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Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Karsten
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Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Beitrag von Karsten » 08.06.2019, 09:32

Hallo,

ich möchte mal ein Thema aufmachen, wo es darum geht, dass mit zunehmender Zeit der Nüchternheit oder Trockenheit Risiken vielleicht besser zu meistern sind.

Ich bin da etwas anderer Meinung, auch wenn es natürlich stimmt, dass die Stabilität der Trockenheit eine Rolle spielt, die aber nicht nach einem Jahr entsteht, sondern eher nach vielen, vielen Jahren.

Das wir hier von riskannten Situationen im ersten Jahr abraten, hat damit zu tun, dass sich aus den Veränderungen der Gedanken ergibt, dass man dann soweit sein könnte, solche riskannten Situationen gar nicht mehr eingehen möchte.

Es bedeutet aus meiner Sicht also nicht, dass man sich nach zwei, drei Jahren oder zwei Jahrzehnten Trockenheit, nicht dem Risiko aussetzt, sondern dass man in dieser Zeit Lösungen entwickelt, die solche Risiken vermeiden.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Beitrag von Carl Friedrich » 08.06.2019, 11:08

Hallo!

Mit zunehmender Zeit denke ich weniger in der Kategorie Risiko ("da kann ich nicht hin, weil..), sondern empfinde eine Veranstaltung, bei der die Sauferei im Vordergrund steht, als Ort, an den ich nicht hin will, an den ich nicht gehöre, weil ich mich dort nicht (mehr) wohl fühle. Mich stoßen Sauf-Events mittlerweile völlig ab.

Mit zunehmender Zeit veränderte sich bei der Kreis meiner Privatkontakte. Ich treffe mich nur noch mit Leuten, die allenfalls moderat trinken und nicht mehr mit Schluckspechten wie ich selbst mal einer war. Bei den "Moderaten" stört und triggert mich deren geringer Konsum überhaupt nicht.

Aber in dieses Stadium bin ich erst langsam hineingewachsen, das geht nicht binnen weniger Wochen oder Monate. Das sehe ich als meine persönliche Entwicklung und Reifung.

Allerdings weiß ich, dass sich bei solchen Treffen Suchtdruck einstellen kann. Dafür habe ich mir ein Notfallprogramm zurecht gelegt: Sofortiger Ortswechsel und Befassen mit anderen Dingen, die mir Freude machen.

Ich weiß, das ich mit meiner Vorgehensweise kein allgemein gültiger Maßstab für andere bin, es handelt sich um meinen Weg, der für mich bisher genau richtig war.

Gruß
Carl Friedrich

Pellebär
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Re: Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Beitrag von Pellebär » 08.06.2019, 13:13

Moin

Ich bin von Anfang an überall hin gegangen, habe für mich kein Risiko gesehen, keine Verzichtsgedanken gehabt, sondern meine neue Freiheit genossen. In jetzt fast 11 trockenen Jahren, habe ich keinen Suchtdruck kennen gelernt.

Wichtig ist, ich fühle mich wohl in der jeweiligen Situation.

MfG PB

Waschbaer
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Re: Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Beitrag von Waschbaer » 08.06.2019, 13:28

Hallo Karsten,

Meine Überzeugung, für ein weiteres trocken führendes Leben, Risiken größtmöglich zu vermeiden.

Was ich noch für mich erweitern muss, ist die Tatsache,
nicht zu wissen wie mein Suchtgedächtnis auf ständig trinkende Menschen reagiert.
Auch heute verspüre ich noch oft und unerwartet den Wunsch nach Alkohol.
Auch ohne „Faust in der Tasche“ bleibe ich daher so lange wie möglich trinkenden Menschen fern.
Ich führe heute ein meist zufriedenes trockenes Leben.
Leichtsinn oder auch stabile Überschätzung könnte es schnell zu Nichte machen.

Lieben Gruß
Nobby :wink:

Karsten
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Re: Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Beitrag von Karsten » 08.06.2019, 13:39

Hallo Nobby,

gerade darum geht es mir.
Manchmal lese ich hier, dass man glaubt, so oder so lange trocken zu sein und dann kann man überall hingehen, ohne dass das Suchtgedächtnis anspringen würde.

Nicht umsonst heisst es ja, nur nichts trinken reicht nicht. Es geht um eine Entwöhnung, die man sich ja über Jahre oder Jahrzehnte angeeignet hat und nun muss die Alkoholentwöhnung nicht nur im Körper, sondern vor allem im Geist stattfinden.

Ist für mich so, wie mit dem Austausch hier. Manche glauben, es irgendwann geschafft zu haben und dann die Verganhenheit hinter sich lassen zu können. Ich denke da anders und werde immer auf der Hut sein.
Das Erste was ich damals in realen SHG hörte ( Internetgruppen gab es ja noch nicht ), überlege dir keine Ausreden, warum man nicht zur Gruppe gehen kann, sondern handel und gehe hin.
So sehe ich das auch mit dem eingehen von Risiken. Werde ich leichtsinnig und vergesse, fühle mich zu sicher, werde ich schneller wieder saufen, als ich schauen kann.
Wir sind nicht geheilt, sondern haben nur einen Weg gefunden, ohne Alkohol leben zu können.

Gruß
Karsten

Dhyana
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Re: Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Beitrag von Dhyana » 08.06.2019, 16:41

Hallo,
ich bin ja noch nicht ein Jahr trocken, noch 2 Monate .... werde aber hoffentlich immer aufpassen und Risiko Situationen vermeiden.
Mir kommst du pellebär, wie die Ausnhame vor, die die Regel bestätigt... kein einziger Suchtdruck in 11 Jahren, trotz überall mitgehen, wo getrunken wird... ich bin erstaunt. Ich kann das nicht, ich habe in den ersten Wochen gemerkt, wenn jemand in meiner Anwesenheit trank, ich später Gelüste bekam oder von Alk. träumte. Ich werde es beobachten in Zukunft und sobald es wieder so auftritt, Abstand nehmen von solchen Situationen. Es erleichtert mein Leben, die Sucht bleibt, egal wie lange ich nicht trinke. Also bleibt auch das Suchtmittel für mich gefährlich. Und bestimmte Situationen auch, wo viel getrunken wird. Ist dann aber kein Verzicht, sondern ein Gewinn für meine Gesundheit, mein Leben und meine Abstinenz.
Schönes Tägli noch
dhyana

Cadda
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Re: Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Beitrag von Cadda » 08.06.2019, 18:00

Hallo zusammen.

Ich habe keine Lust auf Partys, wo es nur ums Saufen geht. Aber generell meide ich Veranstaltungen nicht, wo Alkohol getrunken wird, wenn ich gerade Lust habe, wegzugehen, mit Freunden, die ich nach wie vor habe. Die Kumpels, wo es nur ums Saufen ging, sind Vergangenheit. Meine richtigen Freunde sind keine Alkoholiker und ich gehe zu deren Geburtstagsfeiern und besuche auch Veranstaltungen mit ihnen.

Ich bin weder neidisch, dass die Anderen trinken und ich nicht, noch habe ich Verzichtsgedanken. Im Gegenteil. Ich genieße meine gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit und freue mich riesig, dass ich auch ohne Alkohol Lust habe auf Musik, Tanzen und mit Freunden klönen und Leute treffen.

Ich möchte das auch nicht als allgemein richtigen Weg sehen. Wenn meine Gedanken sich verändern würden, würde ich nicht mehr weggehen. Wenn ich während einer Feier merken würde, dass es mir nicht gut tut, würde ich gehen und vermutlich beim nächsten Mal genauer überlegen, ob ich lieber zu Hause bleibe.

Ich beobachte und reflektiere mich ständig selbst.
Ich bin einfach glücklich so, wie mein Leben jetzt verläuft.

Karsten
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Re: Risiken im ersten Jahr meiden und dann?

Beitrag von Karsten » 08.06.2019, 18:27

Hallo,

es geht ja auch nicht darum, ein völlig isoliertes Leben zu führen.
Auch wenn wir kein Alkohol mehr trinken, gehört der Alkohol zum gesellschaftlichen Leben und das müssen wir auch akzeptieren.

Gruß
Karsten

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