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Alte Muster und nie ein Ende......??

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
Skye

Beitrag von Skye » 01.08.2007, 22:19

Hallo Summerdream!
So wie ich das jetzt heraushöre ist das was dich am meisten beschäftigt nicht das gespräch mit deiner mutter an sich, sondern das dich dieses gespräch noch so runterzieht. Gerne wärst du aus dem krankenhaus gegangen mit dem gedanken „ihre meinung, ihr leben punkt aus basta“ und damit wäre die sache für dich erledigt gewesen.
Genau das ist es. In der Vergangenheit hat das nämlich sehr gut geklappt. Es ist schon so, dass ich auf den ganzen aufgezählten Mist und noch mehr keine Lust mehr habe. Es liegt auch in meiner Hand da etwas gegen zu tun. In der letzten Zeit hatte ich keine Probleme mit „punkt, aus, basta“, weil ich das alles nicht an mich ran gelassen habe. Nicht meine Baustelle. Und das war noch nicht mal mehr groß mit Anstrengung und Eigenüberzeugung verbunden, sondern fing schon ein wenig an sich normal anzufühlen, so ganz ohne Gewissenbisse.

Doch irgendwo scheine ich etwas übersehen zu haben, sonst hätte mich das Gespräch nicht so runter gezogen. Sonst wäre ich nicht wieder einmal kalt von hinten erwischt worden und hätte mich da rein ziehen lassen obwohl ich wusste, dass es nichts bringen würde. Inzwischen weiß ich auch wo das Unheil seinen Lauf genommen hat. Ich hätte genau an der Stelle mich nicht weiter dazu äußern sollen und der Besuch wäre wahrscheinlich ganz anders gelaufen. Nur ich habe es nicht erkannt bzw. mein inneres Stoppschild übersehen. Ich hätte es besser wissen müssen.

Ich habe meine Meinung, zu der stehe ich und wenn es angebracht ist sage ich sie auch. Auch solche Dinge wie gestern, da muss sie dann mit leben, genauso wie ich damit leben muss, dass sie nicht aufhört zu trinken. Nur war es gestern nicht angebracht, es war der falsche Zeitpunkt, passte nicht, war irgendwie in die Situation reingepresst, weil ich es loswerden wollte, weil ich nicht wieder mal das Gleiche hören wollte. Statt genau das zu sagen oder entsprechend zu handeln, habe ich mich reinziehen, in eine Ecke drängen lassen. Ich war nicht mit mir im Reinen und deshalb konnte ich nicht loslassen und über der Sache stehen und wie sonst sagen, nicht meine Baustelle.

Das war und ist es zum Teil noch was mich runter zieht, mich ärgerlich auf mich selbst macht. Ich habe mich in die Ecke drängen lassen und zugelassen, dass sie die alten bekannten Knöpfe gedrückt hat und ich mit meinem schlechten Gewissen und dem Gefühl von Schuld da stand. Dann stehe ich da, fühle mich nicht wie 38 sondern wie 8 und will nicht das meine Mutter böse auf mich ist und mich lieb hat. Ich sehe diese Mechanismen, ich fühle sie und doch manchmal kann ich mich einfach nicht dagegen wehren und das Gummiband ist zum Zerreißen gespannt.

Ich kenne das Spiel lange genug, habe lange mitgespielt, es selbst gespielt. Ich müsste es besser wissen, nicht mehr mitzuspielen, mich gar nicht mehr auf’s Spielfeld stellen lassen und das ist mir gestern nicht gelungen und daran knapse ich ganz gewaltig. Ich sollte über der Sache stehen und war bisher der Meinung, dass das klappt und ich den für mich richtigen Weg gefunden habe. Doch warum ist mir die Chose gestern wieder um die Ohren geflogen?

Habe ich nur etwas übersehen, verlange ich zuviel auf einmal von mir, war es ein Stolpern auf dem richtigen Weg oder bin ich vollkommen auf dem Holzweg? Ich weiß es im Moment nicht. Vielleicht läuft es doch auf das was Lavendel gesagt hat hinaus, aber damit bin ich noch nicht durch. Wenn das der Weg ist, werde ich ihn gehen, aber davon muss ich dann auch überzeugt sein. Also werde ich weiter überlegen und wieder aufmerksamer mir selbst
gegenüber sein, mich genau beobachten und dann werde ich sehen. Ich habe erstmal eine Menge nachzudenken die nächste Zeit.

Einen lieben Gruß und gute Nacht von der weiter sehr nachdenklichen

Skye

Skye

Beitrag von Skye » 01.08.2007, 22:25

Hallo Josu,

Dein Einwand ist berechtigt und eine Überlegung wert und ich habe eine ganze Weile darüber nachgedacht. Ich weiß was Du meinst und kenne diese Selbstbetrachtungen inzwischen auch sehr gut. Ich verwende öfter aufweichenden Formulierungen, weil ich Angst habe mich festzulegen, etwas falsch zu machen oder eventuellen Erwartungen nicht zu entsprechen, obwohl ich die Antwort oder Lösung sicher kenne bzw. davon überzeugt bin. Doch hier sieht es anders aus, ich bin mir weder sicher, noch bin ich überzeugt, ich weiß es einfach nicht.

Es ist nicht der Wunsch als gute Tochter da zu stehen und auch nicht die Angst, die Liebe meiner Mutter zu verlieren, der mich sagen lässt „vielleicht“. Eine gute Tochter bin ich, nach meinen Maßstäben und die sind entscheidend. Die Liebe meiner Mutter werde ich nicht verlieren. Auch wenn diese Angst immer wieder hoch kommt und das Kind in mir nach Beweisen und Bestätigung verlangt, die erwachsende Frau weiß, dass ihr diese Liebe erhalten bleibt, solange ihre Mutter lebt. Egal ob nass oder trocken, dass macht nur den Unterschied wie viel sie in der Lage ist zu zeigen.

Wie sagte unsere Kanzlerin mal so nett: Ich bin das Produkt meiner Eltern. Nun mein Vater hat sich irgendwann verabschiedet, dadurch war die Bindung an ihn lose und ich habe sie irgendwann auch gekappt. Meine Mutter ist nicht verschwunden, die war immer da und hat mich groß gezogen. Meine Mutter war der erste Mensch der mich vorbehaltlos geliebt hat, den ich vorbehaltlos geliebt habe. Der erste für mich und damit gleichzeitig auch der wichtigste Mensch seit ich auf der Welt bin. Der erste Mensch dem ich vertraut habe, der Mensch der mich ernährt, der mich großgezogen, der mich ge- und beschützt hat und der nach seinen Möglichkeiten für mich gesorgt hat. Diese Liebe, diese emotionale Bindung an meine Mutter die dadurch entstanden ist, ist eine der Grundlagen meines Lebens. Diese Bindung hat vor 38 Jahren ihre Anfang genommen und ist seitdem Bestandteil meines Lebens, meiner selbst. Vielleicht klingt das alles jetzt etwas pathetisch, aber ich weiß es im Moment nicht anders auszudrücken, doch ich denke Du verstehst was ich sagen will.

Was mich „vielleicht“ sagen lässt ist die Angst einen Teil von mir zu verlieren, wenn ich diese emotionale Bindung kappe. Es fühlt sich im Moment so an, als würde ich mir ohne Not ein Körperteil amputieren wollen. Sollte die Notwendigkeit bestehen, dies zu tun um gesund weiter zu leben, dann werde ich es tun. Doch ich muss davon überzeugt sein, dass nur ohne diese emotionale Bindung mein Überleben gesichert ist, ein besseres Leben auf mich wartet. Das bin ich zur Zeit nicht und weiß nicht ob ich es einmal sein werde, deshalb „vielleicht“.

Für heute melde ich mich ab und vielleicht auch für die nächsten Tage. Ich fühle mich emotional ausgelaugt im Moment, dass ist alles etwas viel auf einmal. Es ist viel hochgespült worden und ich habe das Gefühl langsam etwas konfus zu werden. Ich muss erstmal wieder etwas Kraft tanken, mich sammeln und sortieren. Vielen Dank für Eure Hilfe und Unterstützung und Eure aufmunternden Worte. Ich brauch’ eine Pause. Bis denn…

Skye

summerdream
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Beitrag von summerdream » 02.08.2007, 00:22

na du liebe

eine pause hast du dir allemal verdient, daher fass ich mich etz auch nur ganz kurz:

in meinen augen sind rückschritte genau die sache wo uns für weiteres wieder stärken, natürlich unter dem gesichtspunkt das wir weitermachen wie davor.
du hast vorher mal indirekt geschrieben, das du deiner mutter ihre sucht auch nach dem x-ten rückfall verzeihen könntest, wenn du merkst, das sie es auch mal richtig angeht. oder?

im endeffekt gilt das gleiche auch für dich, auch du darfst dir (diesen) fehler verzeihn. es klappt nicht immer alles gleich gut, es hat eine zeitlang geklappt, etz holt es dich wieder ein, irgendwo ist das auch zu erwarten.

ich wünsch dir, das du bald klarer siehst, falls es nicht klappen sollte, wir sind auch gerne für dich da :wink:

a guts nächtle wünsch ich dir, träum was schönes!

kaltblut
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Beitrag von kaltblut » 02.08.2007, 15:04

Liebe Skye,


die Heilungschance Deiner Co-Abhängigkeit ist doch sehr groß oder eher klein? Es gibt da ganz viele Auslöser und die können wir nicht alle sehen und Du machst schon so wahnsinnig viel, ich bewundere Dich immer, wo Du den Dampf hernimmst und wie Du an die Sache ran gehst.

Und wenn wir dann gelegentlich ausbrechen und abheben, dann ist eigentlich nur eines sicher, dass wir wieder landen, so oder so.

Unser Tun, unser Handeln, unser Denken, das gibt uns Kraft oder es nimmt uns plötzlich mit einem Schlag alles. Es liegt immer an uns. Skye, ich denke und ich fühle z. Zt. nicht gut von meiner Frau, aber sie ist die Gleiche, mit der ich einst Bäume ausriss, sie kann dafür nichts, es ist mein Denken, mein Leben, ihres ist ihres.

Skye, ich habe auch Deine damals an mich gerichteten Worte in Erinnerung, auch als meine Frau sie Monate später las und meinte „so habe ich das nie gesehen, ich war ganz schön doof“ und es gab in den vergangenen Tagen geschichtliche Ausgrabungen in meiner Familie und meiner Kindheit, Trauriges, was durchaus erklärt warum ich jetzt einen weg habe, aber mein Vater ist lange nicht mehr, ich hatte mich liebevoll von ihm verabschiedet und auch wenn ich jetzt einige male heftig gegen seine Kiste getreten habe, er bleibt wie er gegangen ist.

Was in unserer Birne rumturnt, das muss da weg, muss sich auflösen, wie eine Brausetablette. Wenn Du es dann aufgelöst hast, denkst Du, Du bist repariert, komplett, ganz, heil und ehe Du Dich umdrehst, fehlt Dir wieder was. Wenn Du das nicht findest, wer dann? Vielleicht ist das aber alles auch gar nicht so kompliziert, weil Du schon alles gefunden hast.

LG kaltblut

Skye

Beitrag von Skye » 11.08.2007, 09:19

Hallo Zusammen,

da bin ich wieder. Nach ein paar Tagen in denen ich das Thema ganz gelassen habe, ein paar Tagen die ich geradezu zergrübelt habe und zwei Therapiesitzungen, die anstrengend und hilfreich waren, sehe ich die Sache etwas klarer und bin wieder gelassener. Wenn ich auch der Lösung noch nicht näher gekommen bin, sehe ich doch wenigstens den Weg dorthin.

Über diese Worte von Kaltblut habe ich eine ganze Weile nachgedacht.
Du machst schon so wahnsinnig viel, ich bewundere Dich immer, wo Du den Dampf hernimmst und wie Du an die Sache ran gehst.
Zum einen sehe ich nicht, das ich viel mache, ich finde es normal und zum anderen verstehe ich nicht, welcher Dampf gemeint ist. Wenn ich nichts für mich tue, tus’s auch kein anderer, das habe ich inzwischen gelernt. Also muss ich etwas tun. Das hat mich, mal wieder muss ich dazu sagen, zu dem Punkt gebracht, dass mein Selbstbild ein anderes als das, welches die Umwelt von mir hat. Das ist ein Teil meines Problems. Sowohl was meine Umwelt angeht, als auch meine Mutter.

Doch ich habe dann auch mal überlegt, was mich antreibt. Was mich dazu bringt, eine Therapie zu machen, die nicht immer einfach ist, in die SHG Gruppe zu gehen, was an manchen Abenden auch an die Substanz geht, mich hier mit dem Thema zu beschäftigen, was Dinge hochbringt die lange vergraben und nicht unbedingt schön waren, manche hätte ich lieber weiterhin unter der Erde gesehen, und warum ich zu guter Letzt auch noch eine Kur beantragt habe. Was ich da gefunden habe erfreut mein Herz nicht grade, aber gut, besser jetzt als später, um so eher kann ich was daran tun.

Als ich damit begonnen habe vor nun schon fast zwei Jahren, war ich am Ende und wollte nicht mehr. Es kamen da schon häufig Gedanken auf, warum muss ich leben und dabei unglücklich sein und andere die ein Leben haben und sich daran freuen müssen sterben. Die Welt ist gemein und ungerecht. Warum kann ich nicht einfach abends einschlafen und morgens nicht mehr aufwachen. Ich hatte Depressionen und keine wirkliche Lebensfreude mehr. Irgendwo war er aber noch da, der kleine Funke Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf ein erfülltes Leben. Dieser Funke hat angefangen mich herauszufordern und ich habe die Herausforderung angenommen.

Ich bin die Sache angegangen wie ich jede Herausforderung annehme, mit aller Kraft und aller Verbissenheit und in dem Bestreben es bestmöglich zu machen, aufgeben gilt nicht. Wenn ich mich einmal entschlossen habe, etwas zu tun, dann auch richtig, zur Not bis zur Selbstaufgabe. Entweder ganz oder gar nicht. Vernunft? ….. was ist das?

In der Regel bin ich ein bequemer Mensch und nicht so leicht hinter dem Ofen hervor zu locken, aber wenn es um Herausforderungen geht, hast Du mich sehr schnell am Haken. Da denke ich gar nicht groß nach, was es für mich bedeutet, ich tue es. Oder besser gesagt in vielen Bereichen tat ich es, ich denke inzwischen mehr nach und wähle aus. Zu irgendwas müssen die Mühen der letzten knapp 2 Jahre ja gut gewesen sein.

Ich habe mich als Herausforderung gesehen. Ich habe mich mir selbst zur Aufgabe gemacht und bin dabei, um es auf die Spitze zu treiben, auch bei meinen hohen Ansprüchen mich selbst geblieben. Ich setze bei mir selbst Maßstäbe an, die ich nie bei anderen ansetzen würde. Nach dem Motto verlange viel von Dir selbst, erwarte wenig von anderen.

Das konnte nur auf schief angehen, denn ich habe mich wohl als Aufgabe gesehen, als Sache die bestmöglich erledigt werden muss, wie ich alles versuche zu erledigen. Anstatt anzunehmen was ich fühle, was ich gerade möchte, bei mir und meinen Bedürfnissen zu bleiben und damit auch mich anzunehmen, habe ich mich und jede Situation analysiert, geradezu mit scharfem Messer klein gehackt um herauszufinden warum ich das denn jetzt möchte und überlegt ob das denn jetzt das Richtige ist. Darüber ist die Handlung in meinem Sinne auf der Strecke geblieben. Ich habe in der Vergangenheit Fehler gemacht, sonst wäre ich nicht so weit gekommen und das galt es jetzt zu vermeiden, wieder Fehler machen. Schließlich sollte ja alles besser werden…..

Ich habe dabei wie es scheint etwas aus den Augen verloren, nämlich dass ich keine Aufgabe, keine Sache, sondern ein Mensch bin. Ein Mensch mit Stärken, mit Schwächen, mit Gefühlen. Ich habe letzten Endes nichts anderes getan als vorher, ich habe funktioniert, zwar in eigener Sache, was das Ganze aber auch nicht unbedingt besser macht.

Ich muss „nichts“ weiter tun, als auf mich zu hören, meine Wünsche, meine Bedürfnisse und danach handeln und nicht immer vorher überlegen, was das für Konsequenzen bei irgendwas haben kann, dass ich doch nicht beeinflussen kann. Die Lösung ist mich anzunehmen, ganz genau so wie ich bin, anstatt mich mit gnadenloser Selbstkritik nieder zu machen. Auf mich zu hören, meinen Bauch, ohne darüber nachzudenken ob das jetzt richtig ist, denn ich weiß am besten was gut für mich ist.

Das hört sich sehr leicht an. Für einen Menschen wie mich, der immer darauf bedacht war, es anderen Recht zu machen, der immer darauf bedacht war alle möglichen und unmöglichen Risiken auszuschließen, ist das jedoch verdammt schwer, aber nicht unmöglich.....

Ich werde nichts von dem aufgeben, was ich angefangen habe, denn es hat mir geholfen und es wird mir weiter helfen, aber ich werde versuchen dabei einen oder zwei Gänge runter zu schalten, damit auch Rücksicht auf mich nehmen kann. Ich bin nichts was ich erledigen kann, um mich dann dem nächsten Projekt zu wenden zu können, ich bleibe mir ein Leben lang erhalten. Ich bin ein Mensch mit Gefühlen und auch mit Fehlern, dass sollte ich wohl in Zukunft berücksichtigen und vor allem auch akzeptieren.

Der Plan war ein besseres Leben, ich sollte aufhören zu planen und es mal mit leben versuchen. Hier und jetzt ist mein Leben und nicht irgendwo in der Zukunft…..

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein schönes Wochenende und endlich mal wieder ein paar Sonnenstrahlen…..

Skye

Nelly81
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Beitrag von Nelly81 » 11.08.2007, 11:24

Hey Skye,

wow, Dein Beitrag hat mich beeindruckt. Und Du scheinst ein großes Stück weitergekommen zu sein.

Es ist typisch für uns, zu funktionieren, alles perfekt zu machen, Fehler können ruinös sein und machen uns wertlos.

Man glaubt, durch detaillierte Planungen auf alles vorbereitet zu sein, weiss man doch selbst am Besten, was alles an Mist kommen kann, was die anderen, die „normalen“, die wir um ihre Normalität beneiden, nicht wissen, nicht wissen können, sind sie doch ein Stück weit naiv in unseren Augen. Wir dagegen viel weitsichtiger, ewige Bedenkenträger, Neider der Spontanen, Bewunderer der Unbeschwertheit, stille Beobachter, wartend, rettend eingreifen zu können, zu müssen, zu dürfen?

Die Neigung, alles als Aufgabe anzusehen und durch strukturiertes Planungssystem alles zu bewältigen, schützt vielleicht ein Stück weit vor unangenehmen Überraschungen, die wir ja nun zur Genüge schon hatten. Doch Du hast zu Recht erkannt, dass es neben den Aufgaben und Pflichten noch etwas gibt, was sich nicht in einen Plan stecken lässt, was sich nicht als Aufgabe oder Pflicht in eine to-do-Liste aufnehmen und mit einem Häkchen aus unserem System unter „teilweise erledigt, weiter im Text“ abhaken lässt.

In diesem System verliert man manchmal den Überblick, den Blick für´s Wesentliche. Du hast Recht, der Mensch, Du selbst, bist keine Aufgabe, kein Problem, dass man lösen kann wie den Rest, den wir so perfekt erledigen.

Indem Du Deine Stärken und Schwächen akzeptierst und Dich selbst nicht mehr so gnadenlos verurteilst, Dich also selbst so nimmst, wie Du bist, so bist Du schon ein Riesenstück weiter!

Alte Muster – nie endend, doch vielfach umgenäht, neu zugeschnitten, neu verarbeitet. Ein neues Kleid im alten Muster, doch nach Deinen Wünschen und Vorstellungen gemacht! Das Beste aus dem, was Dir gegeben.

Ich drück Dich!

Skye

Beitrag von Skye » 12.08.2007, 14:13

Hallo Nelly,

gedanklich bin ich ein ganzes Stück weiter gekommen, ja, ob das mit der Umsetzung auch so klappt, nun das wird die Zukunft zeigen.
Es ist typisch für uns, zu funktionieren, alles perfekt zu machen, Fehler können ruinös sein und machen uns wertlos.

Man glaubt, durch detaillierte Planungen auf alles vorbereitet zu sein, weiss man doch selbst am Besten, was alles an Mist kommen kann, was die anderen, die „normalen“, die wir um ihre Normalität beneiden, nicht wissen, nicht wissen können, sind sie doch ein Stück weit naiv in unseren Augen. Wir dagegen viel weitsichtiger, ewige Bedenkenträger, Neider der Spontanen, Bewunderer der Unbeschwertheit, stille Beobachter, wartend, rettend eingreifen zu können, zu müssen, zu dürfen?

Die Neigung, alles als Aufgabe anzusehen und durch strukturiertes Planungssystem alles zu bewältigen, schützt vielleicht ein Stück weit vor unangenehmen Überraschungen, die wir ja nun zur Genüge schon hatten.
Hätte ich diese Einsichten. so wie Du, schon mit 25 gehabt, wäre mir viel erspart geblieben. Doch da steckte ich noch mitten drin im Teufelskreis und habe auf die Lösung von außen gehofft.

Du bist weiter als ich damals, Du hast jetzt die Chance auszubrechen und aufzubrechen ins Leben, mach’ was draus, Du bist es wert…….

Einen sonnigen Sonntag wünscht….

Skye

summerdream
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Registriert: 05.02.2007, 17:10

Beitrag von summerdream » 13.08.2007, 01:18

liebste skye

weißt du, was damals noch anders war, wie etz?

das die krankheit alkohol noch ganz anders von der gesellschaft empfunden wurde, ja eigentlich, dass sie wohl damals noch nicht mal als krankheit akzeptiert wurde.
und dadurch auch ganz besonders wie es überhaupt den angehörigen mit dem thema alkohol geht. ich glaube nicht, dass es damals überhaupt shg's für angehörige gab usw. du hattest damals gar nicht die möglichkeit dir hilfe zu suchen, so wie wir jetzt.
auch etz san die augen der gesellschaft auf den süchtigen selbst gerichtet, viele begreifen immer noch nicht richtig, wie wir angehörigen und besonders wir kinder darunter leiden.
wenn ich mal von bekannten (also nur bekannte nicht freunde) gefragt werde, kommt nur die frage "wie geht es deiner mutter", nicht aber die frage "wie geht es dir?". verstehst du was ich sagen will?
gedanklich bin ich ein ganzes Stück weiter gekommen, ja, ob das mit der Umsetzung auch so klappt, nun das wird die Zukunft zeigen.

den eindruck das du weitergekommen bist, habe ich auch. die umsetzung is nicht leicht, das weißt du selber, ich drück dir auf jeden fall ganz fest die daumen, das es klappt.

und du weißt ja, wenn was is, einfach melden, wir sind für dich da, genauso wie du für uns, dafür möchte ich dir auch noch danken. du schaffst es einen auf neue gedanken zu bringen und gleichzeitig auch einen aufzubauen, zumindest mir gehts so und ich glaub den anderen genauso.

liebe grüße

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