Codierte Veränderungen

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum
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kaltblut
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Codierte Veränderungen

Beitrag von kaltblut » 14.08.2008, 01:41

Hallo Ihr Lieben,

da steht, schreib erst auf diesen Seiten, wenn Du ein Jahr trocken bist. Wollte ich, letztes Jahr, das Jubicojahr, war aber nix, dieses Jahr noch mal, trockenes Jubialkcojahr war Müll, jetzt muß ich aber mal, weil ich will, weil ich kann, denn nächstes Jahr bekomme ich vielleicht wieder ganz neue Gedanken. Manchmal schreibe ich oft zu viel, dann versteht mich keiner mehr, deshalb gehe ich heute den spedierten Weg, kurz, über mich, im Focus:

Ich bin ein unbeugsamer Gebeugter, eigentlich ein Co-abhängiger, ein Ehemann, als ich hier ankam, später wisch die Spannung aus mir und ich bog mich gerade, ich wurde biegsam, wie die Weide im Wind, aber gerader und andere Erkenntnisse flossen ein.

Auf dem Weg zur Menschlichkeit frage ich mich, was sich in den vergangenen über 2 Jahren an Veränderungen so ergeben haben und habe mal paar erfaßt (aber hallo, sie verändern sich, täglich):

- ich bin dankbar für alle Erfahrungen die ich gemacht habe, denn ich bin durch die Erkenntnisse nicht besser und nicht schlechter geworden, aber ich kann Mut zur Veränderung finden.

- ich bin coabhängig, falsch programmiert, find ich voll OK
- ich durfte erfahren, daß ich Alkoholiker bin und froh bin für die Erfahrung
- ich wurde hier trocken, meine Denke später auch
- ich erfuhr einen Weg, daß die Kippen verschwanden
- mein Gewicht ging bei jeder Aktion bis zu 15kg rauf und runter, es normalisiert sich
- meine Eßgewohnheiten veränderten sich, ich fand Freßdruck, er gibt mir Signale.
- Gedanken an meine Frau bestimmten den Tag, ich mag sie, klar, ich liebe sie, ich denke an sie, aber sie hat eine periphere gesunde Stellung eingenommen, sie ist in mir, wo sie immer hätte sein sollen, belastungsfrei..
- „Ichs“ gehören auch dazu, ich wurde egoistischer, gesund egoistischer, denn ich bin ich.

- ich habe undisziplinierte, verquerte Gedanken festgestellt, je mehr ich finde und ordne, je klarer werde ich mir. Meine Freiheit ist in mir und nicht im Reagieren auf Umstände.
- die Umstände führten zu allerlei Untersuchungen, die ich nie hätte machen lassen, mir geht es gut, besser als je zuvor.
- ich durfte lesen und schreiben lernen, meine Gedanken auszudrücken, um mich zu begreifen
- mein Körper nahm dankend Sport und Bewegung an, ich kann lange laufen, es macht Freude dabei zu genießen, teil der Natur zu sein.
- ich begann mit ganz kleinen Schritten und viel gehen und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann fange ich wieder mit ganz kleinen Schritten vorne an, immer wieder.
- mein Körper reagiert direkt auf mein Innen drin und mein Geist auf meinen Körper. Beides begann sich gesund zu formen, da harmonierte ich.
- ich lernte alleine zu sein, mit mir, bei mir, ohne Ablenkung durch andere, meine Frau, Arbeit, Telefonate, Menschen, Fernsehen, Zeitungen, Bücher, Radio, Spiele, Veranstaltungen, Musik, Job, auch der Computer, die Verbindung in die Welt steuert nicht mich, ich ihn.
- ich lernte im Heute zu leben, aus den Vollen zu schöpfen, etwas an die schönen Dinge von Gestern zu denken und etwas Kraft aus den Gedanken an Morgen zu schöpfen.
- ich erfuhr, daß ich gestern anders war, also konnte ich Dinge nicht wissen, sie waren für mich die Wahrheit, auch wenn sie anders waren und morgen eine neue Wahrheit werden.
- ich merkte, daß alles was ich las, so geschrieben wurde, wie ich mich fühlte, auch wenn der andere es anders dachte oder ich.
- noch länger dauerte es, bis etwas von mir blind gelebt wurde, dafür brauche ich noch lange.
- Gedanken der anderen sind deren, es gelingt mir immer besser sie bei ihnen zu lassen, denn es sind nicht meine, auch wenn sie scheinbar für mich formuliert wurden.
- ich bin genauer, pingeliger, kleinlicher geworden und komme immer öfter auf den Punkt, ich sehe Blockaden und Strukturen bis in unsere Konzernspitze, die so nicht stimmen. Ich kann viel anders Nutzen und spare Zeit, für mich.
- ich konnte ganz schön lieben, viel ver-lieben und schön lieben, mich übersah ich dabei, heute habe ich mich lieb.
- meine Beziehungsideale waren mir wichtig, alleine zu leben war unvorstellbar, jetzt genieße ich es alleine und kann mir derzeit keine feste Partnerin vorstellen, denn ich brauche alle Zeit und Power für mich.
- an manchen Sätzen, Texten, Seiten und einzelnen Worten, habe ich Tage gesessen, ich habe die Worte anderer nicht kapiert, manchmal meine eigenen nicht mehr verstanden, sie veränderten sich, immer schneller, meine Denke veränderte sich, immer schneller.
- ich kann, wenn ich will, wenn ich muß, aber ich muß nichts, wenn ich kann oder nicht will, weder agieren, noch antworten, noch reagieren, noch deuten, nichts. Es ist gut so.
- ich wurde selbstbewußt, mir über mich bewußt und konnte in mich zurück, eins werden
- ich war dankbar gebraucht zu werden, für andere, von anderen, sie nahmen mich und ließen mich verbraucht zurück. Heute nehme ich was mir zusteht, was ich mir wert bin, ich werde immer noch gebraucht, weil ich es wert bin und dafür fordere ich meinen Preis, wenn ich will.
- ich kann mit wenig zufrieden sein, genügsam, dazu gehören angemessen Ansprüche, die sind gestiegen.
- meine Rolle war mich zu rechtfertigen für eine Rechtfertigung, reagieren, wie ein Torhüter der nie schießt, immer abwehrt. Ich lernte zu schießen, immer präziser, immer besser.
- oft habe ich festgehalten, geklammert, mich verbissen, bis ich abgab, die Schultern zuckte, da war es gut
- ich habe mich oft so sinnlos lange ausgedrückt, bis ich in allem einen Sinn sah, auch in Sinnlosem.
- ich bin auch auf Gott gestoßen, aber nur halb, ich nannte ihn immer meinen Boss, eher so wie Halbalki oder Co-light, Bosse kann man wechseln. Was bin ich im Kreis gelaufen, Gott ist in allem, unter jedem Stein habe ich nachgesehen und gedacht: ja und bei meiner Frau bist du vorbeigelaufen. In allem, es braucht Zeit in allem nachzusehen. Du bist ein Stück von mir, sagte ich, was hat mich meine Frau ausgelacht. Bist du Jesus, hat sie mal gefragt, da bin ich ganz klein geworden, natürlich nicht, aber wenn er doch in uns ist, das Leben ist?

- ich habe aufgehört zu feilschen und bin gerader, aufgeräumter, freier geworden, es ist einfach so.

- ich bin oft fortgelaufen, wenn ich nicht mehr weiter wußte, manche Gefühle konnte ich mir nicht ansehen, da entstanden Neue, aus Verlustängsten Eifersucht, Depressionen, Suizidgedanken. Ich wurde mal Masochist genannt oder jemand sagte, das ist eine Paranoia. Ich Masochist, ich eine Paranoia, hallo, eigentlich was ganz Normales, Schönes, wenn ich mir das mal genau ansehe.
- ich lebe jetzt in Grenzen, manche sind schwarz/weiß klar und unübertretbar, andere überspringe ich mit Spaß und Freude jeden Tag, aber es sind keine Mauern, die durfte ich einreißen, turmhohe Mauern.
- ich habe neue Disziplinen, Lebensdisziplinen und je mehr ich an ihnen arbeite, es wird noch lange dauern bis zum letzten Augenblick, erlebe ich immer wieder neue wundervolle Augenblicke.
- es gibt Grundsätze, Erfahrungen, Wege, Schritte, Traditionen, ich nutze sie für mich, was für andere Gold ist, kann für mich kein Müll sein.
- ich habe es immer als schlecht empfunden zuhören und wenig zu sagen, weil die anderen so viel redeten, wenn ich dann viel redete, konnten mich viele nicht verstehen. Ich kann immer noch wenige reden, auch zuhören, auch mehr reden mit weniger, es wird besser verstanden. Manchmal aber nicht.
- ich habe auch gelernt meine Stimme zu erheben wenn alle kuschen.

- meine Konzentration wird immer besser, es strengt mich weniger an bei einer Sache in die Tiefe zu gehen, als erst tagelang den Müll zu entsorgen. Auf meinem Schreibtisch liegt oft nur ein Vorgang, früher waren es mehrere Firmen, Berge von Vorgängen, viele irgendwas und jetzt zuerst „ich“.
- vieles ist konzentrierter, tiefer geworden, für eine Zeile hier, hätte ich früher 3 Seiten gebraucht.
- oft sehe ich Dinge hinter den Dingen, es macht Spaß solche Gedanken zu sehen, das spart Energie
- mein innerer Friede, die Gelassenheit, hat sich verändert, es wurde eine neue Lebensqualität
- in Liebe loslassen, was für eine Erfahrung, wie sollte ich was in meinem Kopf los lassen? Weg, andere Wohnung, Trennung, alles klasse, aber im Kopp? Hirnspaltung?
- ich lebe mit den Menschen in diesem Forum, mit Menschen aus meiner realen Selbsthilfegruppe und führe intensive Gespräche mit meinem Therapeuten. Oft sind unscheinbare Gespräche oder Texte hier im Forum eine Brausetablette für mein Hirn oder das mehrmalige Lesen ergibt einen neuen prickelnden Sinn.
- mir ist es schwer gefallen auf all die Kleinigkeiten zu achten und sie zu einem Puzzle zusammenzusetzen.
- mir ist es noch schwerer gefallen, Paradoxes zu tun, nicht auf mein Hirn, nicht auf meine Gefühle zu hören, die Puzzle abzugeben und etwas einfach passieren zu lassen.
- ich lese täglich etwas in den Büchern (s. u.) oder hier, es tut gut, weil ich nicht alles behalten kann und immer wieder viel vergesse, es steht dann hier und mein Kopf ist frei.
- ich hatte Angst mich hier im geschlossenen Bereich anzumelden, weil dachte alles falsch gemacht zu haben, weil ich dachte, du hast so viel eingebracht und gelernt, es gibt keine Steigerung, weil ich dachte, wenn du noch tiefer rein gehst, verlierst du dich ganz, gehst du unter. Ich habe schwimmen, steuern und fliegen gelernt, von alten Hasen, erfahrenen Weggefährten und unerfahrenen, um ihr eigenes Leben Strampelnden, immer wieder hier im offenen Bereich, jetzt lerne ich damit umzugehen, das dauert ewig.
- ich lernte auch, daß wir trocken im Rausch sein können, Alkoholiker und Angehörige.
- ich mußte auch akzeptieren, daß es zwischen den Süchten keinen Unterschied gibt, wenn der Alk fort ist, bleibt das Hirn, das kann man nicht abstellen, es ist grenzenlos, immer dabei.
- ich lernte auch, daß der Alk, weshalb ich hier landete unwichtig ist, denn die Gedanken mutierten in meinem Kopf vom Schwanz bis ins Hirn, in allen erdenklichen Variationen.
- ich lernte auch was Fachspezifisches, einiges kann ich auf andere Alltagssituationen übertragen, aber es bleiben Mutationswerkzeuge meines Hirns, von A wie Reduktionsfaktor bis Z wie überflüssige Angst, denn es läßt sich fast alles auf ein: „es ist gut“ reduzieren.

- meine Ehe ging in die Brüche, wir erreichten nicht mehr eine Augenhöhe, das war schade, denn als ich hier auflief, kam ich doch wegen meine Frau, wegen dem Alk, nicht für mich, ich wollte doch was schaffen, ich war doch gesund.

- ich habe auch gelernt, daß ich alle Zeit habe die ich habe, ich muß sie nur nutzen, ihr einen Sinn geben. Hier habe ich so viel sinnvolles, endloses Material.
- ich habe auch begriffen, daß heute, vielleicht morgen, alles wieder fort sein kann, einfach so, weg, Hirn abgestellt, erledigt, alles von vorne. Dann gehört das dazu, zu mir.
- ich wurde einmal gefragt: wo steht daß ich dich lieben muß? Häh, wie habe ich gedacht, Liebe hat doch jeder, kann jeder, wenn zwei zusammen sind lieben sie sich doch, wenn sie es beide können und wollen.

- ich erhebe keine Ansprüche, auf nichts, das kann ich gut und gut gebrauchen, ich habe das als Co gelernt, es wäre vermessen nach 50 Jahren zu sagen: ich habe die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber ich fange gelassen an Scheibchen für Scheibchen in mich aufzusaugen, mich, langsam.
- ich bin noch nicht fertig, wenn ich mich gesund schreibe, ich fange dann erst an und jeden Morgen ist meine erste Aufgabe in mich rein zu sehen, wie in den Briefkasten, aber da erst viel später.

Was- viel und lang geworden, für mich, für über 2 Jahre eigentlich wenig. Mein kürzestes Wort das ich hier erfuhr war ein „Ja“, ja zum Leben.

Was- ob und was ich genommen habe? Ja, Forumin, täglich, Sehigrupan, wöchentlich, Theralin, monatlich, sonst nur Mich, nur mich, es geht um mich.


LG gute 24h Kalli Kaltblut

Der Rest steht im Butterweichen und Steinharten, da habe ich Steine weich gekloppt und Butter hartgeschlagen, für die Harten gestreichelt. Ich bin hier nicht alleine. Viel mehr steht bei den anderen. Ich bin hier nicht alleine, alle die hier schreiben hinterlassen ein Stück ihres Lebens, jeden Tag neu, unbezahlbar, kostbar erfahren, einige zahlten mit Lebensstücken.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 14.08.2008, 07:37

Hallo Karl,

da hast du ja was aufgeschrieben, wow. So viel und noch mehr ist passiert in dir, mit dir, für dich, durch dich!

Es hört auch nicht auf, es geht noch weiter und es wird immer besser werden. Ich wünsche dir einen wunderbaren Tag und eine Menge Marmeladeneinheiten und Fenchelöhrchenmomente, mit einem guten Klecks Forumin - ey, das Wort gefällt mir, klasse...

Mach's jut
die Aurora

marinajako
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Beitrag von marinajako » 14.08.2008, 13:55

Hallo Karl,

wow ...... das was Du da aufgeschrieben hast hört sich richtig gut an.

Ich wünsche Dir für die Zukunft viele weiche Steine und viel harte Butter.

Liebe Grüße
Marina

Ette
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Beitrag von Ette » 06.09.2008, 19:40

Ja, Karl, so war es bisher und so ist es. Ich lese dich nun schon eine ziemlich lange Zeit. Manchmal hast du mir die Tomaten von den Augen gezogen, dass ich ganz durchgedreht im Ketchup lag. Manchmal hab ich dir welche vors Schienbein getreten, so dolle, dass dein Hirn erschüttert wurde. So ist Gruppenarbeit. Mal merkt der Eine etwas und mal der Andere. Ich wünsch dir weiterhin so viel Energie für deine Entwicklung und mir, dass ich immer wieder von dir lesen kann, du Königskind.

LG
Ette

Lütze
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Beitrag von Lütze » 07.09.2008, 00:17

Hallo Kaltblut

Ich habs 2 mal gelesen.
Soviele Sachen entdeckt,die ich an dir nicht kannte,noch nie gehört habe.

Und die ich mir auch schon durchdachte,aber noch nie hier geschrieben habe.

Es berührt mich.Alles Gute für dich.

Danke dir

Lütze

kaltblut
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Beitrag von kaltblut » 10.10.2008, 09:01

Hallo Ihr Lieben,

Veränderung ist Entwicklung, etwas Schönes, dafür bin ich dankbar. Es geht alles schnell. Ich werde zu jemand, der ich nie sein wollte, den ich mit einem Lächeln kopfschüttelnd, unverständlich angesehen hätte, ich werde zum gesunden Korinthenkacker. Meine Aufmerksamkeit gehörte immer dem Symptom, meiner Frau, nicht der Ursache, mir. Solange ich an mir vorbeidachte, wurde mir nicht wirklich geholfen.

- grundloses Tun, wie unverständlich einfach, wo ich doch lernte, daß muß alles schwierig sein und erklärt werden muß. Ich lerne es aufzugegeben nach Gründen und Rechtfertigungen zu suchen.
- ich habe gelernt, die Dinge nicht zu bewerten, sie neutral im Raum stehen zu lassen, des anderen Bildung, Reife, Erfahrung, Neigung und Wünsche sind seine Sachen, meine sind meine.
- Ich habe gelernt mit wenig zu leben. Wenn es mir früher wenig vorkam, war viel, es macht spaß zu minimieren, innen drin wird es immer mehr.
- Ich glaube grundlos, es tut mir gut bei mir zu bleiben und was ich nicht halten kann abzugeben.
- Ich habe immer weniger Bedürfnisse, je aufgeräumter es in mir ist, je gesünder fühle ich mich und kann bewußter genießen.
- Meine sportlichen Leistungen steigen, ich werde härter und unanfälliger gegen Eindringendes von außen, es ist mir nicht ganz klar ob ein gesunder Geist einen gesunden Körper macht oder umgekehrt.
- Mein Gewicht hat sich eingependelt, zwischen up and down liegen in 2 Jahren Ü20kg, ich habe mich mit meinem Gewicht fast immer wohl gefühlt, jetzt leichter noch viel wohler
- Neben dem Sport habe ich einige neue Hobbys und irre Sachen angestellt, über die ich früher den Kopf geschüttelt hätte, ich werde noch mehr schütteln.
- Meine Ernährung wurde umgestellt, ich esse ganz anders, anderes Material, verbrauche weniger und fühle mich gut. Fast Food und fettes Gekoche war gestern, ich wurde in die Lage versetzt, nein zu sagen. Das schont mich, erneuert viel in mir
- Ich sehe den direkten Zusammenhang zwischen Geist, Körper, meinem Tun, meinem warum. Das Bewußtsein für Lebensqualität verändert sich.
- Ich dachte alles abgegeben zu haben, mich vollkommen frei gemacht zu haben, von Doppeldruck und Zwängen, da kam immer Neues zum Vorschein.
- Ich bin zwar 50 Jahre alt aber was ist 50, mein Bioalter darunter, weiter nach unten gehend, eigentlich sollte ich viel älter sein und früher gehen, sehen wir mal, ich laufe lieber.
- die Trennung von meiner Frau war nutzlos, daß war wie eine Tumorentfernung, er wächst nach, trotz Behandlung und Bestrahlung, wenn die Ursache nicht gerichtet wird, wenn nichts mehr geht, dann geht es nicht mehr.
- Ich kann meine Frau wieder lieben, aber anders, menschlich, auch wenn es mir schwer fällt und damit es mir leichter fällt, brauche ich einen breiten, schützenden Sicherheitsabstand.
- Ich liebe viele Menschen, aber wieder anders. Ich kann wunderbar lieben, auch mich, vor allem mich, bedingungslos, grundlos.
- Ich wollte Se* mit meiner Frau, Zärtlichkeit, Nähe, Intimität, Kommunikation, Reden, Beziehung. Ich mag vieles immer noch ganz viel, aber neu und anders, ich habe alles längst in mir, brauchen tue ich nur mich.
- Ich kann laufen, ohne aus dem Tritt zu kommen, wenn ich früher in Gedanken auf Negativpolungen stieß, beruflicher, gesundheitlicher, persönlicher Art oder an meine Frau dachte, konnten verquerte Gedanken mich straucheln lassen.
- Was in unserer Beziehung passierte wird klarer, wenn ich uns separat betrachte. Ihre Ursache liegt in einer anderen Natur, jeder für sich, alles was wir tun, trifft uns nur selbst, es kommt zurück, es hat uns weh getan, es war, ist Vergangenheit, nutzlos.
- Ich war Meister im Rechtfertigen und Begründungen suchen, ich mache jetzt einfach mehr, grundlos.
- Ich gehe offen und integer mit den Krankheiten um, nur Offenheit garantiert mir Sicherheit, kein Gequatsche und Vertuschen, denn die Krankheiten sind multiple, sie verändern sich und alles was andere betrifft kann auch mich treffen.
- Ich bin nicht reif für eine Beziehung, ich werde weiter wachsen und es geht mir immer besser alleine, ich will erstmals nicht mehr, morgen ist vielleicht alles anders.
- Ich kann all meine Gefühle und Gedanken zulassen, auch losgelassen ohne mich zu verzehren, ohne festzuhalten.
- Ich bin weder Unmensch, noch brauche ich ein Kindermädchen, aber eine gleich veranlagte Persönlichkeit, ein selbstständig gewachsenes gefühlvolles Wesen zur Harmonisierung.
- Vieles was ich meiner Frau vorwarf, was ich irgendwann nicht mehr ausstehen oder begreifen konnte ist auch in mir, ich hatte es nicht gesehen oder erst entwickelt, weil es heute gut für mich ist, ich hatte es nur noch nicht reif.
- Vieles was ich begriff, betrifft nicht nur den Alk, mein Frau, Co, die Beziehung an sich, es betrifft auch den Alltag in all seinen Formen.
- Ich bekam Gedanken gestörte narzißtische Entwicklungen zu erfahren, weil ich Dinge tat, die mir fremd waren und bin froh nicht über ein gesundes Maß hinaus belastet zu sein. Objektivität und gesunder Egoismus sind noch keine NPS.
- Ich mag Veränderungen, grundloses Tun, wenn die Natur in mir sagt es wird Zeit, dann ist es Zeit.
- Zeit kosteten die Zeitungen, Radio lenke ab und das Fernsehen verblödete mich mit Dingen von gestern und ungewolltem für morgen, was soll ich heute damit?
- Im Heute zu leben ist eine gewaltige Aufgabe, es reizt mich immer mehr daraus ein „Nur im Jetzt“ zu machen.
- Ich kann im „Jetzt“ stehen bleiben betrachten, mit offenen Augen fühlen wozu ich früher die Augen verschließen mußte.
- Ich kann gelassen sein, weiß nicht wo diese Gelassenheit herkommt, sie ist als ein Stück aus dem Ganzen gewachsen.
- Manchmal sehe ich den Kern in mir, auch in anderem und kann daran feilen, aber nur manchmal, es wird aber immer besser.
- Manches tut nicht mehr weh, es gibt gesunde Abstände zwischen meinem Hirn, meinen Gefühlen und Einflüssen von außen. Rückfälle sind traurig, Krankheiten sind traurig, ich kann auch Mitgefühl haben, aber ich leide nicht mehr darunter.
- Einige Menschen waren in der vergangenen Zeit hart, andere weich, ich habe mir meine Grenzen gezogen und auf geradem Weg das genommen, was ich brauchte, für mich.
- Ich habe 50 Jahre Müll und Komplikationen um meine Gedanken verscharrt. Wo die Gedanken klar werden, habe ich Schwierigkeiten sie so anzunehmen, sie kommen mir so ruhig, tief, langsam vor, es ist unangenehmer als das Oberflächliche im Gewühle.
- Ich bin nicht gegen Einflüsse von Außen geschützt, aber mein Energiefluß hat sich ganzheitlich verändert.
- Ich bin hier, um meine Gedanken, meinen Körper, mein Leben, mich zu befriedigen, das tue ich grundlos und zwanglos gerne.
- Ich weiß, daß ich die Richtung geändert habe, daß vieles in meiner Hand liegt, daß ich heute Bestimmtes für die Zukunft ausschließe, aber es gibt keine Garantien, für nichts und ich dulde mir meine Fehler.

Ein bewußtes Leben mit mehr Lebensqualität setzt eine Ernährungsumstellung voraus, daran arbeite ist intensiv. Als ich vor 2 Jahren von radikal sprach, hätte ich mir nicht träumen lassen, daß es so radikale Einschnitte in mein Leben werden. Einschnitte sind es ja keine, das sind Entnarbungen, Heilungen, Seelenglättungen.

Ich habe jetzt verstanden, auch daß die „Meisten“ gar nicht wollen daß ich mich aus der Dummheit befreie um weiterhin mit abgefülltem Bewußtheit falsch zu verstehen, mich aufzufressen, es geht mir um:
Fleisch, Obst, Gemüse, Getreide, Konserven, Eingemachtem, Zucker, Margarine und Fetten, Faserstoffen, Vitaminen, Vitalstoffen, Fleisch, Eiweiß, Brot, Mehl, Milchprodukte, Industriestoffe, Getränken, Alterskrankheit, Auswirkungen falscher Ernährung, künstlich Hergestelltem und Verändertem, Allergien, Industrieverarsche, Politikgesülze, richtigem Kochen, Geschmack, Vergiftungsgrad innen und außen, Vertuschen, Ursachen, Krankheiten, Knochenveränderungen, Organausfall, Verdauung, Stoffwechsel und was dahinter steht, im Chemiebaukasten Mensch und viele andere Details, wie die Verdummung von Ursache und Wirkung, da will ich mehr von.

Es ist unwichtig, ob mein Elternhaus zur falschen Ernährung beigetragen hat, ob ich mir selbst durch anhaltende Ernährungsfehler bis hin zum Saufen und Qualmen einen verpaßt habe, ob ich mir mittels Bewegungarmut, Streß und Co. einen krank machenden Ausgleich verschaffte oder sonstwas in meinem Kopf nicht richtig tickt. Dummheit wird mit dem Tod bestraft.
Ein ehemaliger Gedanke, wonach Menschen die anders, gesünder leben, nur gesünder sterben, existiert so nicht mehr in mir.

Würde hinter allem immer ein „Muß“ sein, würde was passieren. Nicht saufen dürfen, nicht rauchen dürfen, nicht fressen dürfen, nicht paaren dürfen, nichts denken dürfen, alle Verbote wollen gebrochen werden. Es wurde ein Wollen daraus, ein konsequentes Wollen. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich funktionieren kann und muß oder kann und grundlos will.

Der Kopf ist schon ganz gut frei, meine Gedankenstrukturen sind (oft) ziemlich abgeklärt und klar. Mein Körper ist ziemlich gut fit, ich bin 50 Jahre und in vielen Lagen ganz gut dabei. Meine Ernährung hat sich sehr verändert, nur Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, Freßzeugs und mehr trinken, waren es noch nicht. Es ist erstaunlich daß ich hier ankam wegen dem, was sich meine Frau reinschüttete und jetzt daran arbeite was bei mir rauskommt. Als Kneipier zu arbeiten wäre eine interessante Aufgabe.

Es geht jetzt darum, was ich aus meiner gewonnenen Erkenntnis mache, was ich wie in mich reinstopfe, wie ich was verarbeite, worüber ich wie denke. Erst alles zusammen macht mich rund und es ist erstaunlich, was die Natur alles richtet.

Ich bin ja erst am Anfang, wäre mir jemand gleich zu Anfang nur bruchstückhaft damit gekommen, nur schnell wieder weg hier. Jetzt ist das anders. Das wird noch viel tiefer gehen. Ich bin dankbar, daß ich auf das Forum stieß, auch meiner Frau, daß ich in solche Situationen überhaupt kommen durfte, hätte sie mich bei der Stange gehalten, wäre ich vielleicht nie gewachsen und hätte nie diese neuen Chancen gesehen. Ihr Los hat sie selbst gezogen, die Natur wird das richten, so oder so - grundlos.

Daran arbeite ich jetzt und fange nochmals von vorne an, weil ich immer so schnell so viel vergesse, immer wieder neu, immer etwas anders neu.

LG Kaltblut und danke daß es Euch gibt und daß ich hier meinen Schutz fand.

Der Rest steht im Butterweichen und Steinharten, da habe ich Steine weich gekloppt und Butter hartgeschlagen, für die Harten gestreichelt. Ich bin hier nicht alleine. Viel mehr steht bei den anderen. Ich bin hier nicht alleine, alle die hier schreiben hinterlassen ein Stück ihres Lebens, jeden Tag neu, unbezahlbar, kostbar erfahren, einige zahlten mit Lebensstücken.

marinajako
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Registriert: 18.06.2008, 15:52

Beitrag von marinajako » 10.10.2008, 10:33

Hallo Karl,

bin grad etwas sprachlos
muß mich nochmal wiederholen

WOW :D

Du liest dich gut
was du schreibst berührt mich sehr

Lieben Gruß
Marina

lobanshee

Beitrag von lobanshee » 11.10.2008, 01:49

Hallo Kaltblut,

was für ein Beitrag! Klasse!

Von mir den Nobelpreis mal so eben an Dich vergeben für Ausdruck, Wortwahl, Gedanken!

Lobanshee

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