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Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Mario B.
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Mario B. » 15.11.2018, 09:18

Hallo,

Ist denn Patientenbeschaffungsmaßnahme so schlecht? Nur 10 bis 15 Prozent Alkoholabhängige bekommen professionelle Hilfe, es gibt doch quasi keine andere Krankheit wo die Behandlungslücke so groß ist.

Das hier diskutierte Ziel "dauerhafte Abstinenz" ist ja, wie es bis vor ein paar Jahr an den Mann gebracht wurde, nicht gerade eine Erfolgsstory. Die Erfolgsquote dieses Ansatzes ist ernüchternd und vernichtend klein, da braucht man sich nun wirklich nichts vorzumachen.

Für mich ist es daher absolut verständlich wenn sich Suchtforscher und Mediziner fragen ob sie nicht auch anderen Ansätzen wie z.B. dem Kontrolliertem Trinken oder Medikamenten, als nur dem absoluten Verzicht, eine größere Chance geben wollen.

Dieser Ansatz bedeutet ja nicht dass die Abstinenz in Zukunft aus den Programmen der Suchthilfe gestrichen wird.

Gruss,

Mario B.

Karsten
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Karsten » 15.11.2018, 09:44

Hallo,

Naja, man sollte da eben auch die Kosten im Auge haben.
Nichts ist umsonst und diese Patientenbeschaffungsmaßnahmen, wenn man es denn so nennen will, kosten den anderen Versichterten ein Haufen ein Geld, was dann wieder in höhere Beiträge endet.
Viele scheinen zu denken, bezahlt ja die Krankenkasse und dann ist gut.
In anderen ( auch zivilisierten ) Ländern ist das nicht so, dass man unendlich viele Hilfen bekommt.
Da funktioniert es auch, weil man seine Chancen nutzen muss.

Da wird sich den scheinbaren Bedürfnissen der Betroffenen angenommen, die eben gar nicht aufhören wollen zu saufen.

Vielleicht sehe ich das ja aus einer anderen Perspektive, weil es vor 20 Jahren nicht so viele und vor allem schnell Hilfen gegeben hat. Da musste man auf einen Therapieplatz warten. Ich musste ca. 9 Monate in einem betreuten Wohnen verbringen, um meinen Therapiewillen zu bekräftigen.
Als ich beim Sozialamt mal eine Wohnung wollte, hieß es auch, erst mal nüchtern werden und dann reden wir über eine Wohnung.

Den Betroffenen wurden die Hilfen nicht hinterhegetragen, sondern man musste auch etwas dafür tun.

Gruß
Karsten

Rattenschwanz
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Rattenschwanz » 15.11.2018, 09:56

Vorweg, für mich wäre kontrolliertes Trinken nichts, weil: Kann ich nicht.

Ich denke (?), wenn ich irgendwo ganz am Anfang (zum Beispiel in Leipzig bei der Therapie) immer wieder gesagt bekommen hätte, dass das auch bei mir funktionieren könnte mit kontrolliertem Trinken, dann würde ich das wahrscheinlich heute noch probieren, wenn ich noch so lange gelebt hätte.

So gab's klare Kante, geht nicht, brauchste nicht versuchen und ich hab's begriffen.

Es gibt ja noch so ein Alkoholikerforum, in welchem den sich dort Hilfesuchenden ein Medikament angeboten wird, welches hilfreich sein soll um evtl. abstinent zu werden oder kontrolliert saufen zu können. Dort lese ich ab und zu mal mit.

Wisst ihr was, dort schaffen es noch weniger als hier. Die schaffen nicht nur nicht trocken zu werden, die schaffen es auch nicht mit dem Medikament kontrolliert zu saufen.

Da steht dann zum Beispiel: Ich hab's geschafft ich muss mich nur noch einmal in der Woche zuschütten, auf den Tag warte ich die ganze restliche Woche, manchmal auch nicht.

Genial, oder?

Rattenschwanz
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Rattenschwanz » 15.11.2018, 10:02

Das hab ich vergessen. Der Wahrheit halber, sei geschrieben, dass die, die mit dem Medikament konsequent trocken bleiben, das auch durchhalten.

Das ist ja hier meistens auch so, nur ohne Medikament.

Hartmut
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Hartmut » 15.11.2018, 10:13

Hallo Karsten,
wenn jemand an Alkoholismus erkrankt ist und ein Kontrolliertes Trinken angeboten wird, hat das nichts mit Hilfe, sondern hat es für mich ein Festhalten an der Krankheit zu tun, da der Kontrollverlust ein wesentlicher Bestandteil der Krankheit ist. Ich kann nichts kontrollieren was mir nicht möglich ist.

Aus meiner Sicht gibt sich bei diesem Therapieansatz die Suchthilfe sich zwar nicht geschlagen aber lässt zumindest die Vermutung aufkommen das da (auf Kosten der Hilfesuchende) noch andere Gründe dahinterstehen. Ob das nun wirtschaftlich oder andere Interessen wie „Patientenbeschaffungsmaßnahmen“ dahinterstehen ist mir dabei auch egal.

Natürlich soll Forschung und Medizin nicht untätig sein und immer wieder Ansätze suchen, die einem Alkoholkranken Menschen hilft. Jedoch handelt sich es da um eine tödlich verlaufende Krankheit, wenn sie nicht gestoppt wird.

@ Off-Topic. Da ich an einer weiteren, nicht lebensbedrohlichen, chronischen Krankheit leide, die auch nicht heilbar ist, bekomme ich da seit 35 Jahren auch immer wieder neue „Wunder Therapien“ angeboten die zwar nicht helfen aber sündhaft teuer sind. Da frage ich mich auch wem ich als Patient nutze. Die Entwicklung halte ich für sehr gefährlich, wenn ein Hilfesuchender kranker Mensch nur noch als Ware geführt wird

Gruß Hartmut

Elly
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Elly » 15.11.2018, 14:38

Karsten hat geschrieben:
15.11.2018, 08:35
Hallo Correns,

das Forum gibt sich natürlich nicht geschlagen und wird die Grundbausteine weiter vertreten :)
Aber darum genau geht es.
Sind Betroffene mit einem geraden Weg noch zu erreichen?

Gruß
Karsten
Hallo!

Alkoholkranke sind nur mit einem geraden Weg zu erreichen!

Kontrolliert trinken können nur Menschen, die nicht alkoholkrank sind! PUNKT

Wie oft habe ich damals versucht mich zu kontrollieren und zu reglementieren,
es endete immer damit, dass ich noch mehr trank, als vorher!

Wenn jemand so richtig erkrankt ist und nicht weiter weiss, dann findet er den
geraden Weg... nämlich sich Hilfe zu holen und abstinent zu leben!

Alles andere ist in meinen Augen Wunschdenken!

Elly

Hartmut
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Hartmut » 15.11.2018, 15:23

Hallo, eine Ergänzung,

wenn es die Aufgabe der Suchthilfe ist, einen freiwillig zu Ihnen kommenden bekennenden Alkoholiker nass zu halten, muss ich mich fragen was das denn für eine Hilfe ist?

Dieses ganze blödsinnige kontrollierte Trinken hat für den Alkoholiker nur eine Signalwirkung. Es ist nicht so schlimm und ich kann ja weiter saufen. Es verharmlost nicht nur die Krankheit, sondern unterstützt noch das Saufen.

Wenn ich einem nassen Alkoholiker am Anfang seines Weges die Alternativen aufzeige, die ihm mehr schaden als helfen, jedoch aus seiner nassen Sicht nicht erkennbar ist, dann hat für mich die Suchthilfe ihren Auftrag verfehlt.

Gruß Hartmut

Carl Friedrich
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Carl Friedrich » 15.11.2018, 15:30

Karsten hat geschrieben:
14.11.2018, 22:48
tollerieren hier in deinen Beiträgen tust du sie, aber mit zu tun haben willste auch nichts mit denen?
Ist das nicht eine Art Doppelmoral? :D
Warum möchtest du den diesen hilfesuchenden Menschen nicht helfen?

Hallo Karsten!

Das habe ich bereits geschrieben, aus Gründen der Vorsicht. Wenn ich lange über das KT diskutiere, dann trigger ich womöglich mein Suchtgedächtnis dermaßen, dass es mir einen Selbstversuch suggerieren möchte.

Bekanntlich bevorzuge ich die Risikominimierung, die zu einer Art Selbstschutz geworden ist.

Gruß
Carl Friedrich

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