Da sie aber ohne das berühmte Zittern ohne Alkohol auskommt, ist sie also nicht abhängig......
Warum soll sie also zuhause nicht mal ab und zu ein Bier trinken. Die Flaschen versteckt sie ja nur, weil sie das ewige nörgeln meines Vaters leid ist, egal ob es nur ein bißchen Wein oder Sekt war.

Also aussichtslos - ich geb auf.

Ich hoffe sie kann irgendwann mit den Konsequenzen leben - das war das Letzte was ich ihr noch zum Nachdenken mitgegeben habe.

Warten wir ab....

Danke fürs Zuhören
Grüße Sorge

summerdream
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Beitrag von summerdream » 11.04.2007, 23:12

hallo sorge

schade das deine mutter kein einsehen zeigt, aber im endeffekt war es zu erwarten. sie hat die argumente gebracht, wo wohl jeder in ihrer situation bringen würde.

aber du hast ihr mal gesagt, wie es dir geht, hast deine sorgen ihr gegenüber in worten ausgedrückt, das war für dich wichtig. und wer weiß, vielleicht grübelt sie ja drüber nach.

wie lange muss denn deine mom noch auf reha? könntest ihr ja in ein paar wochen einen brief schreiben, um nochmal deine angst in worte zu fassen, den kann sie sich dann mit viel zeit zu gemüte führen. evtl noch ein buch über alkohol kaufen, wo drin steht, das ihr denken altmodisch ist oder/und falls du nen zeitungsartikel findest (es wird ja inzwischen öfters über alkohol berichtet) diesen ausschneiden und ihr geben.
vielleicht sagst du ihr auch, dass dein vater nicht nörgeln würde, wenn sich ihr alkoholkonsum in grenzen gehalten hätte, dann hätte sie ja auch keine flaschen verstecken müssen. hört sich etz sogar für mich verwirrend an dieser satz, aber ich weiß net, wie ichs schreiben soll :(

liebe grüße

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