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Der 1. Schritt zur Besserung

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

mucki82
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Der 1. Schritt zur Besserung

Beitrag von mucki82 » 13.04.2007, 00:12

Hallo ihr lieben,

ich habe mich jetzt seit Monaten hier nicht mehr gemeldet und seitdem ist viel passiert.
Meine Geschichte findet ihr unter: http://www.forum-alkoholiker.de/ftopic4927.html

Was aktuell los ist:
Wir haben es endlich geschafft mit meinem Vater im nüchternen Kopf über sein Problem zu sprechen.
Klar wollte er davon nichts hören und er hat natürlich aus seiner Sicht kein Problem. Das ging jetzt immer so weiter, die Trinkpausen wurden jedoch immer kürzer, er schaffte es kaum noch mal ne Woche nichts zu trinken. Wie bereits beschrieben ist mein Vater sehr labil und im Zuge der Insolvenz gibt es immer noch Probleme ,(Geld, Arbeitslosigkeit, Streit mit Anwälten, alles was halt dazu gehört) Sachen die er nicht verkraftet und dann immer wieder zu Flasche greift. Jetzt am Dienstag war es dann soweit, er hatte seinen "Tiefpunkt" wie es hier oft beschrieben wird. An diesem Tag hatte er auch mal wieder was getrunken und er sah fürchterlich aus, roter Kopf, dicke Tränensäcke, glasig-rote Augen, so stand er im Garten und war am rasenmähen. (Erzählungen meiner Mutter) Als meine Mutter gerade draußen war stützte er sich auf den Rasenmäher und sagte zu ihr:"Bitte helf mir, ich kann nicht mehr, ich will so nicht mehr leben, bring mich irgendwo hin, wo mir geholfen wird". Das war unser Signal worauf wir unendlich lange gewartet hatten. Meine Mutter hat sofort bei unserem Hausarzt angerufen und er hat eine Überweisungs ins Krankenhaus geschrieben. Mein Vater macht nun eine Entgiftung, ich bin richtig stolz auf ihn. Ich weiß, ich darf mich noch nicht zu früh freuen, aber es tut trotzdem gut zu sehen das er es gerafft hat, oder zumindest versucht. Jetzt habe ich aber ein Problem. Meinem Vater ist das alles super peinlich und ich glaube er weiß nicht wie er sich verhalten soll gegenüber mir. Wie kann ich ihm das leichter machen? Ich habe ihm schon gesagt das ich immer für ihn da bin und das ihm vor mir nichts peinlich sein muss. Gestern war ich ihn besuchen, er bekommt Tabletten und Tee, davon wird er total müde und benommen. Was machen die den da überhaupt genau? Heute vormittag war meine Mama bei ihm, da ging es im gar nicht gut, sein ganzes Selbstbewußtsein ist total im Keller. Er sagte zu meiner Mutter: "was soll ich denn noch im Leben" Das macht mir Angst und es macht mich traurig, wie kann ich ihm helfen. Nach der Entgiftung soll es laut den Ärzten weitergehen in eine Klinik. Kann mir jemand sagen was dann da passiert? Ich hab so ne Angst das er sich vielleicht was antut. Ich würde mich sehr über Antworten oder unterstützung von euch freuen, ich hatte ganz vergessen wie gut es tut sich hier auszutauschen.
Viele Grüße Mucki

summerdream
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Beitrag von summerdream » 13.04.2007, 01:07

hi mucki

schön das du wieder hier bist und das etz mal aweng was vorwärts geht bei deinem vater.
Er sagte zu meiner Mutter: "was soll ich denn noch im Leben"
wenn ich ehrlich bin, kann ich deinen vater diesbezüglich schon etwas verstehen.
er liegt etz im krankenhaus und is jetzt zwangsweise nüchtern. er hat viel zeit über sein leben nachzudenken, ihm wird jetzt auch richtig bewußt, was er schon für sch... gebaut hat, was er nicht nur sich sondern auch euch angetan hat. er wird sich dessen bestimmt auch sehr schämen.
momentan ist er auf entgiftung, da gehts nur um den körperlichen entzug.

die richtige arbeit beginnt erst wenn er auf langzeittherapie nach der entgiftung in ne klinik geht. da wird alles durchgegangen, was ihn belastet, er wird möglichkeiten gezeigt bekommen, was er anstatt des trinkens machen kann, es wird unwahrscheinlich viel geredet und erfahrungen ausgetauscht werden.

was die jetzt genau machen? manche die sich nicht auskennen mögen sagen nicht viel, aber ein entzug kann lebensgefährlich werden. im krankenhaus ist er unter ärztlicher aufsicht, da kann sofort eingeschritten werden, falls es probleme geben sollte.

viel kannst du nicht machen, aber wenn du ihn besuchst und mit ihm redest (sei's etz irgendwas oder/und über den alkohol), ich denke das wird ihm schon eine große hilfe sein.

liebe grüße & viel kraft

mucki82
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Beitrag von mucki82 » 13.04.2007, 22:35

Hi summerdream,

vielen Dank für deine Antwort.
Ich war heute wieder im Krankenhaus es geht ihm natürlich immer noch schlecht. Er ist total frustriert und schämt sich, er will auf keinen Fall das irgendjemand was erfährt. Ob wir das geheimhalten können bezweifle ich, wir wohnen auf dem Land. Als ich heute bei ihm war hat er gesagt das er mit keinem von seinen alten Freunden (Kegelclub) mehr was zu tun haben will und das er am liebsten von hier weg ziehen möchte. Ich habe zu ihm gesagt das er sich jetzt nicht wegsperren muss. Er muss sich halt ein neues Umfeld suchen und einen Ausgleich finden. Wie du ja auch schon geschrieben hast bekommt er das dann hoffentlich in der Langzeittherapie gesagt. Die will er auch machen, aber er macht sich auf der anderen Seite Gedanken darüber was wäre wenn in der Zeitung jetzt ein Job für ihn wäre, dann bekommt er es nicht mit, oder besser gesagt er kann sich nicht bewerben weil er in dieser "Maßnahme" ist. Ich habe zu ihm gesagt das er doch jetzt erst mal das Problem Alkohol in den Griff bekommen soll und dann sehen wir weiter. Das fällt ihm sehr schwer, da er immer unabhängig war und jetzt muss er für alles meine Mutter fragen (Geld für Zigaretten z.B.) dabei kommt er sich sehr doof vor. Als Mann ist das wahrscheinlich doppelt schwer, weil "Mann" ist ja der Ernährer der Familie. Ich bin mal gespannt wie es weitergeht. Die Richtung stimmt jetzt auf jeden fall schonmal. Ich werde weiter berichten und freue mich über den Mut den ihr mir macht und euer Verständnis. Danke
lieben Gruß
Marina

mucki82
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Beitrag von mucki82 » 13.04.2007, 23:21

Hi,

gerade hat mich meine Mutter angerufen, Sie ist erst nach Hause gekommen und hat die Post gelesen. Unser Haus wurde verkauft (Insolvenz), jetzt wissen wir nicht ob wir meinem Papa davon erzählen sollen. Er hat zwar heute noch gesagt das er froh wäre wenn es verkauft wäre, aber ich weiß nicht. Er hat halt gemeint dann könnte er den ganzen alten scheiß und den Ärger endlich hinter sich lassen. Aber ist das nicht wieder eine neue Ausrede? Auf die Tour, "wenn das Haus weg ist geht es mir auch wieder besser"? Erfahren wird er es früher oder später sowieso, aber ist jetzt der richtige Zeitpunkt (gibt es den Überhaupt?) Jetzt wäre er unter Beobachtung falls es ihn nun doch zu sehr belastet... Hat jemand einen Tipp?
Gruß
Marina

summerdream
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Beitrag von summerdream » 14.04.2007, 09:52

hi marina

schön das du so für deinen vater da bist, das wird euch beiden bestimmt gut tun, auch wenn dich etz die sorgen deines vaters belasten.

es ist etz alles neu für ihn, da muss er sich auch erst umstellen. das braucht zeit. klar könnte etz ein toller job für ihn in der zeitung stehen, aber der würde ihm auch nix nützen, wenn er noch trinken würde. etz muss er erst gegen seine krankheit kämpfen. meine mutter wollte nach der langzeittherapie auch erst umziehn, bis etz hat sie es noch nicht gemacht. aber einige frauen in ihrer therapie sind danach umgezogen. in einem neuen umfeld ist es doch leichter, besonders als frau. von der gesellschaft wird es akzeptiert, wenn ein mann trinkt, bei einer frau ist das nicht normal. widerum is es ok, wenn ne frau tablettensüchtig is, bei nem mann net. total überholt das denken, is aber so :(

wann ihr das mit dem haus sagen solltet? hm... schwierig, weiß net wie ich des etz machen würde. ob ich's gleich machen würde oder warten bis er auf therapie weg is, da hat er halt dann gleich therapeuten mit dene er alles bereden kann. könntets ja einfach auf euch zukommen lassen und schaun, wie dein vater beim nexten besuch drauf is. vielleicht gehts ihm da ja besser, normal werden auch die medikamente nach und nach abgesetzt.

also geheimhalten können werdet ihr es wohl kaum, aber ich denke das es einige bereits schon vorher wußten. besonders auf dem land (wohn selber auch in nem dorf) is das geratsche eh immer riesig und manche wissen mehr über die nachbarn als über sich selbst :wink:

aber mal ne andere frage, wie geht es eigentlich dir?

liebe grüße

mucki82
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Beitrag von mucki82 » 14.04.2007, 11:25

Hi summerdream,

danke das du da bist.
Ich war schon immer meinem Vater sein Liebling und ich habe ihn immer versucht zu unterstützen, ich hoffe wir schaffen das jetzt, ich glaube er macht das ganze auch viel wegen mir.
Das mir dem Job, du hast natürlich recht, ich sehe das genau so. Er fragt mich heute bestimmt ob was in der Zeitung steht, ich muss ihn dann halt belügen, nutzt ja nix.
Ja ja, das Leben auf dem Dorf, darüber könnte man wirklich Geschichten schreiben, was einem schon alles passiert ist wenn man die Leute hört,
wahnsinn. Meine Eltern werden irgendwann weg ziehen, das ist ganz sicher, aber das wir wohl noch ne Weile dauern.
Wie es mir geht...ich weiß nicht, ich hab ein lachendes und ein weinendes Auge. Ich bin froh das er sich nun endlich helfen lässt, auf der anderen Seite habe ich Angst vordem was jetzt kommt. Gestern ging es mir ganz schlecht, auf dem Heimweg vom Krankenhaus hab ich nur geheult, ich weiß gar nicht richtig warum. Wahrscheinlich weil ich mich immer frage warum ausgerechnet meiner Family das passiert, denen ist schon soviel Sche*** im Leben passiert, keine Ahnung. Dann hab ich abends noch mit meiner Schwester telefoniert, sie hatte sich jetzt die ganze Zeit nicht gemeldet. Ich hab ihr dann erzählt wie es Papa so geht und das er mir leid tut, er aber jetzt dadruch müsse. Meine Schwester war dann ganz komisch, sie meinte ich solle ihm nicht wieder in den A... kriechen, er muss jetzt seinen eigenen Weg machen. Sie hat mich mir ihrem Reden total fertig gemacht, sie hat ja eigentlich gar keine Ahnung was ab geht, sie hat schließlich noch gar nicht mit im gesprochen nach seiner Entscheidung. Nach dem Anruf ging es mir wieder schlecht, dann noch der Anruf von meine Mutter wegen dem Haus. Ich weiß gar nicht was ich davon halten soll, einerseits gut das es weg ist andererseits war es mein Elternhaus in dem ich aufgewachsen bin...

Heute geht es mir aber wieder besser, hab einen vollen Terminplan und nix zeit zum denken.
Liebe Grüße

summerdream
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Beitrag von summerdream » 14.04.2007, 14:56

hi marina

deine schwester hat schon recht, dein vater muss etz seinen eigenen weg gehn, aber es is schön, wenn du ihn dabei helfen möchtest und er es auch will. deine schwester hat mehr abstand, sie wird wahrscheinlich erst glauben, dass dein vater wirklich will, wenn er es bewiesen hat.

wohnst du eigentlich noch bei deinen eltern? wenn ich es richtig gelesen habe nein oder? wirst du mit umziehn oder bleibst du? auch wenn das mit dem umziehn noch dauert, wenn es sicher ist, wird das deinem bestimmt auch helfen, wenn er weiß dass er nochmal ganz von vorne anfangen kann.

ich glaube hier fragt sich jeder, warum meine familie, beantworten kann das niemand. auch wenn euch schon viel sch... passiert ist, gab/gibt es doch bestimmt auch schöne momente. die sind immer das wichtigste.

vollen terminplan an nem samstag, respekt. hab heut frei, werd etz dann noch a bisserl mit ner freundin skaten gehn und mich dann wohl wieder faul in die sonne legen :D

mucki82
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Beitrag von mucki82 » 15.04.2007, 22:33

Hi summerdream,

meine Schester hat ja wahrscheinlich recht, trotzdem klang es ziemlich hart was sie mir alles am tele gesagt hat.

Ich wohne nicht mehr zh, aber zusammen mit meinem Freund im gleichen Dorf. Wenn meine Eltern wirklich weiter weg ziehen wollen werde ich nicht mit gehen. Wie ich son so oft gelesen habe, man muss schließlich auch an sich denken.

Mein Terminkalender war übrigens voll mit Privaten Sachen, Tennis spielen, Reifen wechseln, kaufen, putzen usw. hab Samstags auch immer frei. :)

Kannst du mir sagen wie es nach der Entgiftung jetzt genau weiter geht? Mein Papa soll sich beim Caritasverband melden, da bekommt er irgendwie alles weitere gesagt. Meine Mutter meinte das man diese Kur beantragen muss und er zuerst zu nen Psyhologe muss. Das hört sich so an als ob das alles dann noch etwas dauert. Ich dachte eigentlich das es direkt nach dem Krankenhaus weiter geht, ansonsten besteht schließlich die Gefahr das er in der Zeit bis der Antrag durch ist evtl. wieder "Rückfällig" wird. Das wäre extrem doof.

Danke
Hoffe du hattest ein schönes Wochenende.
Lieben Gruß

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