Bin neu hier und wollte mich vorstellen

Sonstige Suchthilfe und Hilfe zum Thema Lebenshilfe, Alkoholsucht, Umgang mit Alkohol und Alkoholkrankheit, Selbsthilfegruppen für Hilfe bei Alkohol, Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit und für Angehörige.
Alles was nichts mit unserer Selbsthilfegruppe des Selbsthilfeforums zu tun hat.
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Paula
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Bin neu hier und wollte mich vorstellen

Beitrag von Paula » 27.06.2006, 07:12

Ich heiße Paula und bin 36 Jahre und meine Mutter hat Probleme mit Alkohol in Kombination mit Tabletten. Kann gar nicht genau sagen, wann dieses Problem genau anfing, aber ich komme gar nicht mehr damit zurecht, mein Vater denkt daran sich von meiner Mutter zu trennen, weil sie uns alle mit ihrem Verhalten tyrannisiert. Habe eine kleine Tochter von 2,5 Jahren, es ist immer öfters vorgekommen, dass meine Mutter bereits mittags schon so benommen ist von ihrem Zustand, dass auch die Kleine das jetzt mitkriegt. Sie ist in psychiatrischer ambulanter Behandlung und nimmt Antidepressiva. Gestern war ich so fertig und wollte unsere Hausärztin anrufen, was ich noch tun kann, sie ist leider in Urlaub die nächsten zwei Wochen.

Das Verhältnis zu meiner Mutter war nie gut und sie war mir auch nie eine gute Mutter. Habe schon oft mit ihr gesprochen, es nützt nichts, bin auch schon wütend geworden, alles nützt nichts. Mein Vater geht daran zugrunde, er schämt sich so, auch für das Verhalten, dass sie an den Tag legt, sie pflegt sich nicht, grinst dauern wie blöd rum, manchmal ist sie aber auch aggressiv und wird obszön, sie macht den ganzen Tag nichts, man kann sie einfach nicht mehr ernst nehmen und auch ich schäme mich, weil sie mir das antut.

Ich empfinde kein Mitleid für sie, nur Ekel, sie hat meinen ganzen Respekt verloren. Das sind harte Worte, aber so empfinde ich zur Zeit.

Werde mich ein wenig hier in den verschiedenen Foren einlesen, vielleicht hilft es mir/uns , dass Problem meiner Mutter besser zu verstehen, aber zur Zeit sind wir alle tieftraurig.

LG Paula

Heinz1
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Beitrag von Heinz1 » 27.06.2006, 09:40

Hallo Paula,

du bist alt genug um deiner Mutter gegenüber konsequent sein zu können.
So lange ihr nicht ernst macht und deine Mutter dies auch merkt wird sich nichts ändern. Warum auch,läuft doch prima für deine Mutter... Ihr regt euch auf und duldet es trotzdem.
Lass deinen Vater ernst machen und auch du musst handeln. Nur so könnt ihr deiner Mutter wirklich helfen.
Sie muss schon merken das es ihr jetzt an den Kragen geht...
Sorry,hört sich brutal und unmenschlich an,ist aber eine Erfahrung die ich selbst machen musste.

Heinz

Paula
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@Heinz

Beitrag von Paula » 27.06.2006, 23:07

Hallo Heinz,

Danke, ich hätte niemals gedacht, dass so ein Problem unsere Familie treffen könnte. Heute war ein sehr harter Tag, ich habe meiner Mutter erklärt, dass ich sie in diesem Zustand nicht mehr um mich haben will, mein Vater ist heute den ganzen Tag umher geirrt und wir wußten eine zeitlang auch nicht, was er vorhat.

Mich plagt jetzt mein schlechtes Gewissen, aber ich fühle auch, dass was dringendes gemacht werden muss, ansonsten entgleitet die Situation noch mehr. Irgendwie hoffe ich insgeheim noch, dass meine Mutter plötzlich einsieht, was sie unserer Familie antut und sich von selbst ändert von einem Tag auf den anderen.

LG Paula

Martl
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Alles geht seinen Weg

Beitrag von Martl » 29.06.2006, 21:43

Hallo Paula,

das man vor einen betrunkenen Alkoholiker keinen Respekt haben kann, ist denke ich ab einem gewissen Mase "normal". Ich glaube aber eher das bei Dir der Selbstschutz eingesetzt hat. Du bist erwachsen und kannst ohne größere Probleme Deiner Wege gehen. Ich würde Dir dringend abraten Dich davon abhalten zu lassen Dein Leben zu leben. Deine Mutter ist für sich selbst verantwortlich.

Lass Dich nicht davon abhalten, Dich und Deine Familie vor Ihrem Verhalten zu distanieren. Ermuntere auch Deinen Vater dies zu tun. Ihr könnt Ihr kaum helfen, das ist die Wahrheit. Denn sie kann sich nur selbst helfen und wenn sie das nicht will dann ist es leider so. Ich habe meiner Mutter nicht helfen können, obwohl ich als Kind und Jungendliche nur Knapp daran vorbei bin zugrunde zu gehen. Und ich habe als Erwachsene meiner Lieblings-Tante nicht helfen können und musste mit ansehen wie sie sich zu Tode säuft. Sie hat es letztes Jahr im Februar dann auch erreicht Ihr "ZIEL". Dies ist eine schreckliche Wahrheit und zu gerne würde ich Dir etwas anderes erzählen, aber ich kann es nicht ändern. Ich kann Dir nur sagen, gerade Frauen die trinken sind oft die Sensilbelsten und Empfindlichsten. Aber gerade deshalb sollte man ihnen nicht die Möglichkeit bieten dadurch die fehlende Aufmerksamkeit zu bekommen. Da gibt es wirklich schönere Gründe beachtet zu werden. Allerdings kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen die Gründe warum Menschen süchtig werden sind vielfältig. Ich kann nur sagen meine Mutter schreit nach Aufmerksamkeit, wenn sie trinkt. Sie will Bemitleidet werden, aus Deiner Erzählung spüre ich da eine gewissen Paralele zu meiner Mutter. Damit habe ich Deine Hoffnung denke ich zu nichte gamcht das sie plötzlich alles einsieht. Sie will vermutlich wie meine Mutter ein Defizit das sie in der Vergangenheit, der Kindheit erfahren hat, ausgleichen. Nur wird es so niemals ganz gelingen. Wie die kleinen Kinder (Du wirst das vielleicht von Deiner kleinen her kennen) die mit absicht etwas anstellen, wenn die Mama keine Zeit hat.

Schuldgefühle musst Du bestimmt nicht haben. Jeder ist seines Glückes Schmid.

Ich würde mich freuen wieder von Dir zu hören wie es weiter geht.


Alles Liebe


Martl

Paula
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Beitrag von Paula » 05.07.2006, 06:36

Hallo Martl,

wir waren das Wochenende weg, um neue Kraft zu schöpfen, deswegen erst heute meine Antwort an Dich.

Mein Vater hatte vor mit meiner Mutter in Urlaub zu fahren (sie haben eine Wohnung im Süden), damit sie aus dem Teufelskreis bzw. Trinkkreis (einige Nachbarn trinken regelmäßig im Keller) erstmal Abstand gewinnt. Aber gestern rief er mich an und war wieder so aufgelöst, er könnte so nicht leben, er wollte weg und im Hintergrund habe ich meine besoffene Mutter gehört. Das ist nicht die Frau, die mich aufgezogen hat, wo ich zu ihr aufgeschaut habe, wieviel sie packt, die uns Anstand und Regeln beigebracht hat und heute erkenne ich diese Frau nicht wieder. Ich empfinde kein Mitleid und Liebe und es tut mir nicht mal weh, das aufzuschreiben. Nächste Woche kommt unsere Hausärtzin zurück, ich werde das Gespräch mit ihr suchen, da sie ha die Anti-Depressiva mißbraucht mit Alkohol muss gehandelt werden, sonst liegt sie eines Tages tot in der Wohnung.

Ich habe deine Geschichte in einem anderem Forenbeitrag gelesen, nein, meine Geschichte ist anders als deine und ich habe geweint, als ich sie gelesen habe. Das hat kein Kind verdient, was man dir angetan hat und ich glaube auch, dass dich diese Stituation dich früh erwachsen gemacht hat. Und auch stark und dafür hast du meine Bewunderung.

Ich habe keinen Kontakt mir meiner Mutter, seid ich ihr gesagt habe, dass ich sie in diesem Umstand nicht um mich und meine Familie möchte, sie ruft auch nicht mehr an. Von meinen beiden Schwestern, die im Ausland leben und die Situation nicht richtig einschätzen können, stoße ich auch auf Unverständnis für meine Entscheidung, wie ich ausbrechen kann und meine Mutter so isolieren kann. Dass meine Ehe drunter leidet, das zählt nicht. Aber von meinem Schwiepsschwager habe ich Unterstützung erfahren, das tut super gut. Mein gesamtes Leben habe ich mich um meine Eltern gekümmert, Papierkram erledigt und als Kind schon wichtige Problem gewälzt, jedes Partnerschaftsproblem meiner Eltern life mitgekriegt (Suizidversuch meiner Mutter u.a.) und mich immer gekümmert, das war meine Rolle, die mir als Kind zugeschrieben worden bin und ich habe mich jahreland verantwortlich gefühlt. Aber jetzt kann ich nicht mehr.

Ich werde dir auf jeden Fall weiterberichten, wie es weitergeht und würde mich freuen, von dir zu hören. Private Nachrichten kann ich noch keine senden, aber deine Geschichte gibt mir eine Menge Mut !

GLG Paula

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