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geistesgestört?!

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Martin

Beitrag von Martin » 12.02.2016, 14:23

Hallo Michi,

um den Geburtstag würde ich einen großen Bogen machen, mir wäre das noch viel zu früh.

Ich denke nicht dass das das normale Leben ist, wo bleibst du denn :?:

Auch wenn du jetzt einige Zeit nichts getrunken hast, für deinen Körper ist das eine große Umstellung.

Pass auf dich auf.

LG Martin

Karsten
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Beitrag von Karsten » 12.02.2016, 15:35

Hallo Michi,

versuche auch mehr auf dich zu achten.
Hast du irgendwie das Gefühl, dass du jetzt anderen Menschen in deinem Umfeld oder der Familie etwas schuldig bist?

Gruß
Karsten
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Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 12.02.2016, 15:36

Hallo!

Martin hat schon Recht.

Du gehst auf 2 riskante Veranstaltungen. Muss das jetzt sein? Die kann man auch beide canceln, um einfach mal Ruhe einkehren zu lassen. Lies mal die Grundbausteine. Es geht bei unserer Erkrankung um uns, also auch um Dich. Der Rest wie Freunde und die angeheiratete Verwandschaft sind da nachrangig, so meine bescheidene Meinung. Ich bin zu Beginn, so gut es eben ging, allen Risiken aus dem Weg gegangen und versuche immer noch sie zu meiden. Solche Termine sind doch stets dadurch gekennzeichnet, das andere Teilnehmer mehr oder wenig heftig dem Alkohol zusprechen und das kann den Suchtdruck so stark auslösen, dass Du wieder in Versuchung kommst, mal 1-2 Gläschen probieren zu können.

Gruß Carl Friedrich

michi80
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Beitrag von michi80 » 12.02.2016, 16:00

Hallo Carl Friedrich, Hallo Martin!

Ich weiß, dass ihr Recht habt.
Die Gefahr, dass ich heute oder morgen bei den Feierlichkeiten trinke, ist bei Null. Mein Mann ist anwesend und ich trinke nie in Gegenwart von bekannten Menschen.
Natürlich können diese Einladungen (vor allem die Heute) wieder etwas im Suchtgedächtnis bewirken.
Aber mein Mann freut sich riesig. Endlich seit ewigen Zeiten muss er nicht alleine erscheinen.
Er wirkt seit Langem richtig glücklich.
Meine Gefahrenquelle Nummer eins ist es alleine daheim zu sein.
Aber, dass mein Suchtgedächtnis auch durch solche Situationen wieder aktiviert wird, hab ich nicht bedacht.
Dabei ist es so logisch!
Ich weiß schon gar nicht mehr was richtig und falsch ist.
Bin gerade sehr durcheinander und komm mir vollkommen blöd vor.

Danke trotzdem, oder gerade dafür!!
Liebe Grüße, michi

michi80
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Beitrag von michi80 » 12.02.2016, 16:16

Hallo Karsten!

Ja, ich habe große Schuldgefühle. Vor allem meinem Mann gegenüber.
Ich kann mich zu Zeit noch nicht so gut leiden.

Meine Therapeutin ist sehr bemüht und will mir beibringen, dass ich mehr in mich "rein spüre".

Ich definiere mich nur nach Leistung, obwohl ich eh seit einigen Jahren eh nichts mehr gescheites zusammen kriege.
Vorher schon. Aber irgendwann ging es bergab.

Jetzt so zu tun, als ob alles okay ist, ist sicherlich nicht ganz korrekt, aber versteht ihr mich?
Ich will meinen Mann heute nicht (mehr) im Stich lassen.
Und ich will auch nicht jede Minute des Tages mir denken, dass ich krank bin.

Außerdem hab ich nur zwei Möglichkeiten:
Mit zu fahren oder bis Samstagabend alleine daheim zu bleiben...

Um ganz sicher die Tage nichts zu trinken, muss ich mich für das Erstere entscheiden.

einen lieben Gruß, michi

Karsten
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Beitrag von Karsten » 12.02.2016, 16:34

Hallo Michi,

ich kann dich da gut verstehen mit den Schuldgefühlen, denn ich hatte sie damals auch.

Ich bin zwar deswegen nicht solche Risiken eingegangen.

Ich finde es auch irgendwie ganz normal, wenn man sich schuldig fühlt, denn wir haben ja, auch wenn krankheitsbedingt, anderen Menschen auch in den Sog unserer Alkoholsucht gezogen.

Muss man ja nur mal in den Angehörigenbereich hier schauen, wie Alkohol ganze Familie kaputt macht.

Daher musst du dich auch nicht schämen, wenn du irgendwie Schuldgefühle hast, die aber dann nicht dazu führen sollten, Risiken zur Nüchternheit einzugehen.

Ich habe manchmal hier auch das Gefül, manche Alkoholiker/innen denken, sie tun genug, wenn sie jetzt nüchtern bleiben und die Familie sollte deswegen jetzt auch dankbar sein.
Ich sehe das nicht so, zumal viele Nichtalkoholiker/innnen, also Familienangehörige das Trinken auch nicht als Krankheit sehen.

Wiedergutmachnung und nun ein selbstbestimmtes Leben sollte daher in Demut zusammen kommen.
Ich konnte viele Jahre mit dem Begriff Stolz nichts anfangen, als ich nüchtern wurde.

Ich habe es auch nicht alleine geschafft, aber war immer bereit, auch alles zu geben, wenn mir Menschen geholfen haben.
Im nüchternen Leben wolte ich nicht wieder Menschen ausnutzen, die mir helfen. Für mich gehört das auch zu einem wieder selbstbestimmten Leben dazu.

Dennoch solltest du auch an dich denken und jetzt im nüchternen Leben auch an dich denken.

Gruß
Karsten
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michi80
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Beitrag von michi80 » 12.02.2016, 16:52

Hallo Karsten!


Es ist schwierig. Man will wieder alles gut machen, und soll sich dabei nicht in Stress versetzen.

Ich soll den Tag mit anderen Menschen verplanen, aber auch entspannen; an mich denken. Da liegt mein Hauptproblem.

Ihr habt Recht. Mein Körper ist schnell erschöpft. Muss sich erstmal an dieses Leben gewöhnen. Auch mein Hirn, wenn ich so meine Texte durchlese. Entschuldigung

Wirklich? Jahre später konntest du noch nichts mit dem Begriff
Stolz anfangen? mh...

Ich möchte mich für alle Wortmeldungen heute herzlich bedanken, vielleicht melde ich mich später am Abend nochmal.

Ansonsten, einen wunderschönen Abend!

ein lieben Gruß, michi

Karsten
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Beitrag von Karsten » 12.02.2016, 17:07

Hallo Michi,

nein, das Wort stolz ist für mich damit verbunden, dass ich etwas Großes geleistet oder erreicht habe.

Das war aber die ersten Jahre nicht so.
Ich habe zwar keinen Alkohol mehr getrunken, aber war immer noch von anderen Menschen abhängig, weil ich es nicht schaffte und auch nicht schaffen konnte, aus eigener Kraft nüchtern zu bleiben.
Ich lebte also nicht selbstbestimmt.

Ich brauchte Hilfe und war auch dankbar für die Hilfe. Für mich war es auch nicht selbstverständlich, dass mir andere Menschen helfen.

Ich hatte damals ja mein ganzes Leben in die Obhut anderer Menschen gegeben, damit sie mir helfen nüchtern zu werden und zu bleiben. Dafür habe ich dort meine Arbeitskraft eingebracht, obwohl es "nur" ein alkoholfreies Umfeld gab.
Ich war dankbar etwas tun zu dürfen und im nüchternen Leben nicht nur auch zu nehmen, sondern auch etwas geben zu können.

Natürlich wurde dort auch immer von stolz gesprochen, wenn man einen Jahrestag hatte, aber ich habe nie so gefühlt.
Später, als ich wieder Kontakt zu meiner Familie bekam ( hatte viele, viele Jahre keinen Kontakt ), sah ich in den Augen auch, dass ich noch lange keinen Grund hatte, stolz zu sein.

Heute habe ich auch noch ein gespaltenes Verhältnis zu dem Wort stolz, wenn es um meine Trockenheit geht.

Gruß
Karsten

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