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Rückfall upps Peinlich, sag mal nichts.

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
Barthell
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Beitrag von Barthell » 02.03.2018, 09:30

Wir hatten in der Therapiegruppe (mich incl.) 4 von ca. 20 Leuten mit Rückfall.

bei 3en davon als einzelner Vorfall, bei einem häuft sich das so jeden Monat mal.

Der Therapeut hat immer wieder gesagt, er "verbietet" uns wieder von 0 an zu fangen den das tun wir nicht!


Scham ... ja, Veragensgefühle, hatte ich auch zeitweise...

Aber Angst davor verurteilt zu werden? das hatte ich ja weder im Forum noch in der Realen SHG noch in der Therapie...

Ich habe da eher Respekt empfangen, dass ich mich gemeldet habe, dass ich schnell in die Entgiftung bin...

Aktuell: wenn ich Rückfällig werde, würde ich mich hier melden.
Wenn ich irgendwann so arrogant ware mich als "geheilt" zu sehen und doch wieder saufen würde, würde ich hier wahrscheinlich garnicht mehr schreiben....

Karsten
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Beitrag von Karsten » 02.03.2018, 10:13

Hallo,

velleicht spielt ja auch der Gedanke eine Rolle, wie man sich hier gegeben hat?
Einige neue Mitglieder kommen ja hier her und sind von sich so überzeugt, dass sie alles wissen und selbst die Erfahrungen der Langzeittrockenen in Frage stellen.
Da fällt es vielleicht schwerer, sich hier mit einem Rückfall zu outen, nach dem Motto, ich wusste es eben doch nicht.
Sich das aber einzugestehen und dazu auch zu stehen, ist der erste Schritt wieder in die richtige Richtung.

Ich spreche da auch aus eigener Erfahrung, denn wer meinen Weg verfolgt hat, weis, dass ich bei bei meinen vielen Versuchen in den neunziger Jahren auch von mir sehr überzeugt war. Ich hatte so viele Prioritäten, aber eben nicht meine Nüchternheit. Ich soff ja nicht mehr und das ich rückfällig werden könnte, dass kam mir nicht in den Sinn.
Ich habe da auch viel diskusstiert, warum dieses oder jenes wichtig sein soll, wenn ich doch keinen Alkohol mehr trinken will?

Dennoch bin ich nach meinen Rückfällen immer wieder zu den gleichen Hilfsangeboten gegangen.
Diesen Menschen dort konnte ich nichts vormachen.
Teilweise habe ich mir neue Hilfen gesucht, aber auch schnell gemerkt, dass ich wieder in diese Fahrwasser gekommen bin und angefangen habe, alles besser zu wissen.
Das hat mir viel Zeit gekostet, die ich hätte schon zufrieden leben können.
Ein Rückfall ist keine Schande, aber vor einem Rückfall auch noch wegrennen, ist der falsche Weg.

Gruß
Karsten

Hull

Beitrag von Hull » 04.03.2018, 09:04

Hans im Glück hat geschrieben:Auch wenn ich mich über meine Krankheit belesen habe, war ich doch lange der Überzeugung, schuld zu sein.
Ein schwacher, willenloser Säufer zu sein.

Es gehörte für mich nicht nur dazu, die Krankheit als Krankheit zu akzeptieren, sondern auch die Kapitulation tatsächlich zu vollziehen:

Es gibt für mich keine Möglichkeit mehr, Alkohol zu konsumieren, es sei denn, ich wollte mich umbringen.
Und da gibt es wohl andere Möglichkeiten.
Guten Morgen,

Stimme zu, dass ein Rückfall für mich ohnehin den Niedergang einleitet und mir jetzt die einfache Entscheidung bleibt, den Untergang oder das Leben zu wählen. Das bringt mich aber zur ewigen Debatte, in der Definition Alkoholiker zu sein. Dass ich (auch) Alkoholiker bin, wusste ich im Prinzip im Jugendalter, da angemessener Konsum und angemessenes Verhalten die Ausnahmen waren. Dies ist keine Neuigkeit, weder Belastung, noch Befreiung. Einfach eine leere Worthülse, wie sie in jeder Diskussion zu finden ist.

Ich bin mir sicher, dass es nicht speziell der Alkohol ist, sondern jede andere Droge auch hätte werden können. Für mich kommen zuerst die Charaktereigenschaften, dann die Flucht in den Alkohol; nicht umgekehrt. Ich sehe nichts spezifisches in Alkohol oder darin, "Alkoholiker zu sein", nur um eine einfache Erklärung für die letzten Jahrzehnte zu haben. Auch kann ich nicht verstehen, wie die meisten Personen nicht wussten, dass sie Alkoholiker sind. Ist es wirklich möglich, sich jahrelang in derart oberflächlicher Selbsttäuschung zu befinden? Oder ist es wirklich möglich, zu glauben, dass diese Eitelkeit von ihrem Umfeld nicht durchschaut wird? Ist das Umfeld auch so? Die Handlungen der letzten Jahre immer wieder mit "bin halt Alkoholiker und es ist eine Krankheit" zu erschlagen, kann ich nicht im Ansatz nachvollziehen.

Thomas 2017
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Beitrag von Thomas 2017 » 09.03.2018, 11:11

Für mich ist (war) es das aller wichtigste schnell Hilfe zu holen. Als ich wieder drin war, wurde mir schnell klar, dass ich alleine da nicht mehr rauskomme. Ich würde auf jeden Fall wieder so handeln. es ist enorm wichtig, dass man dazu steht denn mit jedem Tag den man wartet, wird der Entzug schwieriger. Wenn man sich in professionelle Hände begibt, braucht man sich für nichts zu schämen. Die Leute wissen um die Krankheit und es tut gut darüber reden zu können ohne sich ständig rechtfertigen, oder erklären zu müssen.

Karsten
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Re: Rückfall upps Peinlich, sag mal nichts.

Beitrag von Karsten » 04.06.2018, 19:35

Hi,

da ir uns mit der Krankheit auskennen, denn wir haben sie ja selbst, braucht sich auch niemand zu schämen.
Wir helfen natürlich wieder und wieder, wenn jemand Hilfe möchte.

Gruß
Karsten

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