Ein neues trockenes Leben aufbauen - ein harter Weg

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.
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Aurora
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Beitrag von Aurora » 08.05.2017, 13:51

Hallo Freddy,

wie geht es dir momentan?

Ich hoffe, du konntest die vielen Termine gut organisieren. Trotz allem.

Liebe Grüße
Aurora

FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 15.10.2017, 21:00

Hallo an alle hier im Forum!

Ich möchte ein kurzes Lebenszeichen von mir geben, ich habe lange nichts mehr geschrieben. Es ist alles ein ewiges Auf und Ab, mal sind die Depressionen stärker, dann geht gar nichts, dann ist es besser. Körperlich ist alles weiter schwierig, weil ich viele Arzttermine immer wieder verschoben habe, denn wenn die Zwänge, Depressionen und Phobien überhand genommen haben, gehe ich nicht raus. Ich war zudem in den letzten 4 Jahren bzw auch in den letzten nassen Jahren so oft bei Ärzten oder im Krankenhaus, dass ich die Schnauze voll habe und manchmal einfach behaupte, es geht mir nicht gut. Am meisten macht mir meine Angst vor Menschen zu schaffen, ich sitze im vollen Wartezimmer und fange an zu schwitzen, als wäre ich frisch auf Entzug. Ich bin total verkrampft und denke, jeder schaut auf jede Bewegung von mir. Mir ist klar, dass das aus der Kindheit herrührt, alles aber wirklich alles wurde von unseren Eltern negativ kommentiert. Ich hörte von meinem Vater nur) und ich schwöre, daß ist die Wahrheit): guck mich nicht so an, ich Schlag dich tot, halt dein Maul, du kannst das nicht, du bist zu dumm, du bist hässlich, geh nicht so laut, was sitzt du da, ich brech dir die Arme.....

Ich glaube, mehr muss ich nicht sagen. Sobald das Zimmer fast leer ist entspanne ich und höre SCHLAGARTIG auf zu schwitzen. Es ist unter den zahlreichen Medikamenten, die auch die Persönlichkeit etwas ändern, nicht wesentlich besser nur die extreme Traurigkeit ist erträglich. Dafür wird das andere Extrem, die grenzenlose Freude, auch abgeflacht. Man bewegt sich irgendwie im Mittelfeld.

Aber die gute Nachricht ist, dass ich nächsten Monat dann 4 Jahre trocken bin. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas für mich zu schaffen ist, war doch mein ganzer Alltag immer darauf ausgerichtet, dass zu bestimmten Zeiten eine bestimmte Menge Alkohol da sein musste. Und Zigaretten.

Das Schlimme, im Nachhinein betrachtet, war am Alkohol, dass er mir scheinbar über 30 Jahre über Zwänge und Phobien sowie depressive Episoden hinweghalf, aber dadurch natürlich die ursprünglichen Probleme nie gelöst, nie aufgearbeitet wurden, sondern man sie nur zugedeckt hat, solange, bis der Körper nicht mehr mitmachte und die Ausfälle sowie sozial Probleme immer stärker wurden.

Die nächste Zeit stehen diverse Arzttermine an, gleich morgen der erste, dann Mittwoch eine Voruntersuchung fürs Krankenhaus, wo in Kürze der Bruch der Bauchdecke operiert werden soll. Das ist eine Folge der Bauchoperationen, als man Bauchspeicheldrüse, Milz, Galle und ein Stück Magen und Zwölffingerdarm rausgerupft hat.

Ich habe Angst, dass ich das nicht schaffe. Ich komme morgens nicht raus, ich habe besonders in depressiven Episoden morgens den absoluten Tiefpunkt. Ich habe zwar eine Sozialarbeiterin zur Seite, die, wenn sie Zeit hat, mit mir die Termine mitmacht, aber oft mag ich nicht fragen, weil ich tief in mir diese Angst habe, zuviel zu verlangen. Wenn wir Kinder daheim etwas hatten, krank waren, egal was, haben wir es lieber für uns behalten. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was unsere Eltern für ein Theater gemacht haben, wenn wir krank waren, es wurde gebrüllt, bestraft, geschlagen. Mein Vater hat oft wie von Sinnen auf uns eingeprügelt. Der Rest der Verwandtschaft war auch so, man hat nur negative Dinge gehört, alles war verboten. Wir waren ungewollt und unerwünscht. Das haben wir zu spüren bekommen.

So, das soll es erstmal für heute gewesen sein, drückt mir mal die Daumen, dass ich morgen ohne Probleme den Arzttermine durchziehen kann, ohne dass mir die Psyche in die Quere kommt.

Bis dann, euer Freddy

Aurora
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Beitrag von Aurora » 15.10.2017, 21:15

Hallo Freddy,

ich freue mich wieder von dir zu lesen :D !
Auch wenn die Dinge, die du über deine Kindheit beschreibst unbeschreiblich sind...

Ich drücke dir auf alle Fälle die Daumen für morgen.

Liebe Grüße
Aurora

Hans im Glück

Beitrag von Hans im Glück » 16.10.2017, 09:36

Hallo Freddy,

ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen.
Auch ich habe Jahrzehnte versucht, mit Alkohol meine Depression zu 'behandeln'.
Davon wurde sie natürlich nicht besser, sondern ich habe mir zusätzlich geschadet.
Ich werfe mir das heute nicht vor, es ist halt so gewesen.

Für uns gibt sich heute die Chance, unser Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Wir wir es wert sind. Weil wir wertvoll sind, ganz gleich, was wir als Kinder an Ablehnung erfahren haben.

Heute ist wichtig, nicht gestern, nicht morgen, nein: heute.
Ich drücke dir alle Daumen, du sollst versichert sein, es gibt einen Weg aus der Depression. Auch wenn wir das vielleicht nicht glauben wollen.

Wir können das, weil wir es uns wert sind.

Liebe Grüße
Hans

FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 04.11.2017, 16:56

Einen wunderschönen guten Tag ins Forum!

Etwa 2 Wochen ist mein letzter Eintrag her. Seitdem hat sich nichts getan, außer dass ich beim Pneumologen war, der, sorry schon mal für die Ausdrucksweise, an dem Tag wohl schlecht geschi.....hatte. Was seine Untersuchung bezüglich der Verschlechterung der COPD angeht, weiß ich nichts, er sagte, er schickt es an den Hausarzt, er werde nicht bezahlt, dass er mir das erklärt. Da ich nicht mobil bin, sehe ich mich genötigt, dorthin zu gehen, denn es ist nicht weit von mir.

Jetzt hatte ich schon länger hohen Blutdruck, also wurde mir auch etwas dagegen zusätzlich zum Betablocker verordnet. Das vertrage ich nicht, ich nehme es nun eine Woche und seitdem ist mir kotzübel. Der Arzt befürchtet, dass die Dosis zudem noch nicht reicht. Das ist mit meinem Übergewicht echt ein Problem. Und all diese Mittel verschlimmern das noch. Wenn ich wenigstens viel essen würde, dann könnte ich hier dran schrauben. So aber nehme ich Medikamente, die nicht abgesetzt werden dürfen und bin aufgeschwemmt wie seinerzeit der gute Elvis, der ja auch eine ganze Batterie Tabletten schluckte.

Die Operation des Bruchs konnte noch nicht stattfinden, da ich erst erkältet und dann irgendwelche multiresistenten Keime hatte. Nächste Woche ist noch mal Check, ich hoffe, es geht dann bald los, denn der Bruch wird immer größer und schiebt das Zwerchfell (zusammen mit der Plautze) nach oben, so dass ich nur noch ganz flach atmen kann. Ein widerliches Gefühl.

Ich habe früher immer gedacht, das hält man nicht aus, ich bin dem nicht gewachsen und habe getrunken, bis es zum Selbstläufer wurde. Heute staune ich, dass ich das alles mit klarem Kopf aushalten. Klar gerate ich durch meinen Gesamtzustand schnell in Überforderung, aber ich habe gelernt, dann auf alles zu pfeifen und erst mal durch zu schnaufen. Früher wollte ich immer alles sofort und überall meine Nase reinstecken. Ich denke, der wesentliche Fortschritt in meinem Leben ist es, zu akzeptieren, dass alles nur begrenzt geht und ich mich ohne das anerzogene schlechte Gewissen zurück ziehe. Und dass ich sagen kann: ich schaffe dies und das alleine nicht, bitte helft mir. Das ging früher gar nicht.

In diesem Sinne bis die Tage
Der Freddy

aboa
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Beitrag von aboa » 15.01.2018, 15:29

Hallo Freddy
Meinen Glückwunsch zu über 4jähriger Trockenheit.Deine Lebensgeschichte hat mich sehr berührt.Anhand Deiner Lebensgeschichte sieht man mal wieder was der Alkohol aus einem Menschen machen kann,aber Hut ab vor Dir das Du den Absprung geschafft hast.Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute vor allen Dingen Gesundheit und ein langes trockenes Leben.
LG Sven

FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 13.02.2018, 15:45

Hallo allerseits,

leider habe ich es lange wieder nicht geschafft, etwas zu schreiben. Ich bin weiterhin ohne Unterbrechung trocken und rauchfrei, aber die Folgen der Alkoholsucht bzw auch der Tatsache, früher alles ignoriert zu haben, sind doch gravierend. Wobei die Folgen des Alkoholismus das eine sind, das andere und zum Teil noch schwerwiegender sind die Folgen meiner 30 Jährigen starken Quälerei. Die Lungenwerte der COPD haben sich innerhalb eines Jahres nun drastisch verschlechtert, niemand kann sagen, warum. Als Folge der COPD leide ich nun unter einem fortgeschritten Lungenemphysem. Das bewirkt, dass die Lunge überdehnt wird und ich nur 48 % des CO2 wieder ausatmen kann. Folge ist, dass die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff viel zu gering ist. Dazu nachts Atemaussetzer, dann gehen die Sauerstoffwerte auf 78 runter. Das heißt, bei der kleinsten Bewegung plus das verdammte Übergewicht bekomme ich keine Luft mehr, bin vollkommen fertig, fange an zu schwitzen wie in keiner Entgiftung und werde so müde, dass ich schon im Gehen eingeschlafen bin. Erst im. Juli kann ich ins Schlaflabor, erst danach bekomme ich ein Sauerstoffgerät.

Ich bin jetzt mal ganz böse: vielleicht hofft die Kasse, dass ich das nicht mehr erlebe....wie gesagt, ganz böse.

Zur Zeit macht alles Schwierigkeiten, der Diabetes, die Schmerzen, die ewige Angst davor, dass die Tumore zurück kehren oder sich dich Metastasen gebildet haben, die Depressionen und die immer und immer wiederkehrenden Albträume.

Ich setze alle Hoffnung in eine deutliche Besserung aller Symptome, wenn ich mehr Sauerstoff habe und zum Schlafen eine Maske bekomme.

So ist man morgens nur kaputt, fertig, alles tut weh, man steht auf, frühstückt und ist wieder fix und fertig. Und je mehr man selbst weniger leisten kann, umso mehr ist man auf fremde Hilfe angewiesen. Für jemanden, der wie ich auch Kontrollzwänge hat, ist das sehr belastend. Ich kann durch mein fehlendes Vertrauen, welches daraus resultiert, kaum Hilfe annehmen, und wenn, belastet mich das sehr, weil ich ständig nach kontrollieren muss ob das so ist, wie es sein soll.

Drückt mir die Daumen, dass vielleicht jemand anspringt und ich früher ins Schlaflabor kann.

Bis demnächst der Freddy

FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 13.02.2018, 15:47

Ihr Lieben, es sollte nicht Quälerei, sondern QUALMEREI UND heißen. Sorry.

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