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Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Karsten
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Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Beitrag von Karsten » 07.07.2018, 15:02

Hallo,

diese Woche kommt das Thema von Dhyana.
Vielen Dank Dhyana
Dhyana hat geschrieben:
03.07.2018, 10:02
Themenvorschlag: Wie hat sich deine Beziehung/ Ehe verändert, während der Trinkzeit und nach dem aufhören?

schönen Gruss
Dhyana
Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Beitrag von Carl Friedrich » 07.07.2018, 21:47

Hallo!

Absolut positiv. Meine Familie ist heilfroh, das wir gemeinsam die Wende zum Guten hinbekommen habe.

Allerdings hatte mich auch die Familie bei der Suchtberatung angemeldet und mir die Pistole auf die Brust gesetzt: "Therapie oder Trennung". Das saß. Allerdings war mir genau zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass ich es alleine ohne Hilfe Dritter nicht schaffe. Ich war schon nicht mehr in der Lage mal 'ne Saufpause zu machen wie früher. Ich hatte die Kontrolle über den Stoff komplett verloren.

Ich bin nur ein ganz kleines Einzelschicksal und keineswegs repräsentativ.

Gruß
Carl Friedrich

Slowly
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Re: Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Beitrag von Slowly » 08.07.2018, 22:34

Meine Beziehungen wurden freundlicher, beständiger, friedlicher und für alle Beteiligten sicherer.

Manche sind auch vorbei gegangen.

Ich versuche mich im Loslassen, das klappt viel besser ohne Alkohol.

Dhyana
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Re: Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Beitrag von Dhyana » 09.07.2018, 00:14

Danke Karsten für das Annehmen des Vorschlages!

Ich bin erst ein paar Wochen trocken, obwohl ich schon seit langem, hin und hergependelt haben und mir viele Gedanken gemacht habe.

Meine Beziehung zum Mann und Kinder war nicht mehr so gut, als ich trank. War auch ein Frust-trinken deswegen, aber nicht nur.

Heute, nach nur ein paar Wochen, fällt mir auf: offener, ehrlicher, humorvoller, wir lachen viel mehr, ich bin losgelöster, spontaner, sage offen was mir nicht gefällt, ohne beleidigt zu sein, spreche über meine Gefühle ohne Schuldgefühle. Das Gefühl alleine die Verantwortung zu tragen, ist nicht mehr so stark.

Zu Freunden nimm ich mich mehr zurück, was helfen angeht, Probleme anhören, ich spüre erst in mir, ob es mir gut tut oder eher stresst. dann sage ich auch ab. Bin weniger "verfügbar".

Vielleicht ergänze ich noch später, jetzt gehts ins Bett.

Barthell
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Re: Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Beitrag von Barthell » 09.07.2018, 01:02

Verdammt früh, ja, aber da ich grade eh nicht schlafen kann und am Bahnhof festsitze kann ich auch hier posten ;)

Wie hat sich meine Beziehung verändert:

Sie ist (von meiner Seite aus gesehen) schwieriger geworden, komplizierter.

Wir kannten uns ja schon 8 Jahre oder so bevor ich angefangen habe mich zu meiner Sucht zu bekennen und Sie ein zu weihen. Da ich immer weg war ist es mir leicht gefallen da ein Lügenkonstrukt auf zu bauen und bei zu behalten.
Einiges davon hohlt mich heute noch ein wenn Sie sagt weisst du noch als du XY gemacht hast und ich dann Antworte das war eine Lüge, damit ich saufen konnte, oder ich war zu betrunken um zu dir zu kommen.
Diese Ehrlichkeit ist anstrengend.

Zudem spreche ich jetzt viele Dinge die mich stören direkt an bevor sie anfangen mich zu stressen, das wird gerne als Kritik aufgenommen...

Andererseits habe ich in den Letzten 2 Jahren auch viel Vertrauen aufgebaut: wenn ich sage ich bin da, dann bin ich da, wenn ich verspreche, dass wir drüber reden, tun wir das auch, wenn ich sage, dass ich Zeit für mich brauche akzeptiert sie es weil sie weiss, dass ich wiederkomme.

Aber es ist eben auch anstrengend offen Dinge an zu sprechen oder aktiv auf Vorschläge ein zu gehen ...

Daher: ja sie ist anstrengender geworden, komplizierter aber auch ungleich intensiver und sie fühlt sich besser an.

Schwer zu beschreiben und zu erklären...

vor 2 Jahren hatte ich noch den Reflex, dass Heiraten und Kinder und zusammenziehen absolut nicht geht von meiner Seite... mittlerweile denke ich drüber nach sie zum 10 Jahrestag (um die Zeit nächstes Jahr) zu fragen ob sie mich heiraten will.

Also hat die Beziehung sich massiv verändert, so wie ich, so wie Sie ...

Thalia1913
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Re: Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Beitrag von Thalia1913 » 13.07.2018, 10:29

Hallo Dhyana,

mein abhängiges Trinken hat in meiner Beziehung eine wichtige Rolle gespielt, in verschiedener Weise. Ich habe Alkohol benutzt, um mit meiner Unfähigkeit klarzukommen, mich in der Beziehung richtig wohlfühlen zu können. Als ich dann tiefer in die Abhängigkeit geraten war, führte das Trinken zum Vertrauensverlust auf Seiten meines Partners. Und bei mir war meine eigene Selbstachtung in dieser Zeit natürlich auch nicht mehr vorhanden.

Wir haben uns dann getrennt, wobei ich dabei eher die treibende Kraft war. Und erst danach konnte ich trocken werden.
Aber bei uns gab es eben auch schon vor meiner Trinkerei eine Schieflage in der Beziehung, und der Alkohol(Missbrauch), der letztlich unter anderem die finale Krise herbeiführte, hatte die Beziehung auch (auf meiner Seite!) lange am Leben gehalten.

Jetzt nach einigen trockenen Jahren habe ich schon einen Teil meiner Selbstachtung wieder, und ich kann somit auch meinem Ex-Partner wieder auf Augenhöhe begegnen, (zumindest bin ich auf dem Weg dahin).

Viele Grüße
Thalia

P.S. an Barthell: das freut mich, was ich von dir lese!

Penta
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Re: Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Beitrag von Penta » 15.07.2018, 08:53

Hallo Dhyana,

mein Alkoholausstieg bedeutete auch das Ende meiner Ehe.
Ich krempelte so ziemlich alles um, als ich aufhörte, Alkohol zu trinken. Dieser Prozess dauert bis heute an.
Keinen Alkohol mehr zu trinken und mich anderen Themen zuzuwenden, bedeutet für mich Veränderung in vielerlei Hinsicht.
Ich wohne heute anders, lebe inzwischen in einer neuen und stabilen Beziehung, habe meinen Job gewechselt...
Nach meinem Alkoholausstieg wurden mir persönlich vollkommen andere Dinge wichtig, als es lange Zeit vorher der Fall war.
Das wirkte sich bei mir ziemlich umfassend aus.
Meine Trennung verlief recht unaufgeregt. Ich will nicht soweit gehen zu sagen, dass wir "im Guten" auseinander gingen, denn Verletzungen gab es auf beiden Seiten. Aber ich sage heute rückblickend, dass wir es trotz mancher Widrigkeiten ganz gut hinbekommen haben.
Mein Ex und ich leben jetzt in neuen Beziehungen und haben sporadisch Kontakt.
In meiner jetzigen Beziehung spielen Freiheit und Verantwortung eine wichtige Rolle. Unser Haushalt, wie auch unsere Freizeitaktivitäten sind alkoholfrei.
Inzwischen ist Normalität geworden, was ich mir vor acht Jahren nicht hätte vorstellen können.
Ich finde sehr entlastend, dass ich heute nicht an meiner Beziehung "arbeiten" muss, sondern sie das ist, was mir Rückhalt und Stabilität bietet.

Gruß Penta

kaltblut
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Beiträge: 5647
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Re: Wie hat sich deine Beziehung / Ehe verändert

Beitrag von kaltblut » 25.07.2018, 15:02

Hallo Dhyana,

meine Exfrau hatte einen Infarkt, das war ein Weltuntergang. Da hatte ich mich dazu entschieden: wenn sie es nicht schafft, dann will ich es auch nicht und saufe mich mit kaputt, alleine wollte ich nicht leben. Dann fand ich das Forum und es kam eins zum anderen.

Was von mir als „grenzenlose Liebe“ bezeichnet wurde, waren Abhängigkeit und Verlustangst, die über den Lebenswillen hinausgingen. Anders ausgedrückt: lieber den Schwanz einziehen und elend mit verrecken, als sich den Ängsten, Abhängigkeiten und Konsequenzen zu stellen.

Die Zelle will nicht krank sein, nicht für mich, nicht für den Partner, dafür wurde sie nicht geschaffen.

Als ich aufhörte zu trinken und klar im Kopf war, wurden bestimmte Verhaltensmuster immer unverständlicher. Das, was vorher so sein musste, weil ich Angst vor Veränderungen hatte, vor dem Verlust, vor der Konsequenz, wurde immer weniger, so wie der Umgang mit einer Fremdsprache im fremden Land mit der Zeit immer besser wird. Das führte dazu, dass ich immer weniger mit der Situation anfangen konnte. Zwischenzeitlich war ich trocken. Plötzlich wurde sie auch trocken. Jetzt sollte ja alles wieder stimmen. Wir sind aber nie mehr auf eine Ebene zurückgekommen, da waren immer große Unterschiede, die vorher verblendet waren. Wir haben uns dann getrennt, denn das nicht mehr verblendete und nicht akzeptable unterschiedliche Verhalten lag offensichtlich vor uns. Da konnten wir auch nicht mehr drüber schauen. Das, was wir als "angekommen", als „grenzenlose Liebe“ bezeichneten, kam auch nicht mehr zurück und jeder Wunsch, jeder Versuch war nur ein Ausrutscher.

Wenn so ein Stein ins Rollen kommt und eine Veränderung nach der anderen passiert, sind die zwei Menschen immer auf anderen Verständnis- und Verhaltensebenen. Für mich war die Fortführung der Beziehung und das ging noch einige Zeit hin und her, ein ständiges Verbiegen, Anpassen und Rücksicht nehmen, was durch die veränderte Einstellung nicht mehr möglich war.

Meine Exfrau war trocken, sonst aber die Gleiche, genau wie ich und mit klaren Verstand passte nichts mehr. Dann knallte es, der Bruch war unausweichlich, getrennt, fertig.

Als ich meine jetzige Frau kennenlernte, war die Situation anders. Wir haben uns beide als Betroffene kennengelernt, als zweimal gescheiterte und geschiedene Menschen, mit einm anderen Verständnis für uns selbst und die Beziehung. Was ist jetzt anders als früher:

Wir bleiben meist bei uns, d. h., wir wissen, dass wenn etwas nicht stimmt, dass der Anteil des anderen daran gering ist und schauen erst einmal in uns hinein, bevor wir am falschen Rad drehen und natürlich rappelt es bei uns auch schon mal.

Wir wissen heute, dass Beziehung nichts mit Ziehen zu tun hat. Eine Beziehung ist einfach und sie besteht nicht aus wollen, lenken, drücken, manipulieren, da gehen bei uns die Lampen an.

Da wir Menschen sind und Menschen sind nicht unfehlbar, passieren auch Ausrutscher, aber die gehen vorbei und dann passt es wieder. Aber so einen Hirnmüll wie damals haben wir nicht mehr erlebt und sei mal sicher, es gibt immer was Neues und u. U. auch Schlimmeres.

LG Kaltblut

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