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Jeder ist seines Glückes Schmied!

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

Moderator: Moderatoren

Hartmut
Moderator
Moderator
Beiträge: 15125
Registriert: 13.02.2007, 22:21

Beitrag von Hartmut » 23.03.2015, 16:52

Hallo Katha
Hartmut: Wie kommst Du auf das schmale Brett, dass ich Jedem helfen, ihn mitnehmen oder gar retten möchte?
Anhand deiner Schreibweise wie etwas gemacht werden sollte und nicht wie du es erlebt hast . Du kommst mir rüber wie eine Therapeutin und nicht wie ein Betroffener .
Alkoholismus ist eine Familienkrankheit und betrifft alle hier vertretenen Gruppen
gilt das auch für Alleinstehende ? ;-) (man beachte das Zwingern Smilie)

Gruß Hartmut

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 23.03.2015, 21:16

Hallo Hartmut,

dann habe ich mich anscheinend dahingehend weiter entwickelt, dass ich meine persönlichen Erfahrungen sachlich verpacken kann. Ich nehme das als Kompliment und danke Dir herzlich dafür ;-).
Klar gilt das auch für Alleinstehende, es sei denn, sie leben komplett vereinsamt auf dem Mond ;-).

Gruß
Katha

Emma2010
neuer Teilnehmer
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Registriert: 06.10.2010, 08:40

Beitrag von Emma2010 » 28.07.2015, 16:00

Hallo miteinander,


tief traurig möchte ich euch mitteilen, dass mein langjähriger
Lebenspartner, in absehbarer Zeit wohl oder übel seiner
Krankheit, als Auslöser ist fordergründig eine Alkoholabhängigkeit
zu nennnen, nun bald versterben wird.

Gerade ist er noch im Krankenhaus, jedoch der Mann der bis vor
3 Wochen noch temperamentvoll und lebenslustig war, der mit mir
den Haushalt geschupft, mit seinen Tieren und den Blumen sprach,
dieser Mensch muss jetzt damit fertig werden, dass er sterben wird,
nicht weil er über die Jahre hinweg, seiner Leber eben zuviel zugemutet hat, sondern es hat sich als todbringendender Henker heimlich ein stetig wachsender bösartiger Tumor angeschlichen.

Eigentlich haben wir uns als Paar schon ziemlich gut ergänzt, er
der Intelligenzler und ich die Emotionale, wenn jedoch der
Alkohol seine Wirkung gezeigt hatte, schwuppte er in die
Emotionalität ab und ich wurde zum Strategen.

Ich bereue kein Jahr, keine Woche und keinen Tag, die Zeit, die
wir miteinander verbringen durften, er wird mir im Herzen immer
der wichtigste Mensch in meinen Leben bleiben.

Eine Erkenntnis die ich aus unserer Geschichte herauslesen kann, ist
die, dass es doch nicht genug ist, so wie er, die Herrschaft über sein
Leben, dem alleinigen Denkvermögen zu überlassen.
Man lebt glaube ich besser und gesünder, genauso auf die Signale
des Körpers zu hören und sich immer mal wieder den möglichst objektiven Überblick
zu bewahren.
Im wesentlichen gesagt die Gabe, immer wieder demütig zu sein vor den eigenen Möglichkeiten, dass wir uns anvertrauen können in Menschen, die eben noch erfahrener und klüger sind als wir.


In diesem Sinne, mit lieben Grüssen
Emma

Karsten
Administrator
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Beitrag von Karsten » 28.07.2015, 16:58

Hallo Emma,

da fehlen mir einfach die Worte.
Ich wünsche euch viel Kraft für die nun sehr schwere Zeit.

Gruß
Karsten

Emma2010
neuer Teilnehmer
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Beitrag von Emma2010 » 06.08.2015, 14:40

Hallo Karsten,

danke dür deine Anteilnahme.

Die erste Bestürzung über eine Tumorerkrankung von XY hat sich
vorerst gelegt. Irgendwie empfinde ich unseren momentanen
Seinszustand schon fast als surreal, den die Ärzte wollen momentan
jede Weiterbehandlung hinauszögern, mit den Worten wie...
soll man ihm das noch antun, wünschten ihm dass er ruhig entschafen
könne, ... andererseits durfte XY auf Wunsch das
Krankenhaus nun verlassen, kann jedoch aufgrund des Tumors nicht mehr richtig sitzen und gehen.

Dennoch seine Stimmungslage ist bisher positiv und seitdem er jetzt
gar nichts mehr alkoholisches trinkt, zu trinken bekommt, habe ich
schon das Gefühl, dass es ihm ganz gut bekommt.

In 2 Wochen wird er wieder zur Weiterbehandlung stationär aufgenommen.

Ich hoffe, es nimmt mir niemand übel, dass ich meine Anspannung
versuche ein bisserl auch über das Forum abzureagieren,
habe zwar das Gefühl, dass ich mit der Situation noch zurecht komme, dennoch sind die Angst um ihn und um mich, denn was ist wenn er plötzlich nicht mehr da ist, doch vielleicht auch ein
Ausdruck von Co-Abhängigkeit.

Mir wäre es deshalb fast lieber, wenn man den Thread
dahingehend wieder verschieben würde.


Danke und lieben Gruß
Emma

Karsten
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Beitrag von Karsten » 06.08.2015, 15:31

Hallo Emma,

ich denke, in so eine Situation kann sich niemand hineinversetzen.
Daher schreibe dir ruhig alles von der Seele.

Vielleicht findet ja noch jemand anderes ein paar Worte, die dich trösten und dir helfen.

Gruß
Karsten

oldie
aktiver Teilnehmer
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Beitrag von oldie » 06.08.2015, 20:32

Liebe Emma!
Fühl dich von mir umarmt. Ich teile dein Leid und versteh die Gedanken, die auf dich einstürzen.
Zeitgleich mit euch, hat auch man Mann eine ähnliche Diagnose erhalten. ..und ich tauche langsam aus einem Tunnel von Wut auf Psychologen,Psychotherapeuten, Psychiatrie etc. und dem Gefühl des absolut Irrealen auf.
Es ist, wie es ist. Aber es hat unsere Familie wieder vereint.
NEIN, es ist keine Coabhängigkeit, wenn wir einen sterbenden Mensch liebend begleiten.
Ich denke an dich und hoffe, dass unsere Männer die letzten Wochen oder vielleicht sogar Monate so gut verbringen können,wie es nur möglich ist.

Emma2010
neuer Teilnehmer
Beiträge: 245
Registriert: 06.10.2010, 08:40

Beitrag von Emma2010 » 06.08.2015, 21:06

Hallo nochmal,


nachdem mich die derzeitige Situation ziemlich aus der
Bahn wirft, werde ich nun ehest Hilfe auch durch therapeutische
Unterstützung in Anspruch nehmen.

Zwar habe ich über die Jahre hinweg gelernt, gut auf mich acht zu
geben und meine Ressourcen zu kennen, leider hilft mir das aber
gerade wenig.

Das Problem ist, dass ich in Bezug aufs Klinikum Entscheidungen für ihn treffen muss, die er selbst nicht mehr entscheiden kann.

Ansonsten steht seine Familie voll hinter mir, es tut mir gut, dass
wir uns alle gut verstehen und ich jederzeit ihre Unterstützung
bekommen kann.

Erstaunlicherweise nimmt er, als der eigentlich Betroffene alles
noch recht gelassen, und gerade das kümmert mich so, dass
er es nicht wahrhaben kann und will, was mit ihm ist.


Oder aber Gottlob hat er die Gabe, Gegebenheiten zu verdrängen und
wieder zu vergessen.


Emma

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