Raus aus alten Mustern

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
CoA12307
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Raus aus alten Mustern

Beitrag von CoA12307 » 09.02.2018, 15:18

Hallo,

Vielleicht kann die Eröffnung dieses Themas mir helfen, aus der Co-Abhängigkeit rauszukommen.

Nach dem Ende meiner langjährigen Beziehung zu einem Alkoholiker fühlte ich mich einige Jahre einsam und leer, bis ich mich wieder in einen Alkoholiker verliebte.
Am Anfang war alles toll. Ich schwebte auf Wolke sieben. So viel Humor, Zuwendung, Charme usw. Er hat mich monatelang fast jeden Tag angerufen und wir haben uns alle zwei Wochen getroffen. Er hat auch noch andere Frauen aber das macht mir nichts. Seit Oktober, nach einem sehr schönen Treffen, hat er mich dann plötzlich garnicht mehr angerufen. Nach Monaten war klar wiso: Weil ich nicht bereit war, gewisse intime Gefälligkeiten zu erweisen. So etwas kam in meiner Vergangenheit schonmal vor, und ich habe versucht, die Beziehung zu retten und dabei meine Selbstachtung verloren. Dann ging die Beziehung trotzdem sehr schmerzhaft zu Ende. Ich habe mir geschworen, so einen Fehler nicht noch einmal zu machen. Darum muss ich diesen Mann jetzt gehen lassen. Aber es ist sehr schwierig für mich. Immer wieder nehme ich Kontakt zu ihm auf und habe Hoffnungen und Träume. Aber ich weiß, dass er mir nur wehtun wird.
Das Problem ist, dass ich aggressive Männer meistens sehr aggressiv sind und meistens auf solche abfahre, bei denen klar ist, dass sie mir sehr wehtun könnten. Da war noch ein anderer Mann. Er war liebevoll, aufmerksam, hat mich zum essen und zu gemeinsamen unternehmungen eingeladen und alles. Aber irgentwie komme ich mit so einer Form der nettigkeit nicht richtig gut klar. Es macht mir einfach Angst und ich finde es befremdlich. Manchmal habe ich den Eindruck, meine Co-Abhängigkeit ist auch eine Sucht nach Schmerzen. Ich versuche jetzt alles, um auf den Mann, der mich irgentwie erpresst oder mit mir sachen machen will, die für mich nicht in frage kommen, nicht mehr reinzufallen. Ich habe festgestellt, dass spannende Computerspiele mir helfen, ihn für ein paar Stunden zu vergessen. Aber es ist ganzschön schwer. Ich habe im Internet gelesen, dass es beim Umgang mit einem Alkoholiker wichtig ist, sich nicht physisch oder psychisch von ihm missbrauchen zu lassen. Missbrauchen heisst, erniedrigung zu verstärken.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 09.02.2018, 21:27

Hallo und herzlich willkommen CoA,

das, was du schilderst über deine Erfahrungen mit Männern, das hat im Grunde nicht hauptsächlich was mit Alkoholikern zu tun. Es gibt ja auch Menschen, die ihre bestimmten Neigungen ausleben mit Personen, die sich darauf einlassen. Da steht nicht unbedingt Alkohol im Mittelpunkt.

Für mich liest sich dein Beitrag so als hättest du den Zwang, dir wehtun zu lassen, dich erniedrigen zu lassen. Du fährst auf aggressive Männer ab. Normalos machen dir Angst. Da lebst du irgend ein bestimmtes Muster, etwas Vertrautes. Aber sehr Selbstzerstörerisches.

Hast du schon mal überlegt, dich einem Psychologen anzuvertrauen? Deine Problematik scheint sehr tief zu gehen.

Coabhängigkeit ist eine Störung, ausgelöst durch die vermeintliche Hilflosigkeit und Unbeholfenheit des Alkoholikers. Da wird ein Helfersyndrom ausgelebt, dass den Co sich besser, gebraucht und wichtig fühlen lässt. Das ist eine gewisse Art Machtgefühl, das da entsteht. Dem Süchtigen unbedingt helfen und ihn aus dem "Schlamm" ziehen zu müssen. Weil niemand anderes das kann.

Das hat was mit sehr geringem bzw, erst gar nicht vorhandenem Selbstwertgefühl zu tun. Unter anderem. Aber ich weiß nicht ob da immer unbedingt das Wehtun und Erniedrigen an erster Stelle stehen. Zuerst geht es darum, sich wichtig und gebraucht zu fühlen. Das Wehtun ist dann eine Folge der kranken Beziehung, das Erkennen des Cos, dass er da machtlos ist und trotzdem nicht mehr aus dem Strudel raus kommt. Und doch nicht aufhören kann den Alkoholiker um jeden Preis retten zu wollen.

Du schreibst:
Ich habe im Internet gelesen, dass es beim Umgang mit einem Alkoholiker wichtig ist, sich nicht physisch oder psychisch von ihm missbrauchen zu lassen. Missbrauchen heisst, erniedrigung zu verstärken.
Das stimmt, aber es trifft nicht nur beim Umgang mit Alkoholikern zu sondern generell mit Menschen...

Vielleicht fällt dir noch etwas anderes ein als spannende Computerspiele zu spielen. Rausgehen und sich mit Freunden treffen, gemeinsam was zu unternehmen. In's Kino gehen oder so.

Hast du denn noch andere Hobbies?

Viele Grüße
Aurora

CoA12307
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Beitrag von CoA12307 » 10.02.2018, 14:37

Die Aggressivität kenne ich aus meiner Familie. Da haben Coabhängige Personen teilweise aggressives und verletzendes Verhalten von Alkoholikern übernommen. Ich war während meiner letzten Beziehung zum Alkoholiker in Therapie. Es ging irgentwie immer nur darum, dass man mir sagte, ich solle mich trennen, aber ich weigerte mich. Person aus meiner Familie Boykottierte erfolgreich meine ersten analytischen Therapieversuche aus Angst, dass die Therapie diese Person angreifen könnte. Da war ich noch ein Teenager (eigentlich ein Kind, etwa 15) und gerade in einer schädlichen und intimen Beziehung mit einem Gewalttätigen Sohn eines Problemtrinkers. In diese Beziehung hat Person mich gelenkt, wenn auch mit guten Absichten. Aber mit naiver Blindheit.

Ein Glück ist das Helfer Syndrom bei dem jetzigen Alkoholiker kein Teil der Coabhängigkeit. Denn er steht mit beiden Beinen im Leben und ist alles andere als Hilflos. Eigentlich hat er alles was er will im Leben: Freunde, Frauen, Erfolg in der Arbeit. Das ist auch der Grund warum ich trotz seines Alkoholkonsums den Mut fassen konnte, auf ihn zu zu gehen. Ja, aggressive Männer finde ich leider meistens attraktiv.

Aber mein Selbstwertgefühl ist der Knackpunkt. Für mich ist Teil der Coabhängigkeit auch, dass ich süchtig bin nach dem Gefühl der Selbstbestätigung. Ich habe den Eindruck, wenn ich mit Alkoholikern zu tun habe, dann finden die mich an einem Tag ganz ganz toll und am nächsten Tag wieder ganz ganz furchtbar. Und daran hänge ich mich am liebsten auf. Ich vernachlässige mich selbst und fange an, mich immer mit ihm und seinen Bedürfnissen zu beschäftigen.

Heute habe ich ihm wieder gemailt. Und seine Nachricht gelesen. Ich bin ganz traurig. Hobbies, naja. Ich bin gerade in der Prüfungs Abschluss Phase. Vielleicht sollte ich bald mal wieder im Wald spazieren gehen. Ich Isoliere mich auch oft. Weil ich kann mich in Beziehungen zu anderen Menschen oft nicht abgrenzen. Und manchmal verhalte ich mich verletzend. Da habe ich einfach Schwierigkeiten. Ich lerne jetzt weiter. Bis dann und schönes Wochenende

Aurora
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Beitrag von Aurora » 11.02.2018, 14:14

Hallo CoA,

da du diese Aggressivität aus deiner Familie kennst lebst du nun ständig dieses vertraute Muster. Es scheint sehr, sehr intensiv in dir drinnen zu sein. Und obwohl du dich damit ja schädigst lebst du es, einfach, weil es dir so vertraut ist. Und das bedeutet auch Sicherheit. Obwohl diese ganze Sache eben in hohem Maße schlecht für dich ist. Du bist wie magisch von solchen Menschen, die aggressiv sind, angezogen. Weil du es nicht anders kennst. Es ist für dich "normal", dass so miteinander umgegangen wird.

Na klar spielt da der Selbstwert die große Rolle. Was bist du dir wert? Wo ist deine Schmerzgrenze? Hast du überhaupt eine? Du bist unterwürfig, ein Opfer. Du lässt dich wieder und wieder dazu machen. Wieder und wieder lebst du dieses alte Muster... das dir immer wieder bestätigt, dass du es nicht anders verdient hast, nichts wert bist.

Da ist es wichtig, aus diesem alten Muster heraus zu kommen! Dass du erkennst, dass du das nicht verdient hast, dass Menschen so mit dir umgehen. Du hast ein Recht darauf, dass Menschen mit dir respektvoll umgehen und dich achten! Du darfst alles ablehnen, was dich verletzt, körperlich und seelisch! Das ist dein Recht!

Ich drück dir die Daumen für einen guten Abschluss deiner Prüfung.
Und vielleicht kannst du danach etwas mehr auf doch blicken, Schritt für Schritt. Vielleicht auch noch mal eine Therapie machen. Für dich! Für ein Leben. Für dein Leben. Für dein lebenswertes Leben. Das solltest du dir wert sein!

Liebe Grüße
Aurora

CoA12307
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Beitrag von CoA12307 » 11.02.2018, 19:26

Hallo Aurora,

Danke sehr. Heute habe ich alleine eine Probe Klausur geschrieben und alleine korrigiert und sie mit 75% bestanden. Jetzt arbeite ich ein schweres Buch durch aber ich denke ganz oft an ihn und an das euch. Morgen will ich einen ganz langen Spaziergang machen.

Manchmal, wenn es mir gut geht, kann ich das nicht ertragen. Ich denke, ich habe es nicht verdient, dass es mir gut geht. Oder habe dann ein schlechtes Gewissen. Und ich habe angst, dass mich dann wieder irgentwer sowiso wieder wehtut.

Das komische war, Person, die meine erste Therpie torpediert hat, hat mich später zu einer Therapeutin gelenkt, bei der sie selbst in Therapie war. Was eigentlich ein no go ist. Person hat mich auch mal ins Krankenhaus geschickt wegen meinem Verhalten. Dort habe ich mich unauffällig verhalten und mich geweigert meine Verhaltensweisen abzulegen. Ich habe Kontakt zu Person abgebrochen, seitdem geht es mir viel, viel besser.

Ja, für mich waren seit Kind an in der Familie emotionale Schmerzen normal. Und es war normal, wenn jemand mich behandelt hat wie einen Putzlumpen oder einen Punching-Ball, an dem man seine Spannung abbauen kann. Ich kannte überhaupt nichts anderes. Mein Körper hat mit der Zeit die Endorphinproduktion einfach erhöht. Das kann passieren, wenn man Schmerzen hat, dann bildet der Körper Schmerzdämpfer-Hormone, die können süchtig machen. Das ist ein bischen wie bei Unfallopfer, die im ersten Schockmoment keinen Schmerz empfinden können.
In meiner letzten vierjährigen Beziehung habe ich meine Schmerzgrenze kennengelernt. Meine Toleranz endet, wenn man mir körperliche Gewalt antut. Wenn man mich Erpresst. Wenn man seine neue Affaire mit in die gemeinsame Wohnung bringt und im Zimmer nebenan mit ihr feiert. Aber ich möchte ihm keinen Vorwurf machen, nein! Ich habe selber die Verantwortung: Ich hätte die Wohnung verlassen sollen, ins Frauenhaus gehen, dort warten. Ihn bitten, einfach auszuziehen. Stattdessen bin ich ausgerastet und wollte ihn wieder zurückerobern. Aber wir konnten uns dann in Frieden trennen und der anständige Mann, der auch unter meinem aggressiven Verhalten furchtbar litt, hat sogar die Rechnung für die kaputte Tür bezahlt.
Jedenfalls habe ich meine Schmerzgrenze gefunden: Wenn jemand meine Intimen Grenzen nicht respektieren möchte, dann soll er gehen.

Natürlich darf ich ablehnen, was mich verletzt. Aber ihm zuliebe habe ich sogar nette Männer abserviert und ich habe alles andere und mich selbst vergessen, ich habe keine Beziehungen gepflegt, keine Freunde. Ich fühle mich fast von dem Neuen Kerl abhängig. Weil ich keine angenehme Alternative habe. Und manchmal denke ich sogar darüber nach, ob ich ihm nicht meine selbstachtung geben soll, damit er wieder kontakt zu mir hat....aber das ist VÖLLIGER BULLSHIT. Nein ich muss lernen und mich ablenken und schöne sachen machen. Ich will mich nie mehr erpressen lassen. Bisher habe ich nichts gemacht was meine Grenzen überschreitet und alles war so wunderschön. Obwohl es ein Alkoholiker ist. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Ich lern jetzt weiter.

Ziele
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Beitrag von Ziele » 12.02.2018, 13:57

Liebe CoA

es tur mir in der Seele weh, was du da schreibst. Es gibt ein Buch, was ich dir empfehlen möchte, allerdings gibt es das nur auf Englisch. Ich empfehle es aus dem Grund, da ich mit Aufarbeitung der Vergangenheit, sprich Psychotherapie nicht weitergekommen bin, im Gegenteil ich hatte durch das extreme rumbohren in der Vergangenheit Panikattacken bekommen. Ich habe zwar durch das Aufarbeiten verstanden warum bei mir diese Muster sind, aber habe (für mich) auch gelernt, dass mir es mir nicht weiter hilft, sondern ich im hier und jetzt die Dinge angehen muss, anstatt mich ewig und drei Tage mit der Vergangenheit zu befassen. Das Buch heißt Psycho Cybernetics und ist von Maxwell Maltz. Sofern dich das Buch interessiert, gibt es eine Sache die ganz wichtig ist: Du musst genau wissen was du willst in deinem Leben und das was im Buch steht umsetzten, sonst kannste die Sache knicken.

Lg Ziele

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Beitrag von CoA12307 » 12.02.2018, 14:59

Liebe Ziele,
Von Psychotherapie halte ich momentan nichts. Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren und mich lernen zu entspannen.

Heut hab ich wieder das Handy gecheckt, keine Nachricht von ihm. In meinen Emails, wieder von ihm nur die gleichen üblen Forderungen.

Ich habe mich für meine Selbstachtung entschieden. Auch wenn es so schön war wie er mich verwöhnte und mir das Gefühl gab, begehrenswert und liebenswert zu sein, sollte ich froh sein, dass ich den Schlussstrich schaffen kann. Es ist echt schwer und dauert bestimmt noch lange.

Ich kann auch nicht in den wald spazieren gehen weil ich nur an ihn denke und dann ganz traurig werde. Lieber lernen und den Kopf beschäftigen.

Wenn ich dann endlich mal zeit und geld habe und die Prüfung vorbei sind, kann ich vielleicht schöne sachen unternehmen und Leute kennenlernen. VIelleicht männer, die nicht solche forderungen stellen.

Ich habe mir Zigaretten gekauft. eigentlich rauche ich nicht. Aber ich hab ds Gefühl, ich kann den Trennungsschmerz sonst nicht verkraften.

Hoffe du hast einen schönen Nachmittag :-)

Danja
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Beitrag von Danja » 13.02.2018, 22:53

Hallo CoA,

ich habe Dir gerade schon bei "Ziele" geschrieben und bin jetzt nachdem ich hier bei Dir gelesen habe echt schockiert. Ehrlichgesagt, ist ein nicht gewalttätiger und nicht übergriffiger Alkoholiker bei dem "Beutemuster" das Du hast fast schon ein Glücksgriff...

Bitte, bitte bleib bei Deiner Entscheidung. Der Mann den Du da am Wickel hast säuft nicht nur, er versucht auch Deine Grenzen zu überschreiten und klingt für mich ziemlich soziopathisch.

LG!

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