Der Weg des Krebses: nun möchte ich mich auch vorstellen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Nara
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Beitrag von Nara » 18.06.2016, 12:04

Hallo Zusammen,
pardon, dass ich hier solange verschwunden war. Ich bin auf dem Weg, ja, auf einem immer stabileren. Ich habe gemerkt, dass das Schreiben über meine Vergangenheit mich ganz schön aufwühlt, ich aufpassen muss und versuchen möchte, sie in mich zu integrieren. Eine Einstellung dazu finden.
Nun bin ich 1und1/2 Jahre trocken, vielleicht ist es besser, erst einmal über diese Zeit zu schreiben.
Da ich vor Jahren schon einmal selbst entzogen hatte und nach ein paar Wochen naiv und voller Illusionen total in die Falle reingestürzt bin, wußte ich, als ich 2014 in die Entgiftung ging, ich muss mich für das Danach vorbereiten, ich muss wissen, was mein Problem bedeutet. Damals war ich noch nicht so weit, mein Problem als Krankheit zu definieren, ich dachte, wenn ich darüber las: Ihr Heuchler, Ihr nehmt die Alkoholsucht in Euren Katalog auf, um sie behandelbar zu machen und abrechnen zu können, aber in Wirklichkeit denkt Ihr, der/die hat sie herbeigeführt und ist doch selber schuld. In Wirklichkeit taucht in Euch das innere Bild eines Verwahrlosten und Schwachen auf. Von Jemandem, dem man nicht trauen kann und dem es Recht geschieht.
Das war für mich sehr schwierig, zu verinnerlichen, dass Alkoholabhängig zu sein nicht gleichbedeutend mit Abwertung, Schlecht-Sein zu setzen ist.
So war der Gang in die Klinik für mich damals mein absoluter negativster Punkt und ich schrieb an diesem Tag in mein Heft: "Nun bin ich ganz unten. In der Entzugsklinik, mich selber eingewiesen. Bin selber schuld. Zu viel Alkohol. Meine armen Kinder."
Und - heute sehe ich es genau anders herum.
(ich schreib jetzt nachher weiter, falls es ok ist)

Karsten
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Beitrag von Karsten » 18.06.2016, 12:13

Hallo Nara,

deine Gedanken von früher kann ich nachvollziehen und leider ist es auch so, dass viele Menschen noch so denken.
Die Anerkennung der Alkoholsucht als Krankheit bedeutet ja nicht, dass alle Menschen nun verstanden haben, aha ist eine Krankeit.
Wie weit heute Psychologen, Therapeuten oder auch Ärzte so denken, weiß ich nicht, aber es sind ja auch nur Menschen.

Ich finde es wichtig, dass man sich die Hilfe sucht, wo man denkt, gut aufgehoben zu sein und mit seiner Krankheit als solches auch ernst genommen wird.

In erster Linie kommt es aber immer auf einen selbst an, denn niemand anderes kann für uns nüchtern werden. Das können wir nur selbst.

Wenn du dich hier bei uns gut aufgehoben fühlst, denke mal über den geschützten Bereich nach. In den offenen Bereichen ist leider ein hohes kommen und gehen, was ja bei unserer Krankheit auch verständlich ist.

Alkoholiker/innen sind nicht nur am Rande der Gesellschaft lebende Menschen, denn der Alkoholismus hat nichts mit der sozialen oder gesellschaftlichen Stellung zu tun.
Dennoch ist es leider so, dass sich dieses Klischee immer noch bei den Menschen hält.
Vielleicht auch deshalb, um seinen eigenen Alkoholmissbrach vor sich selbst zu rechtfertigen.

Gruß
Karsten

Nara
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Beitrag von Nara » 18.06.2016, 12:27

Hallo Karsten,
Deine Zeilen treffen es genau. Danke. Ja, ich werde in den geschützten Bereich wechseln.

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 18.06.2016, 12:33

Hallo Nara,

ich freue mich, wieder von dir zu lesen, und ich freue mich, dich bald auch im geschützten Bereich zu lesen. Ich kann deine Gedanken, die du heute aufgeschrieben hast, gut nachvollziehen!

Viele Grüße
Thalia

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