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Rauchen

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kaltblut
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Beitrag von kaltblut » 27.06.2013, 17:18

Liebe Nys,

wir hatten hier einmal nebenan ein Raucherforum. Vielleicht gibt es das noch, frag doch mal bei Karsten nach. Zurück zu den Tatsachen:

Als ich mit 28 heiratete, habe ich die Kippe vor dem Standesamt ausgedrückt und für 9 Jahre war Ende. Das ging einfach so. Sportliche Aktivitäten, eine geänderte Familieneinstellung und die damit finanzierte Karre machten das möglich. Zwei-drei leichtsinnige Kippen auf einer Messe und sie schmeckten wieder. Wir waren drei Nichtraucher, ich danach nicht mehr, 13 Jahre lang, qualmen, aufhören, qualmen und immer stärker.

Als ich 2004 mit meiner Exfrau im Ausland unterwegs war und wir einen kleinen Disput hatten, habe ich aus Blödheit, Trotz und Wut, denn mein über einjähriges Nichtrauchen wurde mit Anerkennung honoriert, wieder angefangen zu qualmen. Das Gift saß halt immer noch tief in der Birne fest.

Vor sechseinhalb Jahren hatte ich nach mehreren erfolglosen Versuchen entschieden: erst der Alkohol weg, wenn die Voraussetzungen stimmen, dann die Fluppen. Zum Schluss war ich bei 70-80 Kippen am Tag angelangt, vieles in mir wurde mit Kippen kompensiert. Seit ich trocken war, ging der Bedarf bis zwei Schachteln nach oben.

Bei mir war es genauso wenig möglich mich runter zu qualmen, wie runter zu saufen, hier ging es nur schwarz/weiss: entweder oder. Es ging ja oft gut, mal Jahre nicht qualmen, mal ein Jahr, mal paar Wochen, bis es nicht mehr ging. Schön, wer einfach so aufhören kann. Nur zu, sobald sich etwas in Bewegung setzt, passiert etwas. Im Zweifelsfall wird es wie beim JoJo-Effekt immer was mehr, bis nichts mehr geht. Nikotin, Gifte, beigemischte Stoffe, über die Bronchien direkt und ohne Reduktionsverlust ins Suchtzentrum, da klappern die Rezeptoren vor Aufregung hin und her. Das ist ein einzigartiger Vorgang, der nur von wenigen Drogen getoppt wird.

Es ist ja klasse, wenn Menschen glauben, dass sie über die Reaktionen des vegetativen Nervensystems, also über das Unterbewusstsein und der verbundenen Organe mit dem freien Willen Kontrolle ausüben können. Bei mir geht so was nicht. Zum Glück hatte ich aber schon erfahren dürfen, dass mich nicht das Bewusstsein trocken legt, sondern der Organismus und erst wenn der es will, wenn der das bewusste Hirn ausschaltet, dann wird das was. Gut, ich kann mich mir verweigern, dabei entsteht aber enormes Stresspotential, Druck, Fresssucht, da geht einiges nach hinten los und der Rückfall ist vorprogrammiert.

Ich habe damals einen Arzt hinzugezogen, denn die Entzugserscheinungen waren für mich schlimmer als alles was ich vorher an Entzug erlebt habe, Zittern, Depression, Aussetzer, Schmerzen im Kopf und ganzen Körper, Schlaflosigkeit, Aggressivität. Neuerdings heißt es: reiner Tabak, ohne Zusatzstoffe, was war das denn vorher? Selbstentscheidung, darauf baut auch die Industrie ihren Alkoholverkauf auf, denn die Entscheidung liegt ja ganz klar in meiner Hand, es sei denn, es liegt nicht mehr in meiner Hand.

Mir hatte das Buch über die Prozesse gegen die Nikotinindustrie geholfen, „Das Geschäft mit dem Tod ISBN 978-3861507796 „. Darin stand die schockierende Gewissheit, dass ich keine, aber auch gar keine eigene Entscheidungskraft mehr habe, sondern einfach, damals noch legal, von Industrieunternehmen abhängig gemacht wurde. Dabei dachte ich immer, es liegt in meiner Hand. Das hatte was Mächtiges in mir bewirkt und führte beim Gedanken an Fluppen zu Brechreitz. Nach einigen Tagen kam wieder die schulterklopfende Sucht.

Damals flossen Unmengen Wasser in mich rein und ich habe Berge Gemüse in mich reingestopft. Irgendwann ging es und da ich durch den Ausbruch aus der Alkohol- und Coabhängigkeit gestärkt war, waren die Wege ja vorgezeichnet = Grundsteine, Schritte, alles von vorne wiederholen, abgeben, vor allem den Größenwahn es selbst in der Hand zu haben.

Wieder 10kg zuzunehmen war es mir wert, denn der entstandene Stress im Unterbewusstsein will ja auch irgendwo hin und ich wusste ja, der geht auch wieder. Soviel zur Selbstentscheidung und die Aufpfunde gingen erst weg, als sich anderweitige Befriedigung einstellte, z. B. durch Sport, Bewegung, frische Luft, Musik, Lesen, Ernährung, Meditation, Ruhe im Job, im Umfeld, mit der Ex und was mir sonst noch Befriedigung gab, dann purzelten sie nach einigen Monaten auch wieder. Mit Süßigkeiten und Kalorienfressen wurde übrigens nichts kompensiert, davon wurde ich schon vorher frei und hatte ausreichend abgenommen.

Meine Exfrau hatte damals noch geraucht, waren ja nur paar Wochen bis zum großen Knall. Wie das funktionierte ist mir immer noch unvorstellbar, denn ich habe nichts, aber auch gar nichts an ihr gerochen. Das ich mit einem Aschenbecher zusammen lebte, war wie ausradiert aus meiner Birne.

Heute kann ich damit nichts mehr anfangen, Qualm hat in meiner Umgebung nichts mehr zu suchen.

Übrigens: Nikotin hatte in meiner Jugend etwas aktiviert, wodurch ich leistungsfähiger wurde. Das Missverhältnis Gesundheit und Zufriedenheit mit Leistungsfähigkeit aufzuwiegen, daran arbeite ich immer noch.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen Versuchen, jeder Tag ohne Abhängigkeit ist es wert diesen Weg zu probieren.

LG Kaltblut

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 27.06.2013, 18:04

Trek hat geschrieben:@ Carpenter, oh, austeilen bist du besser als einstecken, übrigens hatte ich auch den :wink: verwendet. Ich habe an keiner Stelle behauptet, dass es einfach ist sich der Rauchsucht zu entledigen. Der erste Schritt wäre, sich einzugestehen, dass man abhängig ist und nicht verharmlosend von Rauchgewohnheiten zu sprechen. Du bist zigarettensüchtig, jetzt kannst du dir zunächst überlegen, ob du es bleiben willst oder nicht. Wenn nicht gibt es ähnlich wie beim Alkohol einen guten Weg, der sieht aber so aus, dass du einiges im Leben verändern musst. Da gibt es Menschen wie Nys, die sich einen Stichtag setzen und dann ganz aufhören. Dann beginnt für mich erst die Rauchentwöhnung, solange ich noch täglich eine Ration zu mir nehme, stehe ich unter dem Einfluss des Suchtmittels.
Also soweit meine Gedanken zum Thema. Das hat jetzt mit eigener Erfahrung zu tun, also eventuell hilfreiche kritische Gedanken.
Aber ich sehe ein, ich wurde nicht gefragt, um meine Meinung und verlass hier mal den Raum.
Wünsche allen, die es wollen noch einen rauch-freien Tag.
Trek
Hi Trek,

Also nochmal ganz entspannt:

Ich seh es ja grundsätzlich so wie Du...Reduzieren funktioniert mMn. nicht und ohne jeden Zweifel ist Rauchen eine Sucht wie jede andere auch. Das hat aber doch eigentlich auch nicht wirklich jemand in Frage gestellt, oder ?
Es ging mir eher um diesen barschen Ton, der in diesem Thread auf einmal herrschte. Und persönlich angesprochen hab ich ja auch keinen, sondern eher ganz allgemein gesprochen.
Du sprichst von persönlichen Erfahrungen, die Du hier einbringen wolltest...meine persönliche Erfahrung ist eben, daß ehemaliger Raucher (jetzt Nichtraucher) besonders intolerant sind, was das Rauchen betrifft. Mich juckt das wenig, da ich eh nur dort rauche, wo es niemanden stören kann, aber es fällt mir halt auf.
Das eher lieb gemeinte Sprüchlein mit den Zicken ist halt so meine flapsige Art...da steckt kein Angriff oder gar eine indirekte Herabsetzung dahinter...wer mich kennt, weiß das.

Insofern nix für ungut...ich hab wirklich keine Lust, mich hier mit Dir zu kappeln...schon gar nicht wegen solcher Nichtigkeiten...denn mehr war da mMn. nicht....am wenigsten eine Aufforderung, Deine Meinung nicht zu äußern.

Peace

LG Andreas

Nys
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Beitrag von Nys » 27.06.2013, 21:36

Hallo Kaltblut

ganz ganz vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. Er sagt mir viel. Am meisten dieser Satz:
Das Missverhältnis Gesundheit und Zufriedenheit mit Leistungsfähigkeit aufzuwiegen, daran arbeite ich immer noch.
Ich habe darin erkannt, daß ich auch oft qualme um zu funktionieren.
Anstatt einer wirklichen Entspannungspause eine Zigarette, wenn die Erschöpfung naht..... anstatt Gefühls-Chaos zulassen und sortieren: Eine Zigarette zum Festhalten und "wegdrücken".

Daß mich das Zeug so im Griff haben kann(könnte) wie Du es beschreibst - das erschreckt mich tatsächlich. 10 Jahre rauchfrei - das war für mich der Beweis, daß ich eigentlich "clean" war, bevor ich wieder anfing.

Mein Organismus und mein Kopf. Ach und herje die Hormone! Mein Koll. meinte gestern mal (Frauen ab 40 grins +- kopfschüttel -)
Wann läßt ein Organismus was zu? Wird sein wie mit der Psyche: Sobald er denkt, stark genug zu sein. ääääääää kann ein Organismus denken?

Die Auslöser für Zigaretten sind bei mir die gleichen, die Du geschildert hast. Allerdings habe ich in meiner "cleanen" Zeit auch mal eine geraucht auf nem Konzert oder bei heftigem Ehekrach. Das war dann 1 im Abstand von 3 Jahren. Also kein sofortiger Neubeginn der Sucht.

Mit XY fing es wieder an. Manchmal denk ich echt : Eine Sucht begünstigt die andere. Bei XY war es, um mit Qualm den Kopf klar zu kriegen SO EIN SCHWACHSINN ! s. o. Ich wollte um jeden Preis funktionieren.

Danke für Deine Erfolgwünsche. Ich habe jetzt zwar ein bißchen Bedenken bekommen, ob das mit dem Willen allein klappen wird. Aber der 15.07. steht. Wie ich mich darauf vorbereite ist heute eine Überlegung weitergekommen. Danke

LG Nys

s.z.
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Beitrag von s.z. » 27.06.2013, 23:25

Hi!....

Nur kurz am Rande:
Jeder der mit dem Rauchen aufhören möchte und schon mal Nichtraucher gewesen ist, wird am besten sich kennen, wie er damit aufhören möchte. Wenn es bei dir mit dem reduzieren der Kippen damals geklappt hat und du nach und nach rauchfrei geworden bist, wird es für dich auch wieder der beste Weg sein, erneut diesen Weg zu gehen


Jeder der mal Nichtraucher oder auch trocken WAR, war mit seinem Abstinenzversuch erfolglos und somit ist der schon mal probierte Weg meiner Meinung nach der nicht erfolgversprechende und somit der falsche......

Ich bin der Überzeugung das süchtige Menschen (in der akut Phase) keinen blassen Schimmer davon haben was denn nun am besten für sie ist, ich bin in die Richtung gegangen wo es mir am seltsamsten vorkam, meiner Suchtbirne hab ich nicht vertraut, sondern der Erfahrung derer die es geschafft haben......

Grüße Sven. ....

Lucina
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Beitrag von Lucina » 28.06.2013, 11:41

kaltblut hat geschrieben:



Neuerdings heißt es: reiner Tabak, ohne Zusatzstoffe, was war das denn vorher?
Mein Freund hatte zufälligerweise vor ein paar Tagen die Zigaretten ohne Zusatzstoffe dabei und bot mir eine Zigarette an.
Sie schmecken tatsächlich anders, reiner ohne Parfüm eben halt. Aber der Nikotingehalt lag fast über das Doppelte der herkömmlichen Zigaretten und auch die Teer- und Kohlenmonoxid waren sehr hoch gewesen :shock:

Da will uns die Zigarettenindustrie täuschen und suggerieren "gesünder" vor.

Genauso die Werbung von alkoholfreien Bier, welches vermehrt im Fernsehen läuft: Isotonisch, vitalisierend usw.

Macht mich alles sehr nachdenklich!

Euch allen einen schönen Tag
wünscht
Lucina

garcia
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Beitrag von garcia » 28.06.2013, 18:23

Hallo, Rauchen ist eine wirkliche Pest. Ich hatte in der LZT einen Nichtraucherkurs mitgemacht (Erfolg: anderthalb zigarettenlose Tage das wars dann), ich habs dutzende Male versucht aufzuhörn und rauche nach wie vor. Aber ich mag mich damit nicht abfinden.

Nach meiner Erfahrung bringt eine langsame Zigarettenreduktion gar nix. Eher im Gegenteil: wenn ich nur noch fünf Zigaretten am Tag rauche "schmecken" die umso besser... und das Suchtgedächtnis (das ja bei Nikotin ebenso ne Rolle spielt wie bei Alk) hat Extrafutter.

Ich kann keine Tips geben, könnte ich das wär ich ja Nichtraucher. Aber ich glaub - @Nys -, sich ein Datum zu setzen wie du mit deinem 15.7. ist schonmal n guter Start. Bis dahin würde ich nicht reduzieren aber mich jeden Tag mit dem Thema beschäftigen, den Willen stärken, Bücher lesen (der gute alte Allan Carr ist sehr hilfreich find ich, laß ihn nicht aus), und ich würde mich auf 2-4 wirklich harte Wochen gefaßt machen... aber umso stolzer kannst danach sein.

Glück und Erfolg dabei!


@kaltblut: danke für deinen Beitrag, der bringt mir viel. Ich will ja auch auch wie vor aufhören - bevor Tabak mich umbringt und das wird er, irgendwann. Ist n ernstes Thema. Grad wenn man gesoffen hat; 2 nun trockene Alkholiker aus einer LZT haben mittlerweile Kehlkopfkrebs...

s.z.
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Beitrag von s.z. » 28.06.2013, 23:00

Hi Garcia!....

Du schreibst es doch, Datum setzten, lernen was des Zeug hält eh viola bist Nichtraucher. .....

Von 2-4 Wochen harter Kampf hab ich nichts gespürt, ich habe mich von Anfang an gefreut es endlich gepackt zu haben, der Kampf entsteht nur wenn man den Kippen nachtrauert, "ich würd gern aber darf nicht" Geiselung.....

Grüße Sven. .....

Nys
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Beitrag von Nys » 15.07.2013, 15:33

Hallo Lindi

meine ersten 24 Stunden ohne Zigaretten habe ich bereits hinter mir. (Gestern ging die letzte Packung aus - und von der, die ich heut gefunden und ganz schnell verschenkt hab, wußte ich da noch nichts).

Boah aber es ist schon mehrfach Suchtdruck aufgekommen. Sogar beim Anblick von ASCHENBECHERN! So kanns gehn.

Bisherige Strategie: Mir bewußt machen, daß es nicht schlimm ist nicht zu rauchen.
Ersatzhandlungen: Rocksongs mitsingen (volle Lautstärke) und Wasser trinken.

Meine Psyche will mir einreden, daß ohne Rauchen auch keine Motivation zu arbeiten da ist. Also echt fies so was. Dafür hab ich jetzt die Wasserflasche neben mich gestellt. Zur Beruhigung der Psyche. Mal sehn ob die jetzt einlenkt.

LG Nys

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