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Ist man trocken ein besonderer Mensch?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Karsten
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Re: Ist man trocken ein besonderer Mensch?

Beitrag von Karsten » 05.03.2019, 13:41

Hallo Hartmut,

Nein, nicht weil es in mein Weltbild passt :) , sondern wie du schon im zweiten Satz geschrieben hast: Damit man nicht vereinsamt.

Gruß
Karsten

Sunshine_33
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Re: Ist man trocken ein besonderer Mensch?

Beitrag von Sunshine_33 » 05.03.2019, 14:17

Was Hartmut geschrieben hat, teile ich in etwa, denn schlechte aber auch gute Charaktereigenschaften, hatten wir ja schon früher.
Bedingt durch die Leistungsorientierung sind wohl Eigenschaften, wie Egoismus und sich selbst darzustellen, notwendig, um in der Gesellschaft mithalten zu können.

Nur sollten wir das für ein besseres Leben nicht ablegen?
Mein einziger Wunsch war, nicht mehr saufen zu müssen.
Es war NIE mein Ziel, ein besserer oder gar perfekter Mensch zu werden !
Ein "besseres Leben" habe ich bekommen, indem ich nicht mehr saufen muss.
Ganz ohne mein eigenes Zutun ist das allerdings nicht geschehen, einiges habe ich mir auch erarbeitet.
Vor meiner Alkoholabhängigkeit war ich übrigens durchaus ein hilfsbereiter und freundlicher Mensch, wenn vielleicht auch etwas unangepasst, aber ich habe damit niemand anderen beeinträchtigt.
Während der nassen Phase meiner Krankheit zeigte ich die üblichen Symptome und das übliche Verhalten.
Aber selbst da versuchte ich noch, hilfsbereit zu sein und auch möglichst freundlich.
Es gelang mir aber immer seltener, denn die Krankheit forderte auch bei mir ihren Tribut.
Dann gelang es mir, mit Hilfe trocken zu werden.
Und so konnte ich auch wieder zu jeder Tageszeit hilfsbereit und freundlich sein, ebenso auch zuverlässig und einiges mehr, mein Verhalten war nicht mehr von meiner Abhängigkeit gesteuert.

Ich habe aber sicher auch unangenehme Charaktereigenschaften.
So wie alle anderen Menschen auch. Darf ich mir sowas nicht zugestehen, nur weil ich jetzt eine trockene Alkoholikerin bin?
Für mich hat das eine mit dem anderen nix zu tun.
Ich darf ebenso Macken und Kanten haben und auch Schattenseiten, und darf auch unperfekt sein, sowie ich das jedem anderen Menschen auch zugestehe.

Ich fühle mich auch nicht als etwas besonderes, egal was irgendwelche Statistiken da sagen.
Ich lebe ein ganz normales Leben, mit guten und schlechten Zeiten, auf vieles habe ich gar keinen Einfluss, auf einiges aber schon.
Ich wollte auch nie etwas besonderes sein, weil ich die meist dazugehörige Imagepflege für sehr zeit-und energieaufwändig halte.
In dieser Zeit mache ich lieber was anders schönes, was mir Spaß macht :P
Ambitionen zum "besseren Menschen" (das Wort Gutmensch vermeide ich lieber, weil schon so ausgelutscht :roll: ) fehlen mir auch völlilg.
Ich bin für mich okay so wie ich bin.

Ach so, als Egoist wurde ich übrigens noch nie in meinem Leben bezeichnet. Selbst zu Saufzeiten nicht. Mag sich vielleicht komisch anhören, war aber so.

LG Sunshine

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