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Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Jede Woche mindestens ein neues Thema zu Themen der Co-Abhängigkeit, für Angehörige und Kindern von alkoholkranken Eltern

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Karsten
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Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Beitrag von Karsten » 12.01.2019, 19:16

Hallo,

Angehörige leiden sehr oft viel mehr am Alkoholismus des Partners oder Familienangehörigen, als die Betroffenen selbst.
Wo liegt eure Grenze, wo es für euch nicht mehr so weiter geht?

Gruß
Karsten

Speranza
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Re: Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Beitrag von Speranza » 12.01.2019, 23:27

Hallo Karsten!

Da muss ich klar unterscheiden wie hoch meine Schmerzgrenze früher lag und wo sie jetzt liegt. Früher habe ich es viel zu lange ertragen und dachte immer ich könne ihm helfen. Wach geworden bin ich relativ spät ich hatte ein Schlüsselerlebnis. Als er im Koma lag und er auf der Intensivstation gelandet ist habe ich mir geschworen und es ihm in aller Deutlichkeit gesagt dass ich das nicht mehr länger mitmache und gehen werde wenn er nicht auf der Stelle etwas gegen seine Sucht unternimmt.

Ich hatte gehofft dass der Aufenthalt auf der Intensivstation ihn wachrütteln würde er hat aber bald wieder getrunken. Ich habe es wahr gemacht und bin ausgezogen, ich konnte einfach nicht mehr und hatte Depressionen.

Ich würde mir so etwas nie wieder gefallen lassen ich bin mittlerweilen recht selbstbewusst und habe mich sehr verändert wie ich meine zu meinem Vorteil. Ich reagiere recht empfindlich auf trinkende Menschen es macht mich teilweise aggressiv. Wenn ich ein Date hätte und mein Gegenüber würde auf ex ein Bier reinschütten würde ich aufstehen und gehen :shock: Es würde mich zu sehr an frühere Dinge erinnern die dann in mir hochkochen.

Es stimmt wenn man mit einem trinkenden Partner zusammenlebt ist es die Hölle auf Erden und alles geht den Bach runter auch die Kinder leiden. Zum Glück waren meine Kinder schon aus dem Haus als seine schlimme Trinkphase anfing.

LG Marie

Sunny1976
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Re: Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Beitrag von Sunny1976 » 13.01.2019, 16:53

Hallo Karsten,

meine Schmerzgrenze war irgendwann überhaupt nicht mehr sichtbar. Das war ein schleichender Prozess, denn im laufe der Jahre hatte es mein xy geschafft, das ich meiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr vertrauen konnte. Mir immer wieder eingeredet, das ich doch alles nur falsch mache, er nur trinken muss weil ich so bin wie ich bin! Wenn ich da heute drüber nachdenke kann ich nur selbst über mich den Kopf schütteln. Ich hatte kein Selbstwertgefühl mehr und zweifelte mich immer mehr an.

Um das Thema Alkohol ging es bei uns auch primär gar nicht, irgendwie hat er es geschafft von dem Thema weg und nur auf meine Unzulänglichkeit, Launenhaftigkeit etc. rumzuhacken. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich mich bei ihm entschuldigt habe für etwas, wofür ich gar keine Schuld hatte. Unfassbar heute - aber damals war ich total in dieser krankhaften Beziehung/Ehe gefangen.

Als er dann doch endlich einen Entzug gemacht hat und er abstinent eigentlich noch schlimmer war als nass - da habe ich mir endlich gesagt, das mein Leben so nicht weiter gehen kann und bin gegangen. Er hat nicht lange ausgehalten ohne Alkohol, wie auch wenn man sein Leben nicht ändert und immer der Meinung ist, das jemand anders an dem eigenen Unglück schuld ist.

Ich habe noch bestimmt zwei Jahre gebraucht, um mich komplett von ihm zu lösen. Am meisten hat mir dabei eine sehr gute Therapeutin geholfen, die mir immer wieder aufgezeigt hat, wie grenzüberschreitend er war, das das was er getan hat eben nicht normal war und ich eben nicht die Meckerziege bin, sondern völlig zu recht reagiert habe. Sie hat mein Selbstwertgefühl wieder aufgebaut, und heute bin ich lieber alleine als noch einmal nur eine Minute in so einer kranken Beziehung zu sein!

Alles Liebe
Sunny

röschen15
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Re: Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Beitrag von röschen15 » 13.01.2019, 23:32

Lieber Karsten,

eine Frage ,worüber ich erst einmal nachdenken musste. Ich hatte nie eine Grenze, Schmerzen ja! ohne Ende,
ich hatte wohl nie gelernt Grenzen zu setzen für mich, hatte immer da Gefühl ich muss durchhalten und das volle Maß abschöpfen sodass wieder was rein passt. Heute ist es anders, ich habe jetzt vielleicht eine ziemlich kleine Schmerzgrenze ,da ich selbst nicht trinke , erlaube ich trinkende Menschen nicht mehr an mich ran zukommen, dabei ist es mir egal geworden was andere da über mich denken. Das bedeutet wohl ehe das ich es nie wieder soweit kommen lassen will und mir deshalb keine Schmerzgrenze setzen will, nie mehr. LG Kati

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Re: Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Beitrag von ideja » 14.01.2019, 09:02

das kann ich erst beantworten wenn ich an meine grenze angelangt bin. es kommen immer ruhigere Zeiten, wo ich mich erholen kann. ich weiß nicht wie ich reagiere wenn xy sein trinkverhalten von früher wieder aufnimmt.
villeicht ist meine schmerzgrenze längst überschritten
lg ideja

Karsten
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Re: Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Beitrag von Karsten » 17.01.2019, 05:44

Hallo ideja,

das Erkennen der eigenen Schwerzgrenze oder überhaupt der eigenen Grenzen ist in meinen Augen sehr wichtig, um ein zufriedenes Leben führen zu können.
Für mich ist es wichtig, denn es ist für mein Selbstwertgefühl auch wichtg, dass ich mit mir nicht einfach lassen lasse, sondern mein Leben selbst bestimme.

Gruß
Karsten

Morgenrot
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Re: Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Beitrag von Morgenrot » 17.01.2019, 09:38

hallo,

das Thema Schmerzgrenze ist ein sehr wichtiges, wie das Thema Grenzen überhaupt.

ich habe es für mich so erlebt, das ich zwar gefühlt an meine Grenzen kam, aber immer doch wieder hoffte. Dadurch wurden aus vielleicht ehemals festen Grenzen eine Art Gummigrenze, so hab ich es für mich genannt.
Das hatte der nasse Alkoholiker so schnell registriert, und es wurde ausgenutzt, und ich habe es zugelassen.
Durch dieses Erleben ist für mich Konsequenz ein sehr wichtiger Aspekt geworden.
Wenn ich nicht zu dem stehen kann was ich sage, werde ich nicht mehr ernstgenommen, das nagt an meinem Selbstbewußtsein, wenn da noch etwas vorhanden ist, und ich verliere mich immer mehr aus den Augen.
Ich gerate in einen Kreislauf, den aber wiederum nur ich stoppen kann.


lg Morgenrot

Karsten
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Re: Wo liegt meine Schmerzgrenze?

Beitrag von Karsten » 01.02.2019, 07:47

Hallo,

Wenn ich meine Grenzen nicht kenne, weiß ich auch nicht, ob ich meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht habe oder weiter mit mir machen lasse.

Gruß
Karsten

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