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Erkenntnis Alkoholiker 2.0

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

Moderator: Moderatoren

Penta
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Re: Erkenntnis Alkoholiker 2.0

Beitrag von Penta » 09.07.2020, 19:45

Hallo Hartmut,
Es kann keine Erkenntnis reingedrückt werden.
Darin lag für mich die Krux.
Einerseits haben sehr wohl äußere Einflüsse den Impuls dafür gesetzt, dass ich nass über mein Trinkverhalten nachdachte und aufhörte. Andere hatten wohl erkannt, dass bei mir "etwas" nicht stimmt. Andererseits gab es nach meinem Aufhören Äußerungen dahingehend, dass ich doch keine "echte" Alkoholikerin sein würde, die mich zum Glück nicht in das Bockshorn jagten, dass ich doch irgendwie mit Alkohol umgehen könnte. Diese Leute haben offenbar erkannt, dass ich keine echte Alkoholikerin bin.
Es waren beides fremde Erkenntnisse.
Ich muss sagen, so ganz ohne äußere Einflüsse kam ich nie zu irgendeiner Erkenntnis. Manche Reaktionen auf meine Fragen oder Äußerungen hier im Forum und anderswo brachten mir Anworten und eigene Erkenntnisse. Als ich begriffen hatte, dass ich nur trocken werden kann, wenn ich erkenne, dass ich eine waschechte Alkoholikerin bin (weil ich es erst ab da ernst nehmen werde), waren die weiteren Schritte für mich unausweichlich und recht klar.
Hätten mir in meinen frühen Anfangstagen wichtige Menschen gesagt, dass mein Trinkverhalten "normal" war, hätte ich vielleicht tatsächlich wieder getrunken. Das ist für mich ein Indiz dafür, dass sich meine eigene Erkenntnis Alkoholikerin zu sein, erst nach meinem Trinkstopp entwickelte. Der Zeitpunkt ist mir heute nicht wichtig, denn sie kam zum Glück irgendwann.

Viele Grüße, Penta

woko
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Re: Erkenntnis Alkoholiker 2.0

Beitrag von woko » 13.08.2020, 16:36

Das ich Alkoholiker bin wusste ich schon die letzten 5-6 Jahre, vor der Entgiftung. Aber ich brauchte Druck von außen, von mir selbst aus wäre ich den Weg in die Trockenheit nicht Gegangen. Ziemlich Zeit nah, bekam ich Druck von meinen Arbeitgeber, Ehe Frau und Hausarzt.
Mein erster Weg führte mich in die Suchtberatung, nach vier Sitzungen hieß es Langzeittherapie oder Beendigung der Beratung.
Ein erster anstoß, denn mir wurde klar das meine Sucht größer ist als ich dachte. In der Orienttierungsgruppe waren Trinker die schon schwer abgestürzt sind. Zur Entgiftung zu gehen war dann meine Entscheidung, von Anfang galt ich als Suizidal und hatte keinen Ausgang. Musste in der Klinik bleiben bis zum Termin in der Entwöhnungsklinik. In der Langzeit ist mir klar geworden, "ich will dauerhaft trocken werden und werde alles dafür machen". Es war für mich ein langer Weg von der Erkenntnis zum Ziel der absoluten Abstinenz. Unterstützung bekam ich von meiner Familie, echte Freunde, meinen Arbeitgeber und der Blau Kreuz Gruppe.
In dem Dorf wo ich lebe und aufgewachsen bin, wissen alle von meiner Sucht und Niemand hat deswegen beleidigt.
Natürlich will ich mein Gesicht im Dorf/ Gemeinde verlieren. Das ist ein wichtiger Baustein für meine Trockenheit.

Liebe Grüße,
woko

Peter1956
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Re: Erkenntnis Alkoholiker 2.0

Beitrag von Peter1956 » 06.09.2020, 12:57

Hallo, ich bin jetzt 64 und trinke seit fast einem halben Jahrhundert. Mein Hausarzt hat trotz regelmäßigen Blutuntersuchungen noch nichts davon mitbekommen - er war überrascht als ich ihm das vor 14 Tagen gesagt habe.
Ich weiß schon lange, daß ich Alkoholiker bin. Mindestens seit ich heimlich im Keller oder 1 kleine Flasche oder Dose in der Supermarkttoilette trinke. Meine Frau hat mich auch schon vor 3 Jahren darauf angesprochen. Und ich habe weiter getrunken, weil damit keine Probleme verbunden waren. Ich kann es mir finanziell leisten und in der Firma trinken viele in der Mittagspause.
Meine Enkelin kommt nächstes Jahr in die Schule und meine Tochter (Sie hat es vor 3 Wochen so richtig mitbekommen) hat mir gesagt sie würde ihre Tochter nicht in den Ferien zu mir lassen wenn ich weiter trinke.
Erst jetzt hat es klick gemacht und ich bin seit 2 Wochen trocken. Ich besuche eine Selbsthilfegruppe und strebe eine REHA an.

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