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Bereitschaft zur Veränderung

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Martina02

Beitrag von Martina02 » 10.01.2017, 15:19

Schade das von den erfahrenen Langzeittrockenen keine Antwort auf die Frage kommt ob

Suchtdruck sich auch anders zeigen kann alsnur direkt Alkohol kaufen und trinken zu wollen...

Stattdessen kommt lieber ein "Gruppenangriff" - find ich eher destruktiv.

Karsten wer sollte denn Deine Trockenheit gefährden wollen?

Karsten
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Beitrag von Karsten » 10.01.2017, 15:25

Hallo Martina,

ich helfe gerne und gebe auch gerne meine Erfahrungen weiter.
Wenn ich aber das Gefühl habe, jemand möchte sich hier nicht wirklich seiner selbst austauschen, weil er oder sie denk, woanders "bessere Hilfe" zu bekommen oder ich habe das Gefühl, jemand möchte nur diskutieren, dann habe ich dazu keine Lust.

Meine Trockenheit kann nur ich selbst gefährden.

Gruß
Karsten

Hans im Glück

Beitrag von Hans im Glück » 10.01.2017, 15:44

Ich denke, es bedarf nicht nur Bereitschaft, sondern insbesondere Mut, sein Leben umzukrempeln.

Ohne umkrempeln werde ich immer und immer wieder an den gleichen Problemen straucheln.

Ich habe auf diese Weise 40 Jahre durchgesoffen.
Immer mal wieder weniger, immer mal wieder aufgehört, immer wieder angefangen, immer mehr getrunken mit den Jahren.

Die Erkenntnis, sich einzugestehen, nicht nur ein Problem zu haben, sondern ernsthaft krank, ist eine gewaltige Aufgabe.

Also insofern verstehe ich nur zu gut, dass es oft viele Anläufe braucht um wirklich zur zufriedenen Abstinenz zu finden.

Ich kann niemanden trocken reden oder schreiben.
Ich kann ein Beispiel geben, wie es bei mir gelaufen ist.
Vielleicht kann sich jemand darin wiederfinden.
Ich bin auch nicht beleidigt, wenn meine Meinung nicht verstanden oder angenommen wird.
Ich bin einfach da und berichte.

Es kann sich jeder frei auf dem Weihnachtsmarkt bewegen, oder zuhause Spirituosen lagern soviel er (oder sie ) möchte.
Dazu kann ich nur meine eigenen Erfahrungen beisteuern.
Und die würden ein solches Vorgehen nicht als günstig ansehen.
Die Grundbausteine des Forum beinhalten gute und richtige Gedanken.
Das sind Erfahrungen, die viele gemacht haben, gesammelt worden.
Sowie bei den AA die 12 Schritte.


Saufdruck kenne ich nicht, aber das manchmal auftretende wehmütige Gefühl, es könnte das Leben leichter sein, wenn ich wieder trinke.

Das ist natürlich Unsinn, zeigt aber wie meine Depression und meine Alkoholkrankheit zusammenarbeiten.

Also braucht es Bereitschaft ( und Mut) sich nicht nur dem Thema Alkohol zustellen, sondern es bedarf insbesondere den Mut sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen.

Denn die werden nicht einfach in Rente gehen, nur weil ich zu saufen aufhöre.


Liebe Grüße
Hans

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 10.01.2017, 16:07

Hallo Martina
Wie kommst denn nun Du Hartmut
- und andere zu dem Schluß, ICH würde Hilfestellungen hier nicht lesen und abnehmen?
Wo habe ich denn das geschrieben das du das nicht machst ? Ich lese bei dir nur unterschwellige Angriffe gegen alles was dir nicht in den Kram passt .
Wenn das permanente wiederholen festgefahrenen Ansichten so hilfreich ist, warum sind denn dann so viel weg und rückfällig.
Da kannst du selber mal darüber nachdenken ;-) . Ist ja Selbsthilfe hier. Zudem es keine Ansichten sondern Erfahrungen sind. Die Rückfallquote liegt nun mal weit über 90%, was nichts anderes heißt, das es eben die wenigsten schaffen.
Oder soll der unterirdisch auf Knien rutschen, weil am Boden ist der ja wahrscheinlich schon.
Es zwingt dich niemand zu etwas . Du hast dich doch hier angemeldet um Hilfe zu bekommen oder nicht?

Gruß Hartmut

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 10.01.2017, 17:00

Hallo Martina,

hierzu mal:
Keine Ahnung ob "Langzeittrockene" Frischlingen helfen,indem sie erwarten das diese zu Kreuze kriechen und Ihnen nach dem Mund reden.
Das ist Unsinn. Es hilft dem Süchtigen ja überhaupt nicht, wenn er/sie jemand anderen nach dem Mund redet.
Und warum sollten LZT das erwarten? Um sich besser zu fühlen, bestätigt im eigenen Tun oder was?
Das mag sicher auch mal vorkommen, halte ich aber nicht für die Regel.
Wenn das permanente wiederholen festgefahrenen Ansichten so hilfreich ist, warum sind denn dann so viel weg und rückfällig.
Das wurde schon beantwortet, nämlich weil die Rückfallquote so sehr hoch ist.
Und weil viele eben NICHT die Erfahrungen der LZT annehmen wollen.
Was ist denn wenn jemand über Weihnachten sich den Rat aus fehlender Erfahrung nicht zu Herzen genommen hat und auf zb einem Weihnachtsmarkt rückfällig geworden ist.
Dann ist das eben leider so.
Aber manchmal muss sowas direkt erst noch passieren.
Ich habe hier schon so einige Rückfälle gerade am Anfang der Abstinenz miterlebt, wo man vielleicht sagt, das hätte nicht sein müssen.
Vielleicht mussten sie aber DOCH noch sein?
Denn ich habe ebenfalls oft miterlebt, das sich die Rückfälligen sehr schnell aufrappelten, und es nochmal sehr sehr ernsthaft versuchten, bzw. ganz fest wollten.
Ab dann wurde oft ein gerader Weg mit Beachtung der Grundbausteine gegangen und es war/ ist eine Freude zuzusehen (bzw. zuzulesen),
wie diejenigen ihren Weg ins trockene Leben gehen und meistern.
Wenn derjenige dann liest, "der hört ja nicht,warum hat der überhaupt aufgehört zu saufen" - traut der sich dann nochmal hierher?
Wenn derjenige wirklich wirklich trocken werden will und dann doch mal die Erfahrungen LZT annehmen will, dann wird er wiederkommen.
Es ist natürlich nicht einfach, zuzugeben, das man mit dem selbstgestrickten Weg nicht erfolgreich war.
Über diesen Schatten muss man wohl erst springen. Aber das geht. Wenn man wirklich will.
Oder soll der unterirdisch auf Knien rutschen, weil am Boden ist der ja wahrscheinlich schon.
Nachtreten bei jemanden, der schon am Boden liegt, ist unmenschlich und unnütz. Überhaupt ist Treten doof.
(Obwohl mich einige hier sicher für ne Spezialistin für Tritte und Ohrfeigen halten)

Aber mal ganz ehrlich... manchmal schaut man auch hilflos dabei zu, wie jemand auf dem Weg in den Rückfall ist und man kann nichts tun.
Weil derjenige unzugänglich wird, sich hier zurückzieht, Anzeichen abwiegelt oder gar nicht sehen will... etc.pp.
Und peng... hängt derjenige wieder anner Pulle und Hoch die Tassen.
Dann habe ich schon manchmal Lust, demjenigen kurz mal ne klatschende Ohrfeige zu hauen und zu sagen "Maaan, was soll der Mist?? Mußte das sein ??"
Nur mal so zum wachwerden... aber da ich eh für klare Worte bin (die mitunter auch weh tun können), wirken meine Post mitunter wohl auch wie ne schallende Ohrfeige.
Dabei ärgere ich mich gar nicht über den Rückfälligen selbst oder so... sondern ich hasse es zutiefst, wenn der Alk sich wieder jemanden zurück geholt hat, der schon auf einem guten Weg war.

Trotzdem bin ich IMMER bereit, jemanden wieder die Hand zu reichen, wenn ich merke, derjenige meint es wirklich ernst und will nun wirklich Hilfe annehmen.
Da muss niemand vor mir rutschen oder sonstwas... sondern das ist für mich selbstverständlich.
Merke ich allerdings, das derjenige immer noch oberschlau und verbohrt seinen eigenen Weg gehen möchte, der bisher erfolglos war, dann ziehe ich mich auch zurück.
Da hat nicht mit Gnaz dem anderen gegenüber zu tun, sondern mein Tag hat auch nur 24 Stunden und meine Zeit hier ist begrenzt.
Die investiere ich dann lieber in Menschen, die wirklich trocken werden wollen und auch zu weitergehenden Veränderungen bereit sind.

LG Sunshine

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 11.01.2017, 09:09

Hallo Martina,

ich hoffe, Du nimmst mir das nicht übel, aber ich muß grade schmunzeln...sieht so aus, als hätte ich ne 8 Jahre jüngere Zwillingsschwester...:-)

Ich schätze mal, ich hab so ziemlich diesselben Fragen gestellt, als ich hier aufgeschlagen bin, grad mal ein paar Stunden ohne Alkohol - und war genauso bockig :-)

Wir sind ja nun aufgrund unserer Sauferei alle jahrelang mehr oder minder mit den Knien auf dem Boden rumgerutscht, insofern wurde es höchste Eisenbahn, endlich mal aufzustehen.

Laß uns das Ganze doch mal anders betrachten, weg von diesem Schubladenmist Frischling - Lanzeittrockener.

Nehmen wir es mal als Statistik. User, die hier schon jahrelang ihr Unwesen treiben, sind mehr oder minder wandelnde Statistiker, weil sie verdammt viele User kommen und auch wieder gehen sehen haben - und aus dieser Erfahrung heraus würden die glasklar unterschreiben, daß die Chancen, trocken zu bleiben, steigen, wenn man gewisse, alkoholschwangere Situationen meidet...Betriebsfeste, Weihnachtsfeiern, Kirmes und solche Späßchen.

Exakt diesselbe Aussage, daß man z.B. Gaststätten nicht mit Saufkneipen auf eine Stufe stellen könne, hab ich auch getätigt - und war kurz drauf mit Bekannten beim Griechen, der mit unaufgefordert nen Ouzo hingestellt hat.

Ich hab den Ouzo nicht getrunken, aber in dem Moment hab ich mich doch selber einer Situation ausgesetzt, die ich ebensogut hätte vermeiden können - Risikominimierung eben.

Es geht auch nicht drum, jemanden nach dem Mund zu reden - hier wird sich oft genug gefetzt, auch unter den Usern, die schon Jahre trocken sind. Das ist nunmal zutiefst menschlich...wir sind hier auch nur ein Spiegelbild der normalen Gesellschaft da draußen.

Ich denke, es wird Dir nicht helfen, diese Fronten aufzumachen à la Ich - Ihr...wir haben alle dasselbe Ziel und ich bin mir absolut sicher, daß jeder, der Dir hier schreibt, nicht noch draufhaun, sondern helfen will...ne andere Erfahrung hab ich in der Zeit, in der ich hier bin, noch nicht gemacht.

Eine Sache noch:

Es trauen sich durchaus viele nach Rückfällen wieder her, teilweise auch nach mehreren Rückfällen...warum sollten sie auch nicht ? Aber grad sie sind doch eher der Beweis, daß sie der Meinung sind, daß sie es hier durch diese Selbsthilfegruppe besser packen als alleine.

Schönen Gruß und schöne Zeit

Andreas

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 11.01.2017, 09:16

Ach ja, zu Deiner Frage - könntest Du die etwas präzisieren ?

Geht es Dir um was Konkretes oder meinst Du evtl. Dinge wie Schlafstörungen, plötzliches Herzrasen, unerklärliche Stimmungsschwankungen (innerhalb weniger Minuten tieftraurig, agressiv, o.ä) oder gar um Suchtverlagerung (plötzlich deutlich mehr Nikotin oder Kaffee oder gar andere Drogen) ?

Schönen Gruß und schöne Zeit

Andreas

Martina02

Beitrag von Martina02 » 11.01.2017, 10:32

Tag zusammen,

ich sag mal Danke für die letzten Nachrichten.

Etwas besser verstanden gefühlt habe ich mich.
Denke das lag an der Authentizität der Schreiber.

Ich habe schonmal geschrieben, das ich verstehe das Langzeittrockene einen anderen und deutlicheren Blick auf Rückfallgefahren und die Krankheit haben.

Man muß mit dem Zeitfaktor der Trockenheit ja nicht unbedingt auftrumpfen.
Aber kann ja jeder machen wie er will und die lange Trockenheitszeit wird ja auch Gott sei Dank nicht von jeder/jedem so präsentiert.

Ist doch wirklich schön für alle die das geschafft haben.

Nasse Alkis oder Frischlinge sind deswegen ja nicht doof und auch Menschen.(von denen es vielen akut sehr schlecht geht)
Und für jene die das alles noch toll und lustig finden, würde ich zumindest nicht meine Nerven strapazieren.

Ist bestimmt nicht einfach dieses Forum zu führen und unter dem ganzen wirr warr ,Lügen & Co im Rahmen der Möglichkeiten anderen zu helfen und es zu ertragen wenn es (vorübergehend) scheitert.

Andersrum betrachtet versteh ich nur nicht, warum ich den Frust darüber abbekomme.Denn das kommt mir so vor. Nur weil ich mich bei länger Trockenen äußer und das mit meiner gegenwärtigen Meinung.

Ich kann nunmal nicht wie ein Langjährig Trockener reagieren, wissen und schreiben - woher denn ???

Wenn ich von 90% Rückfall quote lese mache ich mir auch Sorgen um mich.
So wie ich es kann baue ich die Erfahrungen der Langzeittrockenen, sofern kompatibel in mein Leben ein.

Als Basis. Warum soll ich nicht ergänzende eigene Erkenntnise durch mich und andere aus Austausch hinzufügen.
Vielleicht tritt "bei Euch" nach den vielen Jahren der Trockenheit die Tragik des nassen Zustandes (und noch nah dran) eben in den Hintergrund.

Und vielleicht steigt auch ab zuletzt erwähntem Punkt wieder die Rückfallgefahr.

Ohne Austausch kann ich versuchen monoton nach den Grundbausteinen zu leben und brauch kein Wort mehr dazu schreiben.

Ach jetzt versteh ich das erst.
Der Restaurantbesuch war mir abzuraten um Weihnachten rum?Das ist dann in meiner Restverwirrtheit gar nicht angekommen - vor allem kamen da keine direkten Ansagen auf mein Nachfragen diesbezüglich von Langzeittrockenen.

Ich empfand die Reaktionen auf geplante Weihnachtsmarktbesuche und familiäre Feierlichkeiten mit viel Alkohol wesentlich deutlicher.

Mir hat der Restaurantbesuch an Weihnachten nicht gut getan - in knapp drei Monaten könnte Restaurant wieder ein Thema bei mir sein.

Der Satz über die Rente und den Urlaub war nun nicht böse gemeint und auch kein Versuch einer Retourkutsche.
Aber mit den Reaktionen kann ich leben.
Ich fand das eher lustig.(den Satz)

Gruß
M.

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