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Gesunder Egoismus: Wo fängt er an, wo hört er auf ?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

Moderator: Moderatoren

schnuffig
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 842
Registriert: 17.07.2011, 09:41

Beitrag von schnuffig » 28.11.2013, 09:58

Hallo!

Ich könnte dir jetzt eine Antwort geben Andreas. Eine, die darauf basiert, dass ich möglicherweise fähig bin zu verstehen, was du gesagt hast.
Da ich dann aber auch fähig bin, zu verstehen was du fühlst, zögere ich.
Das ist jetzt meine Zwickmühle aufgrund meiner Empathie dir gegenüber.
Ja, nein, nein ja?
Ja.
Habt ihr denn, während ihr zusammen seid, eine gute Zeit miteinander, oder redet sie während ihr gerade zusammen seid, bereits davon, dass du zuwenig Zeit mit ihr verbringst?
Könnt ihr eure gemeinsamen Momente denn genießen, weiß sie deine Anwesenheit zu schätzen?
Das kann ich mir nämlich nicht vorstellen, denn von dem was gut ist, gut tut, möchte ich doch einfach mehr und muss mir gar keine Gedanken über Rechte und Forderungen machen.
Ob du ein aufrichtiger Mensch sein darfst, der es nicht nötig hat jemanden oder sich selbst zu belügen, indem du dich gezwungen sieht etwas herbeizureden was nicht da ist?
Ja schon. Bist du ja nämlich auch. Du kannst aber weiter so tun als wärst du keiner und das ist mühsam und frustrierend.
Wie lange hast du noch vor dich für das zu bestrafen was du getan hast?

Dass du keine meiner Fragen beantworten musst, versteht sich für mich von selbst.

Liebe Grüße

kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5604
Registriert: 20.06.2006, 17:01

Beitrag von kaltblut » 28.11.2013, 14:19

Hallo Andreas,

als ich das las, da fragte ich mich: bin ich heute egoistischer oder emphatischer als 2006 oder eines von beiden weniger als damals? Als ich hier auflief, da wusste ich nicht mal was Empathie bedeutet, das wurde mir hier vermittelt. Das ich egoistisch unterentwickelt war auch. Was ist also heute anders: nur mein Verständnis und das ich heute wieder in der Lage bin, mein selbstbestimmtes Leben zu leben und nicht das eines anderen?

Damals hatten wir auch eine laute Diskussion über dieses Thema: Alkoholiker sind Egoisten, die nur im Kopf haben die Birne voll zu bekommen und der liebe Co ist das feinfühlige, tiefsinnige, empathische Opfer. Was natürlich Quatsch ist, den jeder Co, der ein nicht mehr selbstbestimmtes Leben führt, ist mit dem Ausleben seiner Abhängigkeit oberegoistisch und wenn er dann endlich seinen Weg da raus gefunden hat, oberoberegoistisch.

Ein selbstbestimmtes Leben beinhaltet immer einen gesunden, also mir guttuenden Egoismus und da gehört ein gutes Einfühlungsvermögen in meine Umwelt dazu. Wenn ich mit der Axt im Wald wüte, werde ich irgendwann auch etwas abbekommen, das tut mir dann wieder gar nicht gut und wenn ich nicht nach rechts und links schaue, dann werde ich irgendwann unter die Räder kommen.

Wenn ich mir meine Grundregeln ansehe, dann ist da beides gut verteilt drin:

- Nicht bewerten heißt mich und andere einfach mal so stehen lassen, das ist gelegentlich für andere doof, nur nicht mehr für mich.
- Im Heute sein, also nicht im Gestern, nicht im Morgen, da hat mein Umfeld schon mal Probleme mit, ich nicht
- Einfach ändern, heißt ohne Rücksicht auf andere etwas zu tun, das bringt wieder Unverständnis
- Loslassen heißt ändern, das bedeutet wieder oft Widerstand
- Ehrlichkeit bedeutet oft Sturm

Bei mir alles OK, nur für die anderen nicht.

Wenn ich also meine gesunde Einstellung, also die, die ich dank meiner Krankheiten zu meinem Überleben erlernen durfte so betrachte, dann stoße ich auf breiter Front auf Unverständnis, Widerstand, Abneigung, denn im Kern bin ich bei mir und mir geht allerlei am Poppes vorbei.

Meine Empathie ist ja heute nicht weniger ausgeprägt als damals und ich verstehe ja auch mein Umfeld, die, die eben nicht so denken und handeln wie ich und mich gelegentlich dann als irgendwas doofes Bezeichnen, eben aus ihrer Abneigung gegen Anderssein heraus. Trocken sein, in allen Lebenssituationen, über das was wir hier machen hinaus, verlangt nach mehr anders sein, als nur den ersten Gedanken stehen zu lassen.

Hieraus ergibt sich für mich, dass es nie zwischen dem einen und dem anderen passen kann und solange ich mit mir im Reinen bin, also bei mir bin und da auch bleiben kann, brauche ich mich darüber auch nicht mit mir auseinander zu setzen.

Wenn ich zur Sicherheit bei meiner Frau anfragen würde, ob ich heute zu empathisch oder zu egoistisch gewesen bin, ich glaube sie würde mir den Schneebesen in die Hand drücken und raus an die frische Luft schicken.

Wenn ich heute das Bedürfnis bekomme mich zu fragen, ob ich genug oder zu viel von etwas bin oder habe, dann frage ich mich zuerst warum ich mich so etwas Überflüssiges frage, was mich aus dem Gleichgewicht gebracht hat und wie ich das wieder weg bekomme.

LG Karl

inbetween
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Beitrag von inbetween » 28.11.2013, 14:45

Katharsis hat geschrieben: Selbstverteidigungstechniken zu lernen in einer Beziehung mit einem gewalttätigen Partner erscheint mir weder empathisch noch klingt es für mich nach „gesundem Egoismus“. Es klingt für mich nicht einmal gesund, sondern eher wie der Versuch, sich selbst glauben zu machen, man hätte auf irgendeine Art und Weise noch etwas unter Kontrolle. Ich habe auch hier versucht, mich in diese Situation hineinzuversetzen. Die Frage, die ich mir als erstes stellen würde, wäre: „Würde ich auch so hartnäckig an dieser Beziehung festhalten und versuchen, den Anderen quasi „mit Gewalt zu verstehen“, wenn es sich um eine(n) x-beliebige(n) Freund(in) handeln würde?“ Eventuell würde ich dann unvermittelt bei dem Gedanken an Co-Abhängigkeit landen und mich dann selbst fragen, ob diese Hartnäckigkeit, die ein Teil meiner Persönlichkeit ist und ja nicht per se eine schlechte Eigenschaft, in diesem Fall vielleicht verhindert, dass ich loslassen kann, was losgelassen werden muss.
Liebe Katha,

du musst es nicht verstehen, du musst es aber auch nicht bewerten, oder?
Dass du das alles anders machst und viel besser kannst, ist doch prima für dich, hab's schön da.
Und: ja - mir war auch zum damaligen Zeitpunkt bewusst, dass das zumindest mal nicht "normal" ist, was da abläuft.

Wenn du auf meine Persönlichkeit zu sprechen kommen willst, die du anscheinend besser kennst als ich, kann ich mich nur wiederholen, wenn ich schreibe: ja, ich habe damals diese Entscheidung getroffen, daneben stehen zu bleiben und abzuwarten, mit allen Begleiterscheinungen und so wie ich es mit mir noch vereinbaren konnte. Genauso wie ich nach einer weiteren Weile die Entscheidung getroffen habe, aus der gemeinsamen Stadt wegzuziehen und mich beruflich weiter zu entwickeln. Genauso wie ich die Entscheidung getroffen habe, als dann anstand, dass er zu mir in die neue Stadt zieht, das nicht mehr zu tun und mich zu trennen, weil die immer wieder angekündigte Veränderung seinerseits nicht eingetreten ist. So schwer es auch war.
Den Zeitpunkt des Loslassens, den musst du schon mir überlassen. Darüber habe ich in der Tat entschieden, auch darüber, mir für den Prozess des Loslassens hier Unterstützung zu suchen.

Wenn du das krank findest, dann lasse ich dir das gern.

Zumindest räume ich anderen nicht die Macht ein (oder schiebe ihnen die Verantwortung zu?) mich mit einem geschriebenen Wort triggern zu können. Das kann ich nämlich nicht nachvollziehen.


Viele Grüße
Lea

Weidenkätzchen
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Beitrag von Weidenkätzchen » 28.11.2013, 14:46

Hallo Zusammen,

gesunder Egoismus, heißt für mich, an mich zu denken, ohne jemanden anderen bewusst damit zu schaden und letzendlich mir zu schaden.
Das widerspricht sich auch nicht zur Emphatie.
Ich kann emphatisch sein und mein Ego zurücknehmen, so lerne ich neue Erfahrungen kennen und bin offen für andere.
Nun ist ja nicht jeder Tag gleich und ich bin nicht jeden Tag im Einklang mit mir selbst. Wer ist das schon ?
Den negativen Egoismus, wo nur auf die eigenen Belange geschaut wird und nur auf seine eigenen Vorteile geschaut wird, über Leichen gegangen wird, finde ich abstossend.

Auf sich zu schauen, was einem noch gut tut und wann nicht mehr, wieviel Kraft und Energie ich zur Verfügung habe für jemanden anderen oder eben nicht, hat meiner Meinung nach nichts mit Egoismus zu tun. Hier geht es wohl eher um Grenzen ziehen/Grenzüberschreitung und seiner eigenen Selbstwahrnehmung.

LG Weidenkätzchen

inbetween
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Beitrag von inbetween » 28.11.2013, 14:59

P.S.: Und es ist ja nun auch kein Geheimnis, dass Stärken immer auch Schwächen sind. Ich zum Beispiel (Stichwort "Eigensicherung") würde auch jemanden aus einer Gefahrenlage herausholen, wenn ich das Risiko für mein eigenes Leben dabei kalkulieren kann.
Und in der Tat: auf diesen Teil meiner Persönlichkeit möchte ich nicht verzichten, selbst wenn ich mich in manchen Situationen verschätze.

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 28.11.2013, 15:47

Hallo Lea,

ich habe nicht das geringste Interesse daran, zu beurteilen oder zu verletzen, ich hatte nur einen anderen Blickwinkel. Das Thema interessierte mich, weil ich selbst co-abhängig war und vielleicht auch, weil ich gestern 4 Jahre Gewalt und Misshandlung im Arm hatte.
Zu dem Trigger habe ich Dir heute Morgen noch etwas geschrieben, weil ich hoffte, es vielleicht besser erklären zu können, nachdem Du noch einmal nachgefragt hast. Ich habe den Text nicht abgesendet, weil ich dann plötzlich dachte , es wäre mir im Moment zu mühsam, wenn es falsch aufgefasst werden würde. Da schreibe ich lieber nix und rege Leute nicht unabsichtlich auf.
Um besser oder schlechter geht es hier doch gar nicht, nur darum, dass Jeder hoffentlich seinen Weg findet.

Viele Grüße zurück
Katha

inbetween
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Beitrag von inbetween » 28.11.2013, 16:19

Hallo Katha,

ich frage mich bei deinen nachträglichen Posts oft: warum schreibst du das nicht gleich so? Das in deinem letzten Post ist so ungefähr das Gegenteil von der Aussage davor.

Und: von meiner Seite aus brauchst du dir nicht im Vorhinein einen Kopf zu machen, ob mich etwas aufregt oder nicht. Ich sag's dir dann schon. Ich kann Karate, weißt du ... :P

Viele Grüße
Lea

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 28.11.2013, 19:27

... und ich Hallenhalma xD

Ich mache mir nun mal einen Kopf wegen der Menschen, das wird sich auch nicht ändern. Schicke mir einfach vorab einen Entwurf unserer Dialoge und ich tippsle meinen Part dann einfach ab ;-). Aber im Ernst, ich sehe keine Widersprüche, doch oft denke ich, Du unterstellst mir Dinge, die ich so weder geschrieben noch gedacht habe und dann wird es einfach anstrengend für mich, weil ich ständig das Gefühl habe, ich müsste meine Motivation erklären oder mich im Vorfeld schon rechtfertigen.

Viele Grüße
Katha

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