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Die Wahrheit

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
Martin

Beitrag von Martin » 20.01.2017, 13:08

Hallo Karsten,

sollte ich einen Rückfall haben würde ich sicher von ihm hier schreiben.

Ich brauche dann ja Hilfe, wo sollte ich die, außer beim Doc, finden ?

Es bringt doch nichts so zu tun als ob nichts geschehen wäre,

damit belüge ich mich selbst und die anderen User hier.

Ich denke auch dass es auffallen würde wenn ich besoffen schreiben würde, der Stil ändert sich ja.

LG Martin

Karsten
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Beitrag von Karsten » 20.01.2017, 13:25

Hallo,

mir geht es nicht um einen derzeitigen Rückfall.
Das Thema hatten wir ja auch schon öfter.

Mir geht es eher um Rückfälle, die vielleicht ein paar Wochen oder Monate zurück liegen, man es aber wieder geschafft hat und dann hier weiter geschrieben wird, als wenn nichts gewesen wäre.

Hier wird ja auch gerne zu sechs Monaten oder 9 Monaten gratuliert, was ich auch gut finde, aber es wäre ja dann nicht so, wenn jemand zwischendurch wieder gesoffen hat.

Das meine ich mit fair, denn Rückfälle pasieren jeden Tag und deshalb braucht man sich ja eigentlich nicht schämen.

Gruß
Karsten

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 20.01.2017, 13:54

Ich machs mal kurz:
Bekanntlich wird nirgends mehr gelogen als im Internet (naja, in der Politik vielleicht noch :wink: )
Warum also sollte das hier anders sein ?
Ist hier doch recht unpersönlich, nur wenige kennen sich untereinander.
Warum nicht auch hier mal ein bisschen was schönen ? 8)
Also ich bin mir sicher, das sowas auch passiert.
Auch aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen.
Ich lernte Leute persönlich kennen, die mit der Person, die man hier im Forum zu kennen meinte, eigentlich kaum was zu tun hatten.
Da wurde hier gelogen, das sich die Balken bogen (wenns welche gäbe).
Und ich lernte Leute kennen, die auch im RL absolut authentisch waren mit der Person, die sie hier sind.
Und sicher gab/gibt es auch irgendwas "dazwischen".

Ich glaube also nicht alles, was ich hier so lese. So blauäugig bin ich nicht mehr, sorry :wink:

Und wenn jemand bezüglich eines Rückfalls lügt, dann ist das im Grunde sein Problem. Weiter wirds allerdings kaum bringen.
Ich nehme das einfach so hin... ohne mir da jetzt groß Gedanken drüber zu machen, bei wem das so sein könnte und bei wem nicht.

LG Sunshine

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 20.01.2017, 14:41

Hallo Karsten,

ich habe im Lauf meiner Nüchternheit aufgehört zu verleugnen. Meinen Konsum leugnen - das muss ich ja nicht mehr. Ich hab realisiert, wie verstrickt ich in Leugnung und Lügen war und was das mit mir gemacht hat. Ehrlichkeit v.a. mir selbst gegenüber ist für mich sehr wichtig geworden. Und ich kann auch nicht unehrlich anderen gegenüber sein. Da fühle ich mich nicht wohl und komme mir verlogen vor. Wenn ich über etwas spreche, dann will ich es ehrlich tun.
Aus dem Jetzt würde ich sagen, ich käme mir verlogen vor, nicht über einen Rückfall zu schreiben und hier weiterzuschreiben als wäre nichts gewesen.
Aber ich weiß nicht, ob das möglich ist. Ein Rückfall ist für mich nicht nur ein Moment, indem ich was getrunken habe. Ich glaube, dass das auch die gesamte Psyche mit zurückfällt. Also wieder zurück in die Verleugnungsphase. Wer wieder trinkt, ist ja schnell da, wo er war. die Depression kommt schnell zurück und baut sich eben nicht erst ein paar Jahre später auf. Und eben auch die Verleugnung und Lüge: Dass der Betroffene sich einredet, dass das jetz keine Katastrophe ist und dass mans nicht so hoch hängen muss und auch noch darüber schreibt. Ich weiß nicht, ob das dann geht - wie Martin schreibt - dass man sich Hilfe sucht. Wenn Dir eine Stimme einredet, dass das alles nicht so shclimm ist, dann sucht man sich doch keine Hilfe.
Genau dieses Fiese, dass man also wirklich komplett zurückfällt - auch in den psychischen Zustand, den man in nassen Zeiten hatte, verhindert, dass man bewusst ist und wohlüberlegt entscheiden kann, dass man sich helfen lässt.
Das erklärt für mich, warum mancher dann hier weg ist. Lügen ist dann vielleicht auch unangenehm. Den Zustand eingestehen geht auch nicht. Also ist die Konsequenz: wegbleiben und nicht sagen, was Sache ist.
Liebe Grüße
Calida

Martina02

Beitrag von Martina02 » 20.01.2017, 14:50

Ich finde es ist ein Problem (für andere), wenn unter Alkohol/Rückfallen in der Konstellation mit psychischen Erkrankungen gelogen wird.

Unter dem Nutzen diverser Profile verschiedene "Geschichten" erzählt werden (der Aufmerksamkeit halber) oder jemanden den man persönlich kennt und vornerum ins Gesicht lächelt, hintenrum via Internet fertig macht, stalkt und mobbt.
Denn spätestens dann schadet das Lügen anderen.

Wie sieht es denn eigentlich mit dem Triggern aus, wenn im Alkoholiker Forum alkoholisiert geschrieben werden würde.(virtueller Alkoholeinfluss)
Kann oder hat es schon andere mitgerissen?

Einerseits ist ja jeder selbst verantwortlich,
andererseits werden Menschen die Alk konsumieren oder Orte mit Alkoholausschank gemieden.

kaltblut
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Beitrag von kaltblut » 20.01.2017, 17:22

Lieber Karsten,

Wahrheit, Ehrlichkeit, das fängt ja alles bei mir an. Wenn ich das nicht auf meinen Lebensalltag übertrage, also auch auf andere Gewohnheiten, dann bleibt das ja, wie den Hals nach dem Weinfass verrenken. Passt nicht zu mir.

Genausowenig passt es, wenn mir jemand Lügen auftischt, mich hintergeht oder verarscht, manipuliert, sich auf meine Kosten bedient, befriedigt, ausnutzt. Es passt vieles nicht mehr, wenn das Licht in der Birne wieder an geht.

Das fängt irgendwo bei mir an, vielleicht beim Alk an und hört dann nicht mehr auf. Den Kopf verrenken passt dann nicht mehr.

LG Karl

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