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Unterschied im Verstehen

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

Moderator: Moderatoren

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Spedi

Beitrag von Spedi » 21.04.2012, 09:32

Servus Karsten,

jetzt muss ich doch mal ganz direkt fragen:

Du bietest mit Deinem offenen Forenbereich ein sehr niedrigschwelliges Hilfsangebot in einem völlig anonymen und absolut unkontrollierbaren Medium an und wunderst Dich wirklich, dass dann auch die große Masse das macht, wozu Dein Forum einlädt?

Sie testet - und geht wieder, aus welchem Grund auch immer. Es ist ja alles so herrlich unverbindlich, kostet nix, und Konsequenzen muss niemand tragen.

Für einen Suchtkranken, der "eigentlich" noch nicht "so weit ist", ist das doch ideal - als Alibi, als Grund für's nächste Saufen, als Denkanstoss, als was auch immer.

Diejenigen, die trocken werden wollen, die "reif dafür" sind, die bleiben, und die wurde/werden trocken, und das sogar langfristig.

Nichts anderes (nur halt in erheblich niedrigeren Schlagzahlen) erlebst Du doch jeden Tag in der "realen" Selbsthilfe auch: die Menschen kommen, viele gehen wieder, ein kleiner Kreis bleibt, und der bleibt dann sehr oft auch sehr lange trocken.

Ich verstehe zwar Deinen Frust, aber nicht Deine Aufregung. Das ist halt den Medium und der Krankheit geschuldet.

LG
Spedi

Karsten
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Beitrag von Karsten » 21.04.2012, 09:38

Hallo Spedi,

ist die Erklärung wirklich so einfach? :oops:
Ist die Mehrzahl nicht bereit oder nicht soweit, ihr Leben ändern zu wollen?

Gruß
Karsten

oldie
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Beitrag von oldie » 21.04.2012, 10:20

Karsten, ich wußte nicht, dass es dir primär um das Problem geht, das zuletzt angesprochen wurde.

Ich kann dir als Frau eines Süchtigen nur meine Ansicht in diesem Bereich schreiben.
Ich denke, dass sehr viele, die hier ankommen, ein Rezept suchen, wie sie ihrem Alkoholkranken helfen können. Ich finde, diese Einstellung ist nicht so verquert. Bei einer sonstigen Erkrankung würde ich ja auch Ratschläge suchen, wie ich zur Besserung oder Heilung beitragen könnte.
Ich denke die Erkenntnis, dass bei der Sucht der Angehörige nichs beitragen kann, oft so nicht angenommen werden kann, weil er einem "normalen" Menschen, der nichts oder wenig von der Alkoholkrankheit weiß, so absurd vorkommt.

Trotzdem glaube ich, dass diejenigen, die im Co-bereich schreiben und dann wegbleiben, Denkanstöße bekommen, die im Unterbewußtsein weiterwirken und manchmal dann doch ein "Umkippen" des Denkens zur Folge haben.
Mir haben jedenfalls die vielen Lebensläufe und Gedanken im Co-bereich sehr geholfen, aber auch vor allem diejenigen im Alkoholikerbereich.

Deshalb bin ich der Meinung, dass dein Forum die wertvollste Hilfe ist, die ich erhalten durfte - da schließe ich auch die realen "Hilfen" mit ein.
Die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, mitzudenken, nachzuforschen auch in sich selbst, sich zu ordnen kommt vielen doch erst mit der Zeit - im Co-Bereich jedenfalls.

Diandra
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Re: Unterschied im Verstehen

Beitrag von Diandra » 21.04.2012, 12:32

Karsten hat geschrieben:
Für mich der wichtigste Punkt, weil man sich nicht kennt.
Daran ist aber jeder selber Schuld, wenn man sich zum einen nicht die Mühe macht, den anderen kennen lernen zu wollen und zum anderen, sich selbst nicht oder kaum bekannt macht.

Viele hier in den offenen Bereichen geben nur ihre Augenblickssituation bekannt, andere schreiben über theoretische Dinge ( was wäre wenn ), aber sich miteinander austauschen, tun die Wenigsten.

Ist zwar schade, aber ist nun mal so.

Gruß
Karsten
Hallo Karsten,

aber das war/ist doch so gewollt worden. Hier war mal ein herzlicher und echt aktiver Austausch.

Dann wurde gemeckert, dass hier keine Kaffeekränzchenstimmung herrschen soll, belangloses gehört hier nicht rein. Drücken, Knuddeln -Sschönes-Wochenend-Gerufe wurden unterbunden, weil es ja der Sache selber nicht dienen würde. Aber auch das gehört zum "kennenlernen". Und das was zurückkam hat mich sogar dazu bewogen soviel Vertrauen zu schenken um zu erzählen, dass ich Rollstuhlfahrerin bin. Durch das Drumherum lernt man die Leute eher kennen als durch Sachlichkeit und Themenbezogenheit. Die Mischung macht es einfach.

Es hat der Sache gedient !! Ich habe mich aufs Forum gefreut, auf den Austausch - konnte rumalbern, wütend und traurig sein, ja sogar ernste Themen ernst nehmen. Bei all dem habe ich gezeigt wie ich bin. Und für mich war der Austausch lehrreich und hat mich an mein Ziel gebracht. Und das jeden Tag. Ich musste meinen Worte nicht sorgsam in Waag-Schalen werfen. Trotzdem wurde ich verstanden und ein guter Austausch war immer gegeben.

Ob jemand es wirklich ernst meint und an einem Austausch interessiert ist, kann sich vielleicht doch nur im Vorstellungsbereich zeigen. Denn wer mindestens 14 Tg. am Ball bleibt wird dann wohl eher weitermachen wenn er freigeschaltet ist.

Grüßle
Diandra

Karsten
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Beitrag von Karsten » 21.04.2012, 12:43

Hallo Diandra,

vielleicht liegt hier auch ein Missverständnis vor?
Niemand, jedenfalls ich nicht, habe etwas gegen allgemeine Themen, Unterhaltungen oder Ähnliches.

Vielleicht erinnerst du dich ja noch? :lol:
Im geschützten Bereich haben wir viele Freizeitbereiche, wo es auch nicht um das Suchtthema an sich geht.

Auch hier im offenen Bereich gibt es einen Freizeitbereich, aber schaue mal hin, wie wenig da geschrieben wird.
Gerade wenn man schon länger trocken ist oder sich auch schon ( etwas ) aus der Coabhängigkeit befreit hat, dreht es sich ja nicht mehr jeden Tag um das Suchtthema, aber was macht man dann?
Darüber steht herzlich wenig hier, das aufzeigt, wie eben ein selbstbestimmtes Leben aussieht? :lol:

Gerade die Dinge, die du nennst, sind es, die ein neues Leben und den Menschen dahinter ausmachen. Das meine ich mit bekannt machen, dass man Veränderungen, die eventuelle in die falsche Richtung gehen, erkennen und hinterfragen kann.

Gruß
Karsten

Speranza
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Beitrag von Speranza » 21.04.2012, 13:18

Hallo Karsten!
Gerade wenn man schon länger trocken ist oder sich auch schon ( etwas ) aus der Coabhängigkeit befreit hat, dreht es sich ja nicht mehr jeden Tag um das Suchtthema, aber was macht man dann?
Dann habe ich wahrscheinlich auch einen falschen Eindruck hier im Forum bekommen.

Wenn ich zum Beispiel etwas völlig Harmloses aus meinem Leben erzähle was jetzt nicht meine Co-Abhängigkeit betrifft habe ich oft das Gefühl das interessiert keinen Menschen oder wird regelrecht durchleuchtet ob nicht doch etwas Co-Abhängiges dahintersteckt.

Das veranlasst mich dann einfach "bei der Sache" zu bleiben und höchstens ab und zu auf der "anderen Seite" zu schreiben wenn es um allgemeine Themen geht zu denen ich eine Meinung habe.


Liebe Grüsse
Speranza

oldie
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Beitrag von oldie » 21.04.2012, 13:55

Gerade wenn man schon länger trocken ist oder sich auch schon ( etwas ) aus der Coabhängigkeit befreit hat, dreht es sich ja nicht mehr jeden Tag um das Suchtthema, aber was macht man dann?
Darüber steht herzlich wenig hier, das aufzeigt, wie eben ein selbstbestimmtes Leben aussieht?
Nein, es dreht sich bei mir nicht mehr täglich um mein "angebliches" "Suchtthema" - ich bin froh, die Sucht dortgelassen zu haben, wo sie hingehört, nachdem ich klar erkannt habe, dass ein Alk. eben trinken will/muß, seine gesamte Persönlichkeit auch im nichtbetrunkenen Zustand extrem negativ verändert ist und das Ganze mit mir und meinem Verhalten überhaupt nichts zu tun hat. Zu dieser Erkenntnis, wie das Alk/Angehörigen-Karussel funktioniert, hat es allerdings sehr lange gebraucht.

Was ich nun in meinem nun selbstständigem Leben mache, ist für andere von geringem Interesse. Ich weiß, wo ich aufpassen muß, um nicht mehr ausgenutzt zu werden. Ich weiß nun, dass diese Welt auch im privaten Bereich auf Egoismen aufgebaut ist und dass ich, um halbwegs die Runde zu schaffen, hier mitspielen muß.

Allerdings betrachte ich mein Schreiben in anderen Threads nicht als Rückkehr einer Co-abhängigkeit. Es dient mir auch zum Gedankenordnen, als Nachaufbereitung und als Hilfe für Menschen, die dort stehen, wo ich vor einiger Zeit stand. Das betrachte ich nach wie vor als normales, mitmenschliches Verhalten.

Gruß oldie

Melinak
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Beitrag von Melinak » 21.04.2012, 14:23

lieber karsten
Hallo Spedi,

ist die Erklärung wirklich so einfach?
Ist die Mehrzahl nicht bereit oder nicht soweit, ihr Leben ändern zu wollen?

Gruß
Karsten
die frage stellst du an spedi, ich möcht dir dazu aber auch was schreiben. es ist ganz einfach JA so ist es!

gruß
melanie

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