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Rückfall als Merkmal des Alkoholismus

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
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ClaudiA
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Beitrag von ClaudiA » 15.02.2018, 07:39

Ein RF ist beim Alkoholismus stets vorprogrammiert ...lediglich der Zeitfaktor ist unbekannt.
Bleibst Du zu Lebzeit trocken, hast Du lediglich zu kurz gelebt.
:shock:

Na das klingt ja ermutigend.... :roll:

Penta
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Registriert: 19.06.2010, 19:51

Beitrag von Penta » 15.02.2018, 07:49

Hallo ClaudiA,

man darf sich der mreiner Meining nach recht depressiven Ansicht von Carl anschließen oder man bildet sich seine eigene Wahrheit.
Meine ist:
Ein RF ist beim Alkoholismus durchaus möglich.
Bleibst Du zu Lebzeit trocken, hast Du optimal für dich und deine Lieben gesorgt.
Beim Rückfall streiten sich nicht nur die Gelehrten heftig, sondern mindestens genauso auch die Betroffenen.

Gruß, Penta[/quote]

ClaudiA
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Beitrag von ClaudiA » 15.02.2018, 10:54

Hi Penta,

uff... da bin ich aber nun beruhigt. Ich komme mit CFs Aussage nämlich nicht wirklich klar.

Das unsere Krankheit rückfallbehaftet ist, ist mir schon klar. Aber ich bin der Meinung, daß es nicht zwangsläufig immer so sein muß.
Würde mir glaub ich auch ein wenig den Mut nehmen, wenn es da heißen würde, ich würde eh rückfällig werden.
Okay... ich gebe zu - solche Aussagen finde ICH persönlich immer wieder prickelnd, denn das spornt es eher an,
wenn mir jemand sagt, daß ich das und das "eh nicht schaff"... :lol:

Ich bin mir jedenfalls durchaus im Klaren darüber, daß ich tatsächlich erst dann absolut rückfallsicher sein kann,
wenn ich in´s Gras gebissen habe. Und ob das früher oder später sein wird.... das weiß nur "der liebe Gott"...

LG
ClaudiA

Pancho
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Beitrag von Pancho » 16.02.2018, 06:22

Ich wage mal die Behauptung, dass niemand "aus Versehen" einen Rückfall erleidet. (ausgenommen jetzt die Variante, dass man unbeabsichtigt versteckten Alkohol in Lebensmitteln zu sich nimmt)
Im Unterschied zur nassen Zeit sind wir trocken in der Lage, uns kontrollieren zu können und zu sagen: Ich will nicht.
Aber:
Es gibt viele äußere Faktoren, die den Grad der Unerschütterlichkeit dieses "Ich will nicht" beeinflussen können.
Je mehr ich mich präpariere, um so weniger können diese äußeren Faktoren an mir rütteln.

Das geht los mit der konsequenten Auseinandersetzung mit dem Thema und mit sich selbst - und schon hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Von den Mitpatienten während meiner Reha hatten schon darauf weit über die Hälfte schlicht keine Lust.
In meiner Wahrnehmung herrschte der Gedanke vor, dass allein die Tatsache, dass man ein Teilnehmer dieser Reha war, einen befähigen würde, in Zukunft die Finger vom Alkohol zu lassen.

Wenn man diese Auseinandersetzung aber konsequent betreibt, wird man zwangsläufig darauf stoßen, dass in einigen Lebensbereichen heftige Änderungen erfolgen müssen.
Und ich vermute, dass das der Punkt ist, an dem dann die meisten scheitern.
Was auch verständlich ist, weil es dem Mensch an sich wahnsinnig schwer fällt, Gewohnheiten aufzugeben.
Und dann rutscht die Trockenheit (möglicherweise, ohne dass man es merkt) in der Prioritätenliste nach unten.
Sie muss aber ganz oben stehen bleiben, ein Leben lang.

Gefeit ist trotzdem niemand, aber nicht weil wir dem Alkohol ausgeliefert sind, sondern einfach aufgrund der Tatsache, dass wir die äußeren Einflüsse nicht immer kontrollieren können und z.B. ein heftiger Schicksalsschlag Auslöser sein kann, wieder zu trinken.
Aber dann trinke ich wieder, weil ich innerlich trinken will.

Zusammenfassend: Nur wer seinen Willen zur Trockenheit auch untermauert, ihn auf ein solides Fundament stellt und brüchige Stellen immer wieder ausbessert, kann sich vor einem Rückfall schützen.
Es gehört zum Wesen der Krankheit, dass der Wille allein in der Regel nicht ausreicht.
Aber man ist einem Rückfall nicht ausgeliefert.

Gruß Pancho

ClaudiA
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Beitrag von ClaudiA » 16.02.2018, 06:47

Guten Morgen Pancho,

danke - Du hast es für mich auf den Punkt gebracht :) !!

LG
ClaudiA

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 18.02.2018, 17:20

Hallo Penta,

Seit ich 2013 aufgehört habe zu trinken, hatte ich keinen Rückfall.

2003 habe ich schon mal aufgehört, und auch eine stationäre Langzeittherapie gemacht. Trotzdem habe ich irgendwann nach ein paar Jahren wieder angefangen zu trinken. Zunächst nur für ein paar Monate. Dann war ich wieder zwei oder drei Jahre abstinent. Bis ich dann wieder angefangen habe. Dennoch sehe ich beides nicht als Rückfälle. Für mich ist ein Rückfall gekoppelt an die Krankheitseinsicht, und die hatte ich damals nicht. Ich war einfach die ganze Zeit nass, auch in den abstinenten Jahren.

Insofern ist für mich der Rückfall eindeutig ein Merkmal der Alkoholkrankheit, auch wenn ich noch keinen hatte.

Danke dir für den (Wieder)Anstoß des Themas, und Pancho, dir auch Danke für deine für mich schlüssigen Worte.

Viele Grüße,
Thalia

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