Ich suche Hilfe für mich, brauche ich Hilfe?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Waldhaus
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Beitrag von Waldhaus » 02.01.2018, 22:03

Hallo ihr zwei, danke für den Austausch.

Ich glaube, das ist das Schwerste an der Co-Abhängigkeit. Eine eigentlich wertvolle soziale Eigenschaft kann mit den Symptomen der Sucht so negative Auswirkungen für beide Seiten haben.


Bis man merkt, dass helfen auch negativ sein kann, ist es meistens schon zu spät.

Eine teuflische Kombination. Ich hätte damals bei meinem Mann nicht still zusehen können. Er brauchte doch nur den Alkohol weglassen. Wenn er es nicht alleine kann, ich helfe ihm dabei. Wie z. B., wenn ich was finde, schütte ich es weg, wenn Feiern sind, versuche ich mehr zu trinken, dann bleibt nicht so viel für ihn übrig. ( so unbedarft war ich :roll: )

Als mir klar wurde, dass ist eine Krankheit, habe ich es sehr ungerecht empfunden, den Rat zu bekommen, nicht zu helfen.

Wer einen Beinbruch hat, einen Herzinfarkt, Masern oder sonst eine Krankheit, dem würde Niemand sagen, sieh zu, wie du dir selber hilfst.

Bis ich verstanden hatte, das helfen auch sehr egoistisch sein kann, war es fast schon zu spät.
Wir mussten beide kapitulieren, erst dann war der Weg frei für seine Genesung.

Den ersten Schritt in eine Selbsthilfegruppe habe ich gemacht. Ich habe ununterbrochen geheult, geweint, war verzweifelt und wurde dort aufgefangen. Ich bin vom Karussell gesprungen.

Mein Mann hat die Langzeittherapie genutzt. Doch danach mussten wir beide lernen. Er, mit einem trockenen Leben und ich mit einem trockenen Mann, der zwar ohne Alkohol lebte, aber noch nicht gelernt hatte, wie es sich anfühlt, ohne Alkohol jede Situation zu meistern. Ging es mir anders? Nein.

Ohne den Austausch mit anderen hätte ich gar nix verstanden. Wir haben es 10 Jahre geschafft.

Jetzt muss ich immer noch lernen, was meine Co-Abhängigkeit sein kann, wie ich auf Hilfebedürftigkeit, die eigentlich gar keine ist, reagiere. Es muss gar kein Alkohol im Spiel sein, nur ein Mensch der mit seiner Situation überfordert ist und hilflos wirkt. Ich spucke in die Hände und sage, das schaffen WIR schon.

Was ist, wenn der andere dafür keine Kraft, keine Lust, keine Möglichkeit hat? :?

So ein Mist.

Waldhaus
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Beitrag von Waldhaus » 21.01.2018, 07:29

Nun ist schon wieder einige Zeit vergangen und ich habe kein Tagebuch geschrieben. :(
Ich denke oft, nein, so will ich mein Leben nicht. Dann kommen mir wieder Zweifel, und ich bin nicht bereit etwas zu ändern.

Warum lasse ich mich beschimpfen? Warum finde ich Entschuldigungen für ein Verhalten, das mich schwer kränkt?

Weil ich denke, ein Kranker kann mich nicht kränken? Weil es auch gute Zeiten gibt? :(

Es ist ja kein Alkohol im Spiel. Wenn, dann würde ich mich umdrehen und gehen (denke ich jetzt, wäre es wirklich so? doch, mit meinem Mann hat es so funktioniert)

Mir wäre es lieber, wenn Alkohol im Spiel wäre. Aber wie soll ich mit einem Menschen, der offensichtlich kein Suchtverhalten hat und trotzdem sein Verhalten in manchen Situationen nicht kontrolliert, oder mir die Schuld an seinen verbalen Ausrastern gibt, umgehen?


Muss ich mich als "Du dumme Sau" anbrüllen lassen, so wie vorgestern?


Wird es sich ändern? Nein!! Ich muss viel Kritik einstecken und werde genauso oft aufgemuntert.
Ich muss da raus und weiß nicht wie. Ich hätte so gern ein friedliches ausgeglichenes Leben, und habe Angst vor meinen Ängsten. Ich habe Angst, nicht konsequent zu sein.


Mit darüber reden, ist keine Lösung. Es passiert, dass mir dann genau das Gegenteil behauptet wird. Also, mit anderen Worten, es wird nicht ernst genommen, was ich von mir, meinen Wahrnehmungen und Empfindungen mitteile und führt sofort zu Streit, den ich meide.

Am Besten funktioniert es, wenn ich still bin. Das habe ich mein ganzes Leben lang gelernt. Das Gefährliche daran ist, ich vergesse diese Vorfälle und erst, wenn es wieder passiert, erinnere ich mich daran.

Dazu kommt, dass ich dass Gefühl habe, er klammert.

(Habe ich eigentlich schon geschrieben, dass es mein neuer Lebensgefährten ist? Im ersten Jahr des Kennenlernens, vor 10 Jahren, habe ich mal Schluss gemacht und wurde von seinen Freunden angerufen, ob ich weiß, wie schlecht es ihm ohne mich geht. Nicht er hat angerufen!! Trotzdem bin ich voller Hilfsbereitschaft hingefahren und bis jetzt geblieben.)

Nun sitze ich hier vor dem PC und bin einfach ratlos.
Ich bin die Süchtige, die nicht loslassen kann, die denkt, es wird sicher besser, wenn die Situation vorbei ist.

Doch halt, ich habe mir Notizen gemacht, mit Datum und Anlass von solchen Ausrastern, nach denen ich mich schlecht fühle. Fast jeden Monat 1x :P Ich muss nur wissen, wo es steht.


HILFE, ich will da raus!!!!!!!!

Waldhaus
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Beitrag von Waldhaus » 21.01.2018, 07:31

Bin ich hier überhaupt richtig?

Gotti
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Beitrag von Gotti » 21.01.2018, 08:49

Klar bist du hier richtig!
Du denkst immer noch, du musst bleiben, ihn unterstützen, ihm helfen, ihn nicht alleine lassen... Er trinkt zwar nicht, ist aber trotzdem "krank" und hilfebedürftig, und du lebst deine Co- abhängigkeit.
Es hat mir klar wehgetan, als Andere mir von dem "schlechten Zustand" meines Mannes nach meinem Auszug erzählten. Es tut immer noch bisschen weh, wenn ich ihn sehe, aber ich "leide" nicht mehr "für ihn"!
Meine langen Leidensjahre neben ihm haben mir lange gezeigt, dass er nichts ändern wird, auch wenn ich nebenbei zugrunde gehe. Also kann er auch alleine zugrunde gehen, und ich werde hoffentlich ganz gesund.
Ganz einfach ausgedrückt.
Was soll das für eine Liebe sein, wenn man nur gedemütigt wird?
Wenn man nur den Gestank des Alkohols und keine Zärtlichkeiten bekommt? Wenn man mit allen Sorgen und Problemen des Alltags alleine fertigwerden muss?
Nein! Das ist keine LIebe mehr! Daran MUSS man nicht mehr festhalten.
Liebe Grüße, Gotti!

Aurora
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Beitrag von Aurora » 21.01.2018, 11:42

Liebe Waldhaus,

du bist hier goldrichtig!

Dieses Verhalten, was du an den Tag legst, ist ja ein krankes Verhalten. Es ist coabhängiges Verhalten, so etwas gibt es ja nicht nur zwischen einem Alkoholiker und seinen Mitmenschen.
Es ist ja kein Alkohol im Spiel. Wenn, dann würde ich mich umdrehen und gehen
Warum muss Alkohol im Spiel sein? Du wirst beschimpft und erniedrigt. Du wirst nicht ernst genommen. Du lässt dich klein machen, dir den Mund verbieten. Und so weiter. Dieses Verhalten dir gegenüber ist kein Verhalten, das auf eine gesunde Beziehung in Augenhöhe und Liebe deutet. Oder? Egal, ob dein Partner säuft oder nicht! Sowas muss sich niemand gefallen lassen!
Muss ich mich als "Du dumme Sau" anbrüllen lassen, so wie vorgestern?
Nein!

Warum denkst du, dass du Verantwortung für ihn hast, warum denkst du, dass du ihm helfen musst? Warum nimmst du alle Schuld alleine auf dich. Unterdrückst deine Gefühle, ziehst dich zurück. Warum versuchst du unsichtbar zu sein?

Du hast geschrieben:
Es ist ja kein Alkohol im Spiel. Wenn, dann würde ich mich umdrehen und gehen (denke ich jetzt, wäre es wirklich so? doch, mit meinem Mann hat es so funktioniert)
Es hat ja schon funktioniert, das heißt, du weißt wie es geht! Nichts anderes ist das jetzt auch! Nur, dass der Alkohol fehlt. Aber das ist doch Wuscht. Egal ob mit oder ohne, ob mit sonstwas, solch ein Verhalten muss sich niemand gefallen lassen!

Du hast immer das Recht zu gehen. Du hast das Recht, dich in deinem Leben gut zu fühlen. Du hast das Recht Dinge zu beenden, wenn sie dir nicht gut tun, dich kaputt machen. Egal, wie der andere sich fühlt, das sind seine Gefühle!

Es geht um dich!

Liebe Grüße
Aurora

Aurora
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Beitrag von Aurora » 13.02.2018, 10:47

Liebe Waldhaus,

wie ist es dir ergangen in der letzten Zeit?
Ich muss da raus und weiß nicht wie. Ich hätte so gern ein friedliches ausgeglichenes Leben, und habe Angst vor meinen Ängsten. Ich habe Angst, nicht konsequent zu sein.
Hat sich da inzwischen für dich ein wenig was klären können? So Ängste sind schlimme Gefühle, ich kenne sie auch leider zu gut. Aber Angst lähmt auch, macht starr, unsicher.

Mach doch mal "Piep".

Liebe Grüße
Aurora

Danja
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Beitrag von Danja » 14.02.2018, 00:49

Waldhaus hat geschrieben:
Mir wäre es lieber, wenn Alkohol im Spiel wäre. Aber wie soll ich mit einem Menschen, der offensichtlich kein Suchtverhalten hat und trotzdem sein Verhalten in manchen Situationen nicht kontrolliert, oder mir die Schuld an seinen verbalen Ausrastern gibt, umgehen?


Muss ich mich als "Du dumme Sau" anbrüllen lassen, so wie vorgestern?
Nein. Von keinem. Ob betrunken oder nüchtern.

Aber Du hast recht: bei einem Nüchternen ist es irgendwie noch schlimmer. Weil komplett klar ist, dass er sich nicht etwa nicht kontrollieren KANN sondern dass er es bei Dir (und zwar nur bei Dir, oder schreit er seinen Chef so an?) nicht kontrollieren WILL. Dass er Dich als Sandsack, Blitzableiter oder auch Abfalleimer benutzt.

Du brauchst nicht rätseln, ob er oder der Alkohol spricht. Er denkt so. Er denkt, so mit Dir umgehen zu dürfen.

Das ist die hässliche Wahrheit.

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