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Mein Vater hat ganz augenscheinlich ein Alkohol-Problem

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Guardi
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Registriert: 30.04.2007, 18:58

Mein Vater hat ganz augenscheinlich ein Alkohol-Problem

Beitrag von Guardi » 30.04.2007, 19:12

Schönen guten Tag,

ich bin 21 Jahre jung und mein Vater hat ganz augenscheinlich ein Alkohol-Problem. Das zieht sich jetzt würde ich sagen schon seit etwas 4 Jahren hin. Wir sind eine Familie der mittleren Oberschicht, 3 Kinder (inklusive mir), meine Mutter und mein Vater, ein topqualifizierter SAP-Fachmann in einem großen Unternehmen hier in der Nähe. Wir sind eigentlich recht glücklich und uns geht es im Grunde genommen sehr gut. Mein Vater verdient gutes Geld und auch meine Mutter arbeitet. Mir ist klar dass solche Probleme in allen Schichten der Gesellschaft auftreten können (ohne irgendjemanden diffamieren zu wollen).

Wie gesagt, dieses Problem gibt es schon einige Zeit und hat sich darin geäussert dass mein Vater abends oft mal ein Glas Rotwein zu viel getrunken hat. Ich merke ihm das sofort an. Aber naja, ehrlich gesagt nix weiter dabei gedacht denn sonst hat sich das auf unser Leben nicht wirklich ausgewirkt. Seit ca. 2 Jahren hat er damit angefangen heimlich zu trinken. Er versteckt den Alkohol im Haus, kauft sich im Supermarkt was und trinkt das schnell im Auto usw.
Das Problem ist. Er lügt wie gedruckt wenn er was getrunken hat und will es meistens nicht ansatzweise zugeben. Wie heute. Das Problem eskaliert langsam. Heute habe ich von meinem Onkel einen Promille-Tester bekommen (ein Gerät wie von der Polizei verwendet, kein billiger Schrott), da mein Vater mal wieder verdächtig wurde. Er hat sogar bereitwillig gepustet, mehrmals, es waren immer 1,2 Promille. Das krasse ist er will es einfach nicht zugeben. Er lügt wie gedruckt. Und das ist was meine Mutter zusätzlich auf die Palme bringt und weswegen sie langsam keinen Sinn mehr sieht. Mein Vater denkt natürlich 1. im Leben nicht daran ein Problem zu haben. 2. gibt er es nicht zu wenn er was getrunken hat und 3. kennt keiner von uns den Grund. Ich vermute dass es zum Teil Stress ist.

Meine Frage: Wie bringt man den Mann dazu wieder zur Vernunft zu kommen. Mit dem Promille-Test kann man beweisen dass er getrunken hat, doch er meint das Gerät spinnt, er hätte auf keinen Fall was getrunken (Ich bräuchte das Teil gar nicht, ich habs ihm auch so angesehen). Mittlerweile wissen wir nicht mehr so richtig weiter. Und nun ja, ich habe natürlich nicht die allergrößte Lust zuzuschauen wie meine Mutter auszieht.

Habt ihr Tipps was man da machen kann?
Wie spricht man ihm darauf an?
Wie gesagt, er sieht das Problem in KEINSTER Weise.

linuxgeek81
neuer Teilnehmer
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Registriert: 24.02.2007, 19:03

Beitrag von linuxgeek81 » 30.04.2007, 23:49

Hi Du,

wenn Dein Vater keine Einsicht hat, fuerchte ich, dass recht wenig zu machen ist. Ich denke auch nicht, dass es hilft, ihm mit einem Alkoholtester zu Leibe zu ruecken, wenn es ohnehin offensichtlich ist, dass er getrunken hat.

Was ihm sicher dabei helfen wuerde, Einsicht zu erlangen, ist ihm klarzumachen, dass er mit seiner Sauferei auf lange Sicht seine Familie zerstoert. Was heisst: Die Sache offen ansprechen und ihm Konsequenzen spueren zu lassen. Ich denke halt dass es eine Gratwanderung ist. Denn wenn er in eine Entgiftung bzw. Therapie geht nur aus dem Grund, weil er sich dazu genoetigt fuehlt, kann das auf Dauer nicht klappen. Er muss sein Problem selber erkennen (in all seiner Tragweite) und auch selber den festen Willen haben, in erster Linie fuer sich selbst, danach fuer seine Familie und sein Leben, aufzuhoeren.

Wieviel trinkt er denn eigentlich so? Aber wenn er schon so weit ist, dass es heimlich passiert und er seine Vorraete bunkert, kann man von typischen Alkoholiker-Verhalten sprechen. Es ist also keine Frage, dass er schon eine Abhaengigkeit entwickelt hat. Dass er es heimlich tut, ist ja klar, weil er sich vor seiner Familie schaemt. Wenn er ein Spiegeltrinker ist, muss er halt trinken, weil er sonst auf schweren Entzug kommt. Alkoholentzug ist sehr unangenehm und kann kompliziert bis toedlich verlaufen. Deswegen reicht der generelle Wille, aufzuhoeren, hier nicht auf. Man trinkt in der Regel weiter, um den Entzugserscheinungen zu entkommen.

Leider brauchen viele Alkoholiker erst ihren persoenlichen Tiefpunkt, um ihr Problem erkennen zu koennen. Manch einer hat dabei seinen Job, seine Familie, seine Unterkunft und sein letztes Hemd verloren. Andere einen Teil davon. Selbstverleugnung ist leider eine Phase, die jeder Alkoholiker frueher oder spaeter durchlaeuft. Fuer sich selber hat er allerdings sicherlich erkannt, wo die Flinte begraben ist. Denke also nicht, dass er ernsthaft glaubt, er habe kein Problem -- er will es nur nicht vor Euch zugeben.

Naja meine Ausfuehrungen haben wohl nicht viel geholfen, aber es ist auch schwer, einen konkreten Tip zu geben. Gibt hier ja sicher viele, die in aehnlichen Situationen wie Du stecken oder waren und Dir vllt. einen Ratschlag geben koennen.

mfg,
Michael

summerdream
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Beitrag von summerdream » 01.05.2007, 02:39

hallo guardi

erstmal herzlich willkommen hier, schön das du den mut hast, hier deine geschichte zu schreiben. es gibt hier übrigens noch ein tolles forum für kinder von alkoholikern, les dich ruhig mal durch, das hilft dir bestimmt auch schon ein bißchen.

die therapeutin meiner mutter hat mal nen (für mich) wichtigen satz gesagt: die lüge ist die schwester des alkohols
also ich kann nur sagen auf meine mutter trifft der 1000%-ig zu. im grunde ein total ehrlicher mensch, sehr genau mit der wahrheit, aber sobald ums trinken geht, kann die lügen wie ein scheunendrescher. auch wenn sie so betrunken war, dass sie net mehr laufen und artikulieren konnte, ein "ich hab nix getrunken" hat se immer auf lager ghabt.

nun zu deinen frage:
geredet habt ihr ja scho mehrmals mit ihm. hast du das auch schon mal unter vier augen mit ihm probiert? oder schreib ihm nen brief, da fällt es dir leichter deine ängste und sorgen aufzuzählen und er hat zeit ihn sich zu gemüte zu führen. ihr könntet ja auch ein buch über alkohol kaufen, selber drin lesen und auch immer wieder so, dass er es mitkriegt, da könnt ihr ein bißchen was "lernen" und wer weiß, vielleicht fängt er ja mal heimlich drin an zu blättern und wird neugierig.
falls aber alles reden nix nützt, bleiben euch als angehörige eigentlich nur zwei möglichkeiten:
- bei ihm zu bleiben und zusehn wie er sich immer mehr kaputt macht und dabei selber immer mehr leiden oder
- ihm die konsequenzen aus seinem handeln zu zeigen und auszuziehn.
Und nun ja, ich habe natürlich nicht die allergrößte Lust zuzuschauen wie meine Mutter auszieht
kann ich verstehn, meine eltern sind auch getrennt bzw. bald geschieden, aber glaub mir, alles ist besser als tag für tag zuzusehn, wie er sich kaputt macht. auch wenn es etz scho schlimm ist für dich, deine mom und deine geschwister, es wird noch viel schlimmer kommen, solange sich an der situation nix ändert.

liebe grüße

lavendel
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Beitrag von lavendel » 01.05.2007, 09:26

hallo guardi,

ich verschieb dich mal in die rubrik "kinder von alkoholikern", da werden dich ganz viele deiner (und meiner :wink:) sorte lesen.

letztlich hast du ja schon geschrieben bekommen, dass du nichts tun kannst, wenn dein vater keine einsicht zeigen will. ich weiss, dass das furchtbar schwer zu akzeptieren ist, diese macht-losigkeit. ist aber so. was du auch akzeptieren musst ist, dass du deinen vater nicht verstehen wirst. mir ging das mit meiner mutter genauso: sie hat eine fahne, lallt und sagt mir ins gesicht "ich habe keinen tropfen getrunken". das ist die sucht, das kann man nicht VERSTEHEN. und das hat nichts mit herkunft oder (aus)bildung zu tun.

du betonst sehr, dass ihr einen gutsituierte und gebildete familie seid - und ein bisschen habe ich das gefühl, dass du in erster linie empört bist, dass "sowas" in eurer nach aussen "perfekten" familie "passiert", und dass du jetzt damit "belästigt" wirst. das mag sich jetzt ein bisschen krass anhören, aber es ist wichtig zu verstehen, dass alkoholismus eine krankheit ist (ohne das weitersaufen damit entschuldigen zu wollen :!:), die jeden treffen kann - die gutsituierten genauso wie den obdachlosen. oft ist genau das der knackpunkt - bei den angehörigen wie den betroffenen. aber ohne diese einsicht wird weder dein vater etwas tun, noch deine mutter offensiv damit umgehen noch du damit leben können. dein vater bräuchte ein einschneidendes erlebnis, um einen schlussstrich zu ziehen, und auch die angehörigen brauchen einen tiefpunkt, um zu sagen "bis hierher und nicht weiter", um dann konsequenzen zu ziehen (auszug der kinder, trennung, scheidung).

gruß

lavendel

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