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Ich kann einfach nicht mehr

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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beatletoncharly
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 06.04.2007, 16:05

Ich kann einfach nicht mehr

Beitrag von beatletoncharly » 06.04.2007, 16:54

Hallo an alle!

Wahrscheinlich existieren hier schon unzählige ähnliche bzw. gleiche Berichte, wo ich mich jetzt einreihe... aber es muss einfach mal raus. Und vorsicht, der Eintrag könnte lang werden. Ich schreibe einfach mal drauf los....

Zunächst zu meiner Situation:
Ich bin 23 und lebe zusammen in einer Wohnung mit meiner Mutter. Zur Zeit mache ich eine Ausbildung ... und alles könnte so schön sein, wenn meine Mutter, die seit geschätzten 16 Jahren trinkt, nicht dauernd wieder Rückfälle hätte.

Wobei ich nicht weiß, ob man hier eigentlich von Rückfall sprechen kann, denn abgesehen von 4 Langzeitkuren und inzwischen über 50 Aufenthalten in Entgiftungskrankenhäusern war sie in den 16 Jahren nur ein, zwei Mal länger als 2 Monate am Stück trocken.
Daher ist es schon irgendwie ein Dauerzustand. Und eigentlich nicht mehr auszuhalten.

Am liebsten würde ich umgehend ausziehen, doch fehlen mir dafür die finanziellen Mittel. Mit einem Azubi-Gehalt und dem Kindergeld lässt es sich leider nicht mal in einer 1 Zimmer Wohnung mit den ganzen Fixkosten leben. Da meine Mutter ALG II Empfängerin ist, sind wir eine "Bedarfsgemeinschaft" bei der Arbeitsagentur - auch wenn ich mein eigenes Geld verdiene. Aber es wird ja als Einkommen auch für meine Mutter angerechnet. Jedenfalls kennt Ihr vielleicht das Gesetz, das besagt, dass "Kinder" unter 25 Jahren keine eigene Wohnung finanziert bekommen, solange sie noch bei den Eltern wohnen könnten. Und unsere "Bedarfsgemeinschaft" ist nun mal günstiger für die Arbeitsagentur. Nicht, dass ich unbedingt scharf auf die Unterstützung generell bin... aber wenn es nicht anders geht, muss es leider sein.
Nur in meinem Fall seh ich da keine Chance. Ich habe zwar vor, nach Ostern mir einen Termin dort zu besorgen und meine "besondere" Situation zu schildern... aber große Hoffnung hab ich ehrlich gesagt nicht. Vor allem gehört die "Arge" zu meinem Arbeitgeber und ich will eigentlich nicht wirklich, dass ich dort "aktenkundig" werde. Na mal sehen....

Sorry, wenn ich etwas wirr durcheinander schreibe... aber am Ende des Beitrages habt Ihr vielleicht ein Gesamtbild von meiner Situation ;-)

Diese "Auszugsgedanken" kommen eigentlich immer nur dann, wenn meine Mutter einen Rückfall hat. Denn sonst kommen wir eigentlich super miteinander klar. Aber sobald sie einen Schluck getrunken hat, ist es, als ob ein Schalter umgelegt wird und sie ist dann ein ganz anderer Mensch.

Dass ich ein totaler Co-Abhängiger bin, weiß ich natürlich. Wenn es wieder "soweit ist", mache ich ihr was zu essen und besorge ihr sogar am Wochenende den Scheiß von der Tanke... weil sie mich nervt ohne Ende und rumjammert ... und ärgere mich jedes Mal total über mich selbst, dass ich wieder eingeknickt bin. Nur weiß ich halt, dass sie - trotz geschätzter 2,5 Promille - den weiten Weg zur Tankstelle auf sich nehmen würde, vorher aber sicher irgendwo hinfällt und liegenbleiben würde.... und das kann ich leider nicht ertragen.

Es kam schon so oft vor... so oft... dass ich sie irgendwo vom Supermarkt abholen musste, weil sie zu betrunken war, nach Hause zu gehen. Und da denke ich mir, für den Moment ist es das kleinere Übel, das Zeug selber zu holen - wenigstens muss ich sie dann nicht in aller Öffentlichkeit "aufsammeln".

Sie ist nicht "verlottert" oder so... nein, sie achtet total auf ihr Äußeres... und manche Leute würden bei ihr niemals auf den Gedanken kommen, dass sie Alkoholikerin ist... Eigentlich ist sie top fit... eigentlich. Vorausgesetzt, sie ist nüchtern.

Aber ich hab schon so viel Sch*** mit ihr durch... das alles zu erzählen, würde ein Buch füllen. Jedenfalls kotzt es mich total an, dass ich immer wieder mich erweichen lassen... dass ich nicht hart bleiben kann... und zwar immer drohe "ich mach das nicht mehr mit" - aber sie weiß natürlich ganz genau, dass es nur leere Drohungen (leider) sind.

Und es macht mich total wütend... dass sie in meinen Augen immer nur an sich denkt. Denn wisst Ihr, was noch so beschi***n ist? Ich bin zwar die meiste Zeit in meiner Freizeit zu Hause.. aber wenn ich am Wochenende mal mit Freunden zu einem Konzert fahre und über Nacht bleibe, weiß ich 100%ig, dass meine Mutter - sobald ich weg bin - los geht und sich den sch*** Sekt kauft. War sie vorher trocken... weiß ich genau... fahre ich weg, ... und komme am nächsten Tag wieder, ist sie betrunken.

Ich weiß es im Voraus.... und fahre trotzdem. Glücklicherweise ohne ein schlechtes Gewissen, soweit bin ich inzwischen wenigstens schon. Aber es kann nicht angehen, dass ich mein Leben nach dieser bescheuerten Sucht meiner Mutter ausrichten muss.

Auf der einen Seite zerreißt es mir manchmal das Herz, wenn ich sie in der Klinik ablade und sofort verschwinde, während sie heulend da sitzt. ("Früher" hab ich noch immer ihre Tasche ausgepackt und sie "getröstet")... aber auf der anderen Seite kann ich dann erst mal aufatmen.

Ich kann irgendwie einfach nicht mehr... das macht mich alles k.o. und ich brauche meine Kraft für mich und meine Ausbildung... und irgendwie habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass irgendwann mal Schluss bei ihr ist. Zu oft wurde ich schon enttäuscht.

Während ich das schreibe, liegt meine Mutter übrigens wieder betrunken im Bett und schläft gottseidank... Wenn sie nicht schläft, macht sie mich wahnsinnig. Sie ruft dann alle 5-10 Minuten u.s.w. - meine Nerven sind echt am Ende.

Soweit erst mal...
Ich danke Euch für's "Zuhören"...

beatletoncharly
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Beitrag von beatletoncharly » 06.04.2007, 16:57

Achja... PS:Früher war es noch so, dass ich ihr den Alk weggekippt habe... und so... heute weiß ich: es bringt nichts. Irgendwie stumpft man ganz schön ab.. so über die Jahre. Kennt Ihr das auch?

Tuisko
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Registriert: 05.04.2007, 15:25

jeder kennt das in ähnlicher weise

Beitrag von Tuisko » 06.04.2007, 18:10

hallo beatletoncharly,
habe mich gestern auch erst hier angemeldet und auch schon ziemlich viel über mich geschrieben.
parallelen sind bestimmt bei uns allen da.
Wie stark die belastung ist, wie sehr es an den nerven zieht, dieses ständige rauf und runter, hoffen und bangen. mal wut mal hass aber dann doch wieder liebe - ich kenne das nur zu gut.
ich bin ein paar jahre älter als du , lebe schon 15 jahre nicht mehr bei meinen eltern- aber bin immer noch vollkommen co-abhängig und wenn ich mal dort bin, verfalle ich oft auch wieder in die alten verhaltensmuster.
deine finanzielle und wohnsituation ist natürlich im moment nicht einfach, dazu weiß ich leider keinen rat.
aber ich denke du bist auf dem richtigen weg - ich meine das insofern - das du wirklich anfängst dich um dich und dein leben und deine zukunft zu kümmern, das ist auch sehr wichtig. ich zum beispiel habe viel zu lange und tue es heute noch " das leben meiner mutter" gelebt, aber ich merke ich mache mich selbst dadurch kaputt - immer noch und immer wieder bin ich zu sehr auf die probleme der mutter fixiert und genau das ist wohl der falsche weg.
also denke ich du bist dabei den richtigen weg einzuschlagen, im endeffekt musst du dich trennen, abkapseln und abstand gewinnen.
ich bin heute noch viel zu sehr im sog der alkoholkranken mutter gefangen, und hoffe das dir das nicht passiert.
liebe grüße

Lady of Ice
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Registriert: 29.03.2007, 18:36

Beitrag von Lady of Ice » 06.04.2007, 20:22

Also ich denke solange Du noch bei Deiner Mutter lebst, wird es schwer Abstand zu gewinnen. Jedem steht ja ein "Mindestsatz" zum Leben zu. Bist Du darunter, bekommst Du noch Wohngeld. Ich würde mich vielleicht mal erkundigen, ob s nicht doch eine Möglichkeit gibt, alleine zu Leben damit Du Abstand zu allem bekommst und endlich Dein eigenes Leben in Deinen eigenen 4 Wänden hast, wo Du zur Ruhe kommen kannst.

Alles Liebe, Nadine

Spedi

Beitrag von Spedi » 06.04.2007, 20:43

Servus beatletoncharly,

mach Dich mal kundig, bei Deiner momentanen "Wohnsituation" muss Dir auf Antrag eine eigene Wohnung bewilligt werden. faktisch kannst Du zu Recht argumentieren, dass das häusliche Umfeld dazu geeignet ist, den Ausbildungserfolg zu gefährden.
Aber das nur am Rande.

Hast Du jemand, mit dem Du Dich austauschen kannst und Dir den ganzen Frust mal von der Seele reden kannst?

LG
Spedi

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