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Kann ich Hilfe annehmen?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Karsten
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Re: Kann ich Hilfe annehmen?

Beitrag von Karsten » 17.01.2019, 05:33

Hallo,

ich gehe ja erstmal davon aus, dass jeder, der sich hier anmeldet, in diesem Augenblick auch Hilfe möchte.
Das die Motivation ( zur Nüchternheit ) sein Leben zu ändern oft sehr schnell wieder verschwindet, kennen wir Alkoholiker/innen ja sicher aus unseren eigenen Versuchen.

Hilfe anzunehmen, bedeutet ja, sich einzugestehen, Hilfe zu brauchen.
Wer gibt aber schon gern zu, etwas selbst nicht schaffen zu können?
Wie mein Titel bei den Lebensgeschichten schon sagt, sich Schwächen einzugestehen, kommt eben in unserer Gellschaft nichtt gut an.
Da dieser Gedanke durch den gesellschaftlichen Leistungsdruck bei vielen Menschen sehr ausgeprägt ist, macht er auch bei dem Thema Alkoholkrankheit nicht halt.

Für mich ist es aber eben keine Schwäche, sich Hilfe zu suchen, denn es geht um das eigene Leben und jeder hat nur ein Leben.

Was nützt es mir, mir vermeintliche Stärke einzureden, wenn ich dadurch viele weitere Jahre weiter saufe oder im Sarg lande?
Die eigentliche Stärke ist, Hilfe anzunehmen, auch wenn man sie anfangs vielleicht nicht versteht und seinen Leben wieder einen Sinn zu geben.

Wenn der Alkohol die Selbstbestimmung des eigenen Lebens nicht mehr möglich macht, egal wie viel oder wie wenig man trinkt, dann ist es Zeit, diese Selbstbestimmung wieder zu erlangen.

Dazu gibt es Hilfe, wie wir hier auch anbieten.

Wer aber immer denkt, keine Hilfe zu brauchen und es alleine schaffen möchte, wird es schwer haben.

Gruß
Karsten

Mario B.
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Re: Kann ich Hilfe annehmen?

Beitrag von Mario B. » 08.02.2019, 09:11

Hallo,

also für mich sind "Hilfe suchen" und "Hilfe annehmen" am Ende dann doch zwei verschiedene paar Schuhe.

Hilfe annehmen impliziert erst einmal das man Hilfe sucht. Und eine bestimmte Hilfe nicht annehmen impliziert dafür aber nicht automatisch dass man keine Hilfe mehr sucht.

Kontrolliertes Trinken z.B. ist im Grunde ja auch ein Hilfsangebot (ob dieses Angebot jetzt gut oder schlecht ist, ist eine andere Diskussion), jedoch nehme ich diese Hilfe nicht an. Uebrigens auch weil ich sie nicht verstehe.

Das heisst aber nicht automatisch dass ich weiterhin keine (Selbst)Hilfe mehr brauche.

Gruss,

Mario B.

Karsten
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Re: Kann ich Hilfe annehmen?

Beitrag von Karsten » 08.02.2019, 10:41

Hallo Mario,

wenn man eine bestimmte Hilfe nicht annehmen will, braucht man sich ja damit auch nicht beschäftigen.
Ich würde mich auch nie in einem Forum für´s kontrollierte Trinken austauschen, weil ich dieses Ziel nicht habe.

Gruß
Karsten

Elli21
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Re: Kann ich Hilfe annehmen?

Beitrag von Elli21 » 08.02.2019, 10:57

Hallo,

nach meiner Erfahrung haben Männer viel mehr das Problem, Hilfe nicht annehmen zu können, als Frauen.

Ob das nicht damit zusammenhängt, dass in vielen Menschen ganz tief verankert ist, Männer müssten immer stark sein, alles im Griff haben, nie eine Schwäche zeigen und immer ein Fels in der Brandung sein? Trotz allem gesellschaftlichen Wandel ist dieses Idealbild von einem Mann ja eigentlich noch immer in unseren Köpfen.

Wer Hilfe sucht und/oder annimmt, gesteht damit natürlich sich selber und anderen ein, dass er ein Problem allein nicht bewältigen kann. Das empfinden wohl viele Männer als Schwäche, obwohl es in meinen Augen eigentlich ein Zeichen von gutem Selbstbewusstsein ist, wenn man zu seinen Problemen steht.

Hilfe anzunehmen bedeutet auch immer, dem Helfenden etwas zu geben: Vertrauen, Wertschätzung, Anerkennung, Dankbarkeit. Es ist also eine Win-Win-Situation!

Natürlich bin ich in dieses Forum gekommen, weil ich Hilfe suche und auch annehmen will! Wozu sonst? :wink:

Gruß
Elli

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