Entscheidung getroffen

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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kampfgeist
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Entscheidung getroffen

Beitrag von kampfgeist » 29.12.2017, 17:50

Hallo liebe Angehörige, ich bin neu hier und möchte meine Geschichte die meines 39 Jahre Sohnes und mir erzählen. Aktuell habe ich meinem Sohn heute morgen gesagt, dass er mich erst wieder anrufen kann, wenn er aktiv was gegen seine Suchterkrankung unternimmt. Das ist mir sehr schwer gefallen und mir geht es überhaupt nicht gut. Mache mir Sorgen das er jetzt völlig abstürzt. Wobei er schon soviel schlimme Abstürze in seiner Trinkerkarriere hatte. Aktuell Mitte November. Der Notarzt hat ihn in seiner Wohnung mit fast 5 Promille gefunden und eingewiesen. Wenn er nicht so frühzeitig gefunden worden wäre, wäre er jetzt wahrscheinlich tot. Nach ca. 2 Wochen fing dann die Trinkerei wieder an. Erst Bier dann dazu Wein. Jetzt ist er wieder bei den harten Sachen angekommen und ich denke es dauert nicht lange dann wird man ihn wieder finden halb lebendig oder tot. Bis gestern hat er mich jeden Tag angerufen, manchmal bis zu 14 mal am Tag, weil er mit irgendwas nicht klar gekommen ist, oder sich geärgert hat. Ich bin eine wandelnde SHG, Therapeutin, Ärztin. Er klammert sich an mich wie an seinem letzten Strohhalm und ich halte ihn fest. Das ist nicht gut. Ich wollte nicht wahr haben, dass ich ihn nicht trocken legen kann. Ich habe mir eingeredet, wenn ich mit Liebe und Verständnis agiere kommt er zur Besinnung. Er ist so ein toller Kerl, wenn er nicht trinkt. Aber letztendlich hat immer der Alkohol gesiegt. Gegen den Alkohol habe ich keine Chance, dass habe ich gestern begriffen und hautnah gespürt. Seine Exfreundin hatte ihm zugesagt, dass er seit langer Zeit seine 3jährige Tochter wiedersehen darf. Sie wollten zusammen in den Zoo gehen. Die Kleine hängt sehr an ihrem Vater und hat sich natürlich tierisch gefreut. Ich hatte ihm noch gesagt, dass er auf keinen Fall trinken darf, wenn er zu diesem Treffen geht. Habe aber schon an seiner Stimme gehört, dass er stark angetrunken war. Meine schlimmsten Befürchtungen haben sich dann bewahrheitet. Er ist am Bahnhof eine Treppe runter gestürzt, kam dann stark blutend bei dem Auto der Exfreundin und seiner Tochter an. Die Kleine hatte einen Schock und fing an zu weinen und die Exfreundin hat angefangen herum zu schreien und ihn aus dem Auto geworfen. Als mein Sohn mir das erzählt hat, war ich total schockiert. Aus lauter Verzweiflung habe ich die Sache noch verharmlost. Habe von einem Unfall gesprochen, dass das Jedem passieren könnte usw. Aber nach genauerem Überlegen wurde ich unheimlich wütend, weil ich gemerkt habe, dass bei mir eine Grenze erreicht ist. Das Kind hatte Angst. Dieses Gefühl konnte ich total nachvollziehen, da ich selber aus einer alkoholkranken Familie stamme. Ich hatte auch als Kind vor meinem trinkenden Vater Angst. Es war total verantwortungslos von der Mutter, mit dem Kind zu dem trinkenden Vater zu fahren. Vor allen weil sie immer gesagt hat, dass er nur ein Umgang mit dem Kind bekommt, wenn er trocken ist. Und von meinem Sohn verantwortungslos, dass er trinkt, wenn er zu seiner Tochter fährt. Und das habe ich ihm heute morgen erklärt, dass ich sowas nicht mittrage und er was gegen seine Sucht unternehmen muss. Sonst bin ich weg. Wenn er ernsthaft vor hat trocken zu werden, bekommt er jegliche Unterstützung von mir.
Ich hoffe das mein Beitrag gelesen wird, da ja die anderen Beiträge in diesem Forum schon ziemlich alt sind. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, dass schreiben hat mir schon für heute geholfen.

Danke an Euch Allen :wink:

Linde66
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Beitrag von Linde66 » 30.12.2017, 02:41

Hallo kampfgeist,

ich habe auch schon deinen Beitrag im Vorstellungsbereich gelesen. Das ist ein ziemlich dicker, schwerer Packen, den du da beackerst. :?
Mache mir Sorgen das er jetzt völlig abstürzt.
Die Sorge kann ich nachvollziehen. Aber wenn man bei den Alkoholikern hier mitliest, dann findet es sich oft, daß sie erst nach dem völligen Absturz, dem absoluten Tiefpunkt, dem Verlust von Familie, Auto, Arbeitsplatz u. ä. endlich "aufwachen" und etwas für sich tun. Aber leider ist es manchmal so, daß nach dem völligen Absturz der nächste furchtbare Absturz folgt, bis zum bitteren Ende. Die Alkoholkrankheit ist tödlich und noch so viel Liebe und Hilfe von Angehörigen kann sie nicht stoppen. Das kann nur derjenige selber.

Wenn man bei den Co-Abhängigen liest, dann wird oft geraten sich zu trennen und sein eigenes Leben zu leben, inkl. neuem Partner... Wie unglaublich viel schwerer mag es sein, sein eigenes Kind loszulassen? Ist zwar ein erwachsenes Kind, aber die Verbindung ist sehr eng.

Ich bin EK, also erwachsenes Kind. Meine Mutter trinkt, ich nicht. Einen neuen Partner kann man sich suchen, aber keine neue Mutter. Also heißt es: bei sich bleiben und sie akzeptieren wie sie ist, mit all ihren verqueren Entscheidungen. Auf der Basis habe ich mit ihr einen ganz guten und auch liebevollen Kontakt. Dem Voraus gingen aber mehrere Jahre Abstand, in denen ich absolut keinen Kontakt hatte. Ich war von Kind an dermaßen verquirlt in diese Co-Abhängigkeits-Mühle, daß ich erst mal zu mir kommen mußte. Und das ging nur aus der Ferne. So kam ich mir nah. Schwer zu erklären. Jedenfalls kann ich jetzt wieder mit ihr reden, weil ich die Helferitis komplett abgelegt habe. An guten Tagen (wenn ihr Spiegel niedrig ist) gibts gute Gespräche, an schlechten Tagen (wenn ihr Spiegel hoch ist), bin ich nach 2 Minuten aus der Wohnung draußen und hake es für den Tag ab.

Im Moment ist in dieser Ecke des Forums leider nicht viel Austausch. Aber als ich damals hier ankam, schrieb ich bei den Erwachsenen Kindern, da war auch nicht so viel wie bei den Alkoholikern. Ich habe aber gemerkt, daß es mir schon geholfen hat, wenn ich einfach für mich geschrieben habe. Dadurch habe ich mein Wirrwarr im Kopf sortieren und nachlesen können.

Lieber Gruß, Linde

kampfgeist
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Beitrag von kampfgeist » 30.12.2017, 11:55

Danke Linde für deine tröstenden Worte.
Ich muss ständig weinen und weiß nicht wo das her kommt. Habe heute morgen doch mit meinem Sohn telefoniert. Wollte wissen wie es ihm nach dem Sturz geht. Fazit: Daumen ausgerengt, Gips, Nase gebrochen und eine Gesichtsprellung.
Nase gebrochen ist nicht das erste Mal, dass kenne ich schon.

Ich habe gestern einen Termin mit meiner früheren Therapeutin abgemacht. Da gehe ich jetzt im Januar hin. Ich möchte für mich einen Mittelweg finden eine liebevolle Beziehung zu meinem Sohn pflegen (ich weiß ja nicht wie lange er noch lebt) aber dabei nicht selber untergehen. Meistens gelingt es mir ihn so zu aktzeptieren wie er ist und kann gut damit umgehen. Wenn ich aber merke er lallt nur noch oder ruft mich Nachts an, dann lege ich auf, weil ich ihn sowieso nicht erreiche.

Danke

Martin

Beitrag von Martin » 31.12.2017, 16:24

Hallo Kampfgeist,

ich finde es toll dass du bereits weisst was du möchtest und was nicht.

Du hast schon erkannt dass du ihn nicht trockenlegen kannst, das kann niemand, nur er.

Ich bin Alkoholiker und habe ca. 20 Jahre gesoffen, meine Eltern konnten mich da auch nicht von abhalten.

Eines Tages war der Punkt und ich ging zum Arzt um mir eine Einweisung zu holen.

Mit der bin ich zum Entzug in die Klinik, das ist jetzt 14 Jahre her.

LG Martin

Linde66
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Beitrag von Linde66 » 24.01.2018, 02:33

Hallo Kampfgeist,

hattest du schon deinen Termin und wenn ja, wie war das Gespräch?

Ich habe öfters an dich gedacht, wie es dir geht.

Lieber Gruß, Linde

Karsten
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Re: Entscheidung getroffen

Beitrag von Karsten » 22.05.2018, 10:18

Hallo Kampfgeist,

wie geht es dir denn zur Zeit?
Konntest du für dich schon was erreichen?

Gruß
Karsten

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