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Können Angehörige wieder vertrauen?

Jede Woche mindestens ein neues Thema zu Themen der Co-Abhängigkeit, für Angehörige und Kindern von alkoholkranken Eltern

Moderator: Moderatoren

Carl Friedrich
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Carl Friedrich » 08.09.2018, 19:43

sue05 hat geschrieben:
08.09.2018, 19:16
ob es vielleicht sein kann, dass sich Deine Feindseligkeit und Deine Wut auch an Dich selbst richtet? Weil Du es so lange zugelassen hast, dass Dein Ex Dein Vertrauen so missbraucht hat? Und Du Dich vielleicht fragst, ob Du selbst nicht früher etwas für Dich hättest tun können?

Ich bin nämlich der Ansicht, dass das, was uns an anderen stört oder wütend werden lässt, immer auch etwas ist, was mit uns selbst zu tun hat...
Hallo!

Klasse Beitrag. Das ging mir auch schon bei Yvonne durch den Kopf.

Hinzu tritt ihre Wut (Eifersucht?) auf eine "Oma", die jetzt mit dem Ex liiert ist. Solche Äußerungen fallen auch auf den Absender zurück.

Zurück zum eigentlichen thread: Wichtig ist, dass der Alkoholiker, sobald er festen Boden unter den Füßen hat und nicht mehr so wackelig wie zu Beginn unterwegs ist, sich bei seiner Familie, vor allem seinem Partner und Kindern, in aller Form für alles das, was er/sie ihnen angetan hat, aufrichtig entschuldigt. Diese Entschuldigung sollte mit entsprechenden Taten untermauert werden, die eigene Trockenheit konsequent zu verfolgen.

Gruß
Carl Friedrich

Pellebär
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Pellebär » 08.09.2018, 19:48

Moin Yvonne,

ja, deine Verletzungen sind wirklich. Aber du hast dich verletzen lassen, deine Verantwortung​ für​ dich auf den Alkoholiker​ abgewälzt. Du willst, dass er sich so verhält, dass es dir gut damit geht. Hast du dich mal gefragt wo seine Verletzungen sind, wie er unter deinem Hass leidet?

Sei sicher, der Alkoholiker​ leidet unter seiner Sucht. Auch Hass zerstört Hirn und Emotionen.

Eine kaputte Beziehung hat immer mit beiden Beteiligten zu tun.

Ich wünsche dir Gelassenheit.

PB, die beide Seiten kennt und sie gut gemeistert hat

Yvonne78

Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Yvonne78 » 08.09.2018, 20:58

@Sue

Deine Ansätze sind völlig richtig: natürlich bin ich auch wütend über mich....was hätte ich im Nachhinein alles anders machen können und darüber zerfleische ich mich noch. Dennoch ist an der Tatsache nicht zu rütteln, daß mein Mann mich belogen und betrogen hat, während ich an unserer gemeinsamen Zukunft gearbeitet habe. Da er sich jetzt ohne Alkohol noch schlimmer verhält als mit, was widerum auf einen Charakter hinweist, den ich so nie geheiratet hätte....na so im Nachhinein. Letzlich ist passiert was passieren musste und ich wiederhole mich: das, was ich fühle ist die Antwort auf einen alkoholkranken Mann. Ich war vorher nie so...frag Mutti :-)
@Carl Seine neue, alkoholkranke*Oma* ist, was er offensichtlich braucht und verdient. Der Rückfall ist vorprogrammiert, denn er hat noch nie irgendwas lange durchgehalten. Mir ist es inzwischen egal und was da auf mich zurückfällt oder nicht...wen juckts. Ich kann nunmal für diese Person keine andere Bezeichnung finden...sie ist eine Säuferin ohne Anstand.
Eine Entschuldigung wird niemals folgen, denn er ist sich keiner Schuld bewusst. Er hat mein Unternehmen komplett ruiniert, mein Firmenauto zerfahren und mich mit den Schulden hocken lassen...und seinem Kind. Bis heute hat er keine Reue empfunden. Eine Entschuldigung erfordert Selbstreflektion und die hatte er noch nie. Ja ich finde, da kann ich wütend sein.
@Pellebär: wenn die Beziehung mit einem Alkoholiker zerbricht, dann müssen nicht zwangsläufig beide Schuld sein. Meine Schuld liegt höchstens darin, daß ich ihn mit aller Kraft vom saufen abhalten wollte. Und sei mir nicht böse...mein Hass auf ihn entstand erst nachdem er uns einfach verlassen hat ( ich hatte ja dann ausgedient ) und es ist mir sowas von egal wie er sich damit fühlt....denn ich weiß, daß es ihm am Allerwertesten vorbei geht ob ich ihn hasse oder nicht. Ihm ist alles egal...Hauptsache er ist zufrieden und ich gehe ihm nicht mehr auf den Keks wegen der Trinkerei.

Ich weiß, daß sich alles von mir liest als sei ich eifersüchtig oder gekränkt. Aber wirklich geht es weit darüber hinaus...weit über alles, was ich jemals fühlen musste. Der Mensch, für den man sein Leben gegeben hätte, tritt einen in den Dreck, als wäre man Nichts. Das verarbeitet man nicht in ein paar Tagen und von verzeihen oder Ähnlichem kann schon gar nicht die Rede sein. Aber wenigstens stehe ich zu dem, was sich in mir tut und tue nicht so, als wäre alles nicht so schlimm.

Carl Friedrich
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Carl Friedrich » 08.09.2018, 22:30

Hallo Yvonne!

Deine Situation ist nicht mit der meinen oder der von Sunshine vergleichbar. Im Gegensatz zu deinem Ex haben wir uns aus dem Klammergriff des Alkohols befreien können. Daher haben unsere Angehörigen einen etwas anderen Blickwinkel als Du, weil wir wirklich und nachweisbar etwas für uns und unsere Beziehung unternommen haben.

Evt. wäre dein Auftritt hier ein anderer, wenn Dein Ex aktiv an seinem Problem arbeitete. So säuft und "vergnügt" er sich weiter.

Gruß
Carl Friedrich

Mario B.
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Mario B. » 08.09.2018, 23:05

@Carl Friedrich

nach dem was ich alles zu dieser Geschichte lesen konnte säuft der Mann aber eben angeblichr nicht mehr weiter seit seiner Rückkehr aus der Langzeittherapie.

Gruss,

Mario B.

Sunshine_33
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Sunshine_33 » 08.09.2018, 23:22

Evt. wäre dein Auftritt hier ein anderer, wenn Dein Ex aktiv an seinem Problem arbeitete. So säuft und "vergnügt" er sich weiter.
Also wenn ich das bisher richtig mitgeschnitten habe, trinkt ja der Ex von Y. momentan nicht, ebenso wenig wie seine neue Partnerin (hier nachfolgend immer wieder auf abwertende Art und Weise als "Oma" betitelt), lieber C.F.
Und ob er nicht an seinen Problemen arbeitet, weiß man ja auch nicht, er schreibt hier ja nicht selbst :wink:
Wir alle standen auch mal am Anfang und ich für meinen Teil hoffe für JEDEN, das es so bleibt.
Die hohe Rückfallquote ist mit aber auch bekannt.
Aber der MOMENTANE Stand ist (wenn ich das richtig verstanden habe), das der Ex von Y. NICHT trinkt !
Das aus Y. Sicht keine Chance besteht, das es auch so bleibt, ist ja ihre Meinung. Sie darf ja denken, was sie will.
Aber Fakt ist doch momentan, das er seit seiner Therapie trocken ist !
Habe ich das falsch verstanden, möge man mich bitte korrigieren.

Das "Problem" ist doch hier eher, das es nicht sein SOLL, das er trocken bleibt, ohne Y. !
Das "darf" doch nicht sein, wo sie doch so dafür gekämpft hat, das er trocken wird und nun sozusagen eine Andere die Früchte einfährt.
Es ist hier etwas passiert, was auch vielen anderen schon so passiert ist, nämlich, das der XY nüchtern die Beziehung nicht mehr will.
Weil er sieht, das es vorn und hinten nicht passt und man besser getrennte Wege geht.
Sorry, aber das DARF MAN ! Es gibt hier keine Leibeigenschaft mehr, jeder Mensch darf selbst entscheiden, wie und mit wem er sein weiteres Leben verbringen möchte.
Und selbstverständlich darf das auch ein CO !!

Das es weh tut, ausgebootet zu werden, ist wohl kaum ne Frage. Das ist auch echt verletzend.
Ich weiß auch selbst aus eigener Erfahrung, wie sich sowas anfühlt.
Aber trotzdem gehört einem der Partner nicht ! Der darf sich so entscheiden !
Ich lese hier oft was von großer Liebe, aber wehe, der andere tut etwas, was einem nicht in den Kram passt.
Oder trennt sich gar.
Dann wird die große Hass-Schublade aufgezogen und ein Eimer Schei*sse nach dem anderen über den Ex oder die Ex ausgeschüttet.
Ich finde so ein Verhalten furchtbar und auch echt gruselig.
Und ich denke mir dann auch so meinen Teil über die Personen, die sowas tun.
Die Gedanken sind schließlich immer noch frei...
Wenn so schnell aus Liebe Hass wird, dann war da wohl auch vorher kaum mal wirkliche Liebe.
Denn wenn man einen Menschen wirklich mal geliebt hat, dann lässt man ihn auch gehen und sein Leben so leben, wie er das für richtig hält.
Auch wenns weh tut.
Vielleicht nicht gleich mit den allerbesten Wünschen für die Zukunft, aber wenn sich die Wut gelegt hat und der Hass verraucht ist,
dann sollte man vielleicht auch mal in diese Richtung denken.
So man denn die Größe dazu hat...
Leider steht aber vielen die gekränkte Eitelkeit im Wege dabei, die gern mit allerlei Berichten über die Missetaten des Ex verschleiert wird.
Denn auch darum geht es, und nicht nur um das erlittene Leid in einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker.
Das dieses vorhanden ist, bestreitet hier sicher niemand.

So, das mal dazu.
LG Sunshine

Yvonne78

Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Yvonne78 » 09.09.2018, 06:57

Also Sunshine,

ich hab ja nun wirklich so ziemlich alles hier zum Besten gegeben, was passiert ist und meine Gefühlswelt offen dargelegt. Meine Gefühle sind induskutabel...sowas lernt ihr doch auch in der Therapie. In meine Gefühle hat niemand etwas hinein zu interpretieren...sie sind da und haben ihren Grund. Und welches Verhalten findest du denn gruselig? Wie verhalte ich mich meinem Mann gegenüber? Er darf sein Kind sehen und ich halte die Füße still....trage nach Aussen hin die Demütigungen mit Fassung und das wars. Also nochmal...was ist an meinem Verhalten furchtbar???
Und Liebe und Hass stehen auf einer Stufe...nicht weit voneinander entfernt. Es ist meist nicht die Frage ob sich jemand trennt sondern wie.
Daß du mir jetzt hier meine offenen Worte und meinen Gram negativ zur Last legst spricht nicht unbedingt für dich. Du schwingst wie eine Furie dein Schwert der Gerechtigkeit für alle Alkoholiker und kannst genauso wenig meine Erfahrung oder Meinung akzeptieren.
Und ob du es nun gekränkte Eitelkeit nennst...ich nenne es schwerste, innere Verletzung, denn so fühlt es sich an.......die verschleiert werden muss...ich habe ihm nichts angetan...ich habe ihn genervt und er wollte seine Ruhe haben...das ist der offizielle Trennungsgrund...dafür wirft man seine Familie in den Mülleimer. Da gibts nichts zu verschleiern, das ist die Wahrheit. Die Eimer Schei+sse sind nun vergossen, von mir aus kann er im Orbit verpuffen...

Letzendlich mache ich als Co auch nur eine Entgiftungstherapie. Ob eine Langzeit nötig wird, wird sich zeigen...die Option gibt es ja. Aber vielleicht ist auch die Zeit meine beste Therapie und das Leben!

Speranza
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Speranza » 09.09.2018, 10:18

Ich bin Angehörige und könnte nicht mehr vertrauen. Nun habe ich mich ja schon vor Jahren getrennt und mein Ex-Partner ist mittlerweile verstorben aber das Misstrauen sitzt bei mir so tief dass ich mich niemals auf eine Beziehung mit einem trockenen Alkoholiker einlassen könnte. Ich glaube ich würde ihn immer beobachten und auf Zeichen schauen die auf einen Rückfall hindeuten würden und das wäre bestimmt keine Basis.

Ich habe in meinem Bekanntenkreis durchaus Leute dabei die früher alkoholkrank waren und ein normaler offener Umgang ist für mich kein Problem. Auch hier im Forum lese ich ja viel und habe Achtung vor denen die es geschafft haben. Aber ich merke dass meine viele Jahre dauernde Beziehung mit einem Alkoholiker sehr tiefe Spuren hinterlassen hat.

LG Speranza

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