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Zweifel, ob er die Wahrheit sagt

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Gotti
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3513
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Beitrag von Gotti » 10.04.2009, 09:49

Guten Morgen Cynthia!

Und auch von mir ein Herzliches Willkommen!

Du hast ihn gereizt? Weil du Geburtstag hattest? Weil du krank warst? !!!
Ja, das kenne ich noch zu genau. Mein Mann war auch von mir genervt, weil ich nicht ..... oder ...... :cry: :cry: :cry:
Aber mein Mann hat getrunken.
Mehr als für ihn gut war.
Für mich war das ein riesengroßes Problem und auch für unsere Kinder.

Deine Geschichte erweckt in mir ganz schlechte Gefühle, die ich am liebsten verdrängen würde.
Ich kann dir nur raten hier ganz viel zu lesen, oder dir eine Selbsthilfegruppe zu suchen, dir Informationen zu holen.
Dir geht es schlecht in dieser Situation - kann ich bestens nachempfinden.
Hol dich da raus.
Wie, wirst du finden. Schritt für Schritt.
Dann kannst du auch wieder ruhig schlafen. Dann geht es dir wieder gut.

Das wünsche ich dir von Herzen und dass du trotzdem ein Frohes Osterfest feiern kannst, liebe Grüße, Gotti.

Cynthia
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Registriert: 09.04.2009, 08:49

Beitrag von Cynthia » 10.04.2009, 10:41

Liebe Gotti,

mein Freund ist nie offensichtlich betrunken, er geht seinem Job nach usw. Also eigentlich alles im grünen Bereich...

Er ist sehr intelligent, in Diskussionen oft unnachgiebig (Dickkopf) und manchmal besserwisserisch.
Auf der anderen Seite: superfürsorglich, total großzügig-er kauft mir viele Sache (ich bin nicht materialistisch, will das gar nicht), tut alles auf mich, trägt mich auf Händen.

Da er Diabetiker ist, dachte ich immer (vielleicht stimmt das ja auch), sein Bett sei deshalb oft so durchgeschwitzt. Nun, da er Entzug macht, ist das Gleiche der Fall. Er ist heute total lieb, hat keine offensichtlichen Entzugserscheiungen, wir fahren gleich zu Freunden.
Das Wechselbad der Gefühle ist aber da, das komische Gefühl in der Magengrube.

Gibt es keinen Rückfall? Er will wie ein Erwachsener behandelt werden. Mich selbst hat sein Trinken bisher nicht benachteiligt. Er sagt, er habe die letzten 4 Monate getrunken, weil er eben die Medis abgesetzt habe, und einfach die Gelegenheit da war.
Gefühls-Chaos. Was stimmt denn nun? Ist er süchtig, oder eben bloß mal über die Stränge geschagen. Das sind die Antworten, die ich suche. Von ihm bekomme ich sie nicht.

Gotti
sehr aktiver Teilnehmer
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Beitrag von Gotti » 10.04.2009, 10:59

Hast du einen eventuellen Zwillingsbruder meines Mannes?
Mit dem einen Unterschied, dass meiner nicht Diabetiker ist.
Die anderen Charaktereigenschaften könnten stimmen. Deshalb sind wir wohl auch immer noch verheiratet.

Mein Mann hat keinen Tag Arbeit versäumt und auch noch seinen Führerschein für keinen Tag abgeben müssen.
Manchmal habe sogar ich nicht gemerkt, dass er getrunken hat.
Aber er hat getrunken. Gelogen. Verheimlicht. Immer wieder.
Und ich habe gelitten. Bis ich aufgewacht bin. An meinem Tiefpunkt angekommen.

Mein Mann ist Alkoholiker. Jetzt trockener.
Aber das musste erst er selbst erkennen, danach war ich an der Reihe.

LG Gotti.

dagmar007
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Beitrag von dagmar007 » 10.04.2009, 11:53

Liebe Cynthia,
ich entnehme Deinen Zeilen, dass Du ebenso wenig informiert bist wie ich es war.

Ja, auch mein Ex ging täglich arbeiten, er stand sogar auf (dass das einfach nur die Tatsache war, dass der Körper nach Alk schrie war für mich erst später vorstellbar).

Hast Du nicht den Vorfall in der Oper geschildert? Ist da nicht ein aggressives Potential vorhanden? Schreibst Du nicht hier, weil Dich das Thema beschäftigt? Du bist doch nicht zufällig in einem Alkoholikerforum gelandet oder?

Ich jedenfalls nicht! Auch ich wurde - in gewissen Zeiten - auf Händen getragen, was mich nicht davor schützte ganz derb auf den Boden der Tatsachen zu knallen.

Wenn Du Deine Antworten nicht von Deinem Partner bekommen kannst, von wem sonst? Jeder Mensch ist individuell, jede Sucht oder jeder Konsum ist individuelle - am Anfang - irgendwann aber (wenn ein gewisses Stadium erreicht ist) scheint überall selbiges zu passieren (nämlich genau das was Gotti schreibt!)

Ist er süchtig? Schlägt er über die Stränge?
Lass es mal als Frage stehen, denn das könnte nur er beantworten (falls er die Wahrheit spricht).

Wie fühlst Du Dich dabei? Wie stellst Du Dir Eure Zukunft vor? Wie ist Dein Freundeskreis strukturiert? Wie Deine Hobbies? GIbt es gemeinsame Interessen?

Lieben Gruß von Dagmar

Cynthia
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Beitrag von Cynthia » 10.04.2009, 21:03

Liebe gotti, liebe Dagmar,

ich mache mir große Sorgen, ja. Er sagt, er "erlaube" es nicht, dass ich ihn diagnostiziere. Man sei noch kein Alkoholiker, nur weil man einmal zuviel trinke.
Mittlerweile denke ICH, dass ich Dinge überdramatisiere. Doch mir geht es wirklich bescheiden.

Da wir uns noch nicht so lang kennen, ist es meist mein Freundes-und Familienkreis, in den ich ihn mitnehme. Seine Familie lebt nicht in Deutschland.

Morgen fahren wir zu meinen Eltern. Gerade sitzt er draußen auf der Veranda, und denkt nach.
So hatte ich mir meinen Urlaub nicht vorgestellt.

Feuervogel

Beitrag von Feuervogel » 10.04.2009, 22:46

Hallo Cynthia,
ich kann dir aus eigener Erfahrung nur sagen, höre auf dein Bauchgefühl!
Wenn ich damals auf
Cynthia hat geschrieben: das komische Gefühl in der Magengrube
gehört hätte - wären mir vier Jahre Beziehung mit einem nassen Alkoholiker erspart geblieben.
NATÜRLICH hat dein Verlobter auch gute Seiten, jeder Mensch hat das. Und sonst wären wir ja auch nie mit unseren Partnern zusammengekommen. Nur leider ist das nur ein Teil ihrer Persönlichkeit. Wir Cos neigen gerne dazu, die guten Seiten unserer Partner überzubewerten und die negativen Seiten (hervorgerufen oder verstärkt durch die Alkoholkrankheit) zu ignorieren. Wir fürchten, unseren Partnern unrecht zu tun, indem wir uns einreden, daß wir
Cynthia hat geschrieben: Dinge überdramatisiere
Und weißt du was? In Wirklichkeit tun wir UNS SELBST unrecht, indem wir - um ein paar guter Eigenschaften unserer Partner wegen - in einer Beziehung ausharren, die UNS NICHT GUT tut!
Weißt du, unsere Partner sind krank, aber sie haben immer die Wahl, den Alkohol zu lassen. Solange sie das nicht tun, werden wir in einer Beziehung immer die 2. Geige spielen, denn an 1. Stelle wird immer ganz klar der Alkohol stehen - dagegen sind wir machtlos.
Frage dich, ob du das möchtest - oder ob du es dir wert bist, in einer gesunden Beziehung zu leben, wo dein Partner dich liebt und achtet, weil er sich selbst liebt und achtet. Das kann ein nasser Alkoholiker nämlich nicht, sonst würde er sich nicht selbst zerstören mit dem Alkohol...
Ich wünsche dir, daß du die richtige (gesunde) Entscheidung für DICH triffst!
Liebe Grüße
Feuervogel

Doro
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Beitrag von Doro » 10.04.2009, 23:10

Hallo Cynthia,

kann ja natürlich deinen Freund nicht be/ver-urteilen.

Bloß ein Hinweis:
Das Auf-Händen-Tragen ist kein Gegenbeweis gegen Gewaltbereitschaft!
Kann (! Muss nicht) auch ein Hinweis darauf sein, dass er dich ganz für sich will, oder so ähnlich. Ist nicht untypisch.
Vielleicht achtest du mal auf sowas. Lässt er dir deine Freiräume? Stärkt er dir den Rücken in DEINEN Dingen und DEINEN Freundschaften, auch wenn sie ohne ihn stattfinden?

Irgendwas an ihm ist dir unheimlich, lese ich raus.

So wars bei meinem Mann auch, aber ich hab das in den Wind geschlagen.
Die positiven Seiten waren ja auch da.
Aber dass ich jemanden heirate, dem ich im Grunde nicht hundertprozentig traute, das werte ich jetzt eigentlich schon als Zeichen, dass ich mich selbst nicht so ganz wichtig genommen habe oder vielleicht doch irgendwie dachte, was Besseres findest du nicht mehr.

Jetzt, nach seinem Rückfall, tobte er hier herum wie ein Irrer und DA wurde er mir wirklich unheimlich!!!

Ach Mensch, jetzt fange ich auch an, dich in eine bestimmte Richtung zu lenken, das wollte ich eigentlich nicht.
Aber dein Unbehagen ernst nehmen solltest du in jedem Fall!

Liebe Grüße
Doro

Thea66
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Registriert: 13.11.2008, 00:26

Beitrag von Thea66 » 11.04.2009, 00:59

Liebe Cynthia,
wie einigen anderen Frauen aus dem Forum kommt mir auch deine Geschichte bekannt vor. Als ich die Überschrift zu deinem Thread las: "Zweifel, ob er die Wahrheit sagt", dachte ich bei mir: ja, und diese Zweifel sind sicher berechtigt.
Was ich erst sehr mühsam lernen musste, ist, dass der alkoholkranke Partner möglicherweise eine ganz ander Sicht der Dinge hat. Ich bezweifle heute - nach 21 Jahren Beziehung, letztes Jahr hab ich mich getrennt - , ob mein Partner überhaupt hätte ehrlich sein können oder ob das Verdrängen, Verharmlosen, Herunterspielen nicht Teil der Krankheit Alkoholismus ist.
Es macht mich hellhörig, dass Du von Schwitzen und Entzugserscheinungen schreibst. Das ist doch eigentlich sehr eindeutig...
Gut, dass Du schon in dieser Phase Eurer Beziehung hier gelandet bist. Hol Dir alle Unterstützung, die Du kriegen kannst und - auch hier wiederhole ich mich - glaube Deiner Intuition.
Alles Gute und liebe Grüße, Thea

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