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wertschätzende Kommunikation

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Penta
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Penta » 13.08.2018, 19:46

Da muss ich nochmal ergänzen:
Ich mag es auch nicht so, mir jedes Wort überlegen zu müssen, um darüber nachzudenken, wie es beim Gegenüber ankommt.
Das tu ich nicht. Ist mir viel zu anstrengend.
Wertschätzende Kommunikation bedeutet nicht, anderen nach dem Mund zu reden.
Wertschätzende Kommunikation, und damit komme ich auf meinen Anfang hier zurück, bedeutet an erster Stelle Zuhören.
Sobald ich das wirklich mal hinkriege, kommt der Rest fast von allein.
Wie gesagt, klappt nich immer.

viola
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von viola » 13.08.2018, 20:25

Hallo,

für mich ist wertschätzende Kommunikation völlig unabhängig davon, ob jemand emotional ist oder nicht.
Ich kann doch ein GefühlsMensch sein und trotzdem – oder gerade deshalb – wertschätzend kommunizieren. Wieso sollte sich das ausschließen?
Es hat für mich auch nichts mit Bildung zu tun. Es gibt sehr einfach gestrickte Menschen, die sehr gut zuhören können und riesige Antennen für ihre Mitmenschen haben, und es gibt die, die ständig mit Fachwörtern um sich hauen , aber deswegen nicht weniger wertschätzend unterwegs sein müssen. Hoffentlich kann es ja Umfeld dann auch wert schätzen, welche Mühe sie sich geben. Kommt halt immer auf das Umfeld an.
Es gibt auch die geistig verarmten, die gar nicht wissen wovon wir sprechen, und es gibt die arroganten, die andere immer nur verletzen müssen, weil sie selber mit sich nicht klarkommen.
Eine Kommunikation, die den anderen wert schätzt, sollte aber immer halt den anderen im Blick haben. Eine Runde mehr zu überlegen kann da nicht schaden, habe ich festgestellt. Das hat nichts mit verkopft sein zu tun, sondern halt mit Wertschätzung.

LG Viola

Hull

Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Hull » 13.08.2018, 22:18

"Wertschätzend" impliziert, dass das Gesagte des Gegenübers einen gewissen Wert für mich hat, denn sonst würde das Gespräch höchstens aus diplomatischen Gründen geführt werden - was leider eher die Regel anstatt Ausnahme darstellt. Ein Gespräch auf Augenhöhe ist selten und im Prinzip auch unrealistisch, da die Gesprächspartner niemals den gleichen Kenntnisstand haben, bzw. eine ebenbürtige Macht der Sprache beherrschen. Es ist wohl ganz normal, dass Person A die Rolle des Schülers und Person B die Rolle des Lehrers einnimmt, diese Rollen können natürlich ständig und ebenso plötzlich wechseln, aber im Grunde ist alles einfach zu definieren. Gespräche auf Augenhöhe mag es über belanglose Themen ohne tieferen Sinn geben, aber dann stellt sich natürlich wieder die Frage, wozu diese geführt werden sollten.

Für mich persönlich ist es eher eine Seltenheit, dass ich das Gefühl habe, der Gegenüber wäre mir überlegen - dies mag dann natürlich dazu beitragen, dass der Gegenüber sich unverstanden fühlt und folglich mit Fleiß Dominanz ausstrahlen möchte, anstatt durch Intellekt zu überzeugen (Stichwort: Eitelkeit). Natürlich gibt es Gesprächspartner, bei denen ich nach wenigen Sekunden weiß, dass ich mit meinem Kenntnisstand, meiner Erfahrung, meiner Ausdrucksweise, meiner Fantasie, meinen Zielen, meinem Ehrgeiz usw. haushoch unterlegen bin - aber dann gibt es zwei einfache Möglichkeiten, ich lerne von dieser Person oder ich sehe ein, dass im Leben nicht alles erreichbar ist. (Letzteres ist wahrlich eine abscheuliche Erkenntnis :wink: )

Karsten
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Karsten » 13.08.2018, 22:53

Hallo Hull,

ich meine nicht, die Augenhöhe auf dem Wissensstand, sondern die Augenhöhe bezogen auf den Respekt zueinander.
Nur weil jemand studiert hat, muss er nicht auf allen Gebieten mehr wissen als ich.
Manchmal ist Erfahrung mehr als ein Zettel aus der UNI.
Hatten wir bei der Armee.
Ein frisch studierter Unterletnant, aber von der Praxis Null Ahnung.

Gruß
Karsten

Penta
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Penta » 14.08.2018, 05:25

Hallo,

ich verstehe die wertschätzende Kommunikation so, dass niemand durch irgendwas "überzeugen" muss. Gerade das bleibt bei der wertschätzenden Kommunikation außen vor.
Niemand muss durch Wissen, Redegewandtheit, Bildungsabschlüsse, Hab oder Gut irgendwen "überzeugen".
Der wertschätzenden Kommunikation, von der ich hier schrieb, ist Überlegenheit, Dominanz o.ä. fremd.
Eine Kommunikation, bei der Wettbewerbe um irgendeinen Status (auch wenn sie bei einem der Beteiligten innerlich stattfinden!) ausgetragen werden, ist für mich nicht wertschätzend.
Ich bin da ganz und gar bei Viola:
Eine Kommunikation, die den anderen wert schätzt, sollte aber immer halt den anderen im Blick haben.
Schönen Tag,
Penta

viola
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von viola » 14.08.2018, 05:42

Guten Morgen,

Dein Beispiel Karsten, mit dem früh studierten Unterleutnant, passt für mich hier nicht so ganz. Du schreibst jedenfalls nicht, wie er sich verhalten hat, ob er alles besser wissen wollte oder arrogant war etc.
Allein die Tatsache, dass er frisch von der Uni kam, in eine Truppe hinein, wo erfahrene soll Daten dienten, hat mit wertschätzender Kommunikation noch nicht viel zu tun.
Und wie wurde mit ihm kommuniziert? Hatten die anderen Verständnis dafür, dass er nichts wusste? Oder wurde er dafür sofort ausgegrenzt? Kommunikation auf Augenhöhe konnt könnte in so einem Zusammenhang zum Beispiel sein, dass der frisch studierte davon ausgeht, dass die anderen Mir wissen, dass er also fragt zum Beispiel, und dass diese anderen aber ihn auch fragen, offen ihm gegenüber sind und davon ausgehen, dass ihm mehr erklärt werden muss als anderen, die schon sechs Monate da sind.
Hull, die abscheulichen Erkenntnisse sind manchmal die besonders wichtigen. ;-)

LG Viola

Karsten
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Karsten » 14.08.2018, 07:11

Guten Morgen Viola,

stimmt, war ein nicht so gutes Beispiel. :D

Gruß
Karsten

Hull

Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Hull » 14.08.2018, 08:11

Karsten hat geschrieben:
13.08.2018, 22:53
Hallo Hull,

ich meine nicht, die Augenhöhe auf dem Wissensstand, sondern die Augenhöhe bezogen auf den Respekt zueinander.
Nur weil jemand studiert hat, muss er nicht auf allen Gebieten mehr wissen als ich.
Manchmal ist Erfahrung mehr als ein Zettel aus der UNI.
Hatten wir bei der Armee.
Ein frisch studierter Unterletnant, aber von der Praxis Null Ahnung.

Gruß
Karsten
Hallo Karsten,

gut, "Respekt zueinander" ist der nächste Begriff, dessen Sinn und Inhalt sich nun jeder zusammenreimen kann, wie er es für richtig hält. Es wurde eingangs erwähnt, dass du den Raum verlässt, falls dein Gegenüber dich von oben herab behandelt; drehen wir den Fall um und du merkst, dass dein Gegenüber keinerlei Ahnung von deinem Thema hat und es völlig aussichtslos erscheint, etwas zu erklären, der wahre Sinn deines Anliegens wird nicht begriffen und je mehr du erklärst, desto oberflächlicher wird das Gespräch. Wie verhältst du dich dann? (Dabei spielt es keine Rolle, wie kompliziert die Angelegenheit zu sein scheint, da dies letztlich relativ ist.)

Zum Thema Studium: Für mich spielt das tatsächlich keine Rolle, allerdings merke ich früh, ob der Gegenüber sehr wahrscheinlich studiert hat und nehme diese Information auf. So geschieht es, dass der Gegenüber dann automatisch auf allen Gebieten, die das Studium betreffen, eher den Schüler einnimmt (was du - ohne dass überhaupt jemand von einem Studium gesprochen hat, in deinem Beitrag auch getan hast, ja sogar einen vermeintlichen Beweis bringst, der darauf hinweist, dass es Fachidioten gibt und der praxisbezogene und erfahrene Soldat auch als Lehrer auftreten kann).

Grüße

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