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Erfahrungsaustausch eine Last?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
kaltblut
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Beitrag von kaltblut » 28.09.2016, 16:46

Hallo Karsten,

der aktive Austausch über Situationen, Gefühle, Ursachen und Themen, die mich im Kopf begleiten, ist für mich das A und O auf dem Weg in ein verändertes, stabiles und trockenes Leben.

Bei mir hat das aktive Teilnehmen an den Themen hier im Forum damals allerlei angeschoben, aber lesen, darüber nachdenken, vielleicht nachfragen und schreiben oder reden ist genauso wichtig. Vielleicht mit Freunden, die müssen ja nicht auf die Nase gebunden bekommen, worum es sich genau handelt, denn viele Themen die wir hier behandeln, sind ja von ganz anderer Natur und haben wenig mit der Flasche oder dem Angehörigen zu tun. Der Austausch an sich hat für mich nur noch ganz wenig mit Alkohol oder Coabhängigkeit zu tun.

Ich rede oft mit meiner Frau, wir zwei sind sozusagen eine Selbsthilfegruppe, wobei es ja eher ein Selbsthilfepärchen ist oder schreibe mir etwas auf und lasse das mal da stehen und wirken, da passiert auch immer was im Kopf.

Der Erfahrungsaustausch ist für mich nur der Anschub. Erst wenn sich das Verhalten dauerhaft ändert und das geht nun mal über eine schön geredete Verhaltensänderung weit hinaus, wird es innen drin stabil. Ernährung, Bewegung, Umfeld, Bekanntenkreis, Altlasten und die Reichweite der Suchtmittel lassen in mir schnell was brodeln und das gehört eben mit zum A und O.

LG Karl

viola
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Beitrag von viola » 28.09.2016, 17:33

Hallo Karsten,

ein Erfahrungsaustausch ist für mich Sinn und Zweck der Selbsthilfe. Anders kann sie ja nicht funktionieren.

Menschen, die sie als "notwendiges Übel" ansehen, würde sich sicher nicht einer SHG anschließen. Oder wenn doch, würden sie bald wieder weg bleiben.
Es geht doch darum, eigene Erfahrungen zu machen und weiterzugeben und von den Erfahrungen anderer zu profitieren. Eben sich auszutauschen.
Damit das gelingt, ist glaube ich eine wichtige Voraussetzung, dass derjenige es auch wirklich von innen heraus selber will.
Wenn z.B. der Partner einem sagt "geh in eine SHG und tausch dich da aus", dann reicht das nicht. Oder wenn der Besuch einer SHG eine Pflicht ist, um z.B. seinen Führerschein wiederzubekommen. Dann sitzt man dort bloß die Zeit ab und hat letztendlich nichts davon.

Kennst du Mitglieder einer SHG, die dort hingehen und sich austauschen, obwohl sie es als ein Übel ansehen? Was unterscheidet die von den anderen, die es ernst meinen?

LG viola

Pink-Lady
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Beitrag von Pink-Lady » 29.09.2016, 20:06

Hallo Karsten,

wenn ich auch in letzter Zeit wenig schreibe, bin ich doch immer zwischendurch hier und lese. Ich empfinde den Austausch hier keinesfalls als notwendiges Übel und bin sehr gerne hier. Da ich oft wenig Zeit habe, bedingt durch Mehrarbeit, Renovierungsarbeiten und Tierschutzarbeit kommt der Austausch oft zu kurz. Das finde ich schade und hoffe, dass ich demnächst wieder mehr Zeit habe, mich hier mehr einzubringen.

LG Pink-Lady

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 04.10.2016, 11:08

Hallo Karsten,

für mich ist die Teilnahme an einer SHG, sei es real oder hier im Forum, eine Bereicherung. Die Möglichkeiten, die ich im Rahmen der Gruppe oder des Forums habe, mich zu reflektieren und auch Feedback, Ermutigung und vielleicht auch Ermahnung von anderen zu bekommen, ermöglicht mir nicht "nur" ein trockenes, sondern auch ein psychisch reicheres und gesünderes Leben. Für mich ist es wichtig, mich auszutauschen, und wenn ich es mal zwischendurch weniger tue, sehe ich das entspannt, denn es wird auch wieder mehr. Weil ich mich damit wohlfühle und es mir gut tut.

Viele Grüße
Thalia

Karsten
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Beitrag von Karsten » 05.10.2016, 18:00

Hallo,

danke für eure Antworten.
Ich sehe den Austausch auch als Bereicherung.
Früher habe ich viel Zeit dem Alkohol geopfert, da sollte ich heute auch Zeit für den Erfahrungsaustausch haben.

Gruß
Karsten

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 05.10.2016, 18:11

Hallo Karsten,

ich kann mit dem "sollte" in deinem Satz nicht so viel anfangen.

Das hat doch schon wieder so was von "Pflicht". Ist doch gar nicht nötig. Ich will doch die Zeit dafür verwenden.

Gruß
Thalia

Karsten
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Beitrag von Karsten » 05.10.2016, 18:19

Hallo Thalia,

das sollte nicht als Pflicht rüber kommen :lol: , sondern als Motivation.
Ist wohlt etwas daneben gegangen :oops:

Gruß
Karsten

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 28.01.2018, 10:51

Hallo zusammen,

für mich war es schon ein notwendiges Übel mich über die Alkoholkrankheit auszutauschen. Zumindest am Anfang als der Schock noch tief saß Alkoholkrank zu sein.

Das Denken, mir kann doch sowas nicht passieren, ich habe doch alles im Griff und wer Alkoholkrank wird ist schwach , hat keinen Willen, fiel ja erstmal wie ein Kartenhaus zusammen. Dieses nasse Denken musste ja erst aus dem Kopf verschwinden.

Je länger ich mich austauschte umso mehr wusste ich "ich bin nicht alleine, kann aber nur allein trocken werden" sicherte meine Stabilität. Nun bin ich im 11 Jahr trocken und hatte mir im letzten Jahr eine längere Auszeit gegönnt, musste aber merken das sich da schon was einschleichen kann, was mich wieder motivierte zu der Gemeinschaft zurück zu kommen.

Wenn ich mir die Zähne nicht mehr putze fallen die irgendwann aus , mich nicht mehr wasche fange ich das Stinken an. Ist das nun ein notwendiges Übel ? Nein es ist für mich eine Pflicht :lol:

Diejenigen die Denken sie können im stillen Kämmerlein trocken bleiben oder werden und still und heimlich sich nur mit dem Thema am Rande beschäftigen, sind leider ( das aus meiner Erfahrungen heraus) auch die sich vermehrt auf die Liste der Rückfälligen mit der Zeit befinden.

Gruß Hartmut

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