Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Alte Muster und nie ein Ende......??

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
Skye

Alte Muster und nie ein Ende......??

Beitrag von Skye » 31.07.2007, 20:54

Hallo Zusammen,

nach langer Zeit mal wieder in eigener Sache. Meine Mutter ist zur Zeit in offizieller Entgiftung Nr. 7. Nachdem der Besuch am Wochenende aufgrund Dista nicht so prickelnd war, dachte ich mir ich fahr heute noch mal hin, dann sind sie am ausschleichen und sie ist fitter. Wir könnten schön Kaffee trinken, ein wenig plaudern und ich könnte meine Mutter mal wieder „nüchtern“ erleben. Nüchtern ist und bleibt sie einfach ein feiner, angenehmer Mensch….

Ich hatte Recht, sie war sogar sehr fit, allerdings fand ich mich auch wieder mitten in einem „höchst erfreulichen“ Gespräch wieder. Keine Ahnung wie das passiert ist, aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Eines kam zum anderen und ich bekam mal wieder zu hören, wenn sie Krebs hätte würde ich das ja auch hinnehmen. Nun, nachdem ich dann ausnahmsweise nicht wie sonst den Mund gehalten habe und ihr gesagt habe bei Krebs würde sie auch alles unternehmen um gesund zu werden und das würde ich nicht sehen. Meinte sie nur Alkoholismus ist was anderes und sie würde ja wollen, aber es ist eben nicht einfach und außerdem würde es auch nicht jeder Krebskranke schaffen. Ach so….. !!??? Keine Ahnung warum ich da das Gespräch nicht als sinnlos beendet habe. Was mich auch geritten hat, es war nicht gut für mich.

Es ging noch ein wenig hin und her, inklusive der erneuten Drohung sie könne sich ja umbringen, aber ich will Euch nicht langweilen und hier alles wiederholen. Meine Reaktion darauf kam von Herzen und war nicht ohne. Ich sagte dann anschließend nur noch, wenn jemand 1km ins Dorf und wieder zurück geht um sich Alkohol zu besorgen, sehe ich da kein Wollen des Aufhörens, sondern den Vorsatz trinken zu wollen. 2km sind genug Zeit zu überlegen, wie man Hilfe bekommt, wenn man sie will. Ich hätte ja keine Ahnung! Recht hat sie! Aber die Suchtberatung, die Therapeuten und die Betroffenen, denen sie die letzten 4 Jahre bei ambulanter und stationärer Therapie, in SHG, bei den Entgiftungen und Langzeittherapien begegnet ist. Die haben Ahnung und die haben die Hilfsmöglichkeiten, Tipps und Tricks zur Akuthilfe sicherlich nicht für sich behalten, sondern freigiebig erzählt. Das habe ich ihr dann auch gesagt. Darauf kam nur noch sie hätte keinen Bock auf meine sch….schlauen Sprüche und ob ich noch einen Kaffee hole. Ich habe es dann ruhen lassen, noch einen Kaffee geholt und nach einem kleinen Spaziergang bin ich dann auch gefahren.

Ich hatte einen richtig guten Tag, gute Laune und habe mich sogar auf den Besuch gefreut und ihn nicht wie so oft als Pflichtprogramm angesehen. Jetzt sitze ich hier habe schlechte Laune, bekomme dieses Gespräch nicht aus dem Kopf, bin enttäuscht, bin gefrustet und ehrlich gesagt wütend auf mich selbst.

Ich habe einfach keine Lust mir ständig anzuhören wo es zwickt und weswegen sie besser zum Arzt gehen würde. Wenn sie trocken werden würde hätten sich fast alle anderen Krankheit und Beschwerden erledigt, nur an den Symptomen doktern hat noch nie geholfen. Ich habe keine Lust mehr mir anzuhören, was sie alles tut wenn sie diesmal entlassen wird und dann noch erwartet, dass ich jippie rufe und begeistert bin. Dazu habe ich zu oft erlebt, dass sie nichts getan hat. Ich habe keine Lust mehr, dass von mir erwartet wird das ich begeistern Beifall klatsche wenn sie wieder in die Entgiftung geht. Andere wären schließlich schon 30x da gewesen. Ich habe keine Lust auf verletzte Blicke, wenn ich sage, dass ich solche Menschen nicht mehr ernst nehmen kann, eine Woche draußen, zwei drin. Ich habe einfach keine Lust mehr nichts von mir erzählen zu können, weil sie doch ständig wieder bei sich landet oder mir nicht zuhört um dann wieder bei sich zu landen und mir anschließend vorzuwerfen sie könne nicht wissen was ich mache und wie es mir geht, ich würde ja nichts erzählen. Ich habe schlicht und ergreifend keine Lust mehr auf ihre Sauferei in irgendeiner Form Rücksicht zu nehmen. Ich habe keine Lust mehr mich ständig meiner Haut erwehren zu müssen, weil man versucht mir die Beseitigung von Folgen aufzudrücken. Ich habe keine Lust mehr mir in irgendeiner Form die Verantwortung dafür aufdrücken zu lassen, wenn sie Saufdruck bekommt, was sie auch heute wieder getan hat. Ich habe keine Lust mehr hinter diesem sch….. Alkohol die zweite Geige zu spielen. Ich habe keine Lust mehr vorwurfsvolle Blicke zu bekommen, wenn ich zuerst an mich und dann an meine Eltern denke. Ich habe keine Lust mehr auf Gefühle Rücksicht nehmen zu sollen, die doch nicht echt und vom Alkohol gesteuert sind. Ich habe keine Lust mehr mir immer und immer wieder anhören zu müssen, da reden wir morgen drüber. Ich kann mich an kein morgen in den letzten Jahren erinnern. Ich habe keine Lust mehr ein schlechtes Gewissen zu haben, obwohl ich weiß, dass ich das nicht haben muss. Ich habe keine Lust mehr auf diesen ganzen Mist……

Doch was tue ich? Statt das zu sagen und danach zu handeln, rutsche ich immer wieder in die alten Muster, kann meine Klappe nicht halten und tue alles damit ich geliebt werde, mich geliebt fühle, das liebe Kind bin. An Tagen wie heute habe ich das Gefühl keinen Zentimeter weiter zu sein als vor 1,5 Jahren, nur das ich inzwischen wieder Kraft habe wütend zu werden. Immerhin etwas……

Vielen Dank für’s lesen, dass musste jetzt einfach mal raus. Irgendwie geht’s mir jetzt doch besser.

Gruß
Skye

Elfriede Lustig
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 837
Registriert: 11.01.2007, 13:43

Beitrag von Elfriede Lustig » 31.07.2007, 21:51

Hallo Skye!

Ja, das Schreiben hilft ungemein.

Aber einen Rat habe ich nicht wirklich für Dich, mir tut es leid, das Du immer wieder von vorne durch diese Tretmühle geschleust wird.

Was zu tun ist weißt Du eigentlich, mehr Abstand, aber wenn es die eigene Mutter ist, ich weiß es nicht, schwierig, aber nicht unmöglich.

Wie wäre es , wenn Du Dir nochmal selbst therapeutische Hilfe holst?
So ein bischen "Gehirnwäsche " hat mir gut getan, vor allem, wenn ich wieder in das alte Muster rutschte, Kopf in den Sand stecken und abwarten, da hat mich mein Therapeut in den wöchentlichen Sitzungen fix wieder "flott" gemacht und auf den richtigen Weg gestellt :roll: :wink: .

Schick Dir mal ein Spezialpaket Kraft und vor allem Energie rüber, made by Elfriede :lol: !

summerdream
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5773
Registriert: 05.02.2007, 17:10

Beitrag von summerdream » 31.07.2007, 22:30

liebste skye!

hm... wie fange ich an?
Ich hatte einen richtig guten Tag, gute Laune und habe mich sogar auf den Besuch gefreut und ihn nicht wie so oft als Pflichtprogramm angesehen.
genau aus diesem grund glaube ich, das du geblieben bist. dadurch hast du dich stark gefühlt, befreiter, einfach positiver, du dachtest (eher unbewußt) das es trotz des schlechten anfangs durch die worte deiner mutter doch noch besser werden kann.
mir gehts zumindest so, wenns mir echt super geht, dass ich denke, dass es in vielerlei hinsicht so weitergeht, ich will die glückssträhne einfach genießen und ausbauen und bin überzeugt, mich kann nix so leicht aus der bahn werfen. oft ein trugschluß, irgendwann kommt immer das erwachen...

ich hab den eindruck, das du das ganze eigentlich die meiste zeit recht gut meisterst. das es tage gibt, an denen es nicht so ist, ist aber logisch. wie oft macht man wieder einen schritt zurück? viel öfter als man möchte, wichtig ist, das du nicht auf der stelle harrst sondern wieder weitergehst, einfach eine erfahrung aus der du gelernt hast.
es ist deine mutter, so ganz wirst du sie nicht aus deinem gedächtnis streichen können, das is einfach so. außer irgendjemand findet endlich mal den verfluchten schalter :wink: hm... vielleicht ginge es ja, den kleinen teil vom gehirn in dem alles über die mutter gespeicherst ist, operativ zu entfernen? muss mich mal erkundigen :wink:

ne spaß beiseite
sorry aber wenn ich von jemanden hören würde (sei's etz mei mutter, deine oder nur irgendein bekannter), das der/die-jenige zum 7x auf entgiftung is, wäre mein gedanke "na sauber, der/die legt sich a bissi ins krankenhaus, läßt sich bemuttern und verwöhnen, geht danach wieder heim und trinkt eh wieder weiter"
kann mir vorstellen, dass du das etz grad net hören willst, ein kleiner hoffnungsschimmer ist immer da, er wird sich glaube ich auch nie ganz begraben lassen, auch wenn es am besten is, man macht sich gar keine hoffnungen mehr. dann kann man schon nicht enttäuscht werden :(
Darauf kam nur noch sie hätte keinen Bock auf meine sch….schlauen Sprüche und ob ich noch einen Kaffee hole.
glaub ich deiner mutter, sie wird dies alles schon oft gehört haben und wahrscheinlich weiß deine mutter irgendwo, das du recht hast, ist aber nicht bereit, sich das selber zuzugestehn und ganz besonders dir.
Ich habe es dann ruhen lassen, noch einen Kaffee geholt und nach einem kleinen Spaziergang bin ich dann auch gefahren.
weise entscheidung, was hättest du auch noch sagen sollen, eine unterhaltung mit der pappschachtel wäre wohl effektiver gewesen.

soll ich dir mal was verraten?
ich war schon überzeugt du bist ne art übermensch, der heutige tag zeigt mir das du ganz normal bist, eine person mit gefühlen wie jeder andere hier. irgendwie hört sich das etz glaub negativ an, aber so isses gar net gemeint, hoff du verstehst wie ichs meine!

du bist auf eine bewundernswerte art einen verdammt weiten weg gegangen, heute bist du von deinem weg abgewichten, ich würde etz nicht sagen, das du zurück gegangen bist, also finde deinen alten weg wieder und schau nach vorne. ich bin mir sicher, das du das schaffst, nicht heute und nicht morgen, aber bald. laß dich net unterkriegen, ja!

liebe grüße & ne gaaaanz dolle umarmung

Skye

Beitrag von Skye » 31.07.2007, 23:20

Hallo Ihr Beiden!

Danke schön! Das Paket ist angekommen. Es muss Dir nicht leid tun Elfriede, dass Du keinen Rat hast. Du hast schon Recht, wenn Du sagst im Grunde weiß ich selbst was zu tun ist.

Ich bin seit gut einem Jahr in Therapie. Das Gespräch heute wird dort sicherlich auch noch auf den Tisch kommen. Die Therapie hat mir auch schon sehr geholfen, ohne wäre ich noch lange nicht da wo ich jetzt bin. Jetzt wo ich mich ein wenig beruhigt habe, sehe ich das auch wieder. Es geht da schon jede Woche ans Eingemachte und der Finger wird oft genau auf die Wunde gelegt.

Außerdem läuft zurzeit der Widerspruch gegen die Ablehnung meines Kurantrages. Ich hoffe, die BfA hat ein Einsehen…… Wenn nicht, es bleibt noch das Sozialgericht…. Eine Hilfe ist es auch in meiner SHG über so was zu reden, die rücken mir auch den Kopf zurecht wenn’s sein muss.

In der Beziehung tue ich für mich, was ich kann. Im Grunde weiß ich ja auch was ich zu tun bzw. zu lassen habe. Doch trotz des Wissens gibt es immer wieder Tage wie heute, Situationen wie heute die ich nicht im Griff habe, sondern die mich im Griff haben. Wissen ist eine Sache und ich wie ich oft feststelle habe ich eine ganze Menge davon. Doch aus Wissen Gewissheit werden zu lassen, es zu fühlen, nach diesen Gefühlen zu handeln und eben nicht nur zu wissen, ist die andere Sache und die ist nicht so einfach. Ich gehöre leider zu der Fraktion Ungeduldig was die Angelegenheit auch nicht unbedingt einfacher macht.
mir gehts zumindest so, wenns mir echt super geht, dass ich denke, dass es in vielerlei hinsicht so weitergeht, ich will die glückssträhne einfach genießen und ausbauen und bin überzeugt, mich kann nix so leicht aus der bahn werfen. oft ein trugschluß, irgendwann kommt immer das erwachen...
Ich denke das trifft es, so ein Tag war wohl heute…..

An Tagen wie heute geht der Verstand flöten und das Gefühl regiert und da ist noch ziemlich viel alter Mist, alte Verhaltensweisen die ich einfach noch nicht im Griff habe, mit denen ich noch nicht durch bin. Ich kann mich dann nicht bremsen, statt vernünftigerweise aufzuhören, mach ich weiter, obwohl der Verstand schon lange das leuchtend rote Stoppschild schwenkt. Was dann zu solchen Situationen wie heute führt. So was habe ich ja nicht nur in Bezug auf meine Mutter, solche Situationen habe ich überhaupt immer wieder im Leben. Das Schild wird geschwenkt und Skye redet und macht weiter, wider die Vernunft.

Ich weiß schon, was ich anders machen muss, aber ich schaffe es dann nicht und das frustriert und macht mich wütend. Das blockiert dann noch zusätzlich, eine Katze die sich in den Schwanz beißt. Ich könnte im Anschluss dann auf irgendwas einschlagen, irgendwas zerdeppern. Was ich früher dann auch oft getan habe, nur um Druck loszuwerden. Soweit habe ich mich inzwischen im Griff, dass ich andere Ventile gefunden habe z. B. hier zu schreiben oder einfach mit jemand anderem reden. Und ich habe gelernt, dass auch ich Fehler machen darf und mich nicht dafür verdammen muss, wenn ich mir selbst nicht genüge. Dieser verdammte Wunsch nach Perfektion, der Alkoholikerkindern so zu Eigen ist. Nur mit dem fühlen klappt das dann auch noch nicht so ganz……
sorry aber wenn ich von jemanden hören würde (sei's etz mei mutter, deine oder nur irgendein bekannter), das der/die-jenige zum 7x auf entgiftung is, wäre mein gedanke "na sauber, der/die legt sich a bissi ins krankenhaus, läßt sich bemuttern und verwöhnen, geht danach wieder heim und trinkt eh wieder weiter"
Summerdream Du musst Dich nicht entschuldigen. Ich habe zwar jedes Mal die Hoffnung, dass es klick macht, das ist wohl normal, doch im Grunde sehe ich es genauso wie Du. Bisher war es ja auch mehr oder weniger so. Ob es nun meine Mutter betrifft oder Lieschen Müller von nebenan. Drehtürpatient ist Drehtürpatient, da beißt die Maus keinen Faden ab….
soll ich dir mal was verraten?
ich war schon überzeugt du bist ne art übermensch, der heutige tag zeigt mir das du ganz normal bist, eine person mit gefühlen wie jeder andere hier. irgendwie hört sich das etz glaub negativ an, aber so isses gar net gemeint, hoff du verstehst wie ichs meine!
Ich verstehe was Du meinst, keine Sorge. Ich kann Dich beruhigen, ich bin ein Mensch, wie jeder andere auch und ich leide genauso wie jedes andere Kind unter der Sucht seiner Eltern. Nur habe ich nach wie vor das Problem Schwächen zuzugeben, weil ich sie als Fehler ansehe. (siehe oben :roll: ) Dieses Feld gehört auch noch beackert. Außerdem habe ich fast jede Woche meine Therapiestunde in der ich sehr viel an dem arbeite, für das Du und auch andere das Forum nutzen. Deshalb tauche ich hier meist relativ aufgeräumt auf. Ich weiß, dass es ein Fehler ist seine Schwächen nicht zu zeigen, ich wirke dadurch oft unnahbar und das macht einsam und bringt auch noch andere nicht so schöne Dinge mit sich….. Hatte ich schon erwähnt das mein Privatleben auch eine Baustelle ist…… :roll:
außer irgendjemand findet endlich mal den verfluchten schalter hm... :wink: vielleicht ginge es ja, den kleinen teil vom gehirn in dem alles über die mutter gespeicherst ist, operativ zu entfernen? muss mich mal erkundigen :wink:
alternativ würde ich auch die Fee nehmen, aber die lässt sich ja auch nicht blicken, das dumme Huhn…… :lol:

So ihr beiden, nachdem ich meinen Frust dank des Forums ein wenig losgeworden bin, werde ich mir jetzt Dein Paket, Elfriede, und Deine Portion Egopolitur, Summerdream, schnappen und damit ins Bett gehen. Dann sieht die Welt morgen schon wieder anders aus….. besser…… Danke Euch !

Eine gute Nacht wünscht….

Skye

lavendel
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2672
Registriert: 23.05.2006, 20:05

Beitrag von lavendel » 31.07.2007, 23:23

liebe skye,

das tut mir sehr leid für dich. ich kann mich gut in dich reinfühlen, gerade in die aufzählung "ich habe keine lust mehr...". diese arie hab ich vor nicht allzu langer zeit wegen meines ex-freundes gesungen, deshalb ist sie mir noch sehr nah, und vor langer zeit hab ich sie auf meine mutter gesungen.

bei ihr hab ich es mittlerweile geschafft, auf durchzug zu schalten. manchmal am telefon versucht sie es immer noch, wie schlecht und böse alle anderen, wie arm sie selbst. ich werde dann ganz schnell ganz einsilbig, sage nur noch desinterssiert "hm", oder dass ich was zu tun habe. früher hab ich versucht mit ihr über ihre sitaution zu reden, und über lösungsmöglichkeiten. das hat mich auch immer furchtbar frustriert, weil ich im prinzip gegen eine wand geredet hab. seitdem ich das nicht mehr tue, ist es besser. sie weiss doch sowieso alles besser, und hat auf alles eine antwort. also warum noch reden? das gleiche beim erzählen über sich selbst.

es ist sehr merkwürdig, so zu fühlen, aber ich fühle eigentlich garnichts mehr für meine mutter, auch nichts gegen sie. sie ist mir fremd geworden. und damit ein stück gleichgültig. ich weiss nicht, wie es wäre, wenn sie jetzt stirbt, sicher schlimm, trotz allem, aber wenn ich an sie denke, ist da nix mehr: keine freude, keine hoffnung, keine erwartung, einfach nix. das hat sie in jahrelanger kleinarbeit kaputt gemacht, und zwar nicht in erster linie mit dem trinken, sondern mit solchen arien, wie du sie erzählst. die natürlich eine folge des trinkens sind, ich weiss. aber ich hab das schon öfter geschrieben: wenn ich früher mal das gefühl gehabt hätte, dass sie ernsthaft hätte trocken werden wollen, dann hätte ich ihr wahrscheinlich auch den zwanzigsten rückfall verziehen. hatte ich aber nicht, also war alles reden darum witzlos. worüber reden? es gab keine basis für ein gespräch. weil es keine ehrlichkeit und kein vertrauen mehr gab.

auf der einen seite ist das traurig, auf der anderen seite geht es mir aber besser damit. solange ich noch hoffnung hatte, war jeder rückschlag furchtbar schlimm, hat mich tagelang beschäftigt, mitgenommen, beeinträchtigt. mich die gute laune gekostet, wie du auch bei dir schreibst. entäuschte hoffnung, immer wieder. jetzt hoffe ich auf nix mehr, und werde also auch nicht mehr enttäuscht. es trifft nicht mehr tief. immerhin. vielleicht kommst auch du da einmal hin? ich wünsche es dir.

lieben gruß

lavendel

Skye

Beitrag von Skye » 01.08.2007, 09:49

Hallo Lavendel!

Vielen Dank für Deine Worte.
wenn ich früher mal das gefühl gehabt hätte, dass sie ernsthaft hätte trocken werden wollen, dann hätte ich ihr wahrscheinlich auch den zwanzigsten rückfall verziehen. hatte ich aber nicht, also war alles reden darum witzlos. worüber reden? es gab keine basis für ein gespräch. weil es keine ehrlichkeit und kein vertrauen mehr gab.
Du hast mit drei Sätzen gesagt, wofür ich meine Arie gebraucht habe. Mehr Worte die aber genau das sagen. Kein Glauben an ihre Ernsthaftigkeit trocken werden zu wollen und kein Vertrauen mehr. Ehrlichkeit zwischen uns? Ich weiß gar nicht mehr wann es die zuletzt gegeben hat. Da so geschrieben zu sehen tut schon weh……
aber ich fühle eigentlich garnichts mehr für meine mutter, auch nichts gegen sie. sie ist mir fremd geworden. und damit ein stück gleichgültig.
Vielleicht komme ich da eines Tages hin, vielleicht ist das auch besser für mich. Doch… ich weiß nicht, ob ich das will. Ich weiß nicht, ob mir das gut täte nichts mehr für meine Mutter zu fühlen, wo ich ohnehin Probleme habe Gefühle zuzulassen. Es ist nicht die Angst vor Veränderung, es ist die Angst einen Teil von mir zu verlieren. Ich will mich nicht noch weiter verlieren…..

Was mich zusätzlich so aufbringt ist, dass ich als selbstverständlicher Mülleimer ohne Redefreiheit und ohne das Recht auf eigene Meinung angesehen werde. Dass es als selbstverständlich angenommen wird, dass man in diesem Mülleimer alles schmeißen kann und er gefälligst auch niemals voll zu werden hat. Das dieser Zustand eine absolute Einbahnstraße ist.

Und was mich noch mehr aufregt, dass ich es mit mir machen lasse und mich nicht wehre bzw. sage bis hier und nicht weiter. Oder wenn ich es wie gestern tue ein schlechtes Gewissen und Angst habe nicht mehr geliebt zu werden. Ich sollte es inzwischen besser wissen….

Dieses Gespräch hat mir gezeigt, dass ich noch einiges zu tun habe und wird mich wohl noch eine Weile beschäftigen. Vielen Dank für Euren Zuspruch.

Einen schönen Tag wünscht eine zur Zeit sehr nachdenkliche…

Skye

summerdream
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5773
Registriert: 05.02.2007, 17:10

Beitrag von summerdream » 01.08.2007, 14:48

Hallo nachdenkliche :wink:

So wie ich das jetzt heraushöre ist das was dich am meisten beschäftigt nicht das gespräch mit deiner mutter an sich, sondern das dich dieses gespräch noch so runterzieht. Gerne wärst du aus dem krankenhaus gegangen mit dem gedanken „ihre meinung, ihr leben punkt aus basta“ und damit wäre die sache für dich erledigt gewesen. Aber wie du schon sagtest, du hast gefühle, daher ist das leider nicht so einfach.

Theoretisch weißt du, wie du dich verhalten sollst, aber wie in jedem bereich des lebens ist zwischen theorie und praxis ein mega-unterschied. Und ich glaube gerade in dingen, wo’s um menschen geht, die man liebt, ist das alles noch viel viel schwerer.

Nun etz mal ganz direkt, der mülleimer bist du, weil du es zulässt. Die anderen sind gewöhnt das du da bist und alles ertragen kannst, du bist gewöhnt, das du alles runterschluckst, was sie dir vorwerfen. Die anderen werden aber weitermachen, solange du dem nicht einen riegel vorschiebst. D.h. etz net, das ich das verhalten der anderen entschuldigen möchte, aber so ist es einfach.

Ich glaube deine mutter wusste ganz genau, dass gestern so ein tag war, wo du dir wieder einiges anhörst und das hat sie gleich ausgenutzt. Weiß nicht wie das geht, aber irgendwie ham sie so ein gespür dafür, wann und wie sie uns verletzen können. den eindruck hab ich zumindest öfters.

Schwächen – ein thema für sich. Bei anderen werden sie akzeptiert, machen sie doch jeden menschen zu einem individuum. An sich selber, nun da schaut die sache wieder ganz anders aus. Aber was soll ich dir da verzählen, kennst ja selber zu genüge. Deine schwächen und fehler machen dich aus, machen dich zu etwas besonderem, aber das sich selber zu verinnerlichen, ist schon wieder ne andere geschichte… aber ein patentrezept kann ich dir da leider nicht geben :(

Superliebe grüße sende ich dir

josu
neuer Teilnehmer
Beiträge: 117
Registriert: 23.09.2006, 19:05

Beitrag von josu » 01.08.2007, 16:50

Hallo Skye

dieser Satz von dir in Bezug auf deine Mutter hat mir etwas zu denken gegeben, denn er erinnert mich an meine eigenen Formulierungen wenn ich mich nicht so verhalte, wie ich es will, sondern so, wie ich denke, dass es von mir erwartet wird
Vielleicht komme ich da eines Tages hin, vielleicht ist das auch besser für mich. Doch… ich weiß nicht, ob ich das will. Ich weiß nicht, ob mir das gut täte nichts mehr für meine Mutter zu fühlen, wo ich ohnehin Probleme habe Gefühle zuzulassen.
Mittlerweile überprüfe ich solche Formulierungen, weil "ich weiss nicht, ob ich das will", bei mir eigentlich übersetzt hieß "ich weiß nicht, ob ich es damit den anderen recht mache". Vielleicht hast du unbewusst immer noch Angst als "schlechte Tochter" dazustehen, Angst, dass deine Mutter dir die Liebe entziehen könnte, wenn du konsequent bleibst, und tust dich deshalb damit so schwer dich durchzusetzen.
Es ist nicht die Angst vor Veränderung, es ist die Angst einen Teil von mir zu verlieren. Ich will mich nicht noch weiter verlieren…..
Vielleicht hast du nicht Angst einen Teil von dir zu verlieren, sondern die Liebe deiner Mutter. Das kam mir zumindest sofort in den Sinn, als ich deinen Text gelesen habe.

LG Josu

Antworten