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Wie soll ich mich entscheiden ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

cielo72
aktiver Teilnehmer
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Wie soll ich mich entscheiden ?

Beitrag von cielo72 » 11.02.2016, 09:17

Guten Morgen,
auch ich bin neu hier im Forum. Im Vorstellungsbereich habe ich mich schon vorgestellt, aber ich schreibe nochmals hier meine Geschichte.

Vor einigen Jahren habe ich mich von meinem Ex-Mann getrennt, unter anderem wegen Alkohol,psychischen Problemen,Erpressungen,... Ich wollte damals nur noch meine Ruhe haben, nachdem ich und unsere beiden Kinder etliche Jahre in einer sehr unguten Situation "ausharrten" bzw. ich auch immer sehr viel Mitleid,Mitgefühl,... für meinen Ex-Mann hatte. Aber dies kennen sicher viele von Euch.

Einige Zeit später lernte ich einen lieben Partner kennen. Er war für mich die ganz große Liebe.. Damals erzählte er mir schon, dass er früher Probleme mit Alkohol hatte, aber auch immer wieder davon wegkam,allerdings zerstörte dies seine 1.und 2.Ehe. Ich dachte o.k, jeder hat seine Vergangenheit und wenn ich mir diesem bewusst bin ist das in Ordnung.
Schon nach kurzer Zeit tranken wir beide Alkohol und wir sprachen uns aber immer wieder ab, nein heute kein Alkohol,...
Dann wurde ich schwanger, und unser Kind ist wirklich ein Geschenk für uns. Für mich war es auch gut, weil ich ab diesem Zeitpunkt keinen Alkohol mehr trank auch wenn mein Partner mich oft aufforderte.

In mir kam nun immer öfter ein ungutes Gefühl auf, weil ich merkte dass es bei dem gelegentlichen Trinken nicht mehr blieb. Manchmal dachte ich schon, wenn ich jetzt Wehen bekommen würde, könnte ich alleine ins Krankenhaus fahren, weil mein Partner dazu nicht mehr imstande ist. Ihm war dies bewusst und wir sprachen auch darüber. Er meinte eine Selbsthilfegruppe/Therapie würde er niemals machen. Allerdings sind wir beide gläubig und Gott hat ihm immer wieder mit dem Alkohol geholfen..

Nun geht dies schon seit 2 1/2 Jahren und manchmal sind einige Tage ohne Alkohol , dann kommt er wieder nach der Arbeit mit Alkohol nach Hause. Unser Kind sagt schon zur Bierflasche und Fernbedienung vom Fernseher "Papa". Richtigen Streit haben wir bekommen, als er unserem Kind Bier zum Trinken gab- "komm sei nicht so, sie probiert doch nur".. Auch mein größeres Kind bemerkt einiges...wenn zum Beispiel die Toilette ringsherum nass ist,..

Irgendwie war/ist in mir immer die Hoffnung dass das mit dem Alkohol doch gut wird, da ihm ja dieses Problem bewusst ist und er auch dagegen ankämpft.

Wahrscheinlich hätte ich nie den Schritt hierher gewagt, wenn nun zu dieser Alkoholsituation noch die "Geschichte" mit seiner "alten" Freundin gekommen wäre.

Schon wo ich schwanger war hatte ich manchmal den Verdacht, dass er nicht so treu ist aber ich belies es dabei, weil ich dachte vielleicht bin ich einfach zu empfindlich von meiner vorherigen Beziehung.

Letzten September entdeckte ich durch Zufall, dass er sich nach der Arbeit mit einer Frau traf.( die beiden wären vor uns zusammen gekommen,allerdings machte sie den Rückzieher da sie sich damals nicht von ihrem Mann trennen wollte). Nach diesem Treffen, ging er noch gutgelaunt mit mir zum Standesamt, da wir eigentlich heiraten wollten. Abends nach einigen "Bierchen" meinte er zur mir, so jetzt habe ich eine Frau und eine Geliebte..
Als ich ihn am nächsten Tag darauf ansprach, meinte er, er weiss nicht warum er dies gesagt hatte und sie wäre nur eine "gute Freundin" und wir wären schließlich nicht aneinander "gekettet", sie wären nur spazieren gelaufen und hätten geredet.
Natürlich war ich sehr enttäuscht und verletzt, da er mich so angelogen hatte... (sagte er wäre bei der Arbeit,..)
O.K. wir machten weiter..
Nun stellte ich fest, dass er sie wieder anrief,.. und als er krank geschrieben war, trafen sie sich im Cafe´´..
Ich sprach ihn an, fragte warum er mich so belügt, er meinte nur "oh eiskalt erwischt" und ?? Er meinte, dass er mich so gut kennt, dass ich nicht 2 Kinder ohne Vater aufwachsen lassen möchte..

Als ich einige Tage später von Trennung sprach, war er dann doch betroffen sagte wie sehr er mich liebt,...

Letzte Woche dann Anruf /Geschenk zu Ihrem Geburtstag- meinen Geburtstag hatte er letztes Jahre vergessen, weil er ja so viel im Kopf hat..

Mir geht es seitdem schlecht, die Gedanken wirbeln nur so durch den Kopf. Wenn ich unser Kind sehe, wie es immer "Papa" ruft dann denke ich, nein Du kannst dich doch nicht von ihm trennen. Seine Worte, "du bist eine wunderbare Frau ich liebe Dich. Dann wieder die andere Seite, wenn nicht jetzt wann dann ?? Bis es unserem Kind noch bewusster wird ?? Es ist nun schon 17 Monate alt..Mein älteres Kind wird es vielleicht wegstecken.
Meine Eltern?? Die gemeinsam gekaufte Wohnung ??
Rechne schon alles durch und weiss ich werde es auch alleine bezahlen
können-irgendwie...denn dies ist unser zuHause..

Meine Gefühle für ihn ? Sie sind immer noch da, allerdings ist auch ein Teil schon durch diese Lügen/Enttäuschungen kaputt gegangen.

Bin ich zu sensibel ? Mein Sohn ist letztes Jahr durch seine schwere Erkrankung gestorben...

Bitte entschuldigt dass es doch so ein langer Beitrag wurde, aber irgendwie fühle ich mich so ratlos...

Wo bin ich ? Irgendwie möchte ich einfach nur zu Ruhe kommen, wieder Geduld/Kraft und Freude für mich und die Kinder haben-denn Geduld habe ich gerade überhaupt keine-meine Nerven sind irgendwie zum zerreissen gespannt....

Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3748
Registriert: 25.07.2013, 11:35

Beitrag von Sunshine_33 » 11.02.2016, 10:08

Hallo cielo72,
Willkommen hier im Forum !
Gut, das Du hergefunden hast.

Ich bin sehr erschrocken über Deine Geschichte, und vor allem darüber, das Du immer noch in dieser Beziehung bist.
Ich bin selbst trockene Alkoholikerin und keine CO, von daher fehlt mir sicher einiges an Verständnis.
Aber fragen muss ich Dich jetzt doch:
Warum bleibst Du um Himmels Willen bei einem Kerl, der säuft und Dich betrügt und Dich derart auch noch mit seinen kranken Sprüchen verletzt?
Habt ihr, Du und die Kinder, sowas verdient?
Ich sag Dir schonmal die "richtige" Antwort:
Sowas hat kein Mensch der Welt verdient !
Er meinte, dass er mich so gut kennt, dass ich nicht 2 Kinder ohne Vater aufwachsen lassen möchte..
Soso... na dann...
Also ich würde lieber 5 Kinder allein aufziehen, ehe ich sie so einem "Vater" aussetzen würde !
Deine Kinder nehmen schweren Schaden, wenn Du sie einem nassen Alkoholiker aussetzt.
Da gibt es kein wenn und aber... kein "sie sind noch so klein und merken nix" und blabla... alles Unsinn.
Sie haben so feine Antennen und merken auf JEDEN FALL, das was ganz und gar nicht stimmt.
Du hilfst ihnen nicht damit, wenn Du bleibst, sondern schadest ihnen.
Sie können noch nicht entscheiden, können ja nicht einfach weg gehen, dafür trägst DU die Verantwortung, liebe cielo !
Lese mal bitte im EKA-Bereich, was ein alkoholkranker Elternteil anrichtet bei Kindern.
Und auch eine Mutter, die ihre Kinder dem aussetzt, weil sie sich nicht trennen will.
"Nicht kann" schreibe ich mit Absicht nicht, denn man kann IMMER.
Gibt keine Leibeigenschaft mehr in der BRD.
Es gibt immer Mittel und Wege, auch aus solchen Situationen wieder raus zu kommen.
Selbst wenn man dabei alles materielle verlieren würde, wäre es das wert !
Denn es geht hier schließlich um das Seelenheil von Dir und den Kindern.
Und das ist mehr wert als alles andere auf der Welt.

Dein Mann verletzt Dich nicht nur mit der Sauferei, er verletzt Dich auch noch zusätzlich durch fremdgehen.
Ich kann Dir nur raten, mach das nicht länger mit !
Dir zuliebe nicht, den Kindern zuliebe nicht.
Er meinte eine Selbsthilfegruppe/Therapie würde er niemals machen. Allerdings sind wir beide gläubig und Gott hat ihm immer wieder mit dem Alkohol geholfen..
Würde er trocken werden, wäre da ja immer noch die Fremdgeherei.
Aber selbst vom Trocken werden ist er ja meilenweit entfernt, ich kann Dir auch sagen, das er es gar nicht in Betracht zieht.
Du bist doch bisher auch immer wieder auf Spur gekommen, wenn er was von Liebe gesäuselt hat.
Funzt doch alles einwandfrei, Du machst alles mit, und lässt Dir zusätzlich noch gefallen, das er Dich betrügt.
Und ehrlich gesagt, ich finde das Verhalten Deines saufenden XY kein bisschen christlich...
Und Gott kann ihn leider auch nicht trocken legen, tut mir leid.
Da müßte er schon selbst den Hintern hochbekommen.
Da hilft nur ein professionelle Entgiftung, evtl. eine anschließende Thera und der regelmäßige Besuch einer SHG.
Denn aus der Sauferei kommt man ohne Hilfe nicht mehr raus.
Es gibt im übrigen auch christilich orientierte SHG, der Glaube kann einem ja bei vielem helfen, ganz ohne Frage.
Er kann allerdings nicht trocken machen, aber vielleicht auf dem Weg der Trockenheit helfen.
Hier müßte professionelle Hilfe her, und selbst dann ist es kein Spaziergang, trocken zu werden.
Aber er will doch gar nicht !!
Und ohne den festen Willen, nie wieder trinken zu wollen und das auch zur absoluten Piro1 im Leben zu machen, funzt da gar nix.
Du musst also davon ausgehen, das Dein XY weiter säuft.
Bin ich zu sensibel ? Mein Sohn ist letztes Jahr durch seine schwere Erkrankung gestorben...
Mein Herzliches Beileid. Das ist ja schrecklich :cry:
Dazu fehlen mir jetzt die Worte.
Es ist das schlimmste, was einer Mutter passieren kann, oder?
Wie gehst Du mit Deiner Trauer um, liebe cielo?
Und kann Dich dabei ein saufender XY überhaupt stützen und tragen?

Meinst Du denn nicht, Du hast einen besseren Lebenspartner verdient?
Und die Kinder einen Papa, der nicht säuft und betrügt?

Seine Frau zu betrügen finde ich im übrigen auch nicht besonders christlich.

LG und einen guten Austausch wünsche ich Dir hier !
Sunshine

cielo72
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 541
Registriert: 10.02.2016, 11:00

Beitrag von cielo72 » 11.02.2016, 11:55

Wie es mir mit meiner Trauer um meinen Sohn geht ? Da bin ich natürlich ziemlich alleine, mein XY ist nicht für mich da. Schon nach wenigen Wochen hatte er wenig Verständnis wenn mir bei Freunden/Bekannten Tränen kamen, obwohl ich sonst wirklich "gut funktioniert" habe. Ging zur Arbeit, managte weiterhin Haushalt und Kinder,...

Kürzlich war sein 1.Todestag und da habe ich mich schon nach einer Umarmung oder Trost von XY gesehnt-aber nichts. Vielleicht lag es auch an mir, weil ich seit der Aussprache wegen dem erneuten Treffen mit der "Freundin" sehr nachdenklich bin und auch nicht mehr so die Nähe suche.

Aber Du hast Recht, eigentlich habe ich in meiner früheren Beziehung so vieles gelesen wegen Kinder und Alkoholismus bei den Eltern und erst wo dies noch mit dem Betrügen dazukam, fing irgendetwas in mir an zu schaffen..

Ich glaube ich bin wirklich gut im verdrängen,schönreden,Mitgefühl,Mitleid haben. und wo führt es hin ???

Trennung ist glaube ich der einzige Weg und in den letzten Tagen habe ich so viele Gespräche im Kopf mit XY diesbezüglich geführt... und habe es real immer noch nicht gesagt..

Was ist das was mich so blockiert ??? Bin selber erschrocken über meine Geschichte und denke dann noch, aber er kann doch auch ganz anders sein-habe ich vielleicht davon zu wenig geschrieben ???

Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3748
Registriert: 25.07.2013, 11:35

Beitrag von Sunshine_33 » 11.02.2016, 12:46

cielo, ich habe hier schon so oft gelesen, wie Frauen schrieben, das der saufende XY doch auch lieb sein kann und pipapo.
Das tut man aber meist nur, um im Endeffekt doch nicht handeln zu müssen.
Dann wird sich doch wieder alles schön geredet, um ja keine Entscheidung treffen zu müssen.

Ich frage Dich, was ist denn noch schön in einer Beziehung, wo der Partner an der Pulle hängt und Dich obendrein betrügt?
Da muss man doch schon sehr suchen... und das meist auch in der tiefsten Vergangenheit, wo vielleicht noch irgendwas ein bisschen okay war, oder?

Sieh lieber genau hin, was JETZT ist!
Denn das Leben lebt sich nicht rückwärts, sondern vorwärts.
Und da sieht das weder für Dich noch für die Kinder gut aus.
Die Sauferei wird erfahrungsgemäß bei nassen Alkoholikern immer schlimmer, und nie mehr besser.
Dieser Aufzug fährt NUR NOCH abwärts, das ist einfach so.
Wir können keinen kontrollierten Umgang mit Alkohol haben, wenn wir alkoholkrank sind, das IST einfach so !
Und das ändert sich auch nie wieder.

Klar kannst Du jetzt was rauskramen, was mal schön mit Deinem XY war.
Und Dich damit auch wieder beruhigen, und musst dann auch nicht aktiv werden.
Kannst vielleicht auch noch schreiben, das bei anderen sicher alles noch viel schlimmer ist und all dieses.
Oder die vielgerühmte "Seelenverwandtschaft"... wird auch immer gern genommen.
Alles schon x-mal hier gelesen.
Aber es wird Dir nicht helfen.
Denn Du wirst damit nicht wieder glücklich, nicht mal zufrieden.
Da kannst Du versuchen, Dir was schön zu reden, solange Du willst.
Es funzt aber nicht wirklich, denke ich.
Kürzlich war sein 1.Todestag und da habe ich mich schon nach einer Umarmung oder Trost von XY gesehnt-aber nichts. Vielleicht lag es auch an mir, weil ich seit der Aussprache wegen dem erneuten Treffen mit der "Freundin" sehr nachdenklich bin und auch nicht mehr so die Nähe suche.
Das geht über meine Begrifflichkeit hinaus, cielo.
Ich kann nicht nachvollziehen, wie man zu einem Menschen Nähe suchen kann, der einen immer wieder zutiefst verletzt hat.
Hast Du denn keine anderen Menschen in Deinem Leben, die Dich mal in den Arm nehmen können und dich trösten können.
Ist da keine gute Freundin, kein guter Freund, an den Du Dich mal wenden kannst?
Leider ist das oftmals wirklich so bei Partnern von nassen Alkies, das da kaum noch jemand ist.
Man beginnt, sich selbst zu isolieren, weil die Freunde beispielsweise schon lange nicht mehr verstehen, wie man bei einem Säufer bleiben kann.
Man zieht sich auch als CO oftmals immer mehr zurück, aus Scham, aus falscher Loyalität etc.pp will nicht alles aufzählen, was dazu führen könnte.

Du könntest aber da jetzt gleich was dran ändern, sollte das auch auf Dich zutrefffen.
Wie wäre es, wenn Du wieder mehr raus gehen würdest?
Dich mit Freundinnen verabredest?
Wenn keine mehr da sind, evtl. alte Kontakte wieder reaktivierst?
Hast Du Hobbys, die Du mit anderen zusammen ausüben könntest?
Vielleicht sogar einen Sport im Verein ausüben, magst Du sowas vielleicht?
Was gibt es sonst noch für Dinge, die Dir Spaß machen könnten?
Und die Dich auch ein bisschen stabilisieren können, das Du auf die Zuwendung Deines Partners nicht mehr angewiesen bist.
Denn da ist ja kaum was :cry:
Das bisschen an Zuwendung findest Du ja allemale auch bei Freunden, dazu brauchste keinen Säufer an Deiner Seite, der Dir das Leben noch schwerer macht, als es das eh schon ist.
Ein Kind zu verlieren und die Trauer nicht teilen zu können, gibt es denn noch schlimmeres??

Du schreibst, da bist Du "natürlich ziemlich alleine".
Das ist aber gar nicht "natürlich" !
Gerade dann müßten Partner doch ganz fest zuammenstehen (und tun das normalerweise auch) um so einen Schicksalsschlag auch nur ansatzweise verarbeiten zu können. :cry:

Und was die "Liebe" betrifft, cielo... nasse Alkoholiker haben schon eine große Liebe, die weder Du noch die Geliebte toppen könnt.
Das ist die geliebte Pulle mit Alkohol... und gegen die habt ihr Null Chancen.
Ich denke nicht, das ein zutiefst nasser Alkie überhaupt noch wirklich in der Lage ist zu lieben. Das mal dazu.
Was ist das was mich so blockiert ??? Bin selber erschrocken über meine Geschichte
Um das herauszufinden, kann dieses Forum sehr hilfreich sein.
Hier sind doch viele andere Frauen, die auch in so eine Lage geraten sind.
Und vor allem auch wieder rausgefunden haben !
Und das wünsche ich Dir von ganzen Herzen.
Das Du selbst Deinem Leid ein Ende machen kannst.
Vielleicht nicht jetzt und vielleicht auch noch nicht morgen... aber bleibe bitte eine Weile hier und tausche Dich aus mit anderen Betroffenen.
Nicht alles wieder mit sich allein ausmachen... sondern offen über alles reden mit anderen, das hilft und das kannst Du hier auch.

Bedenke aber bitte, das hier in Offenen Bereich das gesamte www mitlesen kann.
Also im schlimmsten Fall auch Dein saufender XY.
Schütze Dich bitte davor, dabei kann nix Gutes rauskommen.
Also immer Chronik löschen... evtl. einen eigenen Account einrichten auf dem rechner und mit einem Passwort belegen, wenn Dein XY den rechner mit benutzt.
Und Passwörter nicht automatisch speichern lassen.

Es gibt auch einen Erweiterten Bereich, indem sich sehr viel intensiver ausgetauscht wird als hier im offenen Bereich.
Auch diesen Bereich möchte ich Dir ans Herz legen, weil dort nur die Mitglieder des Erweiterten Bereiches mitlesen können und sonst niemand.
Auch das ist ein guter Schutz.
Die Mitgliedschaft dort kostet zwar ein paar Euros, aber das solltest Du Dir und der Schutz Deiner Privatsphäre wert sein.

LG Sunshine

JUF2015
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Beitrag von JUF2015 » 11.02.2016, 19:43

Hallo Cielo,

herzlich willkommen hier und GUT dass du hergefunden hast!
Ich bin auch erschrocken, als ich deinen Bericht gelesen habe.

Da ich selbst aus einer Co-Abhängigkeit komme und mich gerade mühsam da rausgearbeitet habe kann ich manche "Mechanismen" nachvollziehen.

Deshalb weiß ich wie verschoben da die eigenen Denkmuster sind.
Und wie man sich immer wieder alles was einem seltsam erscheint "zurechtredet".
Und ich möchte dich darin bestärken, deiner eigenen Wahrnehmung wieder zu trauen.

Dass dich dein Partner auffordert in der Schwangerschaft Alkohol zu trinken ist NICHT normal und NICHT ok!
Dass er dein Kind Alkohol trinken lässt ist NICHT normal und NICHT ok!
Dass er dich betrügt ist NICHT normal und GAR NICHT ok!

Und viel wichtiger:
Dass es dir dabei nicht gut geht ist das offensichtliche Zeichen dafür, dass das alles überhaupt nicht ok und weder gut für dich noch für deine Kinder ist!

Trotzdem liegt die Verantwortung für dein Leben bei dir und die in deiner Überschrift gestellte Frage wie du dich entscheiden sollst ist DEINE Entscheidung.
Dass du dir diese Frage stellst, dass du sie dir auch nicht nur im Stillen stellst, sondern sie in diesem Forum aufschreibst zeigt schon etwas.
Nämlich, dass du weißt, wie jeder Nicht-Co diese Frage beantworten würde.
Oder?

Du hast diese Frage schon mal in deinem Leben selbst beantwortet und für dich entschieden, dass du ein solches Leben nicht führen willst.
Und ich weiß von mir selbst, dass ich in dem Moment, als ich nach außen hin zugegeben und kommuniziert habe, dass etwas nicht stimmt auch schon wußte, dass das zu Entscheidungen führen wird.

Die Entscheidung selbst kann dir hier niemand abnehmen.
Aber wir können dir den Rücken stärken und dir immer wieder sagen, dass du ein Recht darauf hast, ein gutes Leben zu führen und von den Menschen um dich herum respektvoll behandelt zu werden.
Und wir können dich bestärken darin, mutig zu sein und dir selbst zu vertrauen.
Und wir können für dich da sein, wenn du Bestätigung dafür brauchst, dass du das Recht hast zu entscheiden, wenn du DIESES Leben nicht mehr führen willst.

Das erfordert viel Kraft und viel Mut!
Aber es lohnt sich!

Sunshine hat dir viel Wahres geschrieben. Ich weiß noch wie geschockt ich am Anfang war, wenn ich jemanden, der NICHT Co war so klar habe reden hören.
Weil sich meine eigene Vorstellung von dem was "normal" ist schon so verschoben hatte.
Deshalb hör auf dein Gefühl. Trau dich das zu tun.
Dann weißt du doch was du tun willst, oder?

Und wir sind hier und begleiten dich.
Ich schick dir eine Umarmung.
Und Mut. Und Kraft. Und Stärke.

Liebe Grüße
JUF

cielo72
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Beiträge: 541
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Beitrag von cielo72 » 12.02.2016, 09:04

Guten Morgen,

liebe Sunshine und Juf,

vielen Dank für Eure Antworten und auch Denkanstöße. Es tat ganz gut,auch gerade von Dir JUF heute morgen zu lesen.

Tja heute: Kam bei mir schon wieder alles ins Wanken nachdem XY gestern nichts getrunken hat und mir´"schöne" Worte,Zukunftspläne,....gab. Auf seinem Handy sah ich auch,dass er sie seit letztem Donnerstag nicht mehr angerufen hat.

Und dann kommt so eine Wut und auch Verständnislosigkeit auf mich auf. Warum bin ich schon wieder bereit alles so hinzunehmen, obwohl ich doch weiss dass nicht viel in Ordnung bei uns ist.

In den letzten Tagen sehe ich ihn wie aus einer fernen Perspektive. Sage mir, dass meine Gefühle auch wichtig und richtig sind. Ich glaube dies ist ein langer Weg für mich, da ich schon immer "funktioniert" habe.

Einerseits ist da aber auch eine kleine Freude, wenn ich mir ausmale was ich für mich und die Kinder ändern möchte. Sport, Sprachkurs evtl. mal am Wochenende wegfahren, mit den Kindern einen "Kinoabend" zu machen, neue Leute kennen lernen..
Leider hast Du Recht liebe Sunshine, Freunde habe ich nicht viel. Zuerst von meiner vorherigen Beziehung, dann auch bedingt durch die Pflege von meinem Sohn, und nun in der jetzigen Beziehung, wo ich einfach Abends nicht weiss, trinkt XY, dann kann er unser Kind (16 Monate) gar nicht beruhigen...
Ich habe, wenn ich heute ehrlich zu mir bin, mehr Vertrauen unser Kind von Oma/Opa,Tagesmutter betreut zu wissen als von ihm.
Es ist auch so, dass ich nur für unser Kind und natürlich für mein Kind aus 1.Ehe zuständig bin. Sprich XY hat es noch nie ins Bett gebracht, vorgelesen,Spielplatz gegangen,.....

Und ich denke genau darauf muss ich nun schauen, nach vorne, und zu dem was auch mal mir guttut.

Danke nochmals für Eure Ermutigungen, es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist... und es hat so lange gedauert bis ich den Weg hierher fand...

Aurora
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Beitrag von Aurora » 12.02.2016, 16:43

Hallo und herzlich willkommen Cielo,
und es hat so lange gedauert bis ich den Weg hierher fand...
Aber du hast ihn gefunden und darauf kommt es an!

Sunshine und JUF haben dir so Vieles geschrieben, ich kann mich da nur anschließen. Das, was du mit deinem Partner lebst hört sich nicht nach glücklicher Beziehung an. Und du fühlst dich ja auch nicht wirklich gut damit. Sonst hättest du dich ja nicht auf den Weg gemacht...

Es wird immer Aufs und Abs geben. Und diese Unsicherheiten, dieses Wanken. Alkoholiker haben es gut drauf ihre Cos zu verunsichern, damit sie wieder gewohnt funktionieren. Ich habe das auch hinter mir! Sich seinen Weg in eine glückliche Zukunft zu bahnen ist nicht leicht. Da kommen viele Schuldgefühle hoch. Und Gefühle von Verantwortung. Angst. Und auch Hoffnung, dass es endlich klappen könnte, "er" endlich "vernünftig" wird und einem all diese schlechten Gefühle erspart bleiben...

Leider klappt das nur selten...

Liebe Cielo, ich möchte dir mein herzliches Beileid zum Tod deines Jungen aussprechen. Wie alt durfte er denn werden, magst du das sagen? Meine Tochter durfte 29 Jahre alt werden, bevor sie zusammen mit ihrem Sohn, der gerade tot geboren worden war, sterben musste. Das ist nächsten Monat 4 Jahre her. Und der Tod eine Kindes ist das aller aller schlimmste, was einer Mutter passieren kann, finde ich :( . Du brauchst für dich und deine Seele Trost und Hilfe, nicht dieses Leben, was du jetzt hast. Das hast du nicht verdient!

Lass dich mal einfach in den Arm nehmen, virtuell.

Liebe Grüße
Aurora

cielo72
aktiver Teilnehmer
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Registriert: 10.02.2016, 11:00

Beitrag von cielo72 » 15.02.2016, 10:05

Guten Morgen Aurora,

ja irgendwie ist es tatsächlich ein langer,steiniger Weg. Nachdem XY seit Donnerstag keinen Alkohol mehr trinkt, mir Aufmerksamkeiten gibt,an unserer Wohnung arbeitet,... kannst Du Dir vielleicht vorstellen wie es mir geht..

Mein Sohn (aus 1.Ehe) ist nun vor einem Jahr gestorben und von meinem jetzigen Partner habe ich da wenig Verständnis, aber es war auch nicht sein Kind. Wir haben ihn zum Schluss gemeinsam gepflegt, wobei er mir immer sagte dass er ihn nicht liebt und nur mir zuliebe hilft, das war für mich in Ordnung, denn lieber Ehrlichkeit.
Allerdings gab es auch viele unschöne Situationen, wo ich heute Schuldgefühle gegenüber meinem Sohn habe, da ich damals nicht "hingestanden" bin.
Erst gestern meinte XY, dass ich früher nur mit "egoistischen" Personen, sprich meinem Ex-Mann (das stimmt) , meinem Sohn und meinem anderen Kind umgeben war. Da rebelliert alles in mir, da mein Sohn zum Schluss komplett auf mich angewiesen war....(Pflege,Medikamente,....) will hier nicht ins Detail gehen.

Und wenn ich die letzten Monate sehe, mit den Lügen und Betrügen, weiss auch manchmal nicht was er mit dem Geld macht-wir haben leider noch ein gemeinsames Konto... dann denke ich, was mache ich noch hier ??
Warum habe ich schon wieder die gleichen Fehler gemacht ????

Nun kommt wahrscheinlich noch wegen dem Umgang von meinem anderen Kind aus 1.Ehe eine gerichtliche Geschichte dazu. Mein Ex-Mann hat sehr starke psychische Probleme und hat daher von sich aus den Umgang vor einiger Zeit abgebrochen ist untergetaucht,.. Nun möchte ich mein Kind nicht einfach so mit ihm wieder mitgehen lassen. Daher kommen dann psychische Gutachten,Befragungen bei mir zu Hause,..einher.

Und ich habe Angst vor dem Gespräch mit ihm, das ich in Gedanken so oft geführt habe. Bin zur Zeit nur noch müde,müde,müde... ist das auch eine Reaktion auf das Ganze ????
Eine Hilfe für mich kann ich daher erstmal nur hier finden..

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