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Bereitschaft zur Veränderung

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

Moderator: Moderatoren

viola
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Beitrag von viola » 09.01.2017, 20:16

Hallo,

das ist schwierig!

Natürlich ist die Bereitschaft zur eigenen Veränderung unabdingbar. Zunächst mal muss ich bei mir selber ansetzen. Ich kann nicht erwarten, dass die Welt den Atem anhält, nur weil ich jetzt abstinent bin.

Ich muss das abstinente, trockene Leben wollen, anstreben, mutig angehen, selber erleben und meine eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen mit meinem neuen Selbst sammeln.
Dabei darf ich aber nicht erwarten, dass nun alle anderen auch darum kreisen... sie werden ihr eigenen, oft mir gegenüber unverständiges oder ignorantes Leben weiter leben.
Nur weil ich trocken leben will, ändert sich mein Umfeld ja nicht.

Und meine Aufgabe ist es auch nicht, dass sich mein Umfeld ändert.
Meine Aufgabe ist es, das trockene Leben zu erlernen und mir optimalerweise dabei helfen zu lassen.

Mich - viola - wundert es nicht, dass die Neulinge, die ins trockene Leben starten möchten, aus Sicht der Langzeittrockenen immer und immer wieder dieselben "Fehler" machen.
Das ist doch eher zu erwarten, denn woher soll die Erkenntnis kommen, wie die ersten Schritte genau auszusehen haben? Woher soll klar sein, dass nur nicht-trinken nicht reicht? Dass alles auf den Prüfstand muss? Dass sich nicht nur das abendliche Getränk, sondern auch vieles andere radikal ändern muss / soll / wird?

Das ist doch mitnichten klar. Denn es ist doch ein Prozess.
Nur weil ein Tiefpunkt x an Tag y passiert, ist danach ja weder alles anders noch liegt der Weg in die trockene Zukunft leuchtend klar vor einem - nein, es will erarbeitet und erlernt werden.

Damit nicht jede alle Fehler selber wiederholen muss, gibt es SHGs wie dieses Forum hier - damit wir uns gegenseitig helfen und unterstützen und voneinander lernen können.

LG viola

Karsten
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Beitrag von Karsten » 09.01.2017, 20:25

Hallo Vioa,

ich finde den Titel sehr passend, denn es geht ja dabei um die Gedanken, ob ich bereit bin, etwas zu ändern oder nicht.
Das Veränderungen lange dauern und eine Entwicklung beinhalten, ist klar und kein Neuling kann wissen, wie das Leben sich eben entwickelt.

Es ist aber leider auch oft so, dass der Wille zur Veränderung gar nicht vorhanden ist, sondern nach Bestätigungen gesucht werden.

Da kennt jemand jemanden anderen, der einen Bekannten hat, dessen Freund trockener Alkoholiker ist und dann komischerweise auch genau den Weg gegangen ist, der im Kopf des Neuling verankert ist.

Da will jemand, der schon oft versucht hat, trocken zu werden, immer noch wissen, das es diesmal aber auf jeden Fall funktioniert, weil man ja jetzt die Einsicht hat. Dann auch noch die Erfahrungen von Langzeittrockenen in Frage stellt, weil sie ( noch ) nicht in sein eigenes Gedankenbild passt.

Jeder hat eine Chance und wir sind auch gerne bereit, jedem hier zu helfen, aber es muss auch Hilfe gewollt sein. Wer eh schon alles ( besser ) weiß, dem kann man nicht helfen.

Gruß
Karsten

Martina02

Beitrag von Martina02 » 09.01.2017, 23:18

Natürlich muß man nicht jeden Blödsinn nachmachen
und kann von Erfahrungen lernen.

Ich vergleiche das mal mit dem Dreisatz,

wenn ich die Formel auswendig lerne, habe ich das richtige Ergebnis ohne allzu viel Aufwand, mit oder ohne einfachem Grundverständnis.

Wenn ich die Entstehung und den Sinn dahinter nachvollziehe bleibt der Lerneffekt im Langzeitgedächtnis und ich komm in gewisser Weise selbst drauf.

Dafür muß ich den Dreisatz aber nicht neu erfinden.

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Vielleicht brauchen ja auch "alte Hasen" mal Urlaub oder Rente , wenn es langweilig und hoffnungslos immer dasselbe ist mit den Frischlingen.

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 10.01.2017, 07:16

Hallo Martina
Natürlich muß man nicht jeden Blödsinn nachmachen
und kann von Erfahrungen lernen.
Wer ist man ? Woher weißt du denn am Anfang welche Veränderungen Blödsinn sind ? Wer sich jahrelang im einem Alkohol durchtränkten Umfeld bewegt hat, kann es auch als Blödsinn halten, diese zu meiden. Zu Veränderungen gehört auch das Vertrauen jahrelang erprobte und erlebte Wege nachzuahmen . Siehe unsere Grundbausteine
Vielleicht brauchen ja auch "alte Hasen" mal Urlaub oder Rente , wenn es langweilig und hoffnungslos immer dasselbe ist mit den Frischlingen.
Was kümmert es dich ? Du bist doch wegen dir ,deiner Alkoholsucht und deiner Selbsthilfe da. Mit der Zeit wirst du auch eventuell Aussagen verstehen, die dir am Anfang fremd waren.

Gruß Hartmut

Karsten
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Beitrag von Karsten » 10.01.2017, 08:06

Guten Morgen Martina,

was "alte Hasen brauchen" ist für dich doch gar nicht wichtig.
Sie haben ihren Weg gefunden und sind trocken.

Du suchst noch deinen Weg und möchtest erst noch trocken werden.

Ob jemand zu Veränderungen bereit ist oder nicht, wird meine Trockenheit nicht gefährden.

Gruß
Karsten

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 10.01.2017, 08:32

Martina02 hat geschrieben:Natürlich muß man nicht jeden Blödsinn nachmachen
und kann von Erfahrungen lernen.

Ich vergleiche das mal mit dem Dreisatz,

wenn ich die Formel auswendig lerne, habe ich das richtige Ergebnis ohne allzu viel Aufwand, mit oder ohne einfachem Grundverständnis.

Wenn ich die Entstehung und den Sinn dahinter nachvollziehe bleibt der Lerneffekt im Langzeitgedächtnis und ich komm in gewisser Weise selbst drauf.

Dafür muß ich den Dreisatz aber nicht neu erfinden.

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Vielleicht brauchen ja auch "alte Hasen" mal Urlaub oder Rente , wenn es langweilig und hoffnungslos immer dasselbe ist mit den Frischlingen.
Hallo Martina,

wenn Du die Formel für den Dreisatz auswendig gelernt hat, kannst Du vielleicht momentan die richtige Lösung finden, aber wie sieht es damit nach ein paar Wochen oder Monaten aus ? Ist das Wissen dann immer noch präsent oder ist das Kurzzeitgedächnis inzwischen mit anderem Zeugs vollgestopft ?

Und natürlich hat jeder seine eigenen Methode, den Dreisatz zu verinnerlichen...aber gewisse Grundlagen sind beim Dreisatz eben immer diesselben - und die werden hier auch vermittelt.

Deinen Satz bzgl. der alten Hasen empfinde ich ehrlich gesagt als billige Retourkutsche - aber das weißte selber, oder ?

Ich fühle mich nicht angesprochen, weil ich noch weit davon entfernt bin, zu den Langzeittrockenen zu gehören. Als ich hier ankam, hab ich auch so ziemlich alles hinterfragt, was mir hier von den alten Hasen gesagt wurde - und das auch klar und deutlich so formuliert.

Gleichzeitig hab ich mich aber gefragt, ob es nicht doch einen Grund haben könnte, warum sie seit Jahren trocken sind und ich selber mich immer wieder nur im Kreis gedreht und immer tiefer in die Sucht gesoffen habe.

Ich bin hier ganz sicher nicht das Paradebeispiel für die strikte Einhaltung der Bausteine, aber ich habe im Laufe der Zeit schon gemerkt, daß viele Bausteine hilfreich waren und noch sind.

Insofern können alle frisch Abstinenten durchaus froh drüber sein, daß sich die Langzeittrockenen hier nicht zurückziehen, sondern immer wieder dieselben Diskussionen führen - wohlwissend, daß ein großer Prozentsatz der neu hier ankommenden User nach wenigen Wochen wieder in der Suchtspirale abtaucht.

Versuch mal, auch die andere Seite zu sehen, dann relativiert sich vieles...

Schönen Gruß und schöne Zeit Dir

Andreas

Pellebär
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Beitrag von Pellebär » 10.01.2017, 08:44

Moin

Die erste große Veränderung war, dass ich aufgehört habe zu trinken. Das war vor 8 Jahren ein Riesenschritt. Dann ging es darum, mein alkoholfreies Leben zu meiner Haltung, zu meiner Einstellung zu machen. Das war und ist ein Prozess, der mich sicher mein Leben lang begleiten wird.

Gelesen habe ich hier alles. Mich hat nicht alles überzeugt, aber ich habe jeden Gedanken, jeden Weg überdacht und mir so meinen Weg gesucht.

Überzeugen muss ich nur mich, zufrieden sein mit meinem Weg muss ich. Sonst keiner.

PB

Martina02

Beitrag von Martina02 » 10.01.2017, 15:13

Nur nicht zu trinken reicht nicht, man muss sich mit der Krankheit auseinander setzen.

Das trifft auf andere Lebensbereiche ebenfalls zu, die verbessern sich auch nicht von alleine, nur weil man nicht trinkt.

Nun ist das ja aber ein Alkoholiker Forum.

Keine Ahnung ob "Langzeittrockene" Frischlingen helfen,indem sie erwarten das diese zu Kreuze kriechen und Ihnen nach dem Mund reden.

Wenn das permanente wiederholen festgefahrenen Ansichten so hilfreich ist, warum sind denn dann so viel weg und rückfällig.

Was ist denn wenn jemand über Weihnachten sich den Rat aus fehlender Erfahrung nicht zu Herzen genommen hat und auf zb einem Weihnachtsmarkt rückfällig geworden ist.

Wenn derjenige dann liest, "der hört ja nicht,warum hat der überhaupt aufgehört zu saufen" - traut der sich dann nochmal hierher?

Oder soll der unterirdisch auf Knien rutschen, weil am Boden ist der ja wahrscheinlich schon.

Wie kommst denn nun Du Hartmut
- und andere zu dem Schluß, ICH würde Hilfestellungen hier nicht lesen und abnehmen?
Zumal ich gerade zuvor geschrieben hatte, das ich das tue.

Sonnige Grüße

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