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Mein vor 2 Jahren erlebtes Delirium macht mir wieder Angst

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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scalpell
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Mein vor 2 Jahren erlebtes Delirium macht mir wieder Angst

Beitrag von scalpell » 07.06.2006, 03:38

DAS DELIRIUM TREMENS verfolgt mich

Wer hat schon so was durch und kann mir seine Erfahrung mitteilen. Brauche dringend Hilfe.

Es kommt seit Wochen immer wieder hoch und ich habe echt Angst davor wieder rückfällig zu werden, obwohl ich schon 1 Jahre trocken bin und seitdem in einer Verhaltenstherapie wegen meiner Angststörung bin habe echt gedacht ich bin darüber weg da es mir teilweise auch schon ganz gut ging. Sobald ich aber davon träume ist alles wieder da und das hängt mir dann tagelang nach und ich habe Angst zu trinken und was dann wieder passieren könnte. Nämlich ein neues Delirium Tremens.

Der Weg der zum Delirium führte:

Nach meiner 5. Entgiftung hatte ich schon wieder wochenlange gesoffen und bin dann auf die grandiose Idee gekommen mit dem Zug nach Tschechien zu fahren um Freunde zu besuchen. Es war Freitag abend um 23.00 Uhr als ich schon ziemlich weggeballert den Zug bestiegen habe. Während der Fahrt habe ich „nur 6 Bier“ gebraucht um meinen Level zu halten.

Anmerkung: Ohne vorher etwas zu trinken oder Einnahme von Benzodiazepinen wäre ich nie auf die Idee gekommen eine so weite Fahrt zu unternehmen denn ich litt an einer unbehandelten Grunderkrankung Namens Angsstörungen. Der Normalfall im nüchternen Zustand war zu Hause sitzen, Grübeln und sonst nichts. So bin ich nach jeder Entgiftung schon nach kürzester Zeit wieder rückfällig geworden.

Als ich morgens darauf in Tschechien ankam wurde ich von meiner Bekannten und ihrem neuen Freund abgeholt. Meine Bekannte wusste nichts von meinen Problemen und ich habe auch von alleine nichts erzählt. Was ich nicht wusste vor meiner Anreise war die Tatsache dass ihr Freund auch ein Alkoholproblem hatte nur zum Unterschied zu mir konnte er noch damit umgehen so wie ich es früher auch konnte. Und so kam es wie es kommen musste. Wir waren nur am Bier trinken von morgens bis abends.
Nach 4 Tagen hatte ich ca. 80 Biere getrunken und 20 Benzos genommen um meine Entzugssymptome einzudämmen. Als ich nichts mehr trinken konnte ohne zu erbrechen und wie schon mehrfach erlebt nicht mehr gehen konnte. Es ist jedes Mal seit dem ersten Entzug die gesamte Motorik ausgefallen sodass ich keinen Fuss mehr vor den anderen setzen konnte. Warum ich immer diese motorischen Störungen bekam konnte mir bis heute niemand erklären. Sie haben mich dann in die Klinik gebracht. Dort haben sie mich abgewiesen weil meine Kreditkarte nicht funktionierte. Man gab mir ein paar Pillen mit und das war es schon. Ich sollte einige Tage liegen bleiben, dieses Verhalten der Klinikärzte hätte mich fast das Leben gekostet.

Ich blieb dann im Bett liegen bin nur zur Toilette aufgestanden dies ging nur mit Hilfe (alleine wäre ich hingefallen). Nachdem ich 3 Tage so gelegen habe, bekam ich eines Nacht die ersten Halluzinationen die sich wie folgt bemerkbar machten: Als erstes sah ich eine Frau auf dem Sofa sitzen und ich redete mit ihr sie lachte nur und sagte nichts. Ich stand auf machte das Licht an und sah dass ich Wahnvorstellungen hatte.

Sofort als ich das Licht löschte waren ein oder mehrere Personen anwesend die sich mir gegenüber nur mit Gestiken bemerkbar machten. Es wurde immer schlimmer bis ganze Szenen auftraten und ich mich mittendrin befand. Auf einmal waren in der Wohnung nur noch afrikanische Leute die Zimmer bei meiner Bekannten angemietet haben um Fotoaufnahmen zu machen. Es tauchten dann Leute auf in diesem Szenario die sich als Russenmafia entpuppten und aus Rache wegen der Afrikaner das Haus sprengen wollten. Als ich das Geräusch der ersten Explosion hörte muss ich in Panik geraten sein und versucht haben aus dem Fenster zu springen. Ich kann mich noch genau an den Rauchgeruch und an Flammen erinnern. Die Anfangs angenehmen Hallus waren zu einem Horrortrip ausgeartet. Ich habe von der Realtität nichts mehr mitbekommen.
Meine Bekannte erkannte Gott sei Dank die Situation und rief den Notarzt der mich unverzüglich in die Psychiatrische Klinik einliefern lies. Dort wurden meine Zustände immer bedenklicher und ich weiß bis heute nicht was alles von dem erlebten der Wahrheit entsprach oder was ich nur im Delirium erlebte. Ich weiß nur dass ich fast durchgehend fixiert war und dass ich intern einmal verlegt wurde. Ich war insgesamt 3 Wochen in der Klinik und es war mein schlimmstes Erlebnis und ich habe heute noch Probleme wenn ich daran denke. Der Professor der Abteilung hat meiner Bekannten bei einem Gespräch mitgeteilt, dass ich bei einer späteren Einlieferung in die Klinik keine Überlebenschance gehabt hätte und dass er ein derart schlimmes Delirium tremens vorher noch bei keinem Patienten gesehen hätte. Das hat mir schon zu denken gegeben.

Wäre über Antworten dankbar
Scalpell

Karsten
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Beitrag von Karsten » 10.06.2006, 08:44

Hallo scalpell,

ich habe selbst einige dieser Zeiten mit Wahnvorstellungen gehabt.
Diese wurden immer mit Medikamenten behandelt, was sich dann aber meist über zwei bis vier Wochen hingezogen hat, bevor diese Wahrvorstellungen völlig waren.

Allerdings sollte sowas nach einem Jahr Trockenheit und Medikamentenfreiheit??? nicht auftreten.

Kann es sein, dass Du dies spürst,weil Du Angst vor der Angst hast?
Ich hatte dieses Merkmal oft, wenn ich mir vorstellte, wie ich damals Schweißausbrüche vor Angst bekam, wenn ich diese Bilder vor meinen Augen nicht steuern konnte.
Ich hatte einfach Angst, dass ich wieder diese Angstzustände bekomme, obwohl es eigentlich gar keinen Grund dafür gab. Nicht die Angst vor einem Delir, sondern Angst vor der Hilflosigkeit während des Delirs.

Ist vielleicht ein wenig konfus ausgedrückt, aber vielleicht verstehst Du was ich meinte.

scalpell
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Der nächste Rückfall wäre ein Himmelfahrtskommando

Beitrag von scalpell » 10.06.2006, 11:19

Hallo Karsten,

danke für die Rückmeldung. Was du sagst stimmt zum Teil dass man vor der Hilflosigkeit Angst hat. Das letzte Delir ist schon 2 Jahre zurück und das erste 3 Jahre. Man hat mir beim erstenmal da war es eigentlich noch recht harmlos gegen das letzte Mal gesagt, dass man wenn einmal ein Delir aufgetreten ist man bei einem Rückfall mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wieder ein Delir bekommt.

Durch die Träume die richtig heftig sind und in denen ich teilweise alles wieder durchlebe und manchmal so realistisch dass ich beim aufwachen schon Angst habe nicht zuhause sondern in der Klinik zu sein. Das ist echt übel. Ich habe normal keinen Gedanken mehr gehabt an Alkohol, aber als in den letzten Wochen manchmal so heftig wieder die Ängste dadurch hochkamen habe ich erst gar nciht das Haus verlassen damit ich nicht in Versuchung kommen kann.

Bin ja noch immer in Therapie wegen der Grunderkrankung und konnte eigentlich die meisten Dinge wieder machen die ich früher entweder vermieden habe oder vorher getankt habe um den Angststress auszuhalten. Da ich schon schwere körperliche Probleme habe z.B. schwere Polyneuropathie, schwere Leber und Nierenschäden. Habe auch komplett die Ernährung das letzte Jahre umgestellt und kann mir keinen Rückfall mehr erlauben. Der Arzt sagte ein Rückfall könnte das Aus bedeuten. Aber das macht mir nicht soviel Angst wie diese Gedanken nochmals soetwas zu erleben wobei ich es wahrscheinlich nicht mehr packen würde da ich die Konstitution nicht mehr habe.

Du weisst aber selbst wie schnell ein Rückfall gebaut ist und all das Elend was daran hängt. Alleine der Gedanke macht mich schon krank. Ich hoffe dass dies nur eine Phase ist die vorübergeht. Trotzdem nochmals danke für deine schnelle Antwort.
Scalpell

Hull

Re: Mein vor 2 Jahren erlebtes Delirium macht mir wieder Angst

Beitrag von Hull » 03.11.2018, 10:29

Hallo,

gibt es den Benutzer scalpell noch? Die Weiterführung dieser Geschichte würde mich sehr interessieren.

Grüße

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