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Omogenia - Meine Geschichte

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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Omogenia
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Omogenia - Meine Geschichte

Beitrag von Omogenia » 07.04.2007, 11:43

Hallo Ihr Lieben,

nachdem ich mich gestern in der Rubrik „Wer ist wer“ vorgestellt habe, möchte ich heute einwenig mehr über mich und meine Erfahrungen mit dem Alkohol schreiben.

Wie bereits erwähnt bin ich heute 31 Jahre alt. Seit meiner Kindheit gehört der Alkohol fest zu meinem Leben, denn meine Mutter trinkt seit vielen Jahren in regelmässigen Abständen. Wichtig ist mir bei diesen Zeilen allen hier im Forum zu sagen, dass ich meine Mutter sehr sehr lieb habe. Meine Mutter ist ein wunderbarer Mensch und ich würde das letzte Hemd für sie geben, ja durchs Feuer für sie gehen! Ich bin unendlich glücklich, dass es sie in meinem Leben gibt, jedoch gilt das nur für diejenigen Momente, in denen sie nicht trinkt. Wenn sie zur Flasche greift, dann ist sie ein ganz anderer Mensch …

Angefangen hat das Thema ALKOHOL für mich Anfang der 80er Jahre. Damals bekam mein Vater einen Herzinfarkt, war lange im Krankenhaus und danach in Kur. Es war der Geburtstag meiner Oma – ein Donnerstag – an dem meine Mama und ich bei ihr zu Hause mit vielen Gästen feierten. Am nächsten Tag wollten wir meinen Vater in der Kur besuchen. Das ist soviele Jahre her und doch hat sich in mir eingebrannt wie ein Brandzeichen. Alles war wunderschön auf dem Geburtstag, bis von einer Minute zur anderen in der Küche ein Streit zwischen meiner Oma und meiner Mama entbrannte. Meine Mutter turkelt, sah mich überhaupt nicht, stammelte irgendwelche Worte, lachte, heulte… Sie hatte getrunken! (allerdings habe ich das als Kind nicht erkannt!). Eine Hausärztin kam und nach einigen Tagen ging es meiner Mutter wieder gut.

Doch das schreckliche Erlebnis sollte wiederkehren. Mein Papa flog im nächsten Jahr alleine in seine Heimat (Griechenland). Es waren Sommerferien und meine Mutter hatte viel geplant, Tagesfahrten und Ausflüge mit mir etc. Nix davon machten wir, bereits am zweiten Tag der Ferien lag meine Mutter im Bett, war nicht mehr ansprechbar und betrunken.

Um die Geschichte hier einwenig zu kürzen. Meine Mutter begann plötzlich, wann immer mein Vater nach Griechenland reiste oder länger nicht daheim war zur Flasche zu greifen. Irgendeiner fand sich immer, der uns wieder aus dem Dilemma half. Wichtig war nur, dass mein Papa von allem nichts mitbekam, denn vor dem hatte meine Mutter einen riesigen Respekt, heute würde ich fast sagen Angst.

Einige Jahre später starb dann meine Oma! Mit ihr verloren wir die letzte Verwandte am Ort und alles änderte sich. Das Thema „Alkohol“ kam mit all seiner Wucht zurück. Wenn meine Mutter bislang nur getrunken hatte, wenn mein Papa nicht da war, dann sollte dieses nun anders werden:

Es war ein Abend an dem mein Vater krank im Bett lag und eine furchtbare Magendarmgrippe hatte. Meine Mutter saß vor dem Fernseher und ich war in meinem Zimmer. Irgendwann kam es mir seltsam vor, dass meine Mutter aus dem Wohnzimmer nichts mehr von sich hören lies. Ich ging nachschauen und sah meine Mutter mehr oder weniger in einer Art „Vollrausch“. Die Augen kullerten, drehten sich und sie nahm mich gar nicht wahr. Mein Papa stand mit einem Schlag in der Tür schaute sie an und dieses bestimmende „Geh ins Bett – los“ höre ich heute noch. Damit war das Eis gebrochen.

Meine Mutter trank nun auch, obgleich mein Papa daheim war. Sie fand immer Wege und Mittel irgendwie an Alkohol zu kommen, auch wenn mein Vater stets versuchte, ihr den irgendwie vorzuenthalten. Alles Blödsinn, wer trinken will, der findet auch einen Weg dieses zu tun. Wenn mein Vater mittags schlief und ich bei Freunden war, dann zog meine Mama heimlich los und kaufte sich Alkohol.

Ich möchte betonen, dass meine Mutter das nicht täglich oder Woche für Woche gemacht hat, nein in regelmässigen Abständen, mal waren nur einige Tage Pause zwischen den Alkoholausfällen, dann wieder einige Monate. Aber wenn meine Mama trank, dann war sie auch für einige Tage nicht ansprechbar bzw. nicht in der Lage aufzustehen.

Schockierend für mich war dabei, dass meine Mutter von heute auf morgen die Person nicht mehr war, auf die man sich blind verlassen konnte. Sie trank auf einmal in Momenten, da man sie gebraucht hätte. 1995 kam mein Papa mit einer Embolie ins Krankenhaus und lag auf Intensivstation. Er kämpfte um sein Leben und täglich besuchten wir ihn! An einem Abend war ich auf dem Geburtstag meines besten Freundes eingeladen. Nachts um 1 Uhr kam ich nach Hause. Meine Mutter stand im Schlafzimmer und schaute mich mit großen Augen an, als ich Heim kam. Sie hatte merklich getrunken. Ich sagte ihr das stumpf auf den Kopf zu, dass sie getrunken habe, doch sie verneinte das permanent! Sie nahm mich in den Arm und meinte sie würde schlafen gehen! Ich war kaum im Bett, als ich Glas kullern und rollen hörte. Ich schleichte ins Schlafzimmer und sah meine Mutter im Bett hocken. Ich schaute sie an und begann zu weinen, unter ihrem Bett lagen zwei Flaschen Vodka, beide leer. Meine Mutter nahm mein Tun gar nicht mehr wahr, legte sich einfach nur schlafen. Sie fiel mal wieder einpaar Tage aus und im Krankenhaus bei meinem Vater erfand ich irgendeine Geschichte von einer Nachmittagstagung auf ihrer Arbeit. Ob mir das mein Vater geglaubt hat, ich glaube nicht …

Das Trinken meiner Mutter wurde mehr und mehr. Nun waren es keine Monate mehr, nur noch Wochen zwischen ihren Ausfällen. Oft begann ihr Trinken am Wochenende! Mein Vater war nicht mehr bereit für meine Mutter auf seinen Wochenend-Ouzo zu verzichten und meine Mutter fand oft einen Weg auch an einen solchen zu kommen. Nicht selten hörte man nachts, wenn meine Mama zu Bett ging meinen Papa schreien: „Ade re pali (griechsich: Schon wieder!)… hast du schon wieder getrunken, e?“ Ich hatte dann immer furchtbare Angst.

Tja und dann kam der große Schlag. Es war ein Freitag und meine Mutter war zu einem Essen mit Freunden geladen. Am nächsten Tag wollten meine Eltern und ich vereisen, der Termin war also merklich dumm gelegen. Morgens war meine Mutter schon anders als sonst: nervös, aufgeregt – irgendwie seltsam! Um 22 Uhr wollte meine Mama wieder daheim sein, so hatte sie meinem Vater gesagt. Doch sie kam erst um 23 Uhr nach Hause, turkelnd und nicht wirklich in der Lage meinen Papa wahrzunehmen. Im Wohnzimmer gab es einen riesigen Streit und wieder folgte das „Geh ins Bett“. Mein Vater deutete mir zuerst in mein Zimmer zu gehen. Ich ging, wie ich es dann meist tat, wenn er mich aufforderte, doch dieses Mal wurde meine Tür von außen abgeschlossen! Dann hörte ich meine Mama im Nebenraum mehr oder weniger winseln: „Bitte, bitte nicht…“ und danach knallte es – mein Papa schlug zu. Wie ein Videofilm ist das in meinem Gehirn verankert: „Ich weiß was du brauchst <peng>, ich mach dich fertig <peng>.“ Immer wieder knallte und knallte es. Mit diesem Abend veränderte sich mein Leben brachial. Ich hatte nicht mehr ein Problem sondern zwei, eine Mutter die trank und einen Vater der dann zuschlug.

Ab diesen Tag führte ich ein neues Leben! Ich entschloss mich, nachts nur noch wenig zu schlafen, um zu hören wenn es mal wieder zwischen meinen Eltern knallte, weil er handgreiflich wurde und sie getrunken hatte. Dies kam häufig vor.

Ich kann das kaum beschreiben, wie man sich fühlt wenn man abends im Bett liegt und ganz genau versucht, jedes Geräusch zu deuten. Du hörst ein Tapzen, dann ein „Re was machst du?“ von meinem Vater und zuletzt eine turkelnde Mama, die nicht mehr sprechen kann. Innerlich gehst du kaputt, du zerstörst dich, weil es keine anderen Lebensinhalte mehr gibt! Dein Ziel ist es nur noch aufzupassen, dass sie nicht zur Flasche greift und ihn davon abzuhalten, die Hand zu erheben! Es ist eine katastrophale Situation, in der dir oft der Gedanke kommt, die Polizei zu rufen, doch du willst dein Vater nicht ins Gefängnis bringen oder deiner Mutter schaden! So machst du nichts, stellst dich nur selber dazwischen und gehst dabei kaputt.

Das war mein Leben, bis vor ca. 3 Jahren! 2004 habe ich einen radikalen Schlussstrich gezogen, bin zu Hause ausgezogen. Meine Eltern haben zuvor versucht, sich scheiden zu lassen, was am Ende sie dann aber wiederum doch nicht wollten. Mein Vater ist inzwischen bedingt durch Krankheit ans Bett gebunden, kann sich nur schwer und mit einer Gehilfe bewegen. Meine Mutter hat den Alkohol immer noch nicht im Griff, sie trinkt weiterhin in gewissen Abständen.

Ich habe mein Leben derartig verändert, dass ich zuerst einmal angefangen habe, den ALKOHOL als Element in meinem Leben zu akzeptieren. Vor Freunden oder Bekannten, vor Verwandten und Familie habe ich das was hinter der Fasade passierte immer versteckt! Von heute auf morgen habe ich das nicht mehr getan. Ich habe angefangen mein Leben mit einer sehr guten Freundin aufzuarbeiten und ich habe begonnen, all meine Erfahrungen mit dem Thema Alkohol aufzuschreiben! Auch war ich bei einer regionalen SHG und ich kann sagen, heute geht es mir „gut“, wobei – das ist natürlich immer relativ. Noch immer tut es weh, wenn ich höre, dass meine Mutter am Telefon nur stammelt und keine richtigen Sätze spricht. Noch immer belastet es mich, wenn ich weiß, daheim ist die Situation am eskalieren. Doch ich habe auch gelernt auf mich zu schauen und solange meine Mutter nicht erkennt, dass sie hier eine „Krankheit“ hat und etwas dagegen tun muss, solange kann ich hier nicht helfen.

Und dieses FORUM?

Nun, ich habe mich in diesem Forum aus mehreren Gründen registriert, wobei ich gerne drei nennen möchte:

1. Als Kind eines Menschen der trinkt, lebt man lange Zeit in einer Irrwelt. Man glaubt, dass das was man da zu Hause durchmacht, nur man selbst erlebt und niemand sonst auf der Welt. Man beginnt eine Scheinwelt aufzubauen, eine Fasade – und man fängt an für den Menschen der trinkt zu lügen. Man ruft auf der Arbeitsstelle an, man erfindet Geschichten usw. Die wichtigste Erkenntnis die dieses Forum jedem Menschen vermittelt, der vielleicht sogar zum ersten Mal Hilfe sucht, ist: Man ist nicht alleine, Alkohol ist ein weitverbreitetes Problem und es gibt viele Menschen, die sich untereinander austauschen wollen.
2. Als Kind eines Menschen der trinkt, lebt man in dem Glauben, man sei schuld daran, dass das Problem ALKOHOL in der Familie existiert. Ein Mensch der zur Flasche greift – das ist meine Erfahrung – sucht immer eine Begründung für sein tun und meist schiebt er die Familie oder finanzielle Dinge vor. Die Entscheidung zu trinken, die trifft jedoch jeder Mensch selbst und deswegen ist es mir wichtig, hier gerade auch Jugendlichen zu zeigen, dass sie eben nicht Schuld an dem sind, was da zu Hause passiert.
3. Als Kind eines Menschen der trinkt, trifft man auf eine ganze Reihe von Leuten, die komischerweise genau wissen, wie man das Thema ALKOHOL in den Griff bekommt. Es gibt jede Menge Leute, die sich erlauben, Patentrezepte zu präsentieren. Als Angehöriger will man aber keine Patentrezepte, sondern Menschen die einem Zuhören und sich mit einem austauschen. All das ermöglicht dieses Forum. Schon in meiner Vorstellung habe ich geschrieben, ich bin kein Zauberer und Wunderheiler. Nein, ich bin ein Mensch mit Emotionen und Lebenserfahrungen, wie jeder hier und ich bin gerne bereit meine Gedanken und meinen Weg zum Thema ALKOHOL mit den anderen Forumusern zu teilen.

Ich freue mich, Euch gefunden zu haben, Menschen und ein Forum die aktiv sind und ich hoffe, dass ich mich hier so reserviert wie möglich und so sachlich wie nötig einbinden kann. Ich wünsche allen, die auch einen Elternteil haben, der trinkt die Erkenntnis zu sehen, man ist nicht alleine! Ich wünsche allen, die hier im Forum Hilfe suchen und Kummer haben, viel Kraft und Mut, gemeinsam im Austausch Ihre Situation ein Stück erträglicher zu machen! Ich ziehe vor allen Menschen den Hut, die es geschafft haben „trocken“ zu werden und ich wünsche allen, die auf dem Weg dazu sind, viel Mut und die nötige Energie, nicht aufgeben, es lohnt sich. Ja und denen, die einen Rückfall erlitten haben, den sage ich dasselbe! Gebt nie auf, ihr seit nicht alleine! In diesem Sinne, allen im Forum eine gute Zeit, frohe Ostern und vorallem – viel Mut und Kraft.

Lady of Ice
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Beitrag von Lady of Ice » 07.04.2007, 13:08

Hallo und Willkommen Omogenia!

Ich erkenne in Deinem Bericht viele Paralellen - auch ich bin (ab dem 17.04.) 31 Jahre alt und meine Mutter trank schon als ich klein war, eigentlich sogar schon als sie selbst mehr oder weniger noch klein war. Du hast ja schon erkannt wie Du schreibst, daß wegkippen nie was nutzte. Ein Alkoholiker der trinken will kommt immer an seinen Alkohol. Auch daß sie nicht mehr sie selbst war wenn sie trank ist "normal" genauso wie sie irgendwann auch getrunken hatte, wenn man sie brauchte. (Wobei ich behaupte, daß man sie als Tochter doch irgendwie immer braucht - es somit eigentlich nie passen kann). Alkoholiker die trinken wollen achten nicht auf den Zeitpunkt und obs nun mehr oder weniger passen könnte. Sie KÖNNEN nicht ander - das ist eben die Sucht. Wenn sie trinken wollen ist Ihnen egal, was drum herum vor geht, der Alk hat sie im Griff und ist einfach stärker. Sie tut das nicht weil sie nicht für Dich oder Deinen Vater da sein will, sondern weils nun mal nicht anders geht.
Was Dein Vater dann tat mit den Schlägen, ist natürlich nicht gut und hilft keinem - weder Dir, noch Deiner Mutter oder ihm selbst. Im Gegenteil es schadet eher. Versuch es dennoch mal anders zu sehen. Dein Vater hatte das auch all die Jahre mit gemacht ohne Handgreiflich zu werden. Vielleicht war es eine unüberlegte kurzschlußreaktion, die ihm nachher auch leid tat. Das soll keine Entschuldigung sein, für seine Tat, vielleicht aber eine Erklärung wie es gewesen sein könnte aus SEINER Sicht. Entschuldigen kann man sowas eh nie. So rutschte er dann wohl auch in das Schema "Wer einmal schlägt, schägt immer wieder". Wofür es dann meinerseits auch keine Erklärung mehr gibt, weil es ja nicht bei einem Aussetzer blieb. :cry: Ich denke ich hätte die Polizei gerufen auch wenn es mein Vater war - weiß es aber nicht, er schlug meine Mutter nie. Vielleicht hätte ich auch wie Du nichts gemacht, aus Angst vor meinem Vater, aber ich verstehe Deine Gedanken und Gefühle, als Du da lagst und auf jedes Geräusch geachtet hast und selbst mit dran kaputt gegangen bist - so ging es mir auch lange und ich bin noch immer lange nicht fertig mit allem - bzw. mein Kopf noch nicht.
Bewundernswert daß Du es trotz allem so lange zu Hause ausgehalten hast und nicht früher weg bist von zu Hause.
Gut auch, daß Du jetzt endlich alles auf arbeitest. Ich fange auch erst seit kurzem damit an. Bin in Psychologischer Behandlung und auf dieses Forum gestoßen, welches sehr hilft. Lies andere Berichte und Du wirst sehen, daß sich viele Geschichten sehr ähnlich sind, auch viele Verhaltensmuster. Mir hilft es unheimlich viel hier zu lesen wenn ich auch nicht sehr viel schreibe - noch nicht. bin ja auch genau wie Du jetzt erst dabei alles zu verarbeiten. Schön, daß Du hierher gefunden hast.
Wenn Du erkannt hast, daß Du Deiner Mama nicht helfen kannst, wenn sie selbst nicht will, bist Du schon sehr weit. Vielleicht solltest Du auch ganz mit Ihr "brechen", habe hier erfahren, daß viele Alkoholiker "aufwachen", wenn man sie fallen läßt wegen des Alks - man kann Ihnen so zu dem Tiefpunkt verhelfen, den sie brauchen. Ich habe es versäumt - meine Mutter ging vorher (am 20.03.2007).
Daß Du für Deine Mum gelogen hast und Dinge erledigt hast wie bei der Arbeitsstelle anrufen etc. ist typisch für Co - Alkoholiker. Auch daß man sich die Schuld gibt ist normal. Mir die Schuld gab ich Gott sei Dank nie, weil sie schon lange bevor ich da war trank. Aber an sowas kann keiner Schuld sein, der Alkoholiker fügt sich selbst immer wieder den Alkohol zu, wir Kippen den Alk nicht in diesen Menschen rein.
Finde es toll wie "weit" Du schon bist und dem Anschein nach zumindest einen Weg gefunden zu haben damit um zu gehen. Ich weiß nun auch vieles durch dieses Forum, kann aber dennoch noch nicht so Recht mit dem umgehen was ich lerne. Ich brauche wohl noch ein wenig. Bzw. vielleicht brauche ich auch noch lange, keiner Ahnung. Zumindest tue ich endlich was und denke mal ich bin auf dem richtigen Weg.
Dir auch frohe Ostern und alles Liebe.

Gruß, Lady of Ice

Andi

Beitrag von Andi » 07.04.2007, 13:09

Hallo Omogenia,
schön das Du hier deine Geschichte öffentlich niedergeschrieben hast!

Dient sie doch zur Reflexion,und eigener Aufarbeitung!Ich bin mir sicher,daß Du damit gleich Betroffenen aufzeigst,daß niemand allein mit seinen Problemen fertig werden muss!!

Gruß Andi

Omogenia
neuer Teilnehmer
Beiträge: 15
Registriert: 05.04.2007, 11:12

Beitrag von Omogenia » 07.04.2007, 19:47

Hallo Ihr Zwei,

vielen Dank für Eure lieben Worte zu meiner Geschichte. Eure Antworten haben mich sehr berührt und bewegt.

Zunächst zu „Blue Bouncer“:

Ich habe meine Erfahrungen ganz bewusst in dem offenen Bereich geschrieben. Versteckt habe ich das, was bei uns zu Hause war, viel zu lange. Damit will ich in diesem Forum gar nicht erst anfangen! Ich habe aber auch großen Respekt vor allen Usern im „geschützten Bereich“, die sich dort ihren Kummer und ihre Erfahrungen von der Seele schreiben. Ich denke nur, ICH kann nicht auf andere Postings reagieren und antworten, wenn niemand weiß, was meine Geschichte ist – deswegen schreibe ich offen.

Nun zu „Lady of Ice“:

Ich freue mich, dass du hier in diesem Forum bist und ich hoffe, dieses war nicht der erste und letzte Austausch mit dir zu unser beider Erlebten. Ich fühle bei all deinen Worten mit dir und dieses von Herzen.

Du hast vieles gesagt, was ich nur bejahen kann. Auf einige Dinge möchte ich aber näher eingehen, zum Beispiel auf das „WEGSCHÜTTEN“ von Alkohol: Ich glaube, dass diese Reaktion die normalste der Welt ist, wenn man erstmalig mit „ALKOHOL“ konfrontiert wird. Ist doch klar, vor dir steht ein Mensch, der nicht mehr in der Lage ist, auf das was du sagst zu reagieren. Der Mensch ist nicht mehr der, den du eigentlich kennst und du weißt, dieser Mensch wird nur dann wieder „normal“, wenn er keinen Alk mehr hat. Also macht man was? Man nimmt ihm das Zeug einfach weg, schüttet es vor seinen Augen in den Abfluss oder ins Klo.

Das Problem dabei ist, dass der Trinkende diese Reaktion sehr wohl wahrnimmt und weiß, wenn er fortan trinken will, dann muss er das auf andere Weise tun. Solange er sich noch an vorhandenem Alkohol vergreift, siehst du was er macht und tut, wieviel er trinkt und du kannst die ganze Geschichte ein Stück verfolgen!

Dass die Taktik fehlschlägt, und das „Schütten wir es weg“ ein Trugschluss ist, zeigt ziemlich schnell der nächste Ausfall, wo offenkundig kein Alkohol mehr da ist und die Mutter irgendwie doch betrunken im Bett da niederliegt. Sie hat das Zeug einfach heimlich besorgt.

Ich habe es ja geschrieben, die zwei Vodka-Flaschen, sie waren ein Schock. Sie waren aber kein Schock, weil meine Mama sie getrunken hat, sondern weil sie ganz bewusst dieses heimlich irgendwo gekauft hat mit dem ganz bewußten Ziel zu trinken. Ich weiß nicht ob du ein anderes Posting von mir gelesen hast, als Antwort auf „MEINE MUTTER ZERSTÖRT NICHT NUR IHR LEBEN“, da habe ich ähnliches gesagt!

Wir sind bei meiner Mutter soweit gegangen, ihre Schränke, ihren Nachtisch, das Bett, ihren Taschen etc. zu durchsuchen. Die Frage ist nur, wer einen dazu eigentlich berechtigt. Wer gibt dir das Recht so tief in die Privatsphäre eines Menschen einzugreifen? Als Kind fühlt man sich dabei enorm schlecht und ich konnte damit nie leben, meine Mutter so zu erniedrigen! Genutzt hat das eh nichts, denn meine Mutter versteckte den Ouzo dann einfach in der Waschmaschine oder aber den Vodka im Bücherregal.

Tja und am Ende, als wir ihren Alkohol dort auch noch gefunden haben, da hat meine Mutter sich an Medizin mit ALKOHOL oder an FRANZBRANDWEIN vergriffen! So war das leider!

Also wegschütten? Nein, das nutzt nichts! Wer trinken will, der trinkt!

Dann ging es um das Thema, dass meine Mutter trank, wenn man sie brauchte. Du hast Recht, man braucht seine Mutter immer, aber es gab Momente, da man sie vielleicht ein Stück mehr „brauchte“ und genau da schaltete meine Mutter dann ab.

Es waren die Krankheiten meines Vaters, als sie trank. Es waren kurze Auslandsaufenthalte von mir, als sie trank. Es waren Umzüge von uns, als sie trank. Es war meine Zeit im ehemaligen Yugoslavien, als sie trank und und und…

In diesen Situationen stellt dich das Thema ALKOHOL vor noch größere Probleme. Was erzählst du dem kranken Vater im Krankenhaus? Du kannst nur lügen und hoffen, der ist so dumm dir zu glauben (wahrscheinlich ist er es nicht!).

Am schlimmsten ist es gewesen, wenn ich fort war von zu Hause und sie griff zur Flasche. Ich war Soldat, Kampftruppe und hatte nur kurze Zeit mal daheim anzurufen, tja und was du dann hörst ist einen Menschen der nur lallend „Hallo“ sagen kann, das macht dich verrückt.

Ich war in der Heimat meines Vaters, da am Telefon gelallt wurde und plötzlich niemand mehr das Telefon abnahm.

Hilfe habe ich für diese Momente immer gefunden, aber es macht die kaputt, so hilflos unf alleine zu sein. Das meinte ich mit den bestimmten Situationen. Das meine Mutter das nicht mit Absicht oder gar aus bösem Willen getan hat, das glaube ich dir und weiß ich, aber es tut einfach nur weh.

Das Schlagen meines Vaters hast du angesprochen und gemeint, du hättest wahrscheinlich die Polizei gerufen. Irgendwann hat man diese Konsequenz gezogen, aber es war meine Mutter die ihre Wunden anzeigte. Es kam von ihr und das war richtig so.

Hätte ich die Polizei gerufen, meine Mutter hätte sich nie gegen meinen Papa gestellt und außerdem, sie hatte viel zu große Angst im Krankenhaus oder sonstwo zu landen. I

Ich selber habe die Schläge zu einem Stück so erlebt, wie du angedeutet hast. Mein Papa hat meine Mutter geschlagen, aber ich denke, er hat das nicht getan um ihr wehzutun, sondern aus Verzweiflung. Nicht falls verstehen, dieses Verhalten ist absolut falsch und es gibt keine Entschuldigung dafür, aber er war völlig mit der Situation überfordert! Er wollte nachts schlafen, war selber schwer herzkrank und dann kam meine Mama betrunken ins Bett, hustete, brach das Zeug wieder raus und mein Vater fragte: „Was machst du?“ Sie fing dann darauf an ihn zu beschimpfen, er hätte ihr nichts zu sagen etc. Ich kann verstehen, dass als eine Art Reflex in solchen Augeblicken die Hand ausrutschen kann, auch wenn sie das niemals nie darf.

Nur ist das ab dann immer so geworden und damit konnte ich nicht leben. Ich habe die Polizei nicht gerufen nein, aber ich bin jedes Mal dazwischen, wenn mein Papa auf die Brust zielte und ich habe manchen Schlag so selber ertragen, aber gegenüber meiner Mama verhindert. Niemand hat das Recht, einen Menschen zu schlagen, niemand …

Das ich solange zu Hause geblieben bin, nun das kann ich nicht großartig kommentieren, es wundert mich heute selber! Aber wie heißt es doch so schön, man muss ja nicht alles verstehen? Ich denke da spielt die Kultur Griechenlands herein, die Familie ist alles und man gibt das letzte Hemd für sie. In Griechenland zieht man daheim auch nicht einfach so aus. Es gab viele Gründe für mein Bleiben.

Meine Mutter „fallen zu lassen“ ist sicherlich ein harter Weg und einer den ich für mich schon oft in Erwegung gezogen habe, aber da ist doch die Liebe zu ihr, zu dem Menschen der sie normal ist, zu groß, denn dieser Mensch ist mir unendlich kostbar.

Zu dir kann ich sagen, dass ich mich freue, dass du dieses Forum gefunden hast und du dich beginnst zu öffnen. Du hast viel erlebt und das muss raus, ganz egal wie lange es dauert.

Du schreibst du würdest eher lesen als selber zu tippen. Ich denke, dir wird es hier leicht fallen, einwenig mehr von dir zu schreiben. Für mich persönlich kann ich sagen, es tut mir verdammt gut.

Du hast Recht, wenn du sagst, ich hätte für mich einen Weg gefunden – ja das habe ich – aber dieser Weg ist noch lange nicht zu Ende.

Ich würde mich über eine erneute Antwort oder irgendeine Reaktion von dir sehr freuen! Der Alkohol ist ein Teil meines Lebens und er wird niemals aus diesem verschwinden, aber man kann lernen mit ihm zu leben! Fress nicht alles in dich hinein, sondern lass es raus, das was du erlebt hast, es befreit dich und du musst kein schlechtes Gewissen dafür haben!

Danke dir nochmals für deine lieben Worte und hoffentlich auf bald.

Omogenia

lavendel
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2672
Registriert: 23.05.2006, 20:05

Beitrag von lavendel » 07.04.2007, 19:57

hallo omogenia,

auch von mir ein willkommen hier. danke dir, dass du deine geschichte aufgeschrieben hast, sie wird sicherlich vielen zeigen, dass sie nicht allein sind.

gruß

lavendel

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