Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Ein neuer, unbekannter weg liegt vor mir.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Antworten
joschi018
neuer Teilnehmer
Beiträge: 211
Registriert: 21.11.2010, 22:32

Ein neuer, unbekannter weg liegt vor mir.

Beitrag von joschi018 » 29.11.2010, 20:46

Hallo!
Ich bin joschi und seit dem 21.11. hier angemeldet.
Hier mal mein Eingangpost:
Meinen Namen lasse ich mal bei joschi. Ich bin 48 Jahre alt, bin 100% berufstätig und bin gerade dabei, einen für mich komplett neuen, aber auch beängstigenden Weg zu betreten - Leben ohne Alkohol.

Ich habe eigentlich die letzten 15 Jahre durchweg nur mit Alkohol gelebt; zwar nicht im Stile des Komasaufens oder täglichen, exzessiven Trinkens. Es ist eher so dieses "Gewohnheitstrinken", hier mal ein Bier, da mal ein Wein usw.
Und nun habe ich mich aufgemacht, diese Begleiter meines Lebensweges zu verabschieden, denn so langsam merke ich, daß sie mir nicht gut bekommen.

Ich hoffe, ich finde hier Diskussionspartner, die mir vielleicht ein Stück dieses Weges weiter helfen können.
Seither ist soviel passiert:
- ich habe am 24.11. mit dem Trinken aufgehört
- ich war heute beim Arzt und habe dort demnächst Termine zu eingehenden Untersuchungen
- am Freitag habe ich Termin bei einer Suchtberatung

Ich stehe noch ganz am Anfang, bin aber fest entschlossen,diesen trockenen Weg weiter zu gehen.
Lange habe ich es mir nicht eingestanden, Alkoholiker zu sein, da ich mich nur sehr selten mal komplett "abgeschossen" habe; aber dann musste ich einsehen, daß auch der "Gewohnheitstrinker" im Grunde ein Trinker ist.
Es hat mich unter Kontrolle, nicht ich das Alkohol trinken
das Verlangen nach mehr, wenn ich mal angefangen hatte, war echt schlimm. Ich hab zwar den Punkt gefunden, am jeweiligen tag aufzuhören (wenn ich nächsten Morgen arbeiten muss), aber vor freien Tagen (wo man ja nächsten Tag schön ausschlafen kann) hab ich dann doch dem Biergenuss gefrönt und so etliche Dosen gekillt.
(warum Dosen? die klappern nicht so in der Tüte beim runtertragen, sodass die Nachbarn nix merken)

Ich freue mich sehr, hiersein zu können, es fühlt sich irgendwie an, als ob ich hier zu Hause wäre...

savina
neuer Teilnehmer
Beiträge: 23
Registriert: 11.11.2010, 21:20

Beitrag von savina » 29.11.2010, 22:38

Hallo Joschi

Ich bin erst seit 3 Wochen trocken - insofern kann ich kaum Tipps geben. Aber im Forum hat es viele gute Beiträge, die man nachlesen kann und die sehr hilfreich sind.

Es wäre schön, wenn Du ab und zu was schreibst. Als Newcomerin nimmt es mich Wunder, wie es anderen geht, die auch erst am Anfang der Trockenheit stehen.

Liebe Grüsse,

Savina

joschi018
neuer Teilnehmer
Beiträge: 211
Registriert: 21.11.2010, 22:32

Beitrag von joschi018 » 30.11.2010, 00:11

Nun ich werde bestimmt jede Menge schreiben.
Für meine Trockenheit habe ich mir natürlich (wenn schon, dann kompliziert) den ungünstigsten Termin ausgesucht - nächste Woche habe ich Prüfung. Zum Glück bin ich körperlich stabil, ich hoffe nur, daß mich mein "Suchtgedächtnis" auch weiterhin in Ruhe lässt.

Heute hatte ich ein skurriles Erlebnis:
Ich arbeite in der ambulanten Krankenpflege und eine Angehörige schenkte mir, da ja bald Nikolaus ist, schonmal ein Tütchen. Drauusen hab ich reingeschaut und mich hat fast der Schlag getroffen:
Schnaps-Schoko-Pralinen!
Ich habs nun mit dem Zeug gar nicht, hab die früher auch nur mal probiert (und schmecken gar nicht), aber es war ein Gefühl, als ob man mir mein Thema gerade jetzt mit Gewalt "um die Ohren hauen" will.

Zuerst wollte ich sie mitnehmen - für die Kollegen auf Station, habe aber dann beschlossen: "Das Zeug kommt mir nicht ins Auto!". So hab ich sie direkt in den nächsten Mülleimer gefeuert.

Heute habe ich übrigens einen lange gehegten "Trinkritual-Gegenstand" beseitigt: neben meinem Schreibtisch, an dem ich immer getrunken habe, stand ein Einkaufskörbchen, in dem ich immer die leeren Flaschen und Dosen gesammelt hab (da musste ich nicht dauernd aufstehen).
Wenn es voll war, hab ich es dann zum umtauschen mitgenommen.
Das Körbchen ist weg!
Und am Wochenende werde ich den gesamten Raum komplett neu gestalten; das Alte beseitigen.

Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 19214
Registriert: 08.10.2008, 23:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: EKA

Beitrag von Linde66 » 30.11.2010, 00:14

Hallo Joschi,

finde ich gut mit der Umgestaltung deiner Wohnung.

Gruß, Linde

Martha66
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 4426
Registriert: 02.12.2009, 22:41

Beitrag von Martha66 » 30.11.2010, 11:14

Haloo Joschi,

willkomen in unserem Forum und ich wünsche Dir hier einen guten Austausch.

Einen günstigen Moment gibt es nie oder immer ;-) Was ist günstig, was ist ungünstig, es ist müssig dorthin zu gucken.

Gut dass so so konsequent für Dich sorgst. Wenn Du einmal begonnen hast hinzugucken, kannst Du nicht mehr weg gucken und Dir werden noch viele andere Situationen auffallen.

Grüsse Martha

joschi018
neuer Teilnehmer
Beiträge: 211
Registriert: 21.11.2010, 22:32

Beitrag von joschi018 » 30.11.2010, 22:41

Wenn Du einmal begonnen hast hinzugucken, kannst Du nicht mehr weg gucken und Dir werden noch viele andere Situationen auffallen.
Ich war heute für Patienten einkaufen. An der Kasse habe ich dann mal geschaut,was so auf dem Band liegt und habe meine eigenen "Einkaufsmechanismen" wiederentdeckt:
- Pseudoartikel zum Alk dazukaufen
- Quittung geben lassen - "ist für nen Bekannten"

Wenn ich mir so überlege, wie ich das gemacht habe, wirds mir schlecht.
Es gab eine Zeit, da habe ich ganz normal mein Bier gekauft ohne mir schlechte Gedanken zu machen. Aber dann fing auf einmal die Zeit an, da hab ich z.B.
- die Kioske gewechselt, damit es nicht so auffällt
- hab auch "Pseudoeinkäufe gemacht"
- hab Dosen gekauft, damit man das Flaschengeklimper nicht hört
- habe "Billigbier" aus dem "Billigdiscounter" gemieden, denn das trinken ja nur richtige "Alkis"

Ich hatte vor 2 Tagen und auch heute wieder ein Gefühl während der Arbeit, als ich über meine "Trockenheit" -und die Tatsache, daẞ dies ein dauerhafter Zustand bleiben wird- nachdachte:
Es war, als ob man jemand Geliebtes verliert, der Partner, der einen verlässt - und war dann wütend, daß ich über etwas traurig bin, dessen Verlust mir ja nur positives bringt!

Als ich damals mit dem Rauchen aufhörte, war es ähnlich. Ich hab rumgejammert, "was ich denn nun machen solle, wo ich nichts mehr rauchen kann...jetzt hab ich ja gar nichts schönes mehr....jetzt kann ich mir nichts mehr gutes tun".
HaHa!

In diesen letzten 6 trockenen Tagen habe ich mir bestimmt mehr Gutes getan, als in den letzten Monaten! Alleine schwimmen war ich 3 mal - vorher habe ich nur davon geredet und nix unternommen ( und mich hinterher geärgert).
Ich freue mich schon auf Weihnachten. Da bekommt meine Lebensgefährtin meine ersten 4 Wochen Trockenheit als "Geschenk" präsentiert!

Bis dann..

joschi018
neuer Teilnehmer
Beiträge: 211
Registriert: 21.11.2010, 22:32

Beitrag von joschi018 » 26.11.2011, 23:18

Auch wenn ich mich hier für längere Zeit ausgeklinkt hatte, vergessen hab ich euch nicht!!
Fast hätte ichs vergessen:
am 24.11.2011 habe ich mein 1. Jahr trocken vollendet!!

Mittlerweile hat sich dieser alkoholfreie Lebensstil so integriert, daß es fast zur Beiläufigkeit wird.
Aber: vergessen werde ich es nicht - es hängt zuviel dran.
Auf jeden Fall bin ich (und meine Lebensgefährtin) stolz auf das 1. Jahr.

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 32912
Registriert: 04.11.2004, 22:21
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholiker

Beitrag von Karsten » 27.11.2011, 06:35

Hallo Joschi,

herzlichen Glückwunsch zum ersten Jahr in Nüchternheit.
Wichtig ist es, eben nicht zu vergessen und die Nüchternheit als selbstverständlich zu sehen.
Einen schönen Sonntag.

Gruß
Karsten

Antworten