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Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Karsten
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Karsten » 15.11.2018, 15:40

Hallo Carl Friedrich,

gerade darum verstehe ich deine tolleranten Antworten nicht?
Es kommt mir manchmal wie in der Politik vor, wo irgendwelche Gesetze erlassen wird, wie die Gesellschaft moralisch zu denken hat ( Beispiel unsere Alkoholkrankheit ) dass es eine Krankheit ist.
Es ist aus meiner Sicht eine Krankheit, aber wenn man mit Menschen spricht, die damit nichts zu tun haben, sehen die das anders.

In den Medien ( fast überall Doppelmoral Aufklärung und in der Werbung harte Alkoholika ) wird es oft auch als Gesellschaftsmeinung hingestellt, aber das ist eben nicht so.

So kommt es es mir bei dir auch vor, wenn du vom Alkohol als normales Getränk sprichst und nicht als Droge.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Carl Friedrich » 15.11.2018, 15:52

Hartmut hat geschrieben:
15.11.2018, 15:23

Dieses ganze blödsinnige kontrollierte Trinken hat für den Alkoholiker nur eine Signalwirkung. Es ist nicht so schlimm und ich kann ja weiter saufen. Es verharmlost nicht nur die Krankheit, sondern unterstützt noch das Saufen.

Wenn ich einem nassen Alkoholiker am Anfang seines Weges die Alternativen aufzeige, die ihm mehr schaden als helfen, jedoch aus seiner nassen Sicht nicht erkennbar ist, dann hat für mich die Suchthilfe ihren Auftrag verfehlt.
Hallo Hartmut!

Ich habe vollen Respekt vor deinem erfolgreich praktizierten Weg.

Aber ich fürchte, Du hast dich noch nicht mit den Details des KT befasst. Es dient dazu, dass die Betroffenen lernen, die medizinisch vertretbare Höchstmenge an Alk nicht überschreiten. Diese Mengen sind sehr niedrig angesetzt und für Leute wie mich nicht einzuhalten, weil nach ein paar Tagen die Gier auf mehr einfach zu groß wird, als dass ich sie bändigen könnte.

Ich sehe es mal so: Das KT wird als eine Art milderes Mittel eingesetzt, damit die Betroffenen überhaupt bereit sind, sich mit ihrem Problem auseinanderzusetzen und Maßnahmen gegen ihr Saufen ergreifen. Den meisten wird es aus denselben Gründen wie bei mir nicht gelingen. Dann können sie selbst erkennen, dass auch für sie nur die Alternative bleibt: Saufen bis ins Grab oder Abstinenz. Sie benötigen jedoch einen erfahrenen Suchtberater oder Ansprechpartner, der bei mehrfachen Rückfällen im Rahmen des KT mahnend eingreift und sagt: "Freundchen, für dich langt's nimmer, dir beliebt nur die Abstinenz."

Ich gehe davon aus, dass für Alkoholiker grundsätzlich nur die Abstinenz hilft, aber von jeder Regel gibt es ja auch Ausnahmen, denen das KT womöglich gelingen kann, und zwar solche, die nicht jahrzehntelang gebechert haben wie ich, und noch nicht so tief in den Strudel der Sucht abgerutscht sind. Allerdings kenne ich keinen von diesen Herrschaften persönlich.

Gruß
Carl Friedrich

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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Carl Friedrich » 15.11.2018, 15:55

Karsten hat geschrieben:
15.11.2018, 15:40

So kommt es es mir bei dir auch vor, wenn du vom Alkohol als normales Getränk sprichst und nicht als Droge.
Hallo!

Der Alkohol ist für mich kein normales Getränk, weil er das Potential hat, durch missbräuchliche Verwendung für den Einzelnen zur Droge zu mutieren.

Ich gönne und akzeptiere halt, dass die meisten Menschen im Gegensatz zu mir, mit ihm umgehen können.

Gruß
Carl Friedrich

Karsten
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Karsten » 15.11.2018, 16:25

Hallo Carl Friedrich,

ich denke mal, viele wissen nicht, dass sie mit Alkohol normal umgehen können.
Ich halte es nicht normal jeden Tag oder auch nur jede Woche zu trinken.
Da hat wohl sicher auch die Alkoholobby die Hand im Spiel, wenn solche angeblich gesunden Mengen vom Alkoholkonsum verharmlost oder sogar als gesundheitsfördernd hingestellt werden.

Was ich grundsätzlich nicht verstehe, wer soll denn den Alkohol verteufeln, wenn nicht wir?
Wir wissen was er anrichten kann und wenn Jugendliche durch Propaganda zum regelmäßigen Alkoholkonsum verleitet werden, können sie abängig werden.
Sie können in den jungen Jahren gar nicht wissen, ob sie normal damit umgehen können. Ich wusste es damals auch nicht und trank mit 14 schon fast jeden Tag.

Ich gönne niemanden seinen Alkohol, denn ich habe immer im Hinterkopf, welches Risiko jemand damit eingeht.

Gruß
Karsten

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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Karsten » 15.11.2018, 16:33

Denk mal an solche Beispiele, wo Menschen etwas passiet ist.
Ein Unfall wegen zu schnellers fahren und jemand wird schwer verletzt.
Da setzen sich Menschen dann die verletzten Menschen dafür ein, dass da etwas geändert wird, damit andren Menschen nicht auch noch was passiert.

Carl Friedrich
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Carl Friedrich » 15.11.2018, 17:32

Hallo Karsten!

Fahren unter Alkoholeinfluss hat nichts mit dem KT zu tun. Das man nur nüchtern am Verkehr teilnehmen sollte -insoweit bin ich für 0,0 am Steuer- sollte selbstverständlich sein.

Gruß
Carl Friedrich

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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Karsten » 15.11.2018, 17:49

Hallo Carl Friedrich,

das habe ich nicht gemeint.
Ich rede davon, dass sich geschädigte Personen dafür einsetzen, dass andere Menschen nicht auch geschädigt werden.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Gbt sich die Suchthilfe geschlagen?

Beitrag von Carl Friedrich » 15.11.2018, 18:05

Karsten hat geschrieben:
15.11.2018, 17:49
Ich rede davon, dass sich geschädigte Personen dafür einsetzen, dass andere Menschen nicht auch geschädigt werden.
Hallo!

Ist das wirklich meine Aufgabe? Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Die Gefahren des Alkohols sind jedermann bekannt. Ich sehe es nicht als mein Ding an, andere vom Trinken abzuhalten. Das müssen sie schon selbst tun. Ich kann nur Leuten, die alkoholkrank sind, meinen Weg aus dem aktiven Teil der Sucht beschreiben und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Damit sind meine Möglichkeiten dann auch erschöpft.

Irgendwo habe ich mal gelesen: "Man hilft einer Omi nicht über die Straße, wenn sie nicht will". Da ist was dran.

Und wenn jemand erkennt, ein Alkoholproblem zu haben und meint, es mit dem KT angehen zu wollen, dann mag er/sie es versuchen. Ob dieser Kurs von Erfolg gekrönt ist, wird die Zukunft zeigen. Ich halte es nicht für wahrscheinlich, kann es in Einzelfällen aber nicht ausschließen.

Gruß
Carl Friedrich

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