Am Ende der Straße: Rechts oder links abbiegen?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Vollwaise

Am Ende der Straße: Rechts oder links abbiegen?

Beitrag von Vollwaise » 23.01.2018, 14:14

Hallo zusammen,
ich bin Thomas, 49 Jahre alt und nunmehr seit 1 1/2 Monaten trocken. Um trockener Alkoholiker zu sein, muss man ja von der Logik her auch mal gesoffen haben, wie es dazu kam, schildere ich nachfolgend:

Meine „Karriere“ begann klassisch in der Sturm-und-Drang-Zeit mit Anfang 20, am WE wurde Party gemacht, viel getrunken und gefeiert. Ich tat mich stets damit hervor, am meisten und am schnellsten trinken zu können. Am Sonntag wurde dann der Kater auf dem Sofa auskuriert, unter der Woche wurde gearbeitet und nichts getrunken, um dann am WE wieder loszulegen.
Irgendwann habe ich dann meine Frau kennengelernt und geheiratet. Wir haben dann ein Haus gekauft und ich habe Karriere im Außendienst gemacht. Den Job hatte ich absolut im Griff, es war aber normal, einerseits viel Umsatzdruck zu haben, andererseits aber auch mit Kunden und/oder Kollegen auf Veranstaltungen einen zu bechern…. Auf Messen, die meistens von Dienstag bis Samstag gingen und entweder in Frankfurt oder in Essen waren, war es normal, sich abends mit den Kollegen mächtig einen zu brennen. Am nächsten Morgen ging es mir immer schlecht und ich habe die Kollegen bewundert, die zwar am Abend die Letzen in der Kneipe waren, aber am Morgen danach die Ersten am Messestand… Booohhh, hatte ich immer nen dicken Kopp….

Heute weiß ich, dass es genau umgekehrt war: Ich war noch nicht so weit wie manche meiner Kollegen. Ein echter Säufer/Alkoholiker kennt keinen Kater, denn der Körper schreit nach noch mehr Alk und der den Kater verursachende Mineralstoffmangel tritt in den Hintergrund.

Der Druck im Job und die durch den Job bedingten Trinkgewohnheiten führten dann dazu, dass ich auf einmal auch unter der Woche zuhause 2-3 Feierabendbierchen getrunken habe. Meine Frau fand dies zwar befremdlich, denn sie hat immer nur auf Feiern getrunken, maß dem jedoch keine Bedeutung zu.

Parallel war immer das Thema eigene Kinder auf der Agenda, meine Frau wollte welche, ich habe das Thema immer auf das nächste Jahr verschoben. Dann hatte ich die Chance, mich in einem sehr lukrativen Umfeld selbständig zu machen. Ich habe also den Job gekündigt und der Wechsel war ein Riesenerfolg. Ich war meines Glückes Schmied, im Guten wie im Schlechten… Mega-Provisionen, aber eben kein Festgehalt… Und so wurden aus 2-3 dann 4-5 Fläschchen, was das Klima in der Ehe massiv verschlechterte.

Wir hatten uns ein Haus gekauft, dieses fast in kompletter Eigenleistung zusammen renoviert, alles war (bis auf meinen Alk) wunderbar. Das Thema Kind kam immer wieder hoch und wurde immer wieder von mir vertragt. Heute weiß ich, dass mir Kinder gar nicht lästig gewesen wären, sondern dass ich damals schon wusste, dass im Keller meiner Seele eine Bombe namens Alkohol wohnt, die irgendwann in die Luft gehen würde. Da meine Eltern beide Alkoholiker waren und wir Kinder massiv darunter zu leiden hatten, wollte ich um keinen Preis unseren etwaigen Kindern selbiges zumuten. Fadenscheinig wurden Argumente wie „dann können wir nicht mehr 3x im Jahr in Urlaub“ etc. vorgebracht. Bei meiner Frau tickte jedoch die Uhr und rechts und links wurden alle Frauen in unserem Bekanntenkreis Mütter….

Schließlich setzte mir meine Frau die Pistole auf die Brust, entweder Kind oder Scheidung. Heute weiß ich, dass die Fragestellung nicht Kind oder kein Kind war, sondern Alkohol oder kein Alkohol. Meine Säuferkarriere hätte mit einem oder gar mehreren Kindern enden müssen, dies wollte ich auf keinen Fall. Also haben wir uns dann im Guten getrennt, das Haus verkauft und die Kohle aufgeteilt und haben bis zum heutigen Tag ein freundschaftliches Verhältnis. Unzählige Male hat mir meine Exfrau auf den Weg gegeben, ich solle auf mich aufpassen und meinen Alkoholkonsum reduzieren.

Es folgten unzählige Beziehungen mit Frauen aus dem Internet, die Gemeinsamkeit der Frauen war, dass alle psychische Probleme hatten, selber gerne getrunken haben und niemals auf die Idee gekommen wären, meinen Konsum zu kritisieren und so dazu beizutragen, dass ich vom Alkohol wegkomme. Genau dies habe ich mir aber immer gewünscht, war dann unzufrieden, habe die Beziehung beendet mit der Gewissheit, dass eine Co-Abhängige mich nur weiter in die Sch… reitet, um mir dann die nächste Co-Abhängige zu suchen.

6-8 Bier täglich waren mittlerweile normal wie auf Toilette gehen, macht man ja auch jeden Tag… Ich habe allerdings nur abends getrunken.
Im September 2015 habe ich dann bei einem Fußballspiel eine ehemalige Schulkameradin wieder getroffen und wir haben uns verliebt. Auch hier war Alkohol, -wohl u. a. durch das Umfeld Fußball-, normal. Wir sind dann recht schnell zusammengezogen und mein Konsum wurde weniger, denn die Frau tat mir sehr gut und ich ihr auch.

Ich arbeitete primär zuhause im Homeoffice und sie halbtags. Sie ist dann nach der Arbeit immer einkaufen gegangen und hat dann nach 4 Monaten Zusammenleben täglich 4 Weizen und 2 Flaschen Wein mitgebracht. Die Weizen waren meine, den Wein haben wir geteilt. Neigte sich die zweite Flasche Wein dem Ende zu, habe ich sie beäugt wie ein Löwe den anderen, wobei ich Löwe ja schon weit mehr als das halbe Zebra im Bauch hatte. Wenn sie dann zur Toilette ging, habe ich oftmals Wein aus ihrem Glas getrunken, obwohl ich ja schon ohne Ende Alk intus hatte. Sie war dann sauer und auch alarmiert, denn ich hatte ja schon einiges auf. „Reicht das denn nicht, Thomas?“

Die Lösung war schnell gefunden, ich beauftragte sie, 6 Weizen und 2 Flaschen Wein zu kaufen und habe dann für eine sehr lange Zeit ihr Weinglas nicht mehr angefasst.

So kam dann der Mai 2017 und die oben genannte Menge war wieder mal weggesoffen, aber aus irgendeinem Grund hatte ich noch nicht genug. Also forderte ich die Dame auf, zur Tanke zu gehen und nochmal 6 Weizen zu holen (waren dann in Summe 12 Weizen und 1 Pulle Wein an EINEM Abend). Unter Protest folgte sie meinem Wunsch. Dies wiederholte sich 4-5 Mal, bis sie dann mitteilte, meine immer mehr eskalierende Sauferei nicht mehr unterstützen zu wollen. Wir hatten heftigsten Streit, ich hatte beruflich sooooo viel Stress und die Halbtagsschlampe (Zitat) missgönnte mir doch tatsächlich mein Feierabendbierchen, oder um präzise zu sein: Meine ZWÖLF und die Pulle Wein!

Meine Freundin hat sich an diesem Tag radikal verändert und seither keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Ebenso hat sie keinen einzigen Tropfen mehr gekauft, was am Anfang wieder zu heftigstem Streit führte, ich schaffte dann aber Abhilfe, indem ich eben selber den Alk einkaufen ging. Hatte den Vorteil , dass ich mehr kaufen konnte und außerdem der Stoff früher da war. Wenn es Verkehrsprobleme gab, war sie manchmal erst um 14:10 Uhr statt um 14 Uhr zuhause, diese extrem verspätete Lieferung des Alkohols wurde durch meinen eigenen Einkauf vermieden.

Unsere Beziehung war nur noch eine Farce, sie war da oder nicht, ich war eh nie da… Der Job lief im Notbetrieb und der Beginn der täglichen Sauferei verschob sich immer mehr nach vorne. 13:30, 13 Uhr, dann 12 Uhr.
Problem: Je früher man anfängt, desto weniger ist abends da. Also wieder die „GEH-ZUR-TANKE“-Diskussion, was sie ablehnte. Da sie sich standhaft weigerte, habe ich sie dann rausgeschmissen und sie ist interimsmäßig zu ihrer Mutter gezogen. Sie nahm die notwendigsten Dinge mit und ihr folgten aus unserem Wohnzimmerfenster wüsteste Beleidigungen meinerseits. Ja: Klar haben wir Nachbarn, aber was soll es denn? Die Olle wollte ja kein Bier holen, was will man da machen…

Nunmehr wohnte ich alleine, hätte fast „lebte“ geschrieben, aber Leben kann man das nicht nennen, denn jetzt brachen alle Dämme…. Der beste Supermarkt ist sicherlich xxx und eben nicht - edit, bitte keine Firmennamen, danke- . Nicht etwa, weil im xxx die Preise niedriger sind oder die Auswahl besser, nein: xxx öffnet morgens um 7 Uhr, die anderen erst um 8 Uhr. Also bin ich dann (immer mit ordentlich Restalk im Bauch und der Führerschein ist meine Existenz) zum Netto gefahren, habe meine 6-8 Pullen Weißwein geholt und bin fröhlich nach Hause. Dummerweise hat der Mensch nur einen Mund, den er fakultativ benutzen kann. Entweder isst er oder er trinkt. Ich habe so gut wie nichts mehr gegessen und 15 kg abgenommen. Die Kalorien kamen aus dem Alk, die Nährstoffe kamen eben gar nicht, aber wen stört das?

Gegen 14 Uhr wurde dann beinahe täglich meine Freundin bombardiert mit der Aufforderung, mir auf dem Nachhauseweg Alk zu bringen, was sie natürlich ablehnte. Es folgten ungeheuerliche Beschimpfungen sowie mehrere abgrundtief beleidigende SMS täglich. Dennoch ist meine Freundin immer ans Telefon gegangen, wenn ich sie anrief und hat mir immer angeboten, mir zu helfen. Wir hatten nur unterschiedliche Auffassungen, was denn Hilfe bedeutet.

Mitte November 2017 wuchs wie ein sehr zartes Pflänzchen in mir die Einsicht, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Die Wohnung sah aus wie ein Schlachtfeld, ich war total verwahrlost, überall standen leere Flaschen, der Müll türmte sich. Also habe ich mich im Internet nach Alkoholentzug erkundigt, diesen Gedanken aber immer verworfen. Das Eingeständnis, Alkoholiker zu sein und die Akzeptanz der Tatsache, dass ich auf das Ende der Klippe zurase, hatte sich noch nicht in meinem Kopf gefestigt. Als Alternative zwei habe ich mir im Internet Infos besorgt, wie man sich einfach und schmerzlos umbringen kann.

Interessant und kurios hierbei sind 100% sichere Tipps von Leuten, wie man sich effektiv die Pulsadern aufschneidet. Die Frage ist (heute, damals nicht), woher die Leute, die dies schreiben, dass denn wissen? Ist aber ein anderes Thema….

Am Samstag, den 02.12.2017 habe ich mir morgens per Taxis einen Kasten Bier bringen lassen, den ich an diesem Tag komplett geleert habe. Am Sonntag bin ich dann um 07 Uhr zur Tanke und habe mir 6 Flaschen Weißwein geholt, mehr hatten die nicht, doofe Tanke… Abends kam dann das Pizzataxi und brachte mir eine Pizza und 8 Bier. Die Pizza landete ungeöffnet und ungegessen in Müll, das Bier habe ich hingegen gesoffen. Die liefern halt nicht, wenn man kein Essen bestellt, warum auch immer…

Der Montag fehlt komplett, keine Ahnung, was ich da gemacht habe, gesoffen habe ich aber in jedem Fall.

Am Dienstag, den 05.12.2017, war ich am „point of no return“ angelangt. Am Ende des Weges, der sich gabelte nach rechts oder nach links, aber eben nicht mehr geradeaus.

Ich bin aufgestanden mit dem festen Willen, der täglichen Sauferei ein Ende zu setzen, so oder so.

Es gab für mich an diesem Tag keinen Supermarkt, kein Taxi, keine Tanke. Ich habe an diesem Tag beschlossen, zu meinen Lebzeiten keinen Alkohol mehr zu trinken.

Ich habe mir dann Badewasser eingelassen und mich in die Wanne gelegt. In meiner rechten Hand befand sich mein frisch geschliffenes Ausbeinmesser und es gab nur zwei Möglichkeiten:

a) Pulsadern auf und in der Wanne auf den Tod warten

b) Raus aus der Wanne und den RTW anrufen und mich zur Entgiftung einweisen

Zunächst lag a) vorne, hierfür gab es aus meiner damaligen Sicht unzählige Gründe. Mein Leben war verpfuscht, ich hatte alle Menschen, denen ich etwas bedeute, enttäuscht und wie Dreck behandelt. Ich sah aus wie ein Penner, war total abgemagert, einfach eine jämmerliche Gestalt. Und der Hauptgrund: Wenn ich mich einweisen lasse, gestehe ich final, Alkoholiker zu sein. Ich begebe mich in fremde Hände von Leuten, die mich sicherlich für den letzten Asozialen halten, denn es gibt sicherlich niemanden, der so tief gesunken ist wie ich. Und ich hätte an dem Dienstag nichts trinken können, dies hätte ich aber nicht als Mangel empfunden, wenn ich tot wäre..

Dann aber drehte sich das Bild um 180°, ich bin quasi aus der Wanne gestiegen und habe einen Blick auf den Typen geworfen, der da mit dem Messer in der Hand lag. Der undankbar sein Leben wegwerfen wollte, der sich schlichtweg verpissen wollte vor der Verantwortung für sein Leben, vor der Verantwortung, Dinge bei anderen Menschen, vor allem bei meiner Freundin, zu heilen, die er kaputt gemacht hatte. Da der Alkohol dafür da ist, den Menschen kaputt zu machen, hätte der Alkohol gewonnen. Es entwickelte sich im Bruchteil einer Sekunde ein abgrundtiefer Hass auf dieses Teufelszeug und auf einmal war wie aus dem Nichts die alte Kraft wieder da, die mich in all den Jahren in schwierigen Situationen so oft ausgezeichnet hat.

Also bin ich dann raus aus der Wanne, habe das Messer in die Ecke geworfen, den RTW angerufen. Habe mich angezogen und auf den RTW gewartet. Die Gefühle waren zwiespältig, ich wusste ja nicht, was mich erwartet.

Wer in geselliger Runde viel saufen kann, ist ein Held. Wer Alkoholiker ist, ist stigmatisiert. Dachte ich…

Dann kam der RTW und die Jungs verfrachteten mich nach Langenberg. Meine Scham wurde mir sofort genommen, denn für die Jungs war die Tour nix ungewöhnliches, sie fahren laut eigener Aussage 3-4 Leute pro Woche dahin…

Wir waren sofort per Du und der eine meinte, dass es schon ein harter Film sei, den ich gerade fahre, aber dass sie schon ganz andere Leute gesehen hätten. Alles wird gut, wir fahren Dich jetzt erst mal in die Klinik….

Dort angekommen wurde ich aufgenommen. Der eine der RTW-Leute hatte sich Notizen gemacht von meinem Wannenbad und dem Ausbeinmesser, so dass ich dann zunächst vom diensthabenden Psychiater interviewt wurde, ob ich denn noch vor hätte, meinem Leben ein Ende zu setzen. Außerdem durfte ich pusten und hatte 1,66 Promille. Da der Psychiater der Meinung war, dass ich zwar stinkbesoffen war, aber nicht mehr vorhatte, mich umzubringen, kam ich auf die normale Station, für die erste Nacht dann ins „Aquarium“.

Dies war der Beginn der Trockenheit.

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 23.01.2018, 15:17

Hallo Thomas,

willkommen hier im Forum,

danke für die offenen Worte deines Weges in den Tiefpunkt. Und für das schonungslose Beschreiben was die Sucht aus dem Menschen macht um nur an seinen Stoff zu kommen.
Dies war der Beginn der Trockenheit.
wie sieht es gerade bei dir aus ? Was machst du um trocken zu bleiben? Nur nicht Trinken reicht ja nicht aus.

Gruß Hartmut

Barthell
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Beitrag von Barthell » 23.01.2018, 15:45

Hallo Thomas,

auch von mir, willkommen im Forum!

Ich finde es sehr stark wie offen du hier schreibst und zeigst wie facettenreich der jeweilige persönliche Tiefpunkt sein kann.

Auch die Beschreibung was Alkohol im Kopf anrichtet (Alkohol wichtiger als Kinder/Familie)

Danke dafür!

Wie sieht es sonst bei dir aus? hast du eine "normale" Entgiftung gemacht oder gab es eine qualifizierte Entgiftung wo man eben neben dem rein körperlichen auch die psychischen Dinge anfängt auf zu arbeiten um dann im Anschluss weiter machen zu können?

(Habe beides schon gelesen, darum frage ich, bei meiner Klinischen Entgiftung lag ich glaube ich 4-5 Nächte auf dem Gang ....


Was hast du bisher sonst ausser der Entgiftung den noch in Angriff genommen für deine "neues" Leben?

Grüße

Barthell

Hans im Glück
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Beitrag von Hans im Glück » 23.01.2018, 15:56

Hallo Thomas,

herzlich Willkommen hier im Forum.
Ich wünsche dir einen guten Austausch.
Es gibt eine große Menge an Erfahrungen, die du hier nachlesen kannst, u.a. auch die Grundbausteine für ein trockenes Leben.
Auch gibt es hier eine SOS Funktion, wenn dein Leben aus den Fugen gerät.

Es ist wunderbar, dass du dich für das Leben, für ein neues, trockenes Leben entschieden hast.

Ich wünsche dir dabei allen erdenklichen Erfolg.

Es lohnt sich!

Liebe Grüße
Hans

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 23.01.2018, 16:26

Hallo,

ich habe einen stringenten Weg, der etwas länger zu beschreiben ist, bin aber dran... Nur Geduld....

Mein Schlüssel ist der Verstand, der mir klar sagt, dass es schlecht für mich ist, Alkohol zu trinken. Und noch so manch anderes, was ich Euch nicht vorenthalten werden...

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 23.01.2018, 17:09

Vorab: Mir tut es sehr gut, über die geschehenen Dinge zu schreiben und die erneute Konfrontation mit den Erlebnissen lässt mich so manchen neuen Ansatz finden, die Ursachen für meinen Absturz zu finden und so weiter trocken zu bleiben.

Das Aquarium ist ein Zimmer, welches direkt an das Schwesternzimmer angrenzt. Die Wand zum Schwesternzimmer besteht aus einer großen Glasscheibe und man ist permanent unter Beobachtung, was sicher in meiner damaligen Situation nicht verkehrt war.

Beim Einzug ins Aquarium lernte ich meinen ersten Mitpatienten kennen, nennen wir in B. B zog gerade aus dem Aquarium aus und hatte seine ersten zwei Nächte überstanden. Er sollte mir während meines Aufenthaltes ein wichtiger Freund werden, ich umgekehrt genauso, was mir da aber noch nicht klar war.

Wir begrüßten uns und B fragte mich, ob ich zum ersten Mal hier sei. Die Frage überraschte mich, denn in meiner Welt ging man einmal in eine solche Einrichtung und war danach mit dem Thema fertig. Man kann sich ja auch nur einmal den Blinddarm rausnehmen lassen und niemand würde einen auf der Inneren fragen, der wievielte Blinddarm das denn ist, der nun entfernt werden soll…

Wie süß naiv von mir, oder? Hatte halt null Ahnung…

B war zum 11. Male da, was mich echt erstaunte. Er verließ dann aber das Zimmer, ich habe mich dann hingelegt und zwei Stunden gepennt. Ich hatte keine Gedanken und hatte mich der Situation einfach ergeben…

Als ich dann aufwachte, bin ich zum Rauchen raus. Da stand dann B mit anderen Mitpatienten (MP) und ich kam mit denen ins Gespräch. Mir ist es nie schwer gefallen, Leute kennen zu lernen. Seitens der Mitpatienten gab es nur zwei Fragen:
a) Wie oft warst Du schon hier?
b) Wie viel Promille hattest Du, als Du hier ankamst?

Ich erteilte Auskunft, nannte meine 1,66 Promille, die ich für sehr massiv hielt. Manche hatten jedoch bei Einweisung >4 Promille und manche waren zum 30. Mal da, manche wussten gar nicht mehr, wie oft sie in Langenberg zur Entgiftung waren. Da dies alles für mich Neuland war, war ich doch sehr erstaunt. Einige MP waren gelb im Gesicht, da die Leber wohl schon sehr angeschlagen war. Andere zitterten und waren nicht in der Lage, sich selber eine Zigarette anzuzünden.
Was mir sehr gut tat war das Gefühl, Leidensgenossen getroffen zu haben. Jeder redete offen über seine Alkoholkarriere, nichts wurde tabuisiert. Manche hatte durch die Sauferei bedingt sogar Knasterfahrung etc. Während des ganzen Aufenthaltes habe ich nur nette, freundliche MP kennengelernt, egal, wie weit der Alkoholismus fortgeschritten war, wie mies die gerade drauf waren oder was auch immer passiert war. Mich hat es sehr überrascht, dass in dem Umfeld, wo jeder auf Entzug war, keinerlei Aggression den anderen MP gegenüber herrschte.

Ich bin dann wieder auf mein Zimmer und habe mich aufs Bett gelegt und die Gedanken rasten. Ich hatte so viele Eindrücke und Infos von meinen MP bekommen, diese mussten nunmehr verarbeitet werden. B kannte ich ja, war ja mein erster Kontakt, aber wie hieß noch der dicke kleine Typ, wie der mit den durchtätowierten Armen mit den 4 Promille?

Auf einmal hatten alle MP nur einen Namen, nämlich Thomas.

Für mich waren die anderen MP alle Stufen meiner Säufer-Evolution. Wenn ich weitertrinke, bin ich in zwei Monaten da, wo MP x ist, in 4 Monaten da, wo y ist und in einem halben Jahr geht es mir wie z.

Ich habe und hatte für jeden der MP Mitgefühl, aber dennoch waren mir viele ein sehr abschreckendes Beispiel und eine klare Option, so zu werden oder eben nicht so zu werden. 40 x Entgiftung zu machen oder eben nur 1x. Ich hatte während meiner Saufphase immer genug Geld für Alk, aber hätte ohne Probleme auch geklaut oder evtl. einen Überfall begangen, wenn ich pleite gewesen wäre und Alkohol gebraucht hätte. Dies wurde mir da bewusst.

Es folgten dann die üblichen Dinge wie Pusten, Blutdruckmessen, Blutabnahme etc. und ich war dabei, mich daran zu gewöhnen, nunmehr eben im Krankenhaus zu sein.

Es war vielleicht 17 Uhr und ich beschloss, meine Freundin anzurufen. Ich war mir sicher, dass sie mich auslachen würde oder das Gespräch sofort beenden würde, denn sie hatte mir vor der Eskalation oftmals gesagt, ich solle mir Hilfe holen. Stattdessen hatte ich sie ja rausgeschmissen, war nunmehr auf eigenen Wunsch in der Klapse und nun kam ich angekrochen….

Genau das Gegenteil war der Fall. Sie brach in Tränen aus und war unendlich froh, dass ich diesen Schritt gegangen war. Sie ließ mich wissen, dass sie mich unendlich liebt und noch niemals zuvor hat dies wohl ein Mensch ernster gemeint. Und noch niemals zuvor hat mir ein Satz so viel Kraft gegeben. Wir haben vielleicht 3 Minuten telefoniert und vereinbart, am nächsten Tag wieder zu reden, denn ich war alle durch die ganzen neuen Eindrücke und brauchte Ruhe.

Nach dem Telefonat merkte ich, wie meine Füße kochend heiß wurden. Fast sofort danach eiskalt. Ich hatte unendlich Durst und habe eine Pulle Wasser so weggekippt. Dann pusten uuuuund: 0,0 Promille! Ich hatte schon vorher im Tagesverlauf mehrere Tabletten bekommen und entgegen sonstiger Gewohnheit nicht gefragt, was das Zeug denn ist. Diesmal ja, u. a. edit - Medikamentennamen editiert - edit, soll den Entzug lindern…. Welchen Entzug? Die Frage wurde alsbald beantwortet…

Ich lag auf dem Bett, es klopfte und man brachte mir mein Abendessen. Die anderen MP durften im Speisesaal gemeinsam essen, aber das Fischchen im Aquarium bekamen sein Essen gebracht. Ich war Essen nicht mehr gewöhnt und ein wenig ratlos, hatte so eine Art Hunger und habe dann eine Schnitte Brot mit Wurst gegessen. Das Schmieren der Butter auf die Scheibe fiel mir schwer, meine Hände zitterten. Muss wohl die Aufregung sein, ist ja alles neu… Von wegen….

Nach dem Essen raus, es sind etwa 4° und ich gehe in der Schlafanzugshose eine rauchen, meine MP haben alle normale Sache an und eben auch alle eine Jacke. Mir ist irre heiß. Klar, Du hast ja auch Entzug, ist normal, wird besser… Aber ne Jacke musst Du Dir anziehen. Aber mir ist doch warm…. Auf einmal steht B neben mir, er hat meine Jacke geholt, ich ziehe sie an… Hier passen die Leute offensichtlich aufeinander auf, ein gute Gefühl.

Dann so gegen 20 Uhr ins Zimmer und pennen? Öh nee… Die ganze Zeit ist Betrieb im Schwesternzimmer, Aufnahmen, Patienten, die dies und jenes wollen, klingelnde Telefone. Hat mich aber alles nicht gestört, denn ich fuhr mittlerweile Achterbahn und hatte heftigste Entzugserscheinungen. Ich zitterte am ganzen Leib, fror und schwitze abwechselnd, hatte einen Puls von 150, dann wieder von 60…. War echt extrem und hatte ich noch nie erlebt, denn ich hatte ja immer für Nachschub gesorgt. Bin dann irgendwann eingeschlafen und morgens um 6 aufgewacht.

Der Mittwoch diente dazu, die Einrichtung kennenzulernen. Es waren etwa 38 MP auf der Station, davon etwa 5 Frauen. Für die 33 Männer gab es genau 2 Badezimmer und in Summe drei Toiletten, Mahlzeit.

Leider hatte ich keine Handtücher mit und bin dann zur Schwester mit der Info, dass ich Duschen wolle. Sie guckte ein wenig entgeistert (wieso, sollte ich später erfahren), gab mir ein Handtuch und ich duschte, so wie ich es vor der Hardcore-Sauferei jeden Morgen getan hatte…

Dann raus, eine rauchen, ich war der einzige, der geduscht hatte. Dann die übliche Morgenroutine Blutdruck, Tablettchen, dann Frühstück zum ersten Mal im Speisesaal.

Ich saß mit B und zwei anderen am Tisch und hatte plötzlich Hunger, das Gefühl kannte ich gar nicht mehr. Habe dann ein Brötchen verdrückt und war pappsatt. Der Kaffee schmeckte mies, da entkoffeiniert. Dann folgten die üblichen Termine wie Morgenrunde (hier wird einem der ohnehin bekannte Tagesablauf bekannt gegeben, Teilnahme Pflicht) sowie dann Mittagessen. Zu Mittag habe ich dann einen halben Teller Erbsensuppe gegessen, die andere Hälfte landete leider auf dem Tisch, da ich aufgrund der Entzugserscheinungen nicht in der Lage war, den Löffel ruhig zu halten. Ich zitterte wie Espenlaub. Zwischendurch immer mal wieder mit B eine rauchen, mit den anderen MP quasseln.

Jeder sagt mir, dass Tag 2 der mieseste ist, weil jetzt der Körper merkt, dass es keinen Alk mehr gibt. Wird aber besser, Thomas… morgen sieht die Welt ganz anders aus. Kann nicht sagen, wie oft B diesen Satz zu mir gesagt hat, und er sollte Recht behalten. Aber so schnell geht das nicht…

Ich leide wie ein Hund und der Hass auf den Alkohol wird sekündlich größer. Wir stehen draußen und irgendwelche fremden Leute laufen über den Hof. Ich stelle mir vor, dass einer von denen eine Pulle Wein mit hat und ich dem jetzt gerade meine EC-Karte nebst Geheimzahl im Tausch für die Pulle geben würde. Der Gedanke wird verworfen, weil ich mich im momentanen Zustand nicht an die Geheimzahl erinnern kann, vor allem aber, weil ich dann den Drecksentzug nochmal machen würde.

Langsam aber stetig wachsen die ersten 2-3 Reihen der Mauer, die ich baue, um mich vor Alkohol zu schützen.

Dann Gruppendiskussion, ich bin passiv, da mit mir selber beschäftigt. Die anderen erzählen, wie sie an die Pulle gekommen sind. Manche sind ehrlich, bei manchen sind die anderen schuld. Ich beginne langsam zu verstehen, dass es keine anderen gibt. Nur ich entscheide, ob ich trinke. Dann ist die Gruppendiskussion beendet und wir gehen wieder eine rauchen. Auf einmal kommt eine Schwester und teilt mir mit, dass ich das Aquarium nach einer Nacht verlassen darf.

Ich komme also auf ein 3-Bett-Zimmer, meine dortigen MP sind ein etwa 30 Jahre alter Russlanddeutscher sowie ein etwa 65 Jahre alter Deutschpole. Ich komme mit beiden bestens klar, wie ich mit allen MP bestens klar komme. Beide Zimmergenossen sollten noch eine wichtige Rolle spielen, jeder auf seine eigene Weise.

Ich rufe meine Freundin an, sie ist überrascht, dass ich noch in der Klinik bin, findet das aber super. Sie kennt mich halt und weiß, dass Alphamännchen wie ich so etwas auch gerne in die Tonne treten, wenn dann der Entzug kommt etc. Sie will am nächsten Tag vorbeikommen, was ich aber nicht möchte, da ich mich erst sammeln muss. Wir verabreden den Samstag, da hat sie frei und es ist auch weniger stressig für sie, denn mittlerweile arbeitet sie Vollzeit und hat ne eigene Wohnung, die eingerichtet werden muss.

Der Abend ist da, ich esse diesmal zwei Butterbrote. B lobt mich und nimmt dies als Bestätigung, dass es aufwärts geht, und er hat Recht.

Dann wieder raus zum Rauchen, rumquasseln und schließlich ins Bett. Die Entzugserscheinungen sind nach wie vor da, aber nicht zu vergleichen mit denen der ersten Nacht.

Ich habe mir den Wecker gestellt und dusche wieder als erster. Meine Zimmergenossen pennen noch, als ich zurückkehre. Ich will unbedingt einen vernünftigen Kaffee, aber woher? Also im Nachbarzimmer bei dem Tätowierten löslichen Kaffee geschnorrt und heißes Wasser, denn der Tätowierte hat einen Wasserkocher, was strikt verboten ist, ich hatte dies aber irgendwie mitgekriegt. Der Tätowierte hat auch noch andere Sachen, und meine Frage, wie das denn kommt, dass er alles Erdenkliche hat, was eigentlich verboten ist, wird mit 14 Jahren Knasterfahrung beantwortete, „da lernze sowat“. Soll mir egal sein, ich komme mit dem gut klar…

Also hoch in den leeren Speisesaal, drei Kaffeetassen organisiert und meine Jungs im Zimmer mit frischem Kaffee geweckt, Jungs sind begeistert… Wir trinken den Kaffee, quasseln und ich lerne die Männer kennen:

Der Deutschpole - edit -

Der Russlanddeutsche - edit -

Mir fällt ein, dass ich mich ja umbringen wollte, weil ich der ärmste Mensch der Welt bin, obwohl ich kein schwerstbehindertes Kind habe, nicht im Heim aufgewachsen bin etc. Alle meine Probleme sind von mir selber verursacht. Ich schäme mich vor mir selber für die Maßlosigkeit meines Selbstmitleids angesichts des Schicksals meiner Zimmergenossen. Aus dies münze ich wie so viel anderes in Ansporn um. NIE WIEDER ALK_LETHARGIE.

Dann das Übliche wie Blutdruck etc., dann Frühstück, diesmal 2 ½ Brötchen fett mit Leberwurst, B ist stolz auf mich und freut sich….

Dann verschiebt sich die Morgenrunde, wir rauchen, quasseln und ich gehe aufs Zimmer, wo gerade der Deutschpole mit der Stadt telefoniert. Ich merke, dass er überfordert ist, hingehalten wird und er verzweifelt. Er beendet das Gespräch und blickt zu Boden. Ich frage ihn, worum es denn konkret geht, es geht darum, dass - edit -

Ich bin vollkommen am Ende und total lethargisch in Langenberg angekommen. Auf einmal trifft mich der Blitz, ich sage ihm, er soll nochmal die Nummer bei der Stadt anrufen und auf Lautsprecher stellen. Die Dame meldet sich, ich nehme den Hörer und teile mit, dass Herr x mich legitimiert hat, in seinem Namen anzurufen. Mein Zimmergenosse bestätigt dies und - edit -

Vor der Sauferei waren solche Gespräche meine leichteste Übung, als Alki habe ich stellenweise nicht mal mehr die Post aufgemacht.

- edit -

Ich habe einem Menschen geholfen. Gutes, sehr positives Gefühl!

Vorher allerdings war der normale Ablauf, diesmal habe ich reichlich zu Mittag gegessen. Auf einmal fiel mir ein, was ich denn alles geleistet hatte an diesem halben Tag, sprich für meine Jungs Kaffee organisiert und eben dem Deutschpolen geholfen, einfach so…

Ich sehe aus wie ein Zottel, denn ich war sicher 3 Monate nicht mehr beim Friseur. Also beschließe ich, in die Stadt zum Friseur zu gehen. Zeit genug ist ja, denn die Gruppenrunde fällt aus. B sage ich nix davon, denn ich habe Angst, mit ihm zusammen zu gehen und dann rückfällig zu werden. Es ist mir absolut verboten, in die Stadt zu gehen, denn ich bin erst kurz da. Ich empfinde dies als Gängelung, wenn überhaupt, darf ich nur mit einem MP in die Stadt. Dies finde ich dann mehr als lächerlich, denn gerade mit einem MP wäre die Gefahr eines Rückfalls erheblich höher.

Der wahre Hintergrund, warum man nicht alleine in die Stadt darf, ist, dass man unterwegs einen Krampf kriegen kann. Dies wird mir aber erst bei meiner Rückkehr eröffnet. Danke dafür!

Also ab in die Stadt, sind so 3 Kilometer. Es schneit, macht aber nix. Auf dem Weg treffe ich nach etwas mehr als der Hälfte einen MP, der seine Tasche in der Hand hat und mich fragt, ob ich weiß, wo der Hauptbahnhof ist. Kann ich ja nicht wissen, war ja noch nie da…. Der MP ist einer der härtesten Fälle, die dort waren. Er lässt mich wissen, dass er abgehauen ist und nun nach Hause fährt und fragt mich, was ich denn hier suche. Ich sage ihm, dass ich zum Friseur will, ihn aber gerne zurückbringen kann, was er ablehnt. Ich rede auf ihn ein, sage ihm erneut, dass es mir egal ist, wenn ich nicht zum Friseur gehe und wir gerne zurückgehen können. Er lehnt erneut ab. Wir nähern uns dem Bahnhof, dort stehen Taxis und ich biete ihm an, dass wir auch mit einem Taxi zurück in die Klinik fahren können, kein Problem. Er lehnt erneut ab. Ich wünsche ihm alles Gute, gehe weiter, da ich keine Chance sehe, und sehe noch im Augenwinkel, wie er in den Bahnhofskiosk geht… Was er da wohl gekauft hat…

Für mich war dieses Treffen eine eindringliche Warnung und ein Beweis dafür, dass der eigene Wille essentiell für den Entzug ist. Mich hat dies unendlich traurig gemacht, war aber auch wieder ein Evolutionserlebnis, denn auch ich kann so enden…. Und dies jederzeit und für den Rest meines Lebens!

Dann beim Friseur rein und Haare schneiden lassen, auf einmal sah ich aus wie ein Mensch. Es ist ja nix Dolles dabei, zum Friseur zu gehen, aber für mich war dies der schönste Friseurbesuch meines Lebens….

Dann raus und eine Rauchen, kaum noch Zigaretten…. Gegenüber ist ein Supermarkt. Mehr geht nicht, oder?
Also rein in den xxx, die Zigaretten sind vorne an der Kasse. Ich hasse es, mich anzustellen, die Kasse war aber leer und die Kassiererin wartete auf Kunden. Die erste Idee war, einfach drei Schachteln zu kaufen, zu bezahlen und dann so schnell wie möglich raus aus!

Habe ich dann aber verworfen. Bin durch den ganzen Laden, habe zwei Gläser löslichen Kaffee gekauft, eines für meine Jungs und mich und eines für den Tätowierten. Ich hatte das Gefühl, dass ich ihm Kaffee schulde und außerdem trotz mangelnder Knasterfahrung die Idee, dass er mir für den Kaffee jeden Morgen unbegrenzt heißes Wasser gibt…

Im Laden dann ganz langsam am Alkregal vorbei und genau zugehört, was denn in mir ablief. Ich war ganz alleine, hatte genug Kohle für 20 Pullen in der Tasche….

Aber ich hatte keine einzige Sekunde den Gedanken, mir Alkohol zu kaufen. Niemand hätte mich gehindert, aber ich wollte es einfach nicht. Ich hatte eine Mischung aus Desinteresse und Ekel vor dem Zeug. Kein Zittern, kein Denken: Soll ich oder nicht???

Hab dann die Zigaretten gekauft und zusammen mit dem Kaffee bezahlt und bin zurück Richtung Klinik. Ob gegangen oder geflogen kann ich Euch nicht sagen, denn ich hatte mich lange nicht mehr so stark und wach gefühlt wie an diesem Tag.

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 23.01.2018, 17:40

Hallo Thomas,

schreiben befreit das kann ich auch sagen.

Aber bitte vergesse nicht das du dich im offenen Bereich des Forums befindest und eventuell ein Wiedererkennungswert dadurch da ist. Vielleicht etwas weniger so detailliert schreiben.

Danke Hartmut

Linde66
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Beitrag von Linde66 » 23.01.2018, 19:58

Hallo Thomas,

ich finde es gut, wenn du reinen Tisch machst. Aber paar Regeln gibts hier bei uns im Forum auch, genau wie in deiner Entgiftungsstation. :wink:

Bitte keine Markennamen, keine Medikamentennamen, keine Firmennamen und auch keine Supermarktnamen schreiben.

Außerdem habe ich die detaillierten Beschreibungen deiner Mitpatienten gelöscht. Es ist deine Sache, daß DU über DICH so offen im öffentlichen Internet postest. Aber manch anderer mag nicht wiedererkannt werden. Ob deine Freundin das möchte? Du hast dich mit Namen, Wohnort und Entgifungsort angemeldet. Manch einer mag dich oder sie erkennen.

Wie schon mehrfach geschrieben: Bitte achte auf den Wiedererkennungswert anderer Menschen und schreibe etwas allgemeiner, wenn es um Dritte geht.

Ich hoffe, du fühlst dich jetzt nicht gegängelt, gestresst, unverstanden, übergangen, nicht gewertschätzt oder sowas ähnliches. Vertrau einfach darauf, daß es in unserer SHG genau wie in deiner Entgiftungsstation auf langjährigen Erfahrungen beruht, wie wir das hier handhaben, o.k.?

LG, Linde

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