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Urlaub und Urlaubsvorbereitung

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Moderator: Moderatoren

Backmaus

Beitrag von Backmaus » 19.07.2009, 17:01

Hallo

Bei mir haben sich auch die Prioritäten geändert.
Als ich noch Alkohol konsumiert habe,schloss jeder einzelne Urlaubstag mit "einem" Sundowner ab.
Schon mittags gab es mindestens ein Glas Alk und dann lag "man" bräsig in der Sonne.
Mein Mann hat im Urlaub auch nicht "'reingespuckt".
Geändert hat sich das,als wir eine Familie gegründet haben.
Getrunken wurde dann abends,wenn sie Kids schliefen.
Vor dem ersten "trockenen" Urlaub hatte ich ein mulmiges Gefühl.Ich hatte Angst vor Verzichtsgedanken.Da ich mit Göga und Kids aber völlig zurückgezogen Urlaub gemacht hatte mit Selbstverpflegung usw. war ich dem Anblick von alkoholtrinkenden Menschen nicht ständig ausgesetzt(Hotel ,Clubanlage)
Es wurde eine ganz neue Art Urlaub "gefunden" und ich freute mich jeden Morgen über meinen klaren Kopf und über meine Unternehmenslust und über meinen gesunden Hunger!:-)
Ausserdem :dass Fahrrad wurde von uns "entdeckt" und so kommt auch eine sportliche "Komponente" hinzu!:-)

...und ,hast DU schon Urlaubspläne ???
L.G.
Backmaus

espoir
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Beitrag von espoir » 19.07.2009, 17:21

Hallo Backmaus,
ich plane in Deutschland zu bleiben, Südbayern, um genau zu sein, mit der Option, einen Abstecher nach Österreich zu machen.
Urlaub im eigenen Lande, das kenne ich so gar nicht. Früher war stets Mittelmeer angesagt, weil ich dort fand, was ich in Deutschland vermisse - Sonne, Strand und Meer. Damit meinte ich ja nun nicht unsere heimische Nord- oder Ostsee, sondern das, was "man" sich gerne darunter vorstellte, inklusive Hitze, fremde Pflanzen und Blumen, und Küche.
Mittlerweile langweilt mich aber der Gedanke daran, bereits mittags am Strand den ersten Sekt zu trinken und alkoholisiert in der Sonne zu brutzeln, um dann irgendwann völlig erschöpft im Zimmer anzukommen, Rausch auszuschlafen und gegen Mitternacht ausgehungert irgendwo im Lokal aufzuschlagen, mit der Begründung, die Einheimischen würden ja auch erst so spät nachts essen, weißt schon, Hitze und so... :roll:

Ich kann dir eigentlich so konkret gar nicht sagen, was ich künftig von meinen Urlauben erwarte, ich weiß nur definitiv, wie ich ihn nicht mehr haben möchte. Und irgendwie habe ich die Einstellung bekommen, dass es schon allein deshalb schön wird, weil es anders wird als zu Hause. Mit der entsprechenden Vorbereitung kann es nicht langweilig werden, selbst, wenn es einmal regnen sollte.
Früher dachte ich, der Urlaub wäre schon schön, wenn es nur überall ausreichend Alkohol gäbe, alles andere würde sich dann schon finden. Was ich für Bescheidenheit und Anpassungsfähigkeit hielt, war nix anderes als "wenigstens offiziell saufen zu können", schließlich habe ich ja Urlaub... :roll:

LG
espoir

rowi
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Beitrag von rowi » 19.07.2009, 17:39

Hallo,

schreib einfach mal , auch wenn´s vielleicht gar nicht richtig passt.

Bin nämlich in der glücklichen ? Lage zu sagen dass ich ,ausser dem letzten , Urlaub nicht mit Alkohol in Verbindung bringe.
Ganz einfach weil ich in den Jahren überhaupt keinen Alk. getrunken habe und wir eigentlich immer Selbstverpfleger waren.
Ausser in Ungarn auf dem Hausboot,dass war klasse, oder als ich mit meinen Jungs alleine auf Kreta war . Nie wieder so einen Urlaub,sage nur Liegenbeleger.

Tja ,aber eben der letzte Urlaub, ich schon ziemlich schlimm drauf ,alleine , also ohne meine Männer , dafür aber mit meiner anderen Schwägerin und deren Freundin,in die USA zu eben der besagten Schwägerin .
Schon im Flieger hin ,am hellichten Tag ein Rotwein nach dem anderen bestellt, denke da bin ich den Damen schon aufgefallen.
Muss noch erwähnen dass dieser Urlaub der totale Reinfall war ,war zwar schon dass 3x da ,aber nie alleine .Hab gedacht ein kurz Trip nach New York , oder einmal zu den Amish ,eben etwas sehen .
Was war , die Damen wollten nur shoppen ,shoppen und nochmal shoppen und wenn das nicht dann stricken oder Karten spielen.

Na, seit dem war ich nicht wieder im Urlaub,hatte aber ein bißchen Bammel vor der einen Woche zu Hause.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen , selbst als wir in Schottland waren ,gab´s keinen Wisky für mich .

Ich schweife ab ,kurz gesagt dieses Jahr steht kein Urlaub an .

Viele Grüße
Rowi

Karsten
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Beitrag von Karsten » 27.06.2016, 09:35

Hallo,

alle Jahre wieder und wenn ich das Thema hier von vor acht Jahren lese, hat sich an meiner Sichtwiese dazu auch nichts geändert.

Da ja jetzt die Urlaubszeit wieder ran ist, wäre es vielleicht gut, sich auch in dieser Richtung die richtigen Gedanken zu machen.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 27.06.2016, 21:45

Hallo Karsten!

Ist ja irgendwie eins deiner Lieblingsthemen, so wirkt es zumindest auf mich.

Habe auch mal die letzten Beiträge studiert. Die Namen sagen mir fast alle nichts. So schnellebig scheint das Forum zu sein.

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 27.06.2016, 21:56

Oh, da habe ich etwas zu schnell. Nicht mit dem Urlaub, sondern mit der Tastatur.

Urlaub habe ich in meiner bisherigen Abstinenz von 14 Monaten (oka minus 3 Tage) bereits 2x verbracht und es ist m.E. auch in den ersten beiden Jahren möglich. Darauf muss man nun wirklich nicht verzichten.

Jedoch sollte man ein paar Dinge beachten:

Direkt nach der Entgiftung ohne weitere therapeutische Unterstützung würde ich abraten. Ich habe den ersten Urlaub nach 6 1/2 Monaten ambulanter Therapie incl. Vorgruppe verbracht.

Dann sollte auch die Art des Urlaubs mit der Abstinenz in Einklang stehen.

Wir haben jeweils Apartments ohne Verpflegungsleistungen in einer Urlaubsanlage ohne Schnick und Schnack gebucht. Kein Animationsgedöns, keine Poolbar, bloß kein AI Quatsch mit Dauersaufen von 09.00 - 03.00 nachts.

Um Kneipen und Bars wurden Bögen gemacht.

Ferner sollte man sich darauf einstellen, dass man in Restaurants, wenn man abends mal essen geht, eine Art Exot ist. Spätestens nach 3-4 Besuchen legte sich bei mir das Gefühl.

Ferner sollte man sich vorher klar machen, dass sich ggf. Suchtdruck einstellen kann, wenn man in Situationen kommt, in denen man früher getrunken hatte.

Berücksichtigt man dies alles, steht m.E. einem Urlaub nichts im Wege.

Gruß Carl Friedrich, der im Oktober noch mal weg will.

Karsten
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Beitrag von Karsten » 27.06.2016, 22:09

Hallo Carl Friedrich,

nicht das Thema Urlaub, sondern das Thema Risikominimierung insgesamt ist eines meiner Lieblingsthemen :lol:

Du schaust bei der Urlaubsvorbereitung auf die sachliche Ebene.
Ich finde die emotionale Ebene noch viel wichtiger.

Die Trockenheit ist eine Entwöhnung vom alten Leben.
Wenn ich gerade ( ein Jahr zähle ich noch als sehr kurz ) nüchtern geworden bin, habe ich es vielleicht geschafft, dass ich gefühlsmäßig auf andere Gedanken gekommen bin.
Ich habe meine sichere Burg ( die Wohnung ) und vielleicht ein paar trockene Kontakte und Freizeitbeschäftigen.

Im Urlaub ist alles wieder neu und ich stehe gefühlsmäßig wieder am Anfang.
Ich kann nicht in meine sichere Burg, wenn ich mich zurückziehen möchte, sondern nur ins Hotelzimmer, wo aber auch alles fremd ist.
Ich kann mit niemanden reden, der mich wirklich versteht.

Ich sehe den ganzen Tag eventuell trinkende Menschen in den Lokalen und am Strand.

Vom Verstand weiß man, dass man nicht dazu gehört und dass Emotionen auslösen, die zum Rückfall führen können.

Vielleicht hast du ja auch meinen anderen Beitrag von heute gelesen, wo es um die Selbsthilfewohngemeinschaften ging?

Da gab es auch die Regelungen, im ersten Jahr gar kein Urlaub und im 2. bis 4. Jahr nur Gruppenurlaub.
Diese Sichtweise habe also nicht ich entwickelt, sondern andere Menschen, von denen ich meine Trockenheit gelernt habe :)

Wie das in Therapien früher war, wo die Zeitdauer noch 18 Monate war, wo es dann den ersten Heimaturlaub gab, weiß ich nicht, weil ich ja keine Therapie gemacht habe.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 27.06.2016, 22:40

Hallo Karsten!

Den ersten Urlaub hatte ich mit meinem Therapeuten abgestimmt.

Jetzt der Bogen zu dir: Risikominimierung steht absolut im Vordergrund, auch im Urlaub.

Und zum Reden habe ich meine Frau, die ist vom medizinischen Fach. Sie hat mir jahrelang (klarer Fall von Co-Abhängigkeit) stets gepredigt: "Es kommt der Tag, da kannst Du gar nichts mehr trinken". Und Recht hat sie behalten. Sie zieht mein Ding auch voll mit.

Gruß Carl Friedrich

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