Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Eigeninitiative oder Schock...

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

Moderator: Moderatoren

Aurora
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 12439
Registriert: 02.05.2007, 13:47

Eigeninitiative oder Schock...

Beitrag von Aurora » 08.10.2018, 10:12

Hallo,

sorra hat einen Themenvorschlag! Ich denke, das Thema ist für Alkoholiker genau so interessant wie für Angehörige.
Beide Seiten können da ihre Erfahrungen und Erlebnisse diskutieren.

Hallo,

ich habe einen Themenvorschlag: Wieviel bringen Interventionen (der Titel muss nicht eins zu eins so lauten...)

Über die Überwindung der Alkoholkrankheit, gibt es verschiedene Ansätze.
In Europa ist es weitverbreitet, dass der Alkoholkranke aus einem bedeutsamen Moment heraus, sich eigeninitiativ Hilfe holt.
In den USA ist die konfrontative Intervention beliebt, die einen anderen Ansatz verfolgt.

Ich fände es spannend, welche Ansichten es über diese Methode im Forum gibt und zu diskutieren, wie effektiv diese ist.
Vielleicht kann man eine kurze Begriffserklärung hinzufügen, falls es nicht jeder kennt.
Ich habe hier einen gut zusammengefassten Artikel darüber vom Kölner Stadt-Anzeiger herausgesucht, der gut erklärt und einen Fall in Deutschland beschreibt: https://www.ksta.de/ratgeber/gesundheit ... sa-4030654

Alles Liebe,
sorra


Hallo sorra, danke für dieses Thema und ich hoffe, der Titel des Threads ist okay so.

Viele Grüße
Aurora

sorra
neuer Teilnehmer
Beiträge: 67
Registriert: 06.10.2018, 10:59
Geschlecht: Weiblich

Re: Eigeninitiative oder Schock...

Beitrag von sorra » 08.10.2018, 10:24

Hallo Aurora!

Ich danke dir.
Der Link scheint beim kopieren irgendwie verloren gegangen zu sein. Hier ist es nocheinmal:
https://www.ksta.de/ratgeber/gesundheit ... sa-4030654

Den Titel finde ich treffend.

Alles Liebe,
sorra

Aurora
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 12439
Registriert: 02.05.2007, 13:47

Re: Eigeninitiative oder Schock...

Beitrag von Aurora » 08.10.2018, 10:34

Hallo sorra,

nööö, der link ist doch noch da... :wink: .
Ich bin gespannt auf den Austausch über dieses Thema!

Viele Grüße
Aurora

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 32623
Registriert: 04.11.2004, 22:21
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholiker

Re: Eigeninitiative oder Schock...

Beitrag von Karsten » 08.10.2018, 15:04

Hallo,

so neu ist ja diese Vorgehensweise auch nicht.

Betroffenen mit ihrer Sucht zu konfrontrieren, ist ja oft gängige Praxis.
Ob es die Familienangehörigen, der Arbeitgeber oder Freunde sind.

Manch einer wird dadurch zu seinem Glück gezwungen.

Ein Satz hat mich aber nachdenklich gemacht:

„Er war wie seine Angehörigen erleichtert, dass jemand kam und alles in die Hand nahm, Ordnung in sein Leben brachte und ihm den Weg wies“
Quelle: https://www.ksta.de/ratgeber/gesundheit ... sa-4030654

- Woher wollen Außenstehende wissen, welches der richtige Weg für ihn ist?
- wenn es klappt, ist die Gefahr für einen Rückfall nicht größer, weil sich vielleicht wieder jemand finden wird, der "alles in die Hand nimmt"?

Für mich liest sich das wie "die Hilfe hinterhertragen", obwohl der Betroffene aus eigener Sicht noch gar nicht soweit ist.

Es gibt halt viele Möglichkeiten, mit denen man den ersten Schritt machen kann.

Ich bin eher der Meinung fördern und fordern bringt den Betroffenen zum selbstständigen Handeln, welches er aus eigener Überzeugung tut.

Gruß
Karsten

Mario B.
neuer Teilnehmer
Beiträge: 109
Registriert: 09.01.2018, 10:13

Re: Eigeninitiative oder Schock...

Beitrag von Mario B. » 08.10.2018, 15:35

Hallo,

solange Hilfe hinterhertragen auch nur minimal dazu beiträgt dass der Betroffene dem "soweit sein" einen Schritt näher kommt ist der Nutzen schon erfüllt.

Bei der doch am Ende doch sehr geringen Erfolgsquote der Versuche diese Krankheit zumindest zu stoppen ist jede Hilfe in meinen Augen besser, ob jetzt hinterhergetragen oder nicht, als gar keinen Hilfe in Anspruch nehmen.

Gruss,

Mario B.

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 32623
Registriert: 04.11.2004, 22:21
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholiker

Re: Eigeninitiative oder Schock...

Beitrag von Karsten » 08.10.2018, 15:50

Hallo Mario,

das sehe ich auch so.
Hauptsache jemand wird nüchtern.

Das Ergebnis zählt, aber meine persönlichen Erfahrungen sind halt andere.
Ich wurde auch öfter ins Krankenhaus gebracht, die Sozialarbeiter haben sich sogar teilweise darum gekümmert, dass ich eine Wohnung bekommen hätte, als ich obdachlos war. In den Neunziger Jahren war das alles noch einfach. Mir wurde buchstäblich alles hinten reingeschoben, aber saufen war mir wichtiger.

Für mich hat dieses verlinkte Beispiel etwas, was mich nie hätte nüchtern werden lassen. Man gibt ja die Eigneverantwortung irgendwie ab.

Ich sehe es auch eher als Einzelfall an. Trotzdem noch mal. Jeder Einzelne ist wichtig, der es, egal wie, schafft, nüchtern zu leben.

Gruß
Karsten

Speranza
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1213
Registriert: 27.09.2011, 15:18
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Eigeninitiative oder Schock...

Beitrag von Speranza » 08.10.2018, 16:04

Hallöchen!

Ich habe diesen Bericht etwas zwiegespalten gelesen. Meiner Meinung nach hat der Betroffene insgeheim bereits gedacht dass mit seinem Alkholgenuss etwas nicht in Ordnung ist und so fiel die Vorgehensweise auf fruchtbaren Boden.

Die Norm sieht doch meistens anders aus trotz vieler Maßnahmen errreichen Alkoholiker keine anhaltende Trockenheit. Es werden nun ja viele Therapien angeboten und auch von der Krankenkasse bezahlt aber trotz allem ist die Rückfallquote sehr hoch.

Bei so einer Vorgehensweise wie in dem Bericht würden viele auch einfach "dicht" machen und sich total unter Druck gesetzt fühlen. Aber wenn der Betroffene denkt er hätte gar kein Alkoholproblem können Verwandte, Bekannte und auch Therapeuten sich dem "Mund fusselig" reden und trotzdem passiert nichts.

Ja wenn es so einfach wäre würde es viel Leid das durch Suchtkrankheiten ausgelöst wird gar nicht passieren. Aber immerhin ist es positiv dass einige wenige Suchtkranke ihre Sucht in den Griff bekommen.

Liebe Grüsse Speranza

Correns
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2630
Registriert: 09.01.2010, 18:52
Geschlecht: Männlich

Re: Eigeninitiative oder Schock...

Beitrag von Correns » 08.10.2018, 16:07

Hallo,

ich halte von "Hilfe-hinterhertragen" überhaupt nichts.
Wenn der Impuls nicht vom Betroffenen selbst ausgeht, wird das nichts mit dem Trockenwerden.
Viele werden sehr oft einen Schock bekommen.
Ob einer dieser Schockerlebnisse irgendwann die Eigeninitiative triggert hängt ganz vom Betroffenen ab.
Manche wählen den Weg in den Untergang.
Manche wählen einen anderen Weg.
Ich freue mich über jeden, der den Weg aus der Sucht heraus findet.
Nur gehen muss diesen Weg jeder für sich allein.

Viele Grüße
Correns

Antworten