Barthell; Kurzvorstellung und Fragen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Barthell
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Beitrag von Barthell » 19.06.2017, 10:52

Thema der letzten Therapiestunden war

"Langeweile, Neugier" zwei Gegensätze.
Neugierig werden auf die Umwelt erst einmal eben wie ein Kind, versuchen immer Fragen zu stellen und Zusammenhänge zu ergründen, genauer hinschauen.
Das verhindert Langeweile.

Zudem ein ganz großer Brocken "loslassen", Emotionen zulassen.
Starkes Stück Arbeit, Anstrengend, oft fühle ich mich nach so einer Stunde Nachdenklich und matt.

Wie immer kam Pünktlich nach dem Wochenende der Saufdruck bzw. zum Ende der Woche ... mittlerweile kann ich mich da aber recht gut drauf einstellen, ihn willkommen heissen und "Nein" sagen.

Wie einem Vertreter der zum 21938192 Mal an die Tür klopft und genau weiss dass nix zu holen ist, es aber trotzdem wieder versucht, werden die "Versuche" weniger entusiastisch eben ein "Pflichtversuch" ...

Barthell
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Beitrag von Barthell » 28.06.2017, 23:27

Mir geht es gut, Klar ich hatte etwas Stress,

aber wenn ich ehrlich zu mir bin sind diese Phasen dermaßen kurz und etwas wie ein Gummiband zieht mich zurück, .... wie wenn man im Zug stehen muss ohne sich fest zu halten... solange es gradeaus geht... kein Problem, kommt eine Weiche muss man kurz ausbalancieren evtl 1-2 Schritte machen und dann gehts auch wieder


so etwa fühle ich mich grade... sehr entspannt. Zufrieden. Und das darf ich sein.

Klar bin ich heute 10 Minuten später zur Einzeltherapie gekommen weil ich sattdessen lieber zugesehen habe wie sich die Gewitterwolken über FFM türmen und zu spüren wie der Wind mir um die Ohren pfeift, am Hemd zieht und ich auch meine Mutter vermisst habe....

Aber der Therapeut meinte nur " Sie dürfen das" ... und das sehe ich genauso.
Wenn mir etwas gut tut (und mir nicht vorgaukelt gut zu tun, was ich nur erkenne wenn ich ehrlich zu mir bin) dann darf ich das annehmen, ich muss nicht der tapfere Indianer sein der alles runterschluckt (eher der tapfere Indiander der im Selbstverteidigungstraining das A*loch vom Dienst spielt wenn der Trainingspartner das ab kann) ich darf weinen, ich darf spüren wie der Wind die Tränen meine Wangen entlang pustet.

Trotzdem darf ich auch zufrieden sein.

Weinen und zufrieden sein? ein Widerspruch?
NEIN!
vielleicht weine ich weil ich zufrieden bin?
vielleicht bin ich zufrieden weil ich weine?

Ich weiss es nicht, aber das muss ich auch nicht.

Unterm Strich geht es mir grade verdammt entspannt wohl, eine Zufriedenheit die mir gut tut, die mir nicht peinlich sein muss.
Emotionen die ich laaaaaange weggesoffen habe (Speziell der Abschied von meiner Mutter und evtl auch meiner "Familie") bekommen langsam ihren Platz. Das dürfen sie. Ich möchte dass sie das dürfen.

Denn das tut mir Gut.

Aktuell arbeite ich an einer Liste:

"was will ich"

Erster Schritt für mich:
was wollen "Freundin" "Familie" "Arbeit" dass ich bin?
Bewusst wahrnehmen und sagen "NEIN erstmal nicht, vielleicht gibt es Schnittmengen, aber die kann ich später bestimmen", erstmal geht es um MICH, und ich sorge für mich und ich schaue, dass ich keine wichtigen Sachen auf die "Lange Bank" schiebe.

Und JETZT will ich grade nur aufm Balkon unter einer aufgespannten Bauplane im Schlafsack liegen, genießen dass der FFM Flughafen ein NAchtflugverbot hat und einschlafen.

in dem Sinne...

Gute Nacht,

Passt auf euch auf, ein andrer tuts nicht! (Sinngemäßes Zitat aus "Edge of tomorrow" wahrscheinlich schon viiiiiiiiiiieeeel Älter)

Katrienchen
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Beitrag von Katrienchen » 29.06.2017, 07:11

Barthell hat geschrieben: Weinen und zufrieden sein? ein Widerspruch?
NEIN!
vielleicht weine ich weil ich zufrieden bin?
vielleicht bin ich zufrieden weil ich weine?
hab deine Gerschichte gerade gelesen, und sie hat mich sehr berührt.
Erstmal Herzlichen Glückwunsch zu deinem bisherigen Weg.
Und zu dem Zitat:

Ich denke Du bist zufrieden, weil Du erkannt hast, dass Du auch mal weinen darfst *lächel*
so geht es mir jedenfalls.

Alles Gute für Deinen weiteren Weg!

Barthell
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Beitrag von Barthell » 13.08.2017, 19:52

Danke,


Ich war lange weg aus dem öffentlichen, Ja.

Trotzdem nutze ich die Zeit heute auch weil ich zwischenzeitlich wieder massive Stimmungsschwankungen hatte, Selbstzweifel und Schritte auf dem Weg zum Rückfall gemacht hatte wie z.B. Zerstörerische Gedanken, Lethargie, "mir ist alles zuviel", "ach ich könnte doch wieder".

Zeiten in denen mein Notfallkoffer Gold wert war.

Heute ist ein Tag an dem mir wieder einmal etwas mehr bewusst geworden ist, wie schön es ist nüchtern zu sein.

Statt wie früher bis das Kopfweh aufhört im Bett liegen zu bleiben sind meine Freundin und Ich nach Hundshaupten in den Wildpark gefahren, pünklich um 9 als er aufgemacht hat, das Wetter war bedekt, manchmal nieselig, dafür konnten wir Jungluchse, Elche, Schafe, freilaufende Rehe und Hirsche beobachten, viele Vögel und eine wundervolle Natur.

Nach dann fast 4h Zugfahrt Richtung Heimat bin ich aufs Rad gestiegen und bin im Licht der Abendsonne eine gemütliche (keine Notfallkoffermäßige) Runde gefahren wieder viel Natur und viel zu beobachten.
(Zur Erklärung: Nofallkoffer mäßige Runde sind 1-2 Stunden am "Limit" bzw. bis die Gedanken weg sind.)

Dannach habe ich zu keltischen Harfenklängen eine 15 Minütige Strecheinheit gemacht und bewusst auf meinen Körper gehört, wo zwickt was, wo fühlt sich was gut an...

Bei der Abschließenden Dusche habe ich dank der Abensonne durchs Fenster und der "Regen"Duschkopfbrause einen kleinen Regenbogen in der Duschkabine gehabt, dazu die Wassertropfen in denen sich das licht brach und das bewusste gefühl von Wasser auf der Haut, wo es aufschlägt wo es hinfließt. Ein besonderes Gefühl, ein starkes Gefühl, stark genug um mir Gänsehaut vor Glücklichkeit zu machen.

Dieses Gefühl kommt in mein kleines Kästchen, das garnichtmehr so klein ist, um mich daran zu erinnern wie schön es ist einen Tag nüchtern zu erleben falls ich wieder düsterere Gedanken bekomme.

Jetzt mache ich noch etwas Musik an und werde meinem Rad eine schöne Behandlung zukomen lassen, Reifen ausbauen, alles schön putzen, trocknen, Schaltung und Kette reinigen und Pflegen und dann gemütlich ins Bett gehen denke ich.

Danke für diesen schönen Tag.
Danke dafür dass ich solche Glücklichkeit empfinden kann.

Katrienchen
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Beitrag von Katrienchen » 14.08.2017, 22:00

die letzten beiden Sätze sollte mas sich ganz gross an die wand schreiben :)

Barthell
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Beitrag von Barthell » 06.11.2017, 21:45

Wow schon so lange her!


Ich schreibe ja grade auch in der Geschlossenen nicht so viel, das hängt auch damit zusammen, dass ich abends nicht unbedingt nochmal den PC anschmeissen will.

Ansonsten habe ich wieder einmal Stimmungschwankungen.

Freundin und Job sind zwei Baustellen...

Aber ich Hauch gelernt, dass das leben weiter geht .)


Gute Nacht

Barthell

Correns
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Beitrag von Correns » 12.11.2017, 00:11

Guten Abend Barthell,

Stimmungsschwankungen sind oft arg störend.
Vor allem haben sie häufig die Angewohnheit,
sich nicht vorher anzumelden...

Mich hat die Lebensachterbahn in der letzten Woche
ebenfalls wieder sehr nach unten gebracht.
Dabei war selbst ein Beenden meiner Trockenzeit eine Option.
Glücklicherweise ging es ohne Schaden wieder weg.
Was mich dieses Mal gewundert hat:
Die Alkoholphantasie hielt sich hartnäckig fast den gesamten Tag.
Ganz schön gruselig.

Dass ich selbst nach längerer Trockenzeit
immer wieder solche Phasen durchlebe, stört mich.
Glücklicherweise ist und bleibt das Haus alkfrei.

Viele Grüße
auf dass es bald wieder nach oben geht
Correns

Slowly
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Beitrag von Slowly » 12.11.2017, 04:48

Hallo Barthell,

diese Stimmungsschwankungen kannte ich auch in den letzten Wochen und sie gipfelte nach dem Tod meines Katers in einer "echten" Krise.

Bei jedem "falschen" Wort kamen mir die Tränen, ich hatte keine Energie zu nichts mehr, musste mich ständig ausruhen...

Dann ging ich zur Psychologin und mit nur zwei Diagnosesitzungen und einigen Sätzen (die saßen) wurde mir vieles klar.

Jetzt nehme ich hochdosiertes Johanniskraut aus der Apotheke, warte auf meinen Therapieplatz und habe erst mal abgeschlossen mit romantischen Beziehungen aller Art.

Inzwischen geht es mir konstant wieder viel viel besser.

Vielleicht, wenn ich irgenwann vorangeschritten bin in meiner Therapie, werde ich wieder etwas Romantik in mein Leben lassen .....sollte es sich ergeben,

Bis dahin bin ich mit mir, meiner Familie, Freunden und Hobbies ausgelastet und ausgefüllt.

Ich empfinde "romantische Partnerschaft", wenn sie nicht mehr durch die rosarote Brille gesehen werden kann als manchmal ziemlich anstrengend und nur dosiert zu ertragen, bestimmt liegt das auch an mir ( meiner komplexen Persönlichkeit ) oder daran, dass ich mich nicht mit halben Sachen zufrieden geben möchte.

Was den Job betrifft kann ich nicht viel sagen, da ich nur geringe Teilzeit arbeite und
ich das halt, wenn es mal nicht so toll ist, einfach hinnehme.

Liebe Grüße

Slowly

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