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Musikthread

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c2h5oh
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Musikthread

Beitrag von c2h5oh » 07.01.2013, 08:03

Guten Morgen, geschätzte Foristen!

Frank (garcia) hatte angeregt, einen Musikthread im Freizeitbereich zu eröffnen. Ich begrüße diesen Vorschlag sehr. Wenn es hier auch um Auseinandersetzungen mit klassischer Musik, bzw. bestimmten Werken, Epochen, Stilrichtungen gehen soll, ist die Verknüpfung von Musik und Rausch und seiner pathologischen Entgleisung, der Sucht, sinnfälliges Thema hier.
In einer Alkoholgesellschaft wie der deutschen begleiten uns (Alkohol-)Trinksprüche und -lieder buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre. Und das seit vielen Jahrhunderten. Wer die deftigen "Fress- und Sauflieder" der Ranaissance kennt, kann über "S*x, Drugs and Rock'n Roll" nur müde lächeln. Viele kennen vielleicht das launige Schunkellied "Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort." Der grausame Tod eines Suchtkranken wird (wie passend) lachend und betrunken im Bierzelt gegröhlt. Auch Udo Jürgens' "Der Teufel hat den Schnaps gemacht" lädt zum Schunkeln, Tanzen und Trinken ein...
Vorsicht ist also geboten bei pseudokritischen "Anti-Alkohol"-Liedchen, die angeblich vor den Gefahren des Trinkens warnen wollen: ihre Musiksprache ist regressiv und affirmativ, sie folgt den den Kinderliedern entnommenen Tonfolgen (wenn auch leicht maskiert) genauso wie alle Popmusik, die eben deshalb bei labilen, schlecht individuierten Jugendlichen so erfolgreich ist. Kurz: diese pseudokritischen Liedchen können Suchtkranke genauso triggern wie ihre (vermeintlichen!) Whiskey & Wine-Antipoden.

In diesem Thread kann gebündelt werden, was in sehr vielen Einzelthreads sehr häufig (!) thematisiert wird: der Zusammenhang von der Musik, mit der wir aufwuchsen und der eigenen Suchtkarriere, wobei besonders die von den tyrannischen Sekundäreltern (jugendliche peer groups) anbefohlene Musikgeschmack und -konsum eine dominante Rolle spielen dürfte.

LG Jonas

schnuffig
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Beitrag von schnuffig » 07.01.2013, 11:02

Hi Jonas!

Schon interessant, welche Rolle die "richtige" Musik gespielt hat, als ich noch ausgegangen bin. Ich kannte das Nachtleben mit Pausen doch fast 20 Jahre.
Gemieden habe ich zu Beginn meiner Trockenheit die Lieder, die ich gehört habe, als ich dann morgens alleine daheim war.
Inzwischen muss ich sie nicht mehr meiden, denn sie handeln alle von einer Art Einsamkeit und einem Schmerz den ich trocken so nicht mehr kenne.
Daher berühren sie mich nicht mehr. Wir, die Musik zu der man trinkt, und ich, wir haben nichts mehr gemeinsam.
Teile meiner ersten Peer Group haben eine Band. Soweit ich das verstanden habe, hätten sie nicht ungern einen Text von mir.
Aber ich habe innerhalb dieser Töne auch nichts mehr zu sagen.
Ich habe jetzt ein anderes Verständnis von dem, was echt klingt und was nicht.
Auf den weiteren Verlauf dieses Threads freue ich mich schon!
Liebe Grüße

c2h5oh
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Beitrag von c2h5oh » 07.01.2013, 12:11

schnuffig hat geschrieben: Teile meiner ersten Peer Group haben eine Band. Soweit ich das verstanden habe, hätten sie nicht ungern einen Text von mir.
Aber ich habe innerhalb dieser Töne auch nichts mehr zu sagen.
Hallo schnuffig!

Deine Erkenntnis, dass nämlich in der Pop-Musik (die Aufzählung der vom Markt lancierten albernen Subgenres schenke ich mir...) notwenig Musik und kritischer Text auseinanderfallen und somit das Ganze zur Lüge wird, ist wichtig. Ich möchte ganz kurz auf Udo Jürgens' "Der Teufel hat den Schnaps gemacht" eingehen: dort heißt es "ich hör' schon, wie der Teufel lacht, wenn wir am Schnaps einmal sterben." Eine tiefernste Textzeile, die durch die dümmliche tanz- und schunkelbare "Lala-Musik" negiert wird. Weil mich diese exemplarische Divergenz faszinierte, hatte ich den Liedtext einmal über Arnold Schönbergs "Die Nacht" aus Pierrot Lunaire gelegt. Plötzlich wird das Grauen hörbar, Text und Musik können hier adäquat zusammenfinden.
Dabei bin ich durchaus kein Verächter der echten(!) "leichten Muse". So gehört der Schlager "In der Bar zum Krododil" zu meinen Lieblingen. Witz, Geist, Leichtigkeit und Unverschwitztheit kommen hier meisterhaft zusammen.

LG Jonas

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 07.01.2013, 14:45

Hallo Jonas,

die Kombination aus eingängigen Rythmen und kritischen Texten ist schon von den Labels her nicht gewollt (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel). Wer am Markt erfolgreich sein will, darf seine Kundschaft offenbar keinesfalls zum Nachdenken anregen wollen...kritische Texte sind tabu, seichte Massenkompatibilität alles. Andererseits ist das auch von großen Teilen des Publikums nicht anders gewollt...man will sich lieber ablenken lassen, als nachdenklich zu werden. Stellvertretend hierfür will ich mal diese lächerlich verlogene Volksmusik nennen (unter die ich auch Dein Beispiel von Udo Jürgens einordnen würde). Das ist von Haus aus Musik fürs Bierzelt und soll lediglich zum Trinken animieren...damit die Volksseele wieder mal für ein paar Stunden die Wahrheit verdrängen kann.
Allerdings würde mich interessieren, wie Du den Begriff Popmusik an sich absteckst...

Gruß Andreas

c2h5oh
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Beitrag von c2h5oh » 07.01.2013, 15:18

Carpenter hat geschrieben:Hallo Jonas,

die Kombination aus eingängigen Rythmen und kritischen Texten ist schon von den Labels her nicht gewollt (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel). Wer am Markt erfolgreich sein will, darf seine Kundschaft offenbar keinesfalls zum Nachdenken anregen wollen...kritische Texte sind tabu, (...)
Nun ja, es gibt doch die ganz traurig schauenden Pseudo-Tiefsinnigen, die düster-melancholischen Poser, die singenden "Systemkritiker", die auch ihre (Käufer-)Zielgruppe erfolgreich anträllern. Die Angesungenen wähnen sich denn auch als "nachdenklich", "sensibel", "kritisch", "so ganz anders als die dumpfe Masse". Das ist albern, aber vom Markt geschickt inszeniert, man wendet das Machiavelli'sche Prinzip erfolgreich an.
"Eingängig" sind alle Rhythmen, Harmonien und Melodien der Pop-Musik ohne Ausnahme und unabhängig davon, wie der Markt das Musikprodukt gerade nennt. Ab und zu ein Wechseltakt (wie wir ihn schon aus der Tanzmusik des Mittelalters kennen) macht noch keine Moderne.
Wie schon geschrieben, leichte Muse ertrage ich ganz gut, wenn sie sich als solche versteht und nicht als ernste Musik missversteht. Liebe und Liebelei, Irrungen und Wirrungen, etwas Wehmut und Witz. Das Ganze klug komponiert, und ich kann mich daran erfreuen, von der "Musik der Spielleute" bis Burt Bacharach.

LG Jonas

mutig

Beitrag von mutig » 07.01.2013, 16:01

Carpenter hat geschrieben:Hallo Jonas,

die Kombination aus eingängigen Rythmen und kritischen Texten ist schon von den Labels her nicht gewollt (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel). Wer am Markt erfolgreich sein will, darf seine Kundschaft offenbar keinesfalls zum Nachdenken anregen wollen...kritische Texte sind tabu, seichte Massenkompatibilität alles.
Naja, sooo ganz stimmt das mit Sicherheit nicht
angefangen mit Bob Dylan den Kinks, Johnny Cash, John Lennon z.B. u.s.w.
könnte ich bis in deutschsprachige Lieder/songs der heutigen Zeit reihenweise Musiker aufzählen die sehrwohl gut bekannt ( berühmt) für sozialkritische Texte/Musik
sind

M.F.G.

:wink:

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 07.01.2013, 17:23

Nun, das will ich gar nicht in Abrede stellen...allerdings würde ich Johnny Cash, Bob Dylan und John Lennon eher in die Sparte der Liedermacher einordnen. Aus meiner persönlichen Sicht haben die von Dir genannten mit Popmusik nichts am Hut, gleichwohl sie populär waren.
Die Kinks sind sowieso außen vor...mMn. die ersten Punks, noch vor den Stooges.
Ich hätte mich da vielleicht etwas deutlicher ausdrücken sollen...selbstverständlich gibt es nach wie vor viele Bands, die vernünftige Musik und sozialkritische Texte kombinieren...der Trend geht mMn. aber eher Richtung seichter Unterhaltung. Komischerweise sind grad die genannten Künstler allesamt in den 60ern großgeworden zu einem Zeitpunkt, als weltweit große gesellschaftliche Umwälzungen stattgefunden haben.
Aber ich merk schon, ich schreib mich schon wieder in Trance...hat mit dem eigentlichen Thema nur noch bedingt zu tun :-)

Gruß Andreas

mutig

Beitrag von mutig » 07.01.2013, 17:32

na jetzt aber
was ist denn popmusic ? Es ist populäre Musik

musst mal Frank Zappa hören vielleicht :wink:
L.G.

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